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Nr. 19.
Mitieldenische Sountagssgeitung.
Seite 5.
schlechter war Lauterbach vertreten. Das ist doch be—⸗ schämend für Lauterbach, wo dort eine Gewerkschaft besteht(die Hutmacher) und diese halten es nicht für nötig, die Maffeler zu besuchen. Wir wollen hoffen, daß sich die Lauterbacher Genossen nächsten Sonntag zahlreicher beteiligen. Wir werden gewiß außer den Gießener Genossen noch einen Redner bekommen können, um unsere Maifeser würdiger zu gestalten als am ver⸗ gangenen Sonntag, damit wir unserer Partei auch neue Anhänger zuführen.
(Anmerkung. Solche Vorkommnisse sind gewiß sehr peinlich und bedauerlich. Total falsch ist es aber, wenn hier den Gießener Genossen nachgesagt wird, sie hätten die Alsfelder im Stich gelassen. Dr. Michels, der eingeladen worden war, teilte Sonntag Mittag seine Verhinderung telegraphisch mit und in Ersatz konnte hier nicht gefunden werden zumal Gen Beckmann, der hätte einspringen können, erkrankt war. Die Alsfelder hätten sich ebenso wie die Wiesecker und Steinberger Genossen, deren Referenten auch ausblieben, selber helfen sollen. Dann muß man sich früher für einen Redner sorgen, nicht erst in den letzten 24 Stunden. D. R.)
Aus dem Rreise Wetzlar.
Flugblattverteiler werden jetzt sehr viele ge⸗ braucht. Die Genossen wollen sich möglichst zahlreich bei dem Vertrauensmann Fauth, Lahnpförtchen, melden.
X, Durch Verfügung des Justlzministers soll das hiesige Amtsgerichtsgefängnis, welches sich neben der Franziskanerschule befindet, durch Umbau erweitert werden. Damit wären alle Vorstellungen seitens der Stadt⸗ verwaltung, die eine Verlegung des Gefängnisses in die Nähe des Amtsgerichts zum Ziel hatten, abgelehnt. Der widerwärtige Gefangenentransport durch die Haupt⸗ straßen der Stadt wird also in absehbarer Zukunft weiter bestehen. Da zu dem Umbau nur 6— 7000 Mk. angewiesen sind, so sollen die Arbeiten durch Straf⸗ gefangene, welche aus Werden a. d. Ruhr bezogen werden, ausgeführt werden. Es werden demnach zum Schluß nicht nur das Gefängnis, sondern auch die einschlägigen Handwerker der hiesigen Gegend erbaut sein.
n. In Wißmar fand am Donnerstag(30. April) eine zahlreich besuchte Wählerversammlung im Saale des Herrn Wolf statt, in der Genosse Vetters in ausführlicher Weise über die bevorstehenden Reichstags⸗ wahlen sprach. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den Darlegungen des Redners und spendeten am Schlusse lebhaften Beifall. Gegner meldeten sich auch hier nicht zum Wort. Dafür hatten sie aber schon vorher ihre Wut an den Plakaten ausgeübt, die fast alle abgerissen wurden. Das ist nun zwar sehr kleinlich, aber solcher Mittel im Kampfe gegen die Sozialdemo⸗ kratie schämen sich die Ordnungsleute nicht.
P. Stöcker versammlung. Am Montag fand im Blecher'schen Saale in Dillenburg eine von den Christlich⸗sozialen einberufene Wählerversammlung statt, die von ca. 400 Personen besucht war. Der teure Gottesmann war in Assistenz des Herrn Dr. Burck⸗ hardt aus Godesberg erschienen, der den 5. nass. Wahlkreis für die Christlichsozialen erobern möchte. Nachdem dieser sein Sprüchlein hergesagt und dabet den Zollwucher„gerechtfertigt“ hatte, hielt Stöcker eine lange Rede. Eigentümlicherwelse beschäftigte er sich fast aus⸗ schließlich mit der Sozialdemokratie und dem Jesuiten⸗ gesetz. Das mußte insofern auffallen, als in diesem Kreise doch die Nationalliberale als Hauptgegner in Frage kommen, die auch zahlreich in der Versammlung vertreten waren. Einer ihrer Redner sprach denn auch seine Verwunderung über die Stöcker'sche Rede aus. Sonst sagte Stöcker nicht viel Bemerkenswertes. Bei dem Jesuitengesetz erklärte er, geistige Bewegungen ließen sich nicht mit Polizei⸗ und Gewaltmaßregeln unterdrücken,. Gut. Warum hat aber dann Stöcker für das Sozialisten⸗ gesetz gestimmt? Ferner sagte er, die Sozialdemokratie habe mit den Attentaten von 1878 nichts zu tun gehabt. Sehr richtig; warum haben aber Stöcker und seine Leute, die konservativen und„christlich n“ Blätter uns den Hödel und den Nobiling stets an die Rockschöße gehängt? Dies fragte Genosse Vetters, der in jener Versammlung zweimal das Wort ergriff und die sozial⸗ demokratischen Ansichten über Zollwucher, Militarismus, Kolonialpolitik, Rechtspflege ꝛc. verfocht. Seine Aus⸗ führungen wurden von einem erheblichen Teile der Versamminng sehr beifällig aufgenommen. Der national⸗ Überale Redner meinte zwar, der unserm Genossen gezollte Beifall sei ein„irouischer“ gewesen, wie will das der Herr aber konstatieren? Jedenfalls mußte die Mehrheit der Versammlung die Darlegungeu unseres Redners als durchaus richtig anerkennen. Dr. Burckhardt hielt es mit seiner christlichen Nächstenliebe vereinbar, unsern allgemein geachteten Genossen Singer zu verdächtigen, indem er ihn für die vor 15 Jahren gefallene, verwerf⸗ liche Aeußerung eines Andern verantwortlich machte. Das tut Burckhardt in jeder Versammlung und gewiß in 20 Jahren auch noch, wenn er und die christlich⸗ soziale Partei bis dahin noch lebt,
Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.
Herr v. Gerlach, der nationalsoziale Kandidat für Marburg, schreibt uns mit Bezugnahme auf die Korrespondenz von Mar⸗ burg in der letzten Nummer:
„Die Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung richtet die Frage an mich, warum ich in der konservativen Versammlung in Marburg Herrn v. Pappenheim nicht entgegengetreten sei. Ich bemerke dazu, daß ich infolge einer früheren Zusage verpflichtet war, an dem Tage eine Versammlung zu Gunsten der Kandidatur Naumanns im Fürstentum Lübeck abzuhalten, und daß sich eine Aende⸗ rung nicht mehr vornehmen ließ, weil die konservative Versammlung erst sehr spät an⸗ gezeigt wurde. Uebrigens halte ich es auch im Allgemeinen für zwecklos, in konservative Versammlungen zu gehen, da ich dort doch nur, wie es mir in Frankenberg passierte, 10 Minuten Redezeit erhalte.
Ein Irrtum der Mitteldeutschen Sonntags⸗ Zeitung ist es, wenn sie meint, alle anderen Parteien müssen ihre Flugblätter gegen Ent⸗ geld durch Dienstmänner und Frauen ver⸗ breiten lassen“. Ich brauche für die Ver⸗ breitung meiner Drucksachen keine bezahlten Kräfte.“
St. Maifeier. Eine äußerst zahlreich, auch von Frauen besuchte Versammlung war es, die am letzten Samstag abend fast sämtliche Räume des Jesberg'schen Restaurants füllte, um die Matlfeier zu begehen. Der Arbeiter⸗Gesangverein„Eintracht“ erfreute zunächst durch den Vortrag eines schönen Liedes, worauf Genosse Dr. Michels einen gut durchdachten Vortrag über die „Bedeutung des 1. Mai und die Reichstagswahlen“ hielt. In ungefähr 1½ stündiger Rede schilderte er, wie unsere Partei von allen Seiten bekämpft würde und trotzdem immer mehr an Ansehen und Bedeutung gewinne. Der 1. Mai, welcher zum Festtag der Prole⸗ tarier aller Länder geworden, sei so recht dazu geeignet, darüber nachzudenken, warum wir kämpfen. Nicht durch eine blutige Revolution, wie uns unsere Gegner so gern unterschieben, wollten wir die Lage des arbeitenden Volkes zu verbessern suchen, sondern wir führen unsern Kampf mit geistigen Waffen. Jetzt, in der Zeit des Wahlkampfes erschallten wieder die nichtswürdigen ab⸗ geschmackten Vorwürfe, Die Sozläldemokratie wolle die Religion abschaffen! Diesen Vorwurf weise er scharf zurück, denn wir verlangen nur, daß die Religion als Privat⸗ angelegenheit jedes Einzelnen zu betrachten sei. Ebenso sei es mit dem Vorwurf der Vaterlandsfeindschaft, der sei eher auf die Kapitalisten anzuwenden, die durch Heranziehung noch billsgerer ausländischer Arbeitskräfte die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter immer mehr herunterdrückten und verschlechterten. Wir Sozialdemo⸗ kraten freuen uns auch über die Einigung Deutschlands, wir wünschten sogar, daß auch die Deutschen Oesterreichs zu uns gehörten, welche Bismarck bekanntlich ausge⸗ schlossen habe; während wir die Polen und Dänen entbehren könnten. Die Juden seien durch langes Zu⸗ sammenleben mit uns gute Deutsche geworden, sie stehen uns nicht im Wege. Weiter hieße es, wir seien Feinde der Kultur und des Familienlebens. Das sei einfach lächerlich. Wir, die wir stets mit aller Kraft für alle Verbesserungen im Schulwesen, für Kunst und Wissen⸗ schaft eintreten, sollten Kulturfeinde sein?! Wie viele sozialdemokratische Ehen könnten sich die Junker u. a. zum Muster dienen lassen. Redner ging dann des Näheren auf die Aufgaben der Arbeiter, speziell im bevorstehenden Wahlkampfe ein und schloß seine von den zahlreichen Zuhörern mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgten Ausführungen mit einem dreifachen, kräftig aufgenommenen Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie.
Der Sängerchor brachte alsdann noch zwei Lieder zum
Vortrag. Die hiesige Arbeiterschaft kann mit Befriedi⸗ gung auf die dlesjährige Maifeier zurückblicken.
— Ein graustger Fund wurde hier am Sonn⸗ tag nachmittag gemacht. In der Lahn fand man die Leiche des seit Anfang Februar dieses Jahres in Laas⸗ phe verschwundenen Schulrektors Büllner. Auf telegra⸗ phische Anzeige erschienen Montags zwei dortige Lehrer, welche die Leiche als den vermißten Rektor erkannten.
Kleine Mitteilungen.
„* Soldat zum Tode verurteilt. Vom Kr egsgericht in Hannover wurde der Füsi ier Jakubowski vom 79. Infant. Regt. zum Tode verurteilt. Er war desertiert und hatte die Haushälterin eines Gastwirts erschlagen, um die Zivilkleider des Wirtes zu erlangen.
e Sauberer Bäcker. Mäusekot hatte der Bäckermeister Lau in Dresden statt Mohn zu soge⸗ nanntem Mohngebäck verwendet. Der Gerichtschemiker
Mäusekotstücke herausgelesen. trog erhielt leider nur 50 Mk. Geldstrafe. hatte die Schweinerei angezeigt.
r Einer derer von Puttkamer, der Sohn des Stettiner Polizeiprästdenten, wurde am Samstag in Frankfurt a. M. wegen Zechprellerei verhaftet. Seine Eltern hatten 300 Mk. Belohnung auf seine Ermittelung ausgesetzt.
* Familiendrama. Bei Halle wurden vier Leichen, Mann, Frau und zwei Kinder aus der Saale gezogen, in denen man die vor drei Wochen aus Leipzig verschwundene Familie Mummert vermutet. Der Mann und die Frau waren mit je einem Kinde, neun- bis zehnjährigen Mädchen, zusammengebunden.
Dieser Ritter vom Back⸗ Ein Geselle
Partei-Nachrichten.
Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach. Kreis⸗ konferenz. Sonntag, den 10. Mai en achm, 3 Uhr im Lokale zur Pfefferhöhe. Die Genossen im Kreise werden ersucht recht zahlreich zu erscheinen.
Für den Wahlkreis Dillenburg⸗Herborn fand am Sonntag in Haiger eine sehr gut besuchte Parteikonferenz statt, die sich mit der Organi⸗ sation im Kreise und der bevorstehenden Reichstagswahl befaßte. Es wurde beschlossen, einen Wahlbverein für den Kreis zu gründen. Als Vertrauensmann wurde Genosse Louis Trost in Haiger gewählt.
Ein Jahr Gefängnis! Das Reichsgericht in Leipzig verwarf die Reviston gegen das Urteil vom 22. Dezember 1902, nach welchem der Redakteur Däumig vom Hall. Volksbl. wegen Beleidigung des Bohrers Piltzing ein Jahr Gefängnis verbüßen soll, die durch einen Zeitungsartikel erfolgte, der auf Grund falscher Informationen abgefaßt war.
Versammlungskalender.
Samstag, den 9. Mai.
Gießen. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 9 Uhr
Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 10. Mai.
Wieseck. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abmarsch nach Lollar zu dem Feste der Metallarbeiter 1 Uhr. Zusammenkunft im Vereinslokal 1/1 Uhr,
Montag, den 11. Mai. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
5. Sumstuge den- 16. Mett Gießen. Freie Turnerschaft. Außerordentliche
Generalversammlung Abends 9 Uhr im Pfau.
Briefkasten.
Bei Zuschriften an uns muß stets die volle Adresse des Absenders angegeben werden. Es kam in letzter Zeit öfters vor, daß Einsender ihre Wohnung in Briefen nicht angegeben hatten, wodurch sich die notwendige Beantwortung verzögerte. Besonders nötig ist das, wenn es sich um Versammlungen, Bestellung von D ucksachen ꝛc. handelt.
Mohrere Einsen dungen mußten zurück⸗ gestellt werden.
Unseren heutigen Auflage liegt eine Geschäfts⸗ empfehlung der Firma Karl Frensdorf in Gießen bei, worauf wir aufmerksam machen.
Ferner liegt eine Empfehlung des Kur⸗ instituts Spiro⸗Spero bei.
Die Wählerlisten
zum 25. Mai aus. Sorge jeder unserer Wähler dafür, daß sein Name in der Liste verzeichnet steht. Nur wer in der Liste eingetragen ist, kann wählen.
B
Der Polizeischneidigkeit in St. Johann, die zu den von uns in letzter Nr. erwähnten Straßenunruhen führten, ist ein Dämpfer in⸗ sofern aufgesetzt worden, als der Staatsanwalt die Berufung gegen die schöffengerichtliche Fret— sprechung des Cafétiecs Bruch zurückgezogen hat. Das Café wurde wieder eröffnet. Damit bleibt nun also gerichtlich erkannt, daß die Herabsetzung der Poltzeistunde auf 11 Ur gegenüber Bruch, der s. Z. die Konzession bis 2 Uhr Morgens erhalten hatte, zu Unrecht er⸗ folgt ist, und die Polizeistrafen demgemäß nicht zu Recht verhängt waren. Die Affäre scheint
hatte aus einem Eßlöffel Mohn nicht weniger als 180 b
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liegen bei den Ortsbehörden vom 18. bis
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