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Nr. 49.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
grund angegeben, er(der Arbeiter) stehe öfters müßig herum. Darüber kam es zu Auseinandersetzungen, in deren Verlauf der Werkführer den Entlassenen tätlich angriff. Dieser wehrte sich natürlich und so entwickelte sich eine Prügelei. Wenn nun auch der Meister hierbei sein Teil abbekam, so gereichen doch Vorfälle dieser Art dem Werke nicht zum Ruhme und die Direktion sollte den Beschwerden der Arbeiter ein willigeres Ohr leihen, als dies bisher der Fall gewesen ist.
Aus dem Nreise griedberg⸗Büdingen.
v. Fest zu Gunsten der Weber in Crimmit⸗ schau. Das Friedberger Gewerkschaftskartell hielt am Samstag Abend im Saalbau sein erstes Winterver⸗ gnügen, verbunden mit Konzert, Gesang und theatralischen Vorstellungen ab. Das Fest kann in allen seinen Teilen als wohlgelungen bezeichnet werden. Allsettig war bei den Mitwirkenden das Bestreben, das Möglichste zu leisten, um das Fest zu verschönern, was auch in vollstem Maße gelang. Die Stimmung bei den Festteilnehmern war denn auch eine derart befriedigte, daß während des ganzen Festes kein Mißton zu bemerken war. Auch können wir die erfreuliche Tatsache konstatieren, daß alle Festteilnehmer bei den getroffenen Veranstaltungen, welche mit dazu beitragen sollten, einen möglichst großen Ueber⸗ schuß zu erzielen, sich opferfreudig zeigten.„Für die Crimmitschauer!“ Diese Worte gaben dem Feste das Gepräge, den wahren Inhalt. Möge es immer so sein, wenn es gilt, kämpfende Lassengenossen zu unterstützen.
Aus dem Rreise A(sfesd⸗Cauterbach.
e. Die Kreiskonferenz für Alsfeld⸗ Lauterbach, die am Sonntag in Alsfeld statt⸗ fand, nahm die üblichen Berichte entgegen, die Abrechnung wurde einer Kommission zur Prü⸗ fung überwiesen. Zum Kreisvertrauensmann wurde Eder⸗Alsfeld wiedergewählt. Als Vorsitzender des Kreiswahlvereins wurde Wie⸗ gandt, als Kassierer Martin und als Schrift⸗ führer Jakob gewählt. Ein Antrag, die „Mitteldeutsche Sonntagszeitung“ vom Verein in Vertrieb zu nehmen, wurde vorläufig zurück⸗ gestellt. f
b. Wohnungsnot in Alsfeld. Daß oft genug in Kleinstädten die Wohnungsver⸗ hältnisse ebenso schlimm, manchmal noch schlim⸗ mer als in Großstädten sind, beweist die Tat⸗ sache, daß in Alsfeld die 5 Köpfe starke Familie des Schneiders Korell keine Wohnung bekommen konnte. Da von dem Hausbesttzer mit Exmis⸗ sionsklage gedroht wurde, mußte sich K. an die Stadt wenden, worauf ihm im Spital eine Zelle von 4,75 m Länge und 2,30 m Breite angewiesen wurde. Licht kommt in die„Woh⸗ nung“ durch zwei„Fenster“ von 0,40 m Breite und 0,23 m Höhe. Die Wände sind feucht und der Ofen, der vom Hausgang aus geheizt werden muß, ist zum Kochen nicht eingerichtet. Somit muß K. sein Essen außerhalb kochen! Dazu ist der Mann lungenkrank, auch die Kinder sind nicht gesund. Seine Beschwerden bei dem Bürgermeister hatten keinen Erfolg; man hat ihm kein anderes Zimmer angewiesen, obwohl noch ein helleres im Spital leer steht. Noch nicht einmal seine Möbel konnte er unter⸗ bringen, die stehen teilweise unter freiem Himmel, ent kann er auf sein u e arbeiten. Bemertt sei noch, daß Korell seine Miete stets bezahlt hat, es ist ihm auch sonst nichts nachzusagen. Aufgabe der Arbeiter muß es sein, bei der nächsten Gemeinderatswahl Vertreter ihrer Klasse in den Gemeinderat zu bekommen, damit diese faulen Zustände beseitigt werden.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Pfarrer Heckenroth's Kuhhandel hat auch bei seinen Amtsbrüdern des Rheinlandes verschnupft. Bekanntlich schloß Heckenroth einen Bund mit dem Zentrum, um für sich ein Mandat zu ergattern. Da⸗ gegen protestirte der rheinische Hauptverein des Evan⸗ gelischen Bundes. Der Vorstand dieses Vereins beschloß die Veröffentlichung einer Erklärung, worin er seine schmerzlichste Entrüstung darüber ausspricht, daß Heckenroth gegen die evangelischen Wahlmänner ein Wahl⸗ bündnis mit den Ultramontanen geschlossen habe, durch das er sich ein Mandat gesichert und ein zweites Mandat dem Zentrum ausgeliefert habe. Er stellt mit Genug⸗ tuung fest, daß Heckenroth unter dem 21. November seinen Austritt aus dem Bunde angezeigt hat, wodurch der Vorstand der Notwendigkeit seiner Ausschließung überhoben sei, und erklärt, daß unter den rheinischen protestantischen Pfarrern ein Mann, der sich zu einem
derartigen Wahlhandel entschließe, eine durchaus ver⸗ einzelte Erscheinung sei. Ueberall am Rhein ständen die evangelischen Pfarrer in ernster Abwehr des ultra⸗ montanen Ansturms zur Wahrung deutsch⸗protestantischer Interessen charakterfest auf der Wacht.— So die Amts⸗ brüder des mandatssüchtigen Geistlichen. Aber auch in Wetzlar hat der Kuhhandel nicht geringe Erregung her⸗ vorgerufen und veranlaßte eine heftige und für uns amüsante Katzbalgerei zwischen konservativen und national⸗ liberalen Ordnungsleuten, die sich mit zahlreichen„Ein⸗ gesandts“ im Wetzlarer Amtsblatte bombardierten. Ja, wenn das„schmachvolle Wahlbündnis“ gegen die So⸗ zialdemokraten geschlossen worden wäre, da würde man allseitig seinen Segen dazu geben! Daß Herrn Heckenroth die Angriffe seiner Amtsbrüder besonders nahe gehen, glauben wir kaum. Hauptsache ist, daß er Ab⸗ geordneter ist und— Diäten einstreichen kann. 5
h. Lohndiffe renzen scheinen in verschiedenen Gerbereien ausbrechen zu wollen. Die Firma Rü b⸗ sam stellt an die Arbeiter einfach unerfüllbare Forde⸗ rungen an Mehrleistung, auch von der Firma O. Dittrich wurden zahlreiche Entlassungen vorgenommen. Bei Rübsam wurde einem Arbeiter gekündigt, worauf die übrigen dort Beschäftigten ihrerseits kündigten. Rübsam gilt als ein reicher Unternehmer; über die Behandlung dort haben seine Arbeiter schon oft geklagt.
h. Der Durchbrenner Kfm. Jakob hat sich dem Gericht in Limburg gestellt. Er kann wohl nicht weit gewesen sein; übrigens soll sein Wiederkommen Manchem nicht besonders angenehm sein.
h. Vortrag der Lesevereinigung. Ueber:„Die Sonne als Energie⸗Quelle,“ hält Donnerstag d. 10. Dez. im Schützengarten Prof. Schaum⸗Marburg einen Vortrag.
Aus dem Nreise Marburg⸗Nirchhain.
Bekanntmachung der Gewerkschaftskom⸗ mission. Zur Unterstützuug der ausgesperrten Weber in Crimmitschau sah sich die Gewerkschaftskommission veranlaßt, nochmals Sammellisten herauszugeben, um den Ausgesperrten eine Weihnachtsfrende zu bereiten. Hoff⸗ entlich wird die Marburger Arbeiterschaft sich auch an dieser Sammlung recht zahlreich beteiligen.
r. Nachträgliches von der Stadtverord⸗ neten wahl. Wenn irgend ein Kandidat bei der Stadtverordnetenwahl eine„Schlappe“ erlitten hat, dann ist es Herr August Heppe, der unentwegte Antisemit. Als Herr Heppe als Kandidat vom„Bürgerver⸗ ein“ proklamiert war, da hatte er natürlich nichts eiligeres zu tun, als den Arbeitern seine Kandidatur anzuempfehlen und ihnen mundgerecht zu machen, daß er nur der einzige Mann ist, der den Mut hat, auf dem Rathause den Mund anfzumachen, daß nur er die Wünsche eines Arbeiters vertreten kann. Herr
August Heppe, der wohl schon vorher ahnte, daß seine
Kandidatur sehr wackelig war, trieb deshalb den Kutscher⸗ und Diener⸗Verein an, daß sie für ihn agitieren sollten. Als Herr August Heppe von der Wahlbeteiligung der Arbeiterschaft hörte, geriet er ganz aus dem Häuschen und er trachtete auf unsere Liste zu kommen. Natürlich gelangs ihm nicht und so versuchte er auf dem Wege des Inserats sich als den wahren Jakob zu empfehlen. Ob⸗ gleich das Inserat mit„Viele Arbeiter und kleine Ge⸗ schäftsleute“ unterzeichnet war(bezahlt wurde es von Heppe), ließ sich niemand täuschen. Der Biedere kam nicht einmal in die Stichwahl. Es ist dies bereits die zweite öffentliche„Schlappe“, die Herr Heppe in diesem Jahre bekommen hat. Bei der Reichstagswahl ließ man seinen Busenfreund Zimmermann durchfallen, und bei der Stadtverordnetenwahl ihn selbst. Bei der Reichs⸗ tagsstichwahl agitiert Heppe für den Konservativen und bei den Stadtverordnetenwahlen will Heppe den „Arbeiterkandidaten“ spielen. Glaubte der gute Mann die Marburger Arbeiterschaft verhöhnen zu können? Nun, August Heppe hat sich die Quittung in Gestalt einer weiteren Schlappe geholt.
r. Für die Fortbildungsschule hegen viele Handwerksmeister keine große Sympathie, weil jetzt ganz mit Recht die Unterrichtsstunden in die Zeit von 1—3 Uhr nachmittags gelegt sind. Da fehlen wöchentlich 4 Arbeits⸗ stunden und das ist vielen Meistern nicht angenehm. Ein verständiger Mann wird dagegen nichts einwenden, denn es liegt im Interesse nicht nur des Lehrlings, sondern in gewisser Beziehung auch des Meisters selbst aber auch in dem der Gesamtheit, daß die jungen Leute sich die nötigen Kenntnisse erwerben. Es ist daher sehr töricht, wenn der Malermeister K. seinen Lehrling, der ihn fragte, ob er zum Unterricht gehen könne, ant⸗ wortete:„Ihr dummen Bauern braucht nichts zu lernen!“ Dabei hat Meister K. sich doch kontraktlich verpflichtet, den Jungen zum tüchtigen Arbeiter auszubilden. Man sollte ihm von maßgebender Stelle aus auf seine Pflichten aufmerksam machen!
bh. Die„Freie Bühne“. Unser Arbeiter⸗Theater⸗ Verein feiert diesen Sonntag im Saale des Schloß⸗ gartens sein 1. Stiftungsfest. Hoffentlich unterstützen die Genossen den jungen Verein durch zahlreichen Besuch. Im Uebrigen sei auf das Inserat verwiesen.
Kreise statt.
Kleine Mitteilungen.
e Opfer der Arbeit. Ein Gerüst an einem Neubau in Köln stürzte am Montag zusammen. Da⸗ bei wurden mehrere Arbeiter verletzt, einer so schwer, daß er kurz darauf verstarb.— Am Montag erstickten auf der Zeche„Union“ bei Dort mund drei Arbeiter durch Einatmen giftiger Gase.— Bei einer Explosion im Aschaffenburger Gaswerk wurden in der Gasbereitungsanlage zwei Gas arbeiter schwer und zwei andere leicht verletzt.
* Duellmord. In Aschaffenburg starb der Studierende Königsdorfer an den Folgen der Wunden, die ihm im Säbelduell beigebracht worden waren. Sein Gegner, ebenfalls Student an der Forstschule, wurde verhaftet.
Partei-Nachrichten.
Parteigenossen des Großh. Hessen!
In den nächsten Tagen wird mit der Versendung des Hessischen Landboten pro 1904 begonnen. Wir ersuchen deshalb die Kreisvertrauensmänner, uns umgehend mitzuteilen, wie viel Exemplare sie wünschen und an welche Adressen dieselben ver⸗
sandt werden sollen. Das Landes⸗Komitee. C. Ulrich, Offenbach, Gr. Marktstraße 23.
Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg.
Parteigenossen! Am Sonntag, den 13. Dezbr. findet die Verteilung des Landkalenders im Die Touren⸗Eiuteilung bleibt die⸗ selbe wie bisher. Die Parteigenossen werden ersucht, sich zahlreich zur Verfügung zu stellen; die einzelnen Organisationen wollen ihre Leute bestimmen und mir darüber baldige Mitteilung
machen. A. Bock, Kreisvertraueusmaunn. Gießen, Dammstraße 22.
Versammlungskalender.
Samstag, den 5. Dezember.
Gießen. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Sonntag, den 6. Dezember.
Staufenberg. Wahl verein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Geißler. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder notwendig.
Wieseck. Soz.⸗dem.⸗Wahlverein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Gustav Schneider. T.⸗O.: Das Unfallversicherungsgesetz. Ref. Vetters.
Montag, den 7. Dezember.
Gießen. Schneiderverband. Abends 9 lh:
Versammlung bei Orbig. Mittwoch, den 9. Dezember.
Gießen. Bäcker. Nachmittags 5 Uhr Versamm⸗ lung bei Löb(Wiener Hof).
Samstag, den 12. Dezember.
Lauterbach. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 8 ½ Uhr Versammlung bei Gastwirt Keutzer.
Quittung.
Für die ausgesperrten Weber in Crimmit⸗ schan gingen ein: Lollar 1. Rate Mk. 9.15; 2 R. 5.50; Ts. 1.—
Briefkasten.
H.⸗Stbg. Wir wurden benachrichtigt, daß die Landgemeindeordnung in der Buchhandlung vergriffen ist. B.⸗Mrbg. Richtig frankieren! Mußten wieder⸗ holt Strafporto zahlen! Th.⸗Rehe. Mußte leider nochmals zurückgestellt werden.
—— ̃ ̃—%—— Gesucht 7—8 tüchtige Zigarrenmacher. Sich zu melden bei Carl Pfaff, Weidenhausen 94,(b. Marburg).
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