Ausgabe 
8.2.1903
 
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Nr. 6.

Mittel deuische Sonutzags⸗Holtung.

Seite 3.

Ausführungen brachten ihm den Beifall der Junkerparlei

ein; seine Parteigenossen lehnten aber die agrarisch⸗ rückschrittlichen Ansichten dieses Herrn ab; Dr. Zwick erklärte ausdrücklich, daß sein Fraktionsgenosse nur im eigenen Namen gesprochen habe. Um so freudiger berührt war Gamp, der zur Feier des frohen Ereignisses eine erneute Schimpfsalve auf den Lehrer Agahd, der eine Schrift über die Kinderausbeutung auf dem Lande ver⸗ öffentlicht hat, abfeuerte. Ueber die Unschuld der Hüte⸗ mädchen sprach gar erbaulich Adolf Stöcker, Hof⸗ prediger a. D.

Dienstag, den 3. Februar, begann die zweite Lesung des Etats. Und zwar wurde zunächst der

Gtat des Neichstags verhandelt. Hierbei kam die Vernichtung der Geschästs⸗ ordnung wieder zur Sprache. Dr. Pachnicke und Genosse Singer brachten noch einmal die zahlreichen Gewalttaten, Rechtsbrüche, Wortverdrehungen zur Sprache, die die zollwütige Mehrheit in jenen Wochen sich hat zu schulden kommen lassen; mit bitterer, aber berechtigter Ironie schlug Singer vor, die Geschäftgordnung, wie sie aus jener Aera der Mißhandlungen hervorgegangen, der Mehrheit zum ewigen Schanddenkmal drucken zu lassen. Mit gewohnter Jesuiterei drehte Dr. Bachem die Sache um und behauptete die Mehrheit sei vergewaltigt worden. Im Laufe dieser Beratung kam wieder die Forderung von Diäten für Reichstags mitglieder

zur Sprache. Dagegen gedenken Reichskanzler und Bundes⸗ rat auch in Zukunft noch ihr Ohr zu verstopfen; die deutschen Fürsten, führte Bülow aus, wollen nicht in elneeinschneidende Verfassungsänderung willigen. Der Sohn Bismarcks, Herbert, stimmte der Diäten verweige⸗ rung der Regierung zu, wofür er von Vollmar und Richter ganz gehörig abgeführt wurde. Unser Genosse deckte den wahren Grund der Diätenfeindschaft der Junker und Junkergenossen auf: die Hoffnung, bei günstiger Gelegenheit einmal für die Diäten die heiß ersehnte Wahlrechts verschlechterung einzuhandeln. Dr. Barth verlangte schließlich eine Neueinteilung der Wah kreise.

Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung.

Ausgesperrt wurden 500 Arbeiter auf der Werft des BremerVulkan in Vegesack und zwar weil eine Anzahl von ihnen an dem Begräbnis eines Kollegen teil⸗ genommen hatte, ohne daß sie dazu den nötigen Urlaub erhalten hatten. Nur diejenigen Ar⸗ beiter, welche Erlaubnis erhalten hatten, sollten weiterarbeiten; diese erklärten sich indes mit den Ausgesperrten solidarisch. te Arbeiter sollen 5 Tage feiern. Mit solchen Maß⸗ regelungen befördert die Direktion des Werkes allerdings das friedliche Zusammenarbeiten mit ihren Arbeitern nicht.

Alle Näder stehen still!

Einen glänzenden Sieg erfochten die Arbeiter in Holland. In den letzten Tagen hat sich in Holland und speziell in Amsterdam ein Streik abgespielt, der mit einem glänzenden Siege der Arbetter endete und der dem Gemeinsinn der Arbeiter das ehrendste Zeugnis ausstellt. Es waren die Transport⸗ Arbeiter, welche den Kampf durchfochten. Die Differenzen begannen bei den Hafenarbeitern; eine Rheder-Firma hatte Leute eingestellt, die nicht der Organtsation angehörten, weshalb sich die Organisterten weigerten, mit jenen zu⸗ sammen zu arbeiten. Darauf eutließ die Firma die Organisterten, stellte Streikbrecher ein, die nun zwar das Schiff löschten, aber die ubrigen Trans portarbeiter weigerten sich, die Güter weiter zu befördern. Die Eisenbahnarbeiter taten das Gleiche und legten die Arbeit nieder. Mehrere Eisenbahnlinien mußten infolgedessen den Betrieb einstellen. Und das bedeutete noch nicht die größte Kraftentfaltung des Eisenbahner⸗ verbandes. Es fehlte noch die Proklamation des Generalstreiks. Wenig fehlte, so wäre sie erfolgt, fünf Minuten vor Eintreffen jener Depeschen, die das Nachgeben der Eisenbahn⸗ direktionen meldeten, hatten die Vorstände den Beschluß gefaßt, für das ganze Land den Eisen⸗ bahnern das Signal zur Arbeitsniederlegung zu geben. Cs war nicht mehr nötig; mit

donnerndem Beifall empfingen die versammelten

Eisenbahner die Nachricht, daß die Gesellschaften

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Fabten aussusch Die Direktionen hatten

Bahnen auszuschließen.

von der Regierung die Ermächtigung dazu er⸗ langt. Dazu sah sich die Regierung genötigt, als nur einen Tag die Eisenbahnräder stille standen! Verwirrung herrschte bei den Kapl⸗ talisten und der Regierung! Desto größer war die Begeisterung bei den Arbeitern. Die Eisen⸗ bahner wurden überall wegen ihres tatkräftigen Eintretens für ihre Brüder mit lautem Jubel und Sympathiekund ebungen empfangen. Durch die Ader Arbeiterschaft Hollands geht ein Gefühl der Freude und des Stolzes und dieses gemeinsame Gefühl hat die Herzen einander näher gebracht. Die Friedens bedingungen sind sehr vorteilhaft für die streikenden e Außer der Zusage, daß Streikbrechergut nicht befördert wird, wurde ihnen zugestanden, daß alle Klagen des Personals mit den Organisa⸗ tionen erörtert werden sollen die Organisation wird als die Vertretung der Angestellten von den Direktionen anerkannt. Für die Tage, da gestreikt wurde, wird der Lohn ausgezahlt, niemand wird ausgesperrt. Diesem 770 5 ist nun am Montag der Sieg der Hafenarbeiter gefolgt. Die Unternehmer des Schlffstransport⸗ gewerbes willigten ein, die 56 ursprünglich entlassenen Löscharbeiter wieder einzustellen, die die Arbeit verweigerten, weil ein Unorganisterter neben ihnen arbeiten sollte. 70 unorganisterte ie wurden entlassen. Die Arbeiter ließen dagegen die Forderung fallen, daß nur fe Arbeiter beschäftigt werden. Die holländischen Arbeiter dürfen mit Stolz auf diesen ihren Erfolg blicken. Von Kah und Fern. Hessisches.

Der Landtag ist auf Donnerstag den 12. Februar einberufen und wird sich zunächst mit Wahlprüfungen und dann mit kleineren Vorlagen befassen.

Die neue Wahlrechtsvorlage. Der von der Regierung dem vorigen Landtage vor⸗ gelegte Gesetzentwurf über das Landtags⸗ wahlrecht kam bekanntlich nicht zur Erledi⸗ gung, weil die geheimen und offenen Gegner des direkten Wahlrechts die Verhandlungen so lange hinauszogen, daß die Erste Kammer wegen des bevorstehenden Landtagsschlusses nicht mehr in die Beratung eintreten wollte. Nunmehr hat, wie schon in der vorigen Nr. d. Bl. be⸗ richtet, die Regierung einen neuen Entwurf vorgelegt, der sich im Wesentlichen an dem vorigen anlehnt. Voraussichtlich wird die Vor⸗ lage einem besonderen Ausschusse überwiesen. Auch in diesem neuen Entwurfe sind für die Stäbte 15 Abgeordnete vorgesehen je 3 für Mainz und Darmstadt, je 2 für Gießen, Offenbach und Worms und je 1 für Friedberg, Alsfeld und Bingen sowie 40 Vertreter ländlicher Wahlkreise.

Wahlberechtigt ist nach Artikel 6 der Vorlage jeder 25 Jahre alte Hesse, der seit drei Jahren ununterbrochen in Hessen wohnt und ebensolange die Staatsangehörigkeit besitzt, wenn er Steuern(gleichviel, ob Staats⸗ ober Gemeindesteuern) bezahlt und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist. Der Beschluß der Kammer im vorigen Jahre verlangte nur Wohnsitz in Hessen seit einem Jahre. Eine neue Bestimmung schreibt vor, daß das Stimm⸗ recht an dem Orte auszuüben ist, wo der Stimmberechtigteausschließlich oder mit dem

rößten Teile seines Einkommens zur Gemeinde⸗ inkommensteuer herangezogen ist. Ferner können nach dem neuen Art. 9 Mitglieder der Ersten Kammer nicht an den Wahlen zur Zweiten Kammer teilnehmen. Die Abgrenzung der Wahlkreise soll durch besonderes Gesetz erfolgen. Die von der Kammer angenommene Wahl pflicht hat in der neuen Vorlage keine Berücksichtigung gefunden. i i

Wie dieWahlreform aussieht, die der antisemitischen Bauern, zeigt ein von dem Vor⸗ stand desselben am Montag in e gefaßter Beschluß, der den bündlerischen Abge⸗ ordneten zur Nachachtung empfohlen wird. Demnach sollen die Abgeordneten:

1)zur Zeit der Vermehrung der städtischen Mandate in Erster und Zweiter Kammer rücksichtslos zu widersprechen,

2) mit allen gesetzlichen Mitteln die Einfüh⸗ rung allgemeiner, direkter und geheimer Wahl begründet auf längere An⸗ sässigkeit im Großh. Hessen herbei⸗ führen zu helfen.

Mit anderen Worten heißt das ungefähr:Die Antisemiten sind für das direkte Wahlrecht, sie werden aber seine Einführung möglichst zu verhindern suchen.

Größere Sparsamkeit im Reiche verlangte kürzlich der Fina nz⸗Ausschuß der Zweiten Kammer in seinem Berichte über das Staatsbudget. Er stellte einen Antrag an die Kammer, daß sie die Regierung ersuchen möge, im Bundesrat auf Einschränkung der Aus⸗ gaben hinzuwirken. Diesem Antrag hat sich nun sogar der Finanzausschuß der Ersten Kammer angeschlossen! Also selbst den adligen Großgrundbesitzern ꝛc. der Ersten Kammer, diesen Musterpatrioten wird die Schuldenwirtschaft zu toll!

Gießener Angelegenheiten.

Titeloder Gehaltszulage. Unter dieser Spitzmarke bringt derGießener Anzeiger eine Notiz gegen unseren Genossen Krumm, weil er in der Stadtverordneten⸗Versammlung für die Straßenkehrer den TitelVorarbeiter verlangte. Um dem Märchen, daß es Krumm um derartige Titel zu tun sei, ein Ende zu machen, sei Folgendes festgestellt: Krumm führte in der sozialpolitischen Kommission und auch im Plenum der Stadtberorduetenversammlung aus, daß trotzdem das Straßenkehren für ihn eine ehrliche Arbeit wie jede andere sei, tüchtige Arbeiter aus anderen Berufen doch dieser Kategorie Arbeiter fern blieben, weil es leider noch eine Menge Leute giebt, die nun einmal amStraßenkehrer Anstoß nehmen. Deshalb müsse man, um tüchtigere Kräfte her⸗ anzuziehen, diesen Arbeitern das Aufsteigen in andere städtische Arbeiterkategorien ermög⸗ lichen, er wünschte daher mehr Ernennungen be Vorarbeitern, womit nach dem Vorschlag er soz.⸗pol. Kommission ja eine materielle Besserstellung verbunden war. Auch heute noch sind wir der Ansicht, daß die Aussicht, ewig Straßenkehrer zu bleiben, schon manche tüchtige Kraft, zum Schaden der Stadt zurückgehalten hat. Daß unserem Geunossen selbst die Titel vollständig gleichgültig sind, brauchen wir nicht zu betonen, er hat nur mit den nun ein⸗ mal bestehenden Vorurteilen anderer Men⸗ schen gerechnet. Nach dem Bericht des Amts⸗ blattes hätte sich also eine vollständige Umwäl⸗ zung der Ansichten verschiedener Stadträte voll⸗ zogen. Krumm wird als frommer Schwärmer für Titel und Orden hingestellt, während Herr Löber als begeisterter Verfechter von Gleich⸗ heit und Brüderlichkeit vorgeführt wird. Und das anzeigerliche Reptil, das sonst doch vor jedem hohen Titel in tiefster Ehrfur It erstirbt, wird auf einmal demokratisch und spottet über Titelsucht! Vielleicht nimmt Herr Professor Biermer diesen Moment wahr und versacht es noch einmal mit einem Artikel in dem unabhängigen, aller Streberei ab⸗ holden Amtsblatte.

Herr Professor Biermer will keine Reichstagskandidatur annehmen. Auf unsere Mitteilung in der vorigen Nummer, daß Herr Biermer als Kandidat der Liberalen in Vorschlag gekommen sei, erklärte er, daß er nicht daran denke, fich aufstellen zu lassen. Tatsächlich ist von der Kandidatur Biermer die Rede gewesen, ob sie partei⸗offiziell ins Auge gefaßt wurde, wissen wir nicht. Wir haben ja auch nur gesagt, es seivon einer Seite dieser Vorschlag gemacht worden; möglich, daß Herr Biermer davon gar keine Kenntnis bekam. Uebrigens verdenken wir ihm bei den ungünstigen Aussichten, die er gehabt hätte, die Ablehnung nicht. Aus der natitonalliberalen Partei ist Herr Biermer ausgetreten, wie diefer Tage mitgeteilt wurde; ob sein Weg weiter nach rechts oder links geht, entzieht sich unserer Kenntnis.