Ausgabe 
10.5.1903
 
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wie die Kopflosen und jammern nach einer

der staatlichen Willkür, der Bevormun⸗

Mtteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 19.

Kampf und wieder Kampf gegen alle, die diese heillose Wirtschaft verschulden, bis sie überwunden sein werden!

Zusbesondere ist es die Aufgabe der Arbeiterklasse, die am stärksten unter all diesen Aebeln leidet, mit allen ihren Kräften die Sozialdemokratie in ihren Kämpfen wider das ungeheure Anrecht, das Staat und Gesellschaft Tag für Tag verüben, zu unterstützen.

Aber auch die Frauen, und namentlich die Arbeiterinnen, die bisher von einer politi⸗ schen Betätigung ihrer Menschenrechte ausge⸗ schlossen wurden, haben bei den großen Fragen, deren Entscheidung durch den Ausfall der Wahlen vorbereitet wird, allen Grund, für die Kandidaten der Sozialdemo⸗ kratie einzutreten.

Können sie nicht wählen, so sollen sie agitieren. Der Agitation aller Art, selbst durch Mißbrauch von Kanzel und Beichtstuhl müssen sie das offene Eintreten für ihre heiligsten Interessen gegenüberstellen.

Die Sozialdemokratie kämpft dafür, daß Staat und Gesellschaft aufhören, Klasseninsti⸗ tutionen zu sein, durch welche die herrschende Minderheit die Mehrheit in Abhängigkeit von sich erhält, beherrscht, bedrückt und plündert.

Wähler! Darum auf zur Wahl! Der Wahltag soll ein Tag des Gerichts, der Abrechnung sein mit denen, die Euch hudeln und bütteln; er soll aber auch ein Siegestag sein, von dem eine neue, schönere Zukunft ert

Bedenkt, daß Ihr durch die Beschlüsse einer reaktionären Reichstags⸗Mehrheit nur alle fünf Jahre einmal zu den Wahlurnen gerufen werdet. Wie selten kommt ein solcher Tag in Eurem Leben. Benutzt ihn also! Benutzt ihn so, daß jeder von Euch mit gutem Gewissen sich sagen kann:

Ich habe meine Schl dedeutuna

Wähler! Referent r wget getan!

nüste Gegner laufen umher

Wahlparole. Wir haben sie.

Eure Wahlparole sei:

Nieder mit dem die Völker aus⸗ saugenden Militarismus und Mlarinis⸗ mus in seiner jetzigen Gestalt! Völker- verständigung! Völkerfrieden!

Aieder mit einer verderblichen Zoll⸗ und Handelspolitik, die viele Millionen in ihren Lebensinteressen schädigt!

lieder mit einer Steuer- und Zoll- politik, welche die Armen bedrückt und die Reichen begünstigt!

Nieder mit der Reaktion im Innern,

dung, dem Polizeidruck, der Rechts⸗ unsicherheit!

Auf zum Kampf für den Fortschritt auf allen Gebieten, für Wissen und Aufklärung, für gefreiung und Erlösung von allem Jruck, den Klassenstaat, Klassen⸗ herrschaft und Klassengesetzgebung auf die Schultern der schwer arbeitenden Volksmehrheit geladen haben.

Anser Ziel ist die Herbeiführung der sozialistischen Staats- und Gesellschafts⸗ orduung, gegründet auf dem gesellschaft⸗ lichen Eigentum an den Arbeitsmitteln und der Arbeitspflicht aller ihrer Glieder. Schaffung eines staatlichen und gesell⸗ schaftlichen Zustandes, in dem die Wahr⸗ heit, die Gerechtigkeit, die Gleichberech⸗

(Sachsen). Förster. Frohme. Geck. Geyer. Dr. Grad⸗

nauer. Grünberg. Haase. Heine. Dr. Herzfeld. Hoch. Hofmann. Horn. Kaden. Klees. Kloß. Kunert. Ledebour. Meister. Metzger. Molkeubuhr. Peus. Pfannkuch. Reißhaus. Rosenow. Sachse. Schippel. Schlegel. Schmidt. Schwartz. Segitz. Seifert. Singer. Stadthagen. Stolle. Dr. Südekum.

Thiele. Tutzauer. Ulrich. v. Vollmar. Wurm. Zubeil.

Politische Rundschau. Gießen, den 7. Mai.

Schluß des Reichstags.

Der Reichstag hat am Donnerstag seine Riesensesston, die von 19001903 gedauert hat, und damit zugleich seine Legislaturperiode 18981903 geschlossen. Es gab wieder zwei Sitzungen. In der ersten, die um 11 Uhr Vormittags begann, wurde die zweite Lesung der Krankenkassen⸗Novelle er⸗ ledigt. Das Zentrum hatte eingesehen, daß es nichts erreichte, wenn es sich auf die Hinter⸗ beine stelle, und war daher mit unserer Fraktion einen Vertrag eingegangen, der dahin ging, daß unsere Abgeordneten den Antrag auf namentliche Abstimmung über§ 42 zurück⸗ ziehen sollten, während das Zentrum ein⸗ willigte, aus dem§ 22 die alleranstößigsten Bestimmungen zu entfernen, nämlich einmal die zu polttischem Mißbrauch geradezu an⸗ reizende unbestimmte Fassung des Wortes Pflichtverletzung und zum anderen die Ver⸗ pflichtung der Kassen zum Erlaß sog.Dienst⸗ ordnungen, durch die man die Militäranwärter in die Vorstände und Verwaltungen einzu⸗ schmuggeln versucht hatte. Abg. Trimborn verkündete in einer Bemerkung zur Geschäfts⸗ ordnung, daß das Zentrum in der dritten Lesung der Novelle die betreffenden Anträge

berühmte Jun ke ene elbe. Der

b 1 n Einwand, daß eine solche Bemerkung zur

elsyndikus Richter erhob zwar

Geschäftsordnung inmitten einer Abstimmung unzulässig sei; die Rechte rief natürlich Bravo! Aber Präsident Graf Ballestrem stellte sich auf einen anderen Standpunkt, indem er konstatirte, daß eine erfolglos gebliebene Abstimmung den Zustand vor der Abstimmung zurückführe. Alsdann zog Genosse Singer formell den Antrag auf namentliche Abstimmung über den § 42 zurück. Ohne große Schwierigkeit wurde nunmehr der Rest der Vorlage erledigt; durch⸗ weg ward die Kommissionsfassung angenom⸗ men; dagegen unsere von dem Genossen Al⸗ brecht und Thiele begründeten Anträge a b⸗ gelehnt. Um halb 2 Uhr Nachmittags war die zweite Lesung und damit zugleich die erste Donnerstagssitzung beendigt. Der Präsident beraumte alsdann die zweite Sitzung dieses Tages eine halbe Stunde später an.

Die zweite Sitzung des Donnerstag und letzte Sitzung dieser Session brachte zunächst eine recht interessante Generaldiskussion zur dritten Lesung der Krankenkassen⸗Novelle. Abg. Trimborn vom Zentrum snchte seiner Partei einen Lorbeerkranz aufs Haupt zu drücken und ihr aus dem Kompromiß, daß sie, der Not gehorchend nicht dem eigenen Triebe, abgeschlossen, einen Ruhmestitel herauszurechnen. Umgekehrt bezichtigte der getaufte Makkabäer Dr. Arendt Zentrum und Regierung des Kotaus vor der Sozialdemokratie und drohte sogar mit Obstruktion, freilich nur, um diese Drohung am Schluß seiner Stumm⸗Rede etwas kläglich zurückzunehmen. Rösicke⸗Dessau be⸗ zeichnete die Arendt'sche Rede als das, was sie war, nämlich als eine Wahlrede, und sprach seine Genugtuung darüber aus, daß es gelungen

tigung und die Wohlfahrt Aller der unverrückbare Teitstern für alles Han⸗ deln ist.

Wähler! Wer von Euch diese unsre Auschauungen teilt, der stimme am 16. Juni nur für den Kandidaten der Sozialdemokratie!

Berlin, den 30. April 1903.

Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags: Albrecht. Antrick. Auer. Baudert. Bebel. Bern⸗

sei, die anstößigsten Bestimmungen aus der Vorlage zu entfernen. Graf Posadowsky erklärt die Zustimmung der Regierung zu dem abgeschlossenen Kompromiß. Die Rechte murrte, während Hentrum und Linke Beifall spendeten. Dann faßte Genose Stadthagen noch einmal

alle Bedenken zusämmen, die auc nach Ent fernung der anstößigen Bestimmungen gegen die Vorlage bestehen bleiben, ohne darum 98 einzelnen Verbesserungen zu verkennen, die die⸗ selbe bringt. Mit einer Träne,

stellen bezw. ihnen zustwwen, wer

ähnliches Phrasengeklingel auf. f Sozialdemokratie bekommt der natlonalliberale Spießer mit folgenden Worten Angst gemacht:

die der Ultra⸗

verurteilten Militäranwärter⸗Bestimmung des § 42 nachweinte, schloß die Generaldiskussion. Der Rest der Sitzung verlief durchaus pro⸗ grammmäßig. Ein Antrag Trimborn und ein Antrag Rösicke sorgten für Entfernung der allerärgsten Bestimmungen des§ 42. Neben der Rechten widersetzten sich auch ein paar Nationalliberale der Verbesserung. In der Schlußabstimmung wurde alsdann das Gesetz gegen die Stimmen unserer Fraktion ange⸗ nommen. Sodann wurde mit den üblichen Zeremonien der Reichstag geschlossen.

Wahlaufrufe.

Gleich nach Schluß des Reichstags sind die verschtedenen Parteien mit ihren Wahlaufrufen vor die Wählerschast getreten. Als erster noch am Tage des Reichstagsschlusses erschien der Aufruf unserer Fraktion, der an der Spitze unserer heutigen Nummer abgedruckt ist. Er zeichnet sich durch klare und entschiedene Sprache aus, giebt in scharfen Umrissen ein Bild der politischen Lage und ruft die Wähler ein⸗ dringlich zum Kampfe für Fortschritt, Freiheit und Gerechtigkeit auf.

Von den bürgerlichen Parteien sind die größeren ebenfalls mit ihren Wahlaufrufen herausgekommen. Derjenige der Freikon⸗ servativen sagt u. a.:Fester Zusammen⸗ schluß aller staatserhaltenden Elemente auf dem Boden starker monarchischer Institutionen Sammlung der patriotischen Mäuner von rechts und links Abwehr gegen sozialistische, radikale und rückschrittliche(ach du lieber Gott! D. R.) Bestrebungen kräftiges Ein⸗ treten für die Beseitigung wirklicher Mißstände stetige und gedeihliche Fortentwicklung unsres Staatslebens in den guten Traditionen bürger⸗ licher Freiheit und fester, stag hüben Fodung

Str..

( ullung des Reiches nach innen und nach außen ꝛc. 950 stets die leitenden Gesichts⸗ punkte der Reichspartei gewesen und würden es auch in Zukuft bleiben. Wer auf diese Redensarten hin einem Freikonservativen die Stimme giebt, dem ist wirklich nicht zu helfen.

führen ein

Nationalliberalen Vor der

Die

Die Sozialdemokratie verhetzt die Arbeiter;

sie läuft Sturm gegen die Grundlagen unserer Kultur, gegen Monarchie, Religion, Familie,

Eigentum; sie hat sich durch ihre Tätigkeit im Reichstage als Feind des sozialpolitischen Fort⸗ schritts erwiesen. Das ist nicht blos gelogen, sondern sogar sehr dumm gelogen. 8 Groben Wahl schwindel leistet sich auch das Zentrum. In dessen Aufruf heißt es: Zu Aufwendungen für Heer und Marine darf die Steuerkraft des Volkes nicht weiter in Anspruch genommen werden, als die Sicher⸗ heit und Wohlfahrt des Vaterlandes gebieterisch erheischen. Die Bewilligungen für die Kolonien, deren Hauptwert in der Ausbreitung des christ⸗ lichen Glaubens und der Kultur beruht, haben ihr Maß in einer verständigen Würdigung unserer finanziellen Leistungs fähigkeit.

Dabei hat gerade das Zentrum der Re⸗ gierung die letzten großen Flottenvorlagen apportiert. Es ist also frecher Schwindel, wenn es jetztSparsamkeit markiert.

Fähnrich Hüssener.

Ueber das Vorleben des wegen Totschlags verhafteten Fähnrichs Hüssener wird berichtet: Zunächst hat Hüssener vor längerer Zeit einer Dienstmagd aus Unvorsichtigkeit ein Auge aus⸗ geschossen. Als ferner seine Eltern imEssener Hof in Essen die Silberhochzeit feierten, be⸗ nahm sich der Sohn derart ungebührlich, daß sein Vater sich gezwungen sah, ihm den weiteren Aufenthalt im Hotel zu verbieten. Hüssener ging hierauf nach der elterlichen Wohnung zurück, wo er aus Wut über den erhaltenen väterlichen Verweis in verschiedenen Zimmern wie ein Vandale hauste. Sein Betragen auf der Ober⸗Realschule war ein derartiges, daß er entlassen werden sollte; der Vater kam je⸗ doch der Entlassung zuvor, indem er seinen

stetna. Blos. Bock. Calwer. Cramer. Dietz. Drees bach. Ehrhart. v. Elm. Fischer(Berlin). Fischer

montaune v. Savigny der zum Ve

Jerschwinden

Sohn von der Anstalt abmeldete. Endlich ist

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