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Nr. 40.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 5.
Verhalten des„patriotischen“ Wirtes„zur Krone“ ver⸗ urteilt, der für andere Einwohner, welche dafür keinen Raum hatten, die Einquartierung übernahm. Für jeden Mann mußte 3,30 Mk. inel Verpflegung bezahlt werden, ein Preis, für den doch etwas verlangt werden kann. Der spekulative Wirt übernahm flugs 30—40 Mann, während er nur für 10 anständigen Raum hat. In⸗ folgedessen war die Verpflegung ze. so mangelhaft, daß die betreffenden Offiziere Ausquartierung anordneten. Dieses Verhalten des Wirtes, dem auch viele Arbelter noch ihre Groschen zu lösen geben, findet allgemeine Verurteilung.
t. Aus dem V. nass. Wahlkreise. Für unseren Wahlkreis ist ein Wahlvereen gegründet worden. Vorsitzender desselben ist Richter Hachenburg; Schriftführer Bayer-Dillenburg; Kassterer Trott-Haiger, bei dem die Anmeldungen zu bewirken sind.— An den Landtagswahlen wird sich unsere Partei, wo Aus⸗ sicht vorhanden ist, durch Aufstellung eigener Wahl⸗ männer beteiligen. Die Natlonalliberalen stellen den Amtsrichter Hoffmann— den früheren Reichstags abgeordneten— als Kandidaten auf. Chrlstlich⸗Sozlale, Konservative und Zentrumsbrüder sollen sich, wie es heißt, auf den Landrat v. Wussow⸗ Dillenburg ge⸗ einigt haben.— Möglicherweise gibts aber nicht ein⸗ mal einen preußischen Landrat, der sich mit Hilfe eines solchen pfäfftsch⸗krautjunkerlichen Kuddelmuddels in den Landtag wählen läßt. Oder suchen die Stöckerlaner einen Kanalgegner, der der Regierung mit dem Kanal vor den Bauch stößt?—
Um die„Armen im Geiste“ für die Stöckerel und Muckerel besser einzufangen, haben die Christlich⸗ Sozialen in Herborn eln Blatt unter dem hochtrabenden Namen„Nassauer Volksfreund“ gegründet. Die Abon⸗ nements⸗Einladung riecht stark nach Bauernfängerek, man wagt offenbar nicht, mit der wahren Farbe heraus⸗ zurlicken, sondern hängt die„unparteilsche“ Maske vor. „Volksfreund!“ Vor solchen Freunden möge ein gütiges Geschick das besitzlose Volk beschützen, die für die Interessen der Arbeiter eintreten wollen, dabei aber die Zollwucherpolitit unterstützen und dadurch dem schwer sich plagenden Arbeitsmann die notwendigsten Lebensmittel verteuern, die Arbeitsgelegenheit erschweren, kurz das Leben noch sauerer machen! Herausgeber des Blattes ist ein Herr Anding; er gab früher eine frei⸗ sinnige Zeitung heraus und weil er damit auf keinen grünen Zweig kam, versucht er's zur Abwechselung mit Stöckerscher Politik. Kann schrelben rechts, kann schreiben Unks! Wünschen viel Glück!— Die Nattonalliberalen wünschen hingegen die Gründung zum Kuckuck. Sle er⸗ wachen aus dem langen Starrkrampf und gründen „nationale“ Vereine, das„lüberale“ legen sie unter⸗ dessen in den Eisschrank, damit es nicht an der öffent- lichen Sonne verschmilzt. Natürlich bekämpfen auch die „Nationalen“ unentwegt die Sozialdemokratie; mit denen läßt sich höchstens reden, wenn man ihre Unterstützung bel Wahlen braucht. Herr Burckardt hat den National- liberalen gegenüber seine christliche Liebe betätigt, fünf von ihnen hat er wegen Beleidigung verklagt. Warum sieht er den Splitter in des Nächsten Auge? Wir sind doch allzumal Sünder! Viel herauskommen wird bei der Geschichte wohl kaum.— Trotz aller Versprechungen, die der sogenannte Volksfreund macht, werden auch die Westerwälder Arbelter, Kleinbauern und Handwerker bald erkennen, daß ihre Interessen nur von der Sozialdemo—
kratie gewahrt und verfochten werden, die Stöckerei es mit den Besitzenden hält, dle die Ausbeutung verewigen
und das Volk verpfaffen und verdummen will.— Freunde und Genossen im Wahlkreise! Arbeitet unermüdlich für unsere Sache! Das tut Ihr am besten, indem Ihr unserer Parteipresse, in erster Linie der Mitteld. Sonn⸗ tags⸗Ztg. neue Leser und Abonnenten zuführt!
Aus dem Nreise Marburg-Mirchhain.
Bh. Im Wahlverein konnte am Sams— tag der angekündigte Vortrag über„Sozial. demokratie und Schule“ von Frau Dr. Michels leider nicht gehalten werden, weil ein Todes— fall in der Familie Dr. Michels eingetreten war. An Stelle dessen sprach Genosse Weber über die Landtagswahlen und unsere Stellung dazu. Besonders hervorgehoben wurde der Mißstand, daß diese Wahlen immer auf eine unpassende Zeit festgesetzt werden, z. B. vormittags 10 Uhr. Besser wäre es, der Wahl⸗ termin würde auf abends 5 Uhr festgesetzt, da⸗ mit sich die Arbeiterschaft reichlicher daran be⸗ teiligen könnte. Jedenfalls wird in der nächsten Versammlung Gen. Weber, der diesmal nicht
enügend vorbereitet war, wieder über unsere
Stellung zur Landtagswahlen referieren. Die
Versammlung ging gegen 12 Uhr zu Ende. Herr Wenck, der bisherige Redakteur der nat.“ soz.„Hess. Landesztg.“ gibt seine Stellung an dlesem Blatte auf und siedelt nach Leipzig über, wo er sich ebenfalls Journallstischer Tätigkelt widmen wird. Ob die„Hess L. Ztg.“ weiterhin noch die nationalsoztale Politik verfolgen, oder unter unpartellscher Flagge segeln wird, muß die Zukunft lehren. Wahrscheinlicher ist das
letztere. Vom Schwurgericht wurde der Schneider Heckeroth wegen Mißhandlung seines
Pflegekindes, das an der erlittenen Verletzung starb, zu drei Jah ren Gefängnis verurteilt. Wie wir neulich schon erwähnten, war H. ein eifriger Kirchengänger.
B. Die Nationalsozialen beschlossen am Sonntag in ihrer e eine Reso⸗ lution, nach welcher sie im Wahlkreise Marburg weiter die Grundprinzipien der nationalsozialen Politik vertreten und ihrer„Gedankenwelt“ Anhänger werben wollen. Damit war der Antrag Gerlach's, dem liberalen Wahlverein beizutreten, abgelehnt. Von der Aufstellung eines Landtagskandidaten wurde Abstand ge— nommen, weil, wie v. Gerlach sagte,„die Sozialdemokraten im Geheimen gegen uns arbeiten und uns die Stimmen abtreiben werden.“ — Langes Leben kann man übrigens dem Marburger nat.⸗soz. Verein kaum prophezeihen.
Grubenunglück in Schlesien.
Im Fizinusschacht der Laurghütte bei Kattowitz entstand am Sonntag ein Gruben- brand. Drei Bergleute sind tot, 15 Mann sind teils schwer, teils leicht verletzt, be⸗ finden sich aber sämtlich außer Lebensgefahr. Außerdem werden noch ein Bergbeamter und mehrere Bergleute vermißt. In amtlichen De⸗ peschen wurde vorher die Katastrophe als sehr harmlos hingestellt.
Kleine Mitteilungen.
Zur Nachahmung empfohlen! Die MainzergBäckermelster haben den Preis des Brotes um 5 Pfennige per 2 Kilo herabgesetzt.
e Messerstecherel Bel einem in der Sonntag Nacht in Vilbel entstandenen Streite bekam der 18 jährige Jean Ackermann elnen Stich in die Brust, welcher die Lunge verletzte und selnen sofortigen Tod herbelführte. Mehrere Burschen wurden als der Tat verdächtig ver⸗ haftet.
W Verbrannt. In Frankfurt bemerkte man Freitag Abend, daß es in der Wohnung der Wittwe Adam in der Schlfferstraße brannte. Dle 78 Jahre alte Frau fand man tot und total verbrannt vor dem Bette in sitzender Stellung.— Ein anderer Fall schrecklicher Verbrennung ereignete sich in der Adler⸗ Drogerle. Dort war der 16 jährige Lehrling Rink- hof mit Abfüllen von Benzin beschäftigt gewesen und hatte damit auch die Kleider bespritzt. Kurze Zelt später gebrauchte der junge Mann ein Licht, die mit Benzin ge⸗ tränkten Kleider fingen Feuer und im Augenblick stand Rinkhof in hellen Fammen. Er trug schwere Brand- wunden am ganzen Körper davon.
Opfer der Arbelt. Auf der Kohlengrube „Kaiser Frledelch“ bei Dortmund wurden am Frestag zwel Bergleute durch herabstürzende Gestelnmassen erschlagen.
——
Partei-Uachrichten.
Wegen Majestätsbeleidigung wurde Genosse Wabersky, Redakteur des Hamburger„Echo“ zu drel Monaten Festungshaft verurtellt.
Ein Kampfveteran des Verbandes der Deut⸗ schen Buchdrucker, Richard Härtel, der erste Präsl⸗ dent und Gründer des Verbandes, ist am letzten Samstag in Leipzig, 69 Jahre alt, gestorben. Seit nahezu 40 Jahren war er als Redakteur des Buchdruckerorgans „Korrespondent“ tätig. Seine inteustve gewerkschaftliche Tätigkeit ließ ihn im politischen Kampf wenkger her⸗ vortreten, für den Verband der Buchdrucker hat er aber ganz Bedeutendes geleistet. Mit Liebknecht war der Verstorbene s. Zt. enge verbunden als Metteur des von demselben mit Bebel herausgegebenen„Demokrat. Wochen⸗ blatt“, und vielleicht übte die gewerkschaftliche Tätigkelt Härtels auf Liebknecht einen gesunden Einfluß aus.
Versammlungskalender.
Samstag, den 3. Oktober.
Gießen. Holzarbelter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bel Löb„Wlener Hof“.— Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bel Orbig. Vortrag von Genosse Krumm über:„Arzneitaxen“— Brauer. Abends 9 Uhr Versammlung bei Löb (Wiener Hof).
Friedberg. Soz. dem. Wahlvereln. Abends 3 s¼ Uhr Versammlung in Stadt, New⸗Nork.
Steinberg. Arbelterbildungs verein. Abends 9 Uhr Versammlung bel Kaspar Linn.
Montag, den 5. Oktober.
Alten⸗Buseck. Volts⸗Vereen. Abends 9 Uhr
Versammlung bel Wirt Becker. Mittwoch, den 14. Oktober.
Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr
Sitzung bel Orbig.
Oeffentliche
Partei⸗Uersammlung
Montag, 5. Oktober, abends 8% Uhr
bei Gastwirt Orbig, Nittergasse. Tagesordnung:
Berichterstattung vom 80. Partei-
tag in Dresden. Alle Parteigenossen sind zu dieser Versammlung
Der Einberufer.
S N D „Freie Turnerschaft“ Giessen.
Samstag, 10. Oktober, abends 3 Uhr
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im Casé Leib, bestehend in
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Zu zahlreichem Besuch ladet ein Karten 1 Ml.
Orbig, Ritterg., Friseur! Ss
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feier des I. Kiflungssestes
Konzert ind Lledervortrügen des Gesangvereins „Eintracht“, Theater, turm. Aufführungen, Hall. Der Vorstaud. Vorverk. 75 Pfg., zu haben bei Herrn Friseur Muhl, Vahnhofstr., Löb,„Wiener Hof“, Dreher,„Zum Pfau“, vorzulegen.
0 Walltor, Rottmann, Seltersweg 7 5 eee. Keßter Paulgtiewisch. H. Baum.
Diessen Stau- HTheuter.
Spielplan. Sonntag, den 4. Oktober; Der blinde Passagier. Dienstag, den 6. Oktober: Liselott.
Freitag, den 9. Oktober: Ueber den Wassern.
dae. Konsumverein
Gießen u. Umgegend. Unseren verehrl. Mitgliedern zur gefl. Kenntnis, daß die in der 9 ordentl. Generalversammlung v. 27. Sept. er. beschlossene Pipi dende am Montag, den 5., 1872. den 6. und Mitt. woch, den 7. Ottober in den Abendscunden von 6—9 Uhr in FJunserer Verkaufsstelle zur Aus, 4. ableng gelangt. Berechtigt sind 7 le Dioldendenscheine Nr. 600 bis 41845 inkl. Die Quittungskarte über eingezahlte Anteilscheine ist
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Der Vorsland.
desang-Jerein„Eintracht“, Giessen. Sonntag, den 4. Oktober, nachm. 3 Uhr
bei Wirt Orbig, Rittergasse:
General versammlung.
Tagesordnung: 1. Rechnungsablage und Vorstandswahl.
2. 30jähriges Stistungssest.
In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Mitglieder ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen.
3. Verschiedenes.
Der Vorstand.
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Hutmacher. Marktstraße 26.
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