Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.
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8 Nr. 1. regeln, siegen müssen und werden wir trotz alledem!“ I Die Anwesenden horchten auf. So etwas kam nicht alle Tage vor. 4„Was, Neumann aus Berlin!“ rief da . Plötzlich eine Baßstimme.„Donnerwetter, altes Haus, Dir müssen sie schön mitgespielt haben, 5 bi Du in diesem Hundewetter auf der Walze f 1 15 0 5 sagte der Angeredete 5 achend. — Alle Müdigkeit war jetzt bei ihm verschwunden. 15 Hier lid saß echte Proletariergerzen. W Bald saß der von Allen freudig begrüßte 5 Neumann inmitten der Genossen, die dem Ge⸗ m maßregelten jeden Wunsch an den Augen abzu⸗ 0 sehen strebten. 1 An diesem Sylvesterabend wurde der heilige * Wund der proletarischen Solidarität neu ge⸗ 0 schlossen und gefestigt. Die ersten wirksamen b Maßregeln wurden nach Neumanns klugen Rat⸗ „ schlägen getroffen, den Fabrikanten und der 10 unit ihnen verbündeten schwarzen Klerisei ihr llichtscheues Treiben gründlich zu vereiteln. u Als die Mitternachtsglocken das neue Jahr , einläuteten, erhob sich Neumann, hielt sein Glas 10 hoch empor und rief leuchtenden Auges mit 1 kräftiger Stimme:„Freunde, Genossen! Dieses Glas dem neuen Kampfe des neuen Jahres, W. diem Sieg unserer Organisation! Ein Geist s seoll herrschen, so weit der Proletarier wirkt und Nat schafft, der Geist des Opfermuts und der lde Solidarität! d? Die Lieb soll uns zusammenketten; 1 Wir strecken aus die Bruderhand, W Aus geist'ger Schmach das Vaterland, 263 Das Volk vom Elend zu erretten!“ 5 ö Jauchzender Beifall erscholl. Schöner wurde wohl nie eine Sylvesterfeier begangen. 1 15 Was ist Elektrizität? wob Arthur Wilke weist in dem letzten Heft der Zeutralzeitung für Optik und Mechanik darauf , hün, daß auf diese Frage eine Antwort über⸗ diem haupt nicht erwartet werden könne, weil sie 0 N im sich selbst einen Irrtum enthalte, der aller⸗ „ bengs nicht so offen zu Tage liege. Unsere , Erkenutnis der Natur wird uns durch die fünf eh Sinne vermittelt, aber es giebt Kräfte in unserer lungebung, die auf unsere Sinne nicht wirken uu und uns daher durch sie auch nicht erraten ö u merden können. Entdeckt werden sie erst dann, Dun, uenn sie mittelbar unseren Sinnen zugänglich en gemacht werden. Wie das geschieht, lehrt z. B. 9 d me solche Entdeckung wie die der Röutgen⸗ el srahlen. Die Naturvorgänge, die unsere Sinne unmittelbar beeinflussen, bilden nur 1% eien kleinen Teil der Gesammtheit. Die sinn⸗ 12 ich nicht wahrnehmbaren Vorgänge dagegen . an langen doch schließlich in den Bereich unseres 1 sassungsvermögens, indem sie sich fortpflanzen, 0„ sch umwandeln und andere Geschehnisse veran- 1 o, ssen, die auf unsere Sinne wirken. Als 10 10 beispiel können uns die chemischen Kräfte dienen. zun zurch die Betätigung solcher können zwei „ lserer Sinne, nämlich Geschmack und Geruch, 7 begt werden, die aber so unvollkommen ent⸗ Wal 10 bickelt sind, daß sie für unsere wissenschaftliche oil Erkennntnis nicht viel zu bedeuten haben. bel 65 wenn wir von der Chemie nicht mehr wüßten, aun is wir durch Geschmack und Geruch von ihr 90 skahren, so würde es recht schlecht um unsere 1 We gelehrsamkeit auf diesem Gebiete bestellt sein. hun die chemischen Vorgänge aber beeinflussen kü, läcklicherweise auch die mechanischen und valle eischen Zustände, und werden uns dadurch dffag sobar als Veränderungen im Raum und um + l. Umwandlungen der Farbe. Letztere spielen e e Vergleich zur ersteren nür eine geringfügige lle in der Forschung. Die Beobachtung der 1 a(zränderungen im Raum muß die Grundlage h l die wissenschaftliche Betrachtung und Ver⸗ 00 l ung sein. Auch die Elektrizität ist, wie e ec andere Begriffe von Kräften, nur eine 1 efsvorstellung um eine Reihe von Erschein⸗ e augen im Raume zu erklären. Gilbert hat sie e 0 etwa 250 Jahren geschaffen, indem er
0 g gwpisse Vorgänge auf die Aeußerungen oder
1 I kungen einer Kraft zurückfuhrte, die er
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Elektrizitat naunte. Die späteren Forscher behielten seine Anschauung bei, weil ste eine große Zahl von natürlichen Vorgängen einheitlich zusammenfaßte. Wenn man nun aber meint, es gäbe da draußen in der Natur etwas Gesondertes, das unserer Vorstellung von Elektrizität entspricht, so ist das ein Irrtum. Die Vorstellung besteht nur in unserem Geist, der eine Anzahl gleichsam telegraphischer Zeichen aus der Außenwelt in einen Kreis gebannt und dessen Inhalt als Elektrizität benannt hat. Was in der Natur selbst den in diesem Kreis der Vorstellung enthaltenen Vorgängen entspricht und wie ihre Ursachen zusammenhängen, wissen wir nicht. Höchstens kann soviel mit Gewißheit behauptet werden, daß die von uns beliebte Zusammenfassung in der Natur nicht vorhanden ist, und daß es also keine individuelle Naturkraft der Elektrizität giebt. Wenn wir diese Geburt unserer geistigen Vorstellung auf wirkliche Raum⸗ vorstellung zursckführen könnten, so würde dadurch vielleicht noch nicht einmal etwas gewonnen sein, denn auch sie würde sich weiter- hin nicht erklären lassen, so daß nur ein neuer rätselhafter Begriff an die Stelle des alten etreten wäre. Es geht wohl mit allen unseren orstellungen der Natur und ihrer Kräfte ebenso, und die Frage: Was ist.... 2 läßt sich überhaupt nicht beantworten, gleichviel, worauf sie sich bezieht. Wir können nicht weiter kommen als bis zu einer Verknüpfung unserer Vorstellungen und zum Aufbau einer höheren Vorstellung durch die Zusammenfassung einzelner.
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Splitter.
Mann gegen Mann die Kraft erproben Im Kriegskampf: ja ich muß es loben, Jedoch der Kräfte schönste Wette Ist, wo es lautet: Rette, rette! Fr. Th. Vischer.
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d Jahrhundert rollt sich zu Jahrhundert In ewig gleicher Ebv' und Flut; Verflucht wird, was man einst bewundert, Gesegnet, was vermodert ruht. A. Böttger.
Humoristisches.
In der Kneipe. Gast: Warum ist denn das Amtsblatt heute so naß? Das ist wohl in den Spül⸗ bottich gefallen? Wirt: Gott bewahre! Das trleft blos vor sittlicher Entrüstung über den„Vorwärts.“ Die Lücke im Zolltarif. Sie: Wo ist denn das Weibsbild eigentlich her, das unserer Minna den Referendar weggefischt hat? Er: Ich glaube aus Oester⸗ reich. Ste: Na ja! Du Esel! Da hast Du nun den ganzen Sommer in der Zolltarifkommission gesessen, hast über allerhand Schutzzölle auf Reis, Rosinen, Heringe, Gurken, Eier und Stiefelschmiere geschwatzt, und an die Hauptsache, einen Schutzzoll für heiratsfähige Töch⸗ ter, hast Du nicht gedacht! (Südd. Postill.)
Doppelsiunige Frage. Baron(ttark ver⸗ schuldet): Sehen Sie, Herr Doktor, den steilen Felskegel mit den Trümmerresten? Dort stand mein Ahnenschloß, dort haben meine Vorfahren jahrhundertelang gehaust. Doktor: Und wann ist Ihr Geschlecht eigentlich her⸗ untergekommen?
Beschichtskalender.
1. Januar. 1895: Rede Wilh. II.„Rotte von Menschen“. 1881: Blanqui, franz. sozialist. Revolu⸗ tionär f.
2. 1886: Hofbaurat Demmler, soz. Reichstags⸗ abgeordneter.
3. 1893: Bergarbeiterstreik im Saarrevier.
4. 1892: Wilh. II. Erlaß gegen die Wahlfreiheit der Beamten.
5. 1898: Polizeikommissar Tausch vor dem Dis⸗ ziplinargericht.
6. 1816: Aufhebung des Tugendbundes durch d. König v. Preußen.
7. 1896: Negerschinder Wehlau vor Gericht.
3. 1892: Umsturz⸗Debatte im Reichstage.
9. 1899: Malestätsbeleidigungsprozeß Müller in Magdeburg. 4 Jahre Gefängnis.
10. 1898: Esterhazy⸗Prozeß in Paris.
Empfehlenswerte sozialistische Schriften.
Die Kolportage⸗Kommisston des Wahlverelns— Gießen, Wirtschaft Orbig— empfiehlt:
Der Neue Welt Kalender für 1993.
Preis 40 Pfg. Die katholische Kirche und die Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky. Der Verfasser giebt in der soeben erschienenen Broschüre eine historische Darstellung der ökonomischen und polltischen Grundlag en der katholischen Kirche und stizztert die pr inzi pielle und taktische Stellung, welche die Sozialdemokratie ihr gegen⸗ über einnimmt. Gerade jetzt, wo in Frankreich der Kulturkampf tobt und in Deutschland das Zentrum nicht blos in der Frage des Zollwuchers, sondern allgemein die Schutztruppe der protestantischen Reichsregierung ist, kommt die Schrift zeitgemäß. Preis 30 Pfg.(Agi⸗ tationsausgabe.)
Die agrarische Gefahr. Von Paul Göhre. Der Verfasser schildert in gemeinverständlicher Sprache die einseitige agrarische Interessen⸗Bewegung von ihrer Entstehung bis zu ihrer heutigen das Volkswohl ge⸗ fährdenden Macht und legt dar, wie allein die sozial⸗ demokratische Bewegung die letzten Ziele dleser Bewegung des Junkertums und seiner Anhängsel verhindern kann. Preis 20 Pfg.
Freie Stunden. Beste Romanlitteratur. Illu⸗ striert. Wöchentlich ein Heft. à 10 Pfg.
Die Hütte. Zeitschrift für das Volk und seine
Jugend. Illustriert. Prachtvoll ausgestattet. Alle 14 Tage ein Heft. à 25 Pfg. Lohnarbeit und Kapital. Separatabdruck
aus der Neuen Rheinischen Zeitung vom Jahre 1849 von Karl Marx. Preis 20 Pfg.
Wahrer Jakob; Süddeutscher Postillon, Witzblätter. Erscheinen alle 14 Tage. Preis 10 Pfg. die Nummer.
Christentum und Sozialismus. Bebel. Preis 10 Pfg.
Diese religiöse Polemik zwischen unserm Genossen und dem Kaplan Hohoff fand bereits in den Jahren 1873/74 statt. Der Inhalt des Schriftchens ist aber noch heute durchaus zeitgemäß.
Weltkrach und Weltmarkt. tische Skizze von Fr. Mehring. Preis 25 Pfg.
Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg.
Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg.
Wilhelm Liebknecht. Sein Leben und Wirken. Unter Benutzung ungedruckter Briefe und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Etsner. Mit Porträts und Abbildungen. Preis 30 Pfg.
Handelspolitik und Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Eine populäre Darstellung der handelspolitischen Streitfragen. Preis 30 Pfg.
Grundzüge und Forderungen der Sozial⸗ demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno Schönlank. Preis 10 Pfg.
Enthält eine kurzgefaßte, allgemein verständliche Er⸗ läuterung des Erfurter Programms. Muß jeder Genosse besitzen!
Das Erfurter Programm. Von Karl Kautsky. Preis brosch. 1.50 Mk., gebd. 2 Mk.
Das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels. Preis 15 Pfg.
Sozialdemoratisches Reichstagshandbuch. Von Max Schippel. Ein Führer durch die Zeit⸗ und Streitfragen der Reichspolitik. In 37 Lieferungen
Von A.
Eine weltpoli⸗
A 20 Pfg. Gebunden 9 Mk.
Bernstein und das Sozialdemokratische Programm. Von Karl Kautsky. Eine Anati⸗ kritik. Preis brosch. 2 Mk.
Städteverwaltung und Munizipal⸗Sozi⸗ alismus in England. Von C. Hugo. Preis brosch. 2 Mk., gebd. 2.50 Mk. Die Agrarfrage. Von Karl Kautsky. Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirt- schaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. Preis brosch. 5 Mk., gebd. in Leinvand 6.50 Mk. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mk. Führer durch das Gewerbe⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. 5 durch das Bau Unfallversicherungs-Gesetz. durch das Unfallversicherungs-Gesetz für Land⸗ und Forstwirtschaft. durch das Juvalideaversicherungs-Gesetz. Jedes einzelne Wert ist zusammengestellt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen und mit einem aus⸗ führlichen Inhalts⸗Verzeichnis mit alphabetischem Sach⸗ register versehen. Die Führer sind jedem Arbeiter ein treuer Ratgeber in allen, die Unfall- und Invaliden⸗ Versicherung betreffenden Angelegenheiten.— Preis des einzelnen Werkchens 25 Pfg., nach auswärts 3 Pfg. Porto.
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