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zu bewegen.
„Nachtasyl“
Elend bis zur Neige durchgekostet hat.
„Nachtasyl“ schildert er die Armen, mit denen
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Nr. 45.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
man uns aus Haiger— in dem die luxuriöse Ein⸗ richtung der Kaffeebude der Auslader auf der Agnes⸗ hütte geschildert war, ist der Direktor Wenner nicht sehr erbaut, trotzdem er durch Instandsetzung der Bude aner⸗ kannte, daß hier Abhülfe nötig war. Die Bude ist nunmehr geweißt, die Türen sind verschließbar und die Fenster dicht gemacht. Auch das Dach ist mit Pappe repariert worden. Trotzdem jst der genannte Leiter un⸗ zufrieden mit dem Artikel, als dessen Verfasser er unseren Genossen Trott vermutet; er hat an den Landrat geschrieben, damit unser Genosse in Zukunft besser bewacht werden soll. Dagegen hat dieser gewiß nichts einzuwenden, denn es giebt hier Leute, die andere mit der Hundepeitsche bedrohen. Außerdem hat der Direktor gegen Trott Strafantrag gestellt, weil dieser bei der angeblichen Besichtigung der Bude das Bahn⸗ gellise unbefugt betreten haben soll. Es hätte nichts geschadet, wenn man lieber die Zustände an dem Bähn⸗ chen ein er eingehenden Revision unterzogen hätte. Sorge man beispielsweise für genügende Beleuchtung! Jetzt müssen sich die Auslader zum teil mit selbstgekauften Laternchen behelfen, sodaß die Arbeiter abends, wenn rangiert wird, geradezu in Lebensgefahr schweben.
Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.
* Gen. Dr. Michels hält sich gegen⸗ wärtig in Paris auf, wo er bei den deutschen wie auch bei französischen und italienischen sozialdemokratischen Vereinen Vorträge hält.
bh. Wahlvereins versammlung. Am vergangenen Samstag fand im Jesberg⸗ schen Lokale die regelmäßige Versammlung des Wahl vereins statt. Zum ersten Punkt hielt Gen. Dr. Thesing einen beifällig aufge⸗ nommenen Vortrag über:„Sozialdemokratie und Religion“, an den sich eine kurze Diskussion schloß.— Der zweite Punkt betraf die Land⸗ tags wahlen. Gen. Weber erläuterte die Bestimmungen des Klassenwahlrechts und hob dabei hervor, wie notwendig und vorteilhaft es auch für die Marburger Genossen sei, sich an den Wahlen zu beteiligen. Jetzt allerdings sei es zu spät, da keine Zeit mehr für die Agitation übrig bleibe.(Dieser Meinung sind wir nicht. Es können sehr wohl noch Wahl⸗ männer aufgestellt und auch noch Versammlungen abgehalten werden. Die Marburger Genossen müssen doch in der Lage sein, eine Anzahl Wahl⸗ männer durchzubringen.)— Hierauf wurde die Landagitation wieder zur Sprache ge⸗ bracht, bezüglich deren in letzter Zeit recht wenig getan worden ist. Man erklärte sich damit einverstanden, daß jeder seine gelesene Zeitung an den Vertrauensmann zur Ver⸗ wendung als eIgitationsmaterial abliefern solle. — Die Mitgliederzahl des Wahlvereins weist at 5 Steigerung auf, sie beträgt je 8
bh. Eine Bäckerversammlung fand am Freitag Abend im Hildmannschen Saale statt, die von einigen 20 Personen besucht war. Als Referent war Genosse Leidig aus Frank⸗
furt erschienen, der über die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation sprach. Wie
in vielen andern Orten, sind auch hier die Bäcker schwer zum Beitritt in die Gewerkschaft Sie laufen lieber Vergnügungs⸗ vereinen nach; es mangelt ihnen das Ver⸗ ständnis für die ernsten und hohen Aufgaben der Arbeiterbewegung. Dabei gibt es wohl kaum einen Beruf, in dem es mit den Arbeits⸗
berhältnissen so schlimm bestellt ist, als in diesem.
Man macht in dieser Beziehung bei den Bäckern
die gleiche Wahrnehmung, wie bei bei den
Metzgern, Kellnern ꝛc.
W. Walkottes Rezitation am Freitag Abend hatte auch diesmal Zuhörer in großer Zahl angezogen, der Hildmannsche Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Hier hatte man zur Rezitation ebenfalls das Drama des russischen Dichters Maxim Gorckt ausgewählt. Der Vortragende schickte dem Stück eine kurze Lebensbeschresbung Gorcki's
voraus, der unter den erbärmlichsten Verhält⸗
nissen aufgewachsen ist und das 1 m
er lebte. Durch den vorzüglichen Vortrag des beliebten Rezitators wurde jede Person des Stückes deutlich markiert und wie der reiche Beifall am Schlusse bewies, waren die Zuhörer
auch diesmal voll befriedigt.
Kleine Mitteilungen.
* In Kloppenheim fiel das zweijährige Töchterchen eines Bahnarbeiters Wiener in einen mit Seifenbrühe gefüllten Waschzuber nnd ertrank.
„ Unsinnige Wette. Der 19 Jahre alte Techniker Friedrich Hohweller aus Neustadt a. H. hatte in Bingen nach einer Bierreise gewettet, innerhalb weniger Minuten vier Schoppen neuen Wein zu trinken. Er löste seine Wette ein, verfiel aber kurze Zeit darauf in Bewußtlosigkeit und Krämpfe, und starb andern Tags.
* Ordnungs stütze. Der ehemalige Stadtver⸗ ordnete Bauer in Köln, Vorsitzender des Rheinisch⸗ westfälischen Tonröhrensyndikats, wurde wegen fortge⸗ setzter Unterschlagungen und Verleitung zum Meineide zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt; außerdem wurde auf 3 Jahre Ehrverlust erkannt.—
* Ein Großfeuer, das am Sonntag Nachmit⸗ tag in der Gerichtsstraße in Oberlahnstein aus⸗ brach, äscherte vier Wohnhäuser ein. Dadurch wurden acht Familien obdachlos.
* Wegen dreifachen Kindesmords be⸗ findet sich die Büglerin Klees in Wiesbaden in Untersuchungshaft. Vor zwei Jahren hat sie in Mainz geboren und das Kind beiseite geschafft und voriges Jahr, als sie in Wiesbaden in Stellung war, und wiederum geboren hatte, eine gleiche Tat verübt. Den dritten Kindesmord verübte die Klees vor einigen Wochen. Sie packte, wir bekannt, die Leiche in einen Koffer und schickte ihn an eine fingierte Adresse nach Gießen. Der Koffer kam wieder an die Ober⸗Postdirektion nach Frank⸗ furt zurück, wo man beim Oeffnen die Kindesleiche ent⸗ deckte. Die Klees soll ein Geständnis abgelegt haben.
„ Wer begnadigt wird. Dem früheren Oberleutnant Rueger ist seine über ihn vom Ober⸗ kriegsgericht in Metz am 30.“ März 1901 verhängte Zuchthausstrafe von 6 Jahren durch Gnadenerlaß des Kaisers für den verbleibenden Rest in gleichdauernde Gefängnisstrafe umgewandelt worden. Rueger, der bei dem Infanterie⸗Regt. in Mörchingen stand, hatte seiner Zeit den Chef der neunten Kompagnie, Hauptmann Adam, erschossen.
Partei-Nachrichten.
Genosse Franz Hoffmann, Reichstagabg. für den 22. sächs. Wahlkreis Reichenbach ist am Mittwoch abend in Chemnitz ge⸗ storben. Hoffmann, am 26. Februar 1852 in Stötteritz bei Leipzig geboren, lernte Zigarrenmacher und etablierte sich 1886 als Zigarrenfabrikant in Leipzig. Von dort im gleichen Jahre auf Grund des Sozialisten⸗ gesetzes ausgewiesen, wandte er sich nach Chemnitz, Seit 1892 vertrat er den genannten Wahlkreis im Reichstage; von 1895 bis 1900 gehörte er auch dem sächs. Landtage an.
Genosse Wenzel in Ludwigshafen starb dort am Freitag voriger Woche. Als einer der ältesten pfälzischen Parteigenossen erfreute er sich seines liebens⸗ würdigen Charakters wegen allgemeiner Achtung. Ein riesiger Leichenzug von ca. 10 000 Teilnehmern gab ihm das letzte Geleite. Am Grabe widmete Abg. Ehrhardt dem Toten herzliche Abschiedsworte.
Stadtverordnetenwahlen. In Görlitz wurden bei der Stadtverordnetenwahl zwei Sozial⸗ demokraten gewählt. Drei stehen in Stichwahl, — In Köln siegten die Zentrumskandidaten mit 6600 Stimmen, Sozialdemokratische Stimmen wurden 1150, liberale 2000 abgegeben.
Versammlungskalender.
Samstag, den 7. November.
Gießen. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Wetzlar. Parteiversammlung für den Kreis Wetzlar nachmittags 3 Uhr bei Orbig-Gieß en, Rittergasse.
Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Ludwig Germer. Die Genossen werden um zahlreiches Erscheinen gebeten.
Montag, den 9. November.
Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Mittwoch, den 11. November.
Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 8 Uhr Sitzung bei Orbig.
Samstag, den 14. November.
Lauterbach. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 8 ½ Uhr Versammlung bei Gastwirt Keutzer.
Berichtigung. In einem Teile der heutigen Auf⸗ lage ist ein Satzfehler stehen geblieben. Die Ueberschrift des Rundschau⸗Artikels auf Seite 2, zweite Spalte muß heißen:
„Fortschreitende a ntisemitische Versumpfung“.
Zu den preußischen Landtags⸗ wahlen. Wie erfolgt die Wahl der Wahlmänner durch die Urwähler?
Jede der nach der Höhe des Einkommens ge⸗ bildeten Klbassen wählt für sich Wahlmänner. Für je 250 bis 499 Einwohner des Urwahl⸗ bezirks ist ein Wahlmann, für jeden Wahlbe⸗ zirk also 3 bis 6 Wahlmänner zu wählen. In jeder Klasse sind, wenn 3 oder 6 Wahl⸗ männer zu wählen sind, gleich viel(1 oder 2) Wahlmänner zu wählen. Sind 4 Wahlmänner zu wählen, so wählt die zweite Klasse 2, die übrigen je einen Wahlmann. Sind 5 zu wählen, so wählt die erste und dritte je 2, die zweite einen.
Die Wahl der Wahlmänner wird in folg⸗ ender Art vorgenommen: Im Wahllokal wird jeder Wähler— die der dritten Klasse zuerst — einzeln aufgerufen, tritt an den Wahltisch und gibt öffentlich(nicht durch Stimmzettel) seine Stimme für so viel Wahlmänner ab, als in der Abteilung zu wählen sind.— Die Namen der zu wählenden Wahlmänner kann der Wähler sich vorher aufschreiben oder aufschreiben lassen und dann ablesen.
Wer nach Eröffnung der Verhandlung kommt, meldet sich beim Vorsteher und kann an der noch nicht geschlossenen Wahl teilnehmen.
Im Wahllokal dürfen nur die Stimmberech⸗ tigten bleiben, indes kann der Wahlvorstand uach seinem Ermessen vorübergehend die e gestatten.
Die dritte Abteilung wählt zuerst. Es ist deshalb durchaus erforderlich, auf die Minute pünktlich zu erscheinen.
Ist die Wahl der dritten Klasse geschlossen, so haben die Mitglieder derselben das Wahl⸗ lokal verlassen. Es folgt dann die Abstimmung der zweiten Klasse.
Hat sich die absolute Mehrheit auf die zu wählende Anzahl Wahlmänner vereinigt, so sind diese gewählt. Ist eine absolute Mehr⸗ heit nicht bei allen Wahlmännern erreicht (ist z. B. bei einer Wahl von drei Wahl- männern nur auf einen Wahlmann die Mehr⸗ heit gefallen), so kommt in die ä engere Wahl die doppelte Anzahl der noch zu wählenden Wahlmänner(bei unserem Beisptel also vier). Ueber diese vier wird abermals abgestimmt und diese Prozedur so lange fortgesetzt, bis die erforderliche Anzahl Wahlmänner mit absoluter Mehrheit gewählt ist. Erst dann können die zur Wahl erschienen Urwähler abtreten.
Es ist daher erforderlich, daß jeder Urwähler genau weiß, wem er die Stimme zu geben hat, daß ferner der leicht stattstndenden Stichwahlen halber der Urwähler so lange im Lokale bleibt, bis die Stichwahlen erledigt sind.
Wahlmänner.
Der Wahlmann muß im Urwahl⸗ bezirk wohnen, Urwähler desselben Urwahl⸗ bezirkes sein, wie seine Wähler. Er kann aber Wähler einer anderen Klasse sein, als von der er gewählt wird. Nach dem Mainzer Parteitagsbeschluß dürfen nur sozialdemokratische Wahlmänner von unserer Partei aufgestellt werden.
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Marktberichte.
Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 4. November: Butter per Pfd. Mk. 1,00— 1, 10, Hühnereier 1 St. 7—9 Pfg., Enteneier 1 St. 8—0 Pfg., Gänseeier 1 St. 00— 00 Pfg., Käse pr. St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5,00— 5,50 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 4,50—5,00, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,70 bis 0,90, Hühner per St. Mk. 1,30—1,80, Hahnen per St. Mk. 0,70— 1,50, Enten per St. Mk. 1,70 bis 2,20, Gänse per Pfd. 56—60 Pfg.
Stuuteb bhονꝓ: Teuer.
Spielplan für Giessen. Sonntag, 8. Nov.:„Bluthochzeit“. Dienstag, 10. Nov.:„Don Carlos“. Mittwoch, 11. Nov.(in Dillenburg): „Alt⸗ Heidelberg“. Freitag, 13. Nov.:„Hasemanns Töchter“.
Spielplan für Marburg.
Montag, 9. Nov.:„Glück im Winkel“. Donnerstag, 12. Nov.:„Bluthochzei.“.
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