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Nr. 36.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 3.
und über solche zwecklose Zerstörung von brauch⸗ barem Ackerboden in Erregung geraten? Den Bauern wird durch das eigentliche Manöver schon gerade genug zerstampft und zertreten, man sollte nicht unnützer Weise noch für über⸗ flüsstge Paraden kostbare Bodenwerte vernichten.
Kaiserschloß in Mainz.
Nach den Mitteilungen Mainzer Blätter besteht der Plan, das dortige Zeughaus zu einem Schloß für den Kaiser umzubauen. Natürlich sollen die Kosten des Umbaues aus öffentlichen Mitteln bestritten werden und somit werden den Steuerzahlern wiederum neue Lasten aufgebürdet. Mögen doch die Leute, welche an dem Schloßbau ein Interesse haben, es aus ihrer Tasche bezahlen! Es scheint tatsächlich in Deutschland so gemacht zu werden, sagt richtig unser Mainzer Parteiblatt, daß in jeder Stadt, der der Kaiser einen Besuch abstattet, ein Schloß gebaut werden soll. Da der Kaiser nun viel reist und infolgedessen vielen Städten Besuche abstattet, so wird natür⸗ fen auch die Zahl der Schlösser eine recht hohe ein.
Uebrigens kosten die Kaiserreisen den Städten ganz bedeutende Summen. Manch⸗ mal scheint es, als wolle eine Stadt, die mit einem Kaiserbesuch beehrt wird, das überbieten, was aus gleichem Anlasse für festliche Aus⸗ schmückung, den vorschriftsmäßigen brausenden Jubel in den Straßen anderswo aufgewendet wird. Hamburg hat sich den Spaß seinerzeit 250000 Mk. kosten lassen, Frankfurt a. M. gar 400 000 Mk. Mainz, das der Kaiser vor kurzem mit seiner Anwesenheit beglückte, war ein bischen knickerig; mit 3000 Mk. glaubte der Mainzer Stadtrat seine patriotischen Gefühle genügend zu bekunden. Dafür hat Halle, das den Kaiser am 6. Septbr. in seinen Mauern sehen wird, 50000 Mk. für festlichen Empfangs⸗ klimbim übrig; in der gleichen Sitzung, in der die Verausgabung dieser Summe beschlossen wurde, bewilligte der Hallesche Stadtrat dem Zentralverein zum Wohle der arbeitenden Klassen eine Beihilfe von— 12 Mk.
Gegen den Militarismus.
Genosse Rudolf Kraft macht dem Vorwärts die Mitteilung, daß er mit Abfassung einer Broschüre beschäftigt ist, welche sich nicht nur gegen die Soldatenmißhandlungen, auch gegen das herrschende Militärsystem, gegen das Militär⸗Strafgesetzbuch, gegen die bürger⸗ lichen Parteien, die den Mißhandlungen mit einer nur schlecht maskierten Gleichgültigkeit gegenüberstehen, wenden, wobei vor allem die Konservativen und das Zentrum schlecht weg⸗ kommen werden. Sie wird sich auch mit dem „Beschwerderecht“ und der lange nicht energisch genug betriebenen Bekämpfung der Soldaten⸗ quälereien durch die militärischen Behörden und die Offiziere befassen.— Eine solche Schrift ist notwendig und zeitgemäß. Sie wird zweifellos das Wesen des völkerverwüstenden Militarismus gebührend bloßlegen.
Vom gleichen Recht.
Unser Genosse Lei d, Redakteur des Vorwärts sitzt noch immer wegen der Kaiserinselgeschichte in Untersuchungshaft, seine Entlassung gegen Kaution wurde vom Staatsanwalt abgelehnt, da Leid„fluchtverdächtig“ sei. Noch niemals hat sich ein sozialdemokratischer Redakteur einem Strafverfahren durch die Flucht entzogen! Dagegen der kürzlich in Dresden ver⸗ haftete Geheime Kommerzienrat Hahn ist gegen eine Kaution von 100 000 Mark aus der Untersuchungshaft entlassen und dem reichen Bankschwindler damit Gelegenheit gegeben worden, die Zinsen seiner Millionen im Auslande zu verzehren. N i 5
Dieser enorm reiche Mann ist wegen Bilanz⸗ fälschung, Vergehen gegen das Aktiengesetz, Betrug usw. angeklagt. Der Geheime Kommer⸗ zienrat war in den Zusammenbruch der Dresdener Kreditanstalt verwickelt, zu deren Aufsichtsräten er gehörte. Der Herr bekleidete das Amt eines Anfsichtsrates im ganzen in nicht weniger wie 27 Aktiengesellschaften. Wenn der Mann sich nicht sicher fühlt, daß man ihm„nichts beweisen
kann, dann wird er sicher dem Vaterlande den Rücken kehren, da das Gefängnis sicher nicht sein Lieblingsaufenthalt sein dürfte.
. Während der Geheime Kommerzienrat jubelnd die Erträgnisse des ergaunerten Reich⸗ tums in fröhlicher Gesellschaft jenseits der Grenzen verzehren wird, muß unser Genosse Leid als„fluchtverdächtiger Verbrecher“ hinter Kerkermauern vielleicht Wochen oder gar Monate 1 seine selbstverständliche Freisprechung er⸗ warten.—
Auflösung der„Ablöser“.
Am Sonntag hielten die Nationalsozialen in Göttingen ihren Vertretertag ab, der von 200 Delegierten besucht war. Er hat in seiner Mehrheit sich für den Anschluß an die Freisinnige Vereinigung ausgesprochen. Eine Gruppe der Minderheit will einen süddeutschen Verband gründen, also selbständig bleiben, einzelne wollen zur Sozialdemokratie kommen. Für diese letztere sprach der bisherige Parteisekretär Dr. Mau⸗ renbrecher, der u. a. ausführte:
„Es ist ein richtiger und guter Charakter der Arbeiterschast, Mißtrauen zu hegen, und das reale Klassen⸗ und Volksinteresse hat bei uns gefehlt. Das muß ausge⸗ sprochen werden. Wir sind in der Grundtheorie ebenso antimonarchisch gesinnt, wie die Sozial⸗ demokratie in der Praxis! Es ist eine innere Unklarheit, die zwischen uns existiert, daruber müssen wir uns klar werden. Nur durch die Opposition können Konzessionen erlangt werden und wer so die Konsequenz des sozialen Gedankens erfasse, wird zugeben müssen, daß die Zukunft des Freisinns zu Ende ist und man zur Sozialdemokratie gehen müsse. Wir kommen zur Sozialdemokratie nicht als Gruppe, sondern genau so als Einzelperson, wie jeder andere Parteigenosse auch! Auch gehe man nicht dorthin, um den Bernstein'schen Flügel zu verstärken, sondern lediglich wegen des Parteiprogramms. Ich ersuche Sie, sich nicht von der Arbeiterschaft abdrängen zu lassen,— dort ist die Zukunft unser er Wült ur!“
Bei uns ist jeder willkommen, der mit uns ehrlich auf dem Boden des Parteiprogramms für die politische und wirtschaftliche Befreiung des Volkes arbeiten will. Die Herren würden aber sehr bald abwirtschaften, wenn sie etwa innerhalb unserer Partei„revisionistisch“ arbeiten wollten, wie ihnen Naumann geraten hat.
Nationalliberaler„Arbeiter“ verein.
Eine solche Mißgeburt existiert nun wirklich in Worms. Der„ganz ausschließlich von Arbeitern ins Leben gerufene“ Verein soll, wie Ordnungsblätter zu berichten wissen,„Gelegen⸗ heit bieten, aus der Mitte der Arbeiterschaft heraus dauernden Protest ertönen zu lassen gegen die immer anmaßender auftretende Sozial⸗ demokratie.“ Ferner soll Ziel der Vereinigung sein, das gegenseitige Vertrauen, das Interesse und die Zufriedenheit zwi⸗ schen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu pflegen. Von einem Mitveranstalter der Versammlung, einem„Arbeiter“, wurde betont, daß die Veranstalter aus sich selbst heraus ge⸗ handelt und einen Ruf an ihre Kameraden hätten ergehen lassen, die intelligent genug seien, um die soziale und politische Lage zu überblicken und dazu Stellung zu nehmen. Wie der Vor⸗ sitzende vor Schluß der Versammlung mitteilte, 1 sich zu dem Verein bereits 800 bis 900
itglieder angemeldet.
Landtagswahlen
finden diesen Herbst in Preußen, Sachsen, Baden und Weimar statt. In den ersten beiden Ländern herrscht das„elendeste aller Wahlsysteme“, das Dreiklassenwahlrecht, welches in Sachsen eingeführt wurde, um unsere Ge⸗ nossen aus dem Landtage zu verdräugen. Bei den Reichstagswahlen haben die Wahlrechts räuber ihre Quittung erhalten. Aber sowohl in Preußen wie in Sachsen nimmt unsere Partei energisch den Wahlkampf auf und es wird auch der Erfolg nicht ausbleiben. In Sachsen⸗Weimar stellen unsere Genossen in
14 von den 23 Wahlkreisen aussichtsvolle Kandidaten auf. Ebenso wird in Baden unsererseis die Wahlarbeit mit allem Nachdruck betrieben.
Ausland. Krieg in Sicht.
Der Aufstand in Macedonien greift immer mehr um sich, tagtäglich finden Kämpfe zwischen bulgarischen Banden und türkischen Truppen statt und beide Teile morden und sengen. Die Verhältnisse spitzen sich immer mehr zu, so daß bereits der Ausbruch des offenen Krieges als bevorstehend gemeldet wurde. Bulgarien sowie die Türkei machen ihre Truppen mobil und auch Oesterreich behält im Hinblick auf die Situation seine Reserven, die jetzt zur Entlassung kommen sollten, noch bis Jahres⸗ schluß zurück.
Bauernunruhen in Italien.
Aus verschiedenen Teilen Italiens werden Bauernunruhen gemeldet. In Arrospila drangen 300 Landbewohner in das Besitztum eines Prinzen und demonstrierten darauf vor dem Gemeindehause. Die Ruhe wurde ernstlich gefährdet und es mußte Militär zu Hilfe ge⸗ rufen werden. Aehnliche Kundgebungen fanden auf dem Besitztum des Prinzen Torlonio bei Angillare statt. 400 Landbewohner versuchten einen Angriff auf das Schloß. Kavallerie mußte aufgeboten werden, die die Demonstranten schließlich zerstreute. Auch anderwärts rebel⸗ lierten die Bauern gegen die Großgrundbesitzer. Der Grund der Erhebung liegt in der Weige⸗ rung der Großgrundbesitzer, einen Teil ihres Besitztums an die Gemeinden abzutreten.
Soziales.
Entwickelung der Konsumgenossenschaften.
Die Großeinkaufs⸗Gesellschaft Deutscher Konsum vereine hat in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres insgesamt einen Umsatz von 10801 432.98 Mk. erzielt gegen 8691863.89 Mk. im Vorjahre. Die Zunahme beträgt demnach 2 109569.09 Mk. oder rund 25 Prozent.
Die Wurmkrankheit im Ruhrrevier.
Der„Reichsanzeiger“ berichtete, daß auf 34 Ruhrzechen entsprechend polizeilicher Anord⸗ nung die ganze Belegschaft untersucht worden sei, eine größere Anzahl Gruben sei außerdem freiwillig untersucht. Die Untersuchung der Belegschaften ist jedoch, wie die„Bergarbeiter⸗ zeitung“ feststellt, immer noch nicht voll⸗ ständig, wohl aber ist trotz der sehr gering⸗ fügigen Untersuchung der Bergarbeiterfamilien ein zwölfjähriges Kind, der Sohn eines Hauers auf Schwerin, als wurmkrank er⸗ mittelt worden. Die Aerzte nehmen an, das Kind habe von dem Butterbrotrest 419 gegessen, den sein Vater von der Grube heim⸗ brachte, und der mit Wurmlarven behaftet war.(0 Man sieht, wie furchtbar die Gefahren der Ansteckung sind. Das Kind mußte sich der „Abtreibungskur“ unterwerfen, die starke Männer auf den Hund bringen. So müssen auch die armen Knäblein büßen für die Sünden, die an ihren Vätern begangen. Wer von diesem unermeßbaren Unglück gewarnt, gemahnt, ener⸗ gische Abhilfe gefordert hat, das ist ein„Hetzer“, der streut„Gift“ unter die Bergleute. Kirch⸗ hofsruhe soll herrschen. Die Schuldigen wollen ihre Ruhe haben. Eine besondere Bedeutung sei der Verseuchung des Bergmannskindes nicht beizulegen, schreibt der„Reichsanzeiger“. Wir, meint die„Bergarbeiterzeitung“, und mit uns die fühlenden Menschen in allen Gesellschafts⸗ kreisen, sind anderer Ansicht.— Auch in Schlesien soll nach verschiedenen Meldungen die Wurmkrankheit schon aufgetreten sein.
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Die„parteilose“ Presse.
Ein Artikel in der„Neuen Zeit“ erörtert unter der Ueberschrift: Eine Partei- und Preß⸗
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