Nr. 1.
Mitteldeuische Sonntags⸗Zeitnug.
Seite 5.
Kleine Mitteilungen.
** Tod bei der Arbeit. Im Steinbruch bei Ober-⸗Widdersheim wurde am Montag(22. Dez.) ein Arbeiter aus Rodheim durch herabstürzendes Gestein erschlagen.
k Neue Mineralquelle. An der Wippenbacher Quelle bei Ortenberg wurden seit längerer Zeit Tief⸗ bohrungen vorgenommen. Diese hatten Erfolg, die Quelle liefert jetzt eine bedeutende Menge stark salzhaltigen Wassers. Prof. Lepsius aus Darmstadt ist, wie der „Gieß. Anz.“ berichtete, mit weiterer Untersuchung be⸗ schäftigt.
** Wieder eine fürstliche„Affaire“. Der 20 jährige Prinz Dieter zu Yenburg⸗Büdingen, der als Leutnaut im 115. Infanterie⸗Regiment zu Darmstadt dient, schoß sich in der dortigen Kaserne eine Kugel in den Kopf. Die Verletzung soll sehr schwer sein. Was mag den Edelsten zu der That veranlaßt haben?
** Gattenmordversuch. Am Weih⸗ nachtsabend drang ein Schuhmacher in Frank⸗ furt der von seiner Frau getrennt lebt, in deren Wohnung ein und feuerte auf die unglückliche Frau, die ihre sieben Kinder ernährt, einen Schuß aus einem Flobertgewehr ab. Die Kugel drang in den Nacken. Außerdem brachte der verkommene Trunkenbold der Frau auch noch schwere Hiebwunden an der Stirn bei.
* Der Mörder Matrese Kohler von der „Loreley“, der vor einigen Wochen auf diesem Schiffe, das im Hafen von Athen vor Anker lag, einen seiner Kameraden tödtete und die Geldkiste des Schiffes raubte ist unter Bedeckung in Wilhelmshafen eingetroffen und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Da die Voruntersuchung abgeschlossen ist, dürfte die Abur⸗ teilung schon in nächster Zeit erfolgen.
Partei-Rachrichten.
Die Konferenz sozialdemokratischer Gemeindevertreter, die vergangenen Sonn⸗ tag in Frankfurt stattfand, war von 37 Delegir⸗ ten aus 16 Gemeinden besucht. Gegenstand der Beratung bildete, wie in letzter Nr. bereits mitgeteilt, die Frage der Städtischen Not⸗ standsarbeiten. Nach einem einleitenden Referate des Genossen Dr. Quarck entspann sich darüber eine sehr lebhafte und eingehende Debatte. Man kam dahin überein, durch eine Umfrage noch weiteres Material zu sammeln, das dann einer neuen Konferenz vorgelegt werden soll. Zur Grundlage für diese stellte die Konferenz steben Punkte auf, in denen die bezüglich der Beschäftigung Arbeitsloser zu er⸗
hebenden Forderungen formulirt sind. Die Hauptpunkte lauten:
1. Die Gemeinde hat die Pflicht, für die in den letzten sechs Monaten in ihrem Bezirk ständig beschäftigt gewesenen und arbeitslos gewordenen Personen Arbeit bereit zu halten.
2. Arbeitslosenzählungen nach der Methode der Volkszählungen haben mindestens zweimal jährlich auf Kosten der Gemeinden stattzufinden.
3. Es ist eine ständige Kommission(Deputation usw.) einzusetzen, der Vor⸗ und Mitberatung, wie die Ueberwachung der Notstandsarbeiten zu übertragen ist, und in der Vertreter der Arbeitslosen und Gewerk⸗ schaften Sitz und Stimme haben.
4. Die Arbeiten sollen möglichst in Regie ausgeführt werden.
5. Für die Beschäftigung der Arbeitslosen ist zu berücksichtigen:(auch wenn die Arbeiten von Unter⸗ nehmern ausgeführt werden) a) Verwendung nur zu Arbeiten, zu denen sie geeignet sind; b) mindestens orts⸗ üblicher Tagelohn für Nichtgerernte, für Gelernte die tariflich oder branchenüblich festgelegten Arbeits⸗ bedingungen.
6. Im Interesse der Beschäftigungslosen, namentlich in den kleinen Gemeinden, ist auf Kreise, Bezirks⸗ verbände und Staat zur Veranstaltung eigener Notstandsarbeiten hinzuwirken.
Die Konferenz dauerte von Vormittags 10 bis abends 6 Uhr mit kurzer Mittagspause. Gießen war nicht vertreten.
Ein Parteitag der polnischen Sozial⸗ demokraten hat an den Weihnachtsfeiertagen in Berlin stattgefunden. Es kam zu einer Verständigung; die polnische Partei behält ihre selbständige Organisation, fügt sich aber in dem Rahmen der deutschen ein. Die einzelnen Wahlkreise sollen ihre Kandidaten selbst auf⸗ stellen. Somit sind die Differenzen in befriedigender Weise ausgeglichen.
Majestätsbeleidigung soll unser Mainzer Par⸗ teiorgan verbrochen haben. Am Tage vor den Weih⸗ nachtsfeiertagen erschienen Schutzleute in Zivil auf der Redaktion und beschlagnahmten die noch vorhan⸗ denen Exeuplare der Nummern 284 und 291 des Blattes, in denen angeblich Beleidigungen der Majestät enthalten sein sollen. Der Redakteur Adelung erhielt auch alsbald eine Vorladung.
Es geht auch im katholischen Rheinland vorwärts!
Vor Wochen wurde schon berichtet, daß die Abon⸗ uentenziffern unserer rheinsschen und westfälischen Par⸗ teiblätter erfreuliche Steigerung aufwiesen— trotz der Krupphetze. Jetzt ist in Bezug auf den Bergarbeiter⸗ verband ein G eeiches zu konstatiren. Während die Auflage der Bergarbeiterzeitung anfangs dieses Jahres
eigener
39 000 betrug, ist sie jetzt auf über 51 000 in die Höhe gegangen. Die Mitgliederzahl des Verbandes ist in diesem Jahre um über 10 000 gestiegen, wobei der
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1—.— Arbeiter⸗Aotiz⸗ Kalender 1903
Mit Illuftrationenm:
Berliner Gewerkichaftshaus und in der Nachwahl gewählte sozialdemokratische Abgeordnete.
Geb. 60 Pfg., Porto 10 Pfg.
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55 5 zum Jdhreswechsel! 8 2 8. 85
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Löwenanteil aufs Ruhrgebiet fällt. werkschaften können hübsche Es geht vorwärts!
Neuer Wahlsteg in Amsterdam. Bei den Gemeinderatswahlen in der Hauptstadt Hollands haben unsere Genossen wieder einen Sieg erfochten. Genosse Polak, der Vorsitzende des Diamantarbeiter⸗ bundes wurde mit 2611 Stimmen in den Gemeinderat gewählt. Er zieht als erster Sozialdemokrat in diese Körperschaft ein.
Der internationale Arbeiter Kongreß in Amsterdam, der dort in diesem Jahre und zwar im August stattfinden sollte, ist, nach einer Mitteilung der Frankfurter Zeitung vom internationalen Komitee auf das Jahr 1904 verlegt worden.
Auch andere Ge⸗ Fortschritte konstatieren.
Versammlungskalender.
Genossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlung en! Samstag, den 3. Januar.
Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Friedberg. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 9 Uhr Versammlung in Stadt New⸗NPork. Vortrag über„Liebknechts Leben“. Ref. Busold.
Montag, den 5. Januar.
Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Gießen. Freie Turnerschaft. Turnstunden jeden
Mittwoch, Abends ½9 Uhr, Sonntag, Vormittags 10 Uhr im„Pfau“.
In freien Stunden. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Prospekt der illustrierten Romanbibliothek
„In freien Stunden“ bei, den wir allseitiger Beachtung empfehlen. — r...——— Marktberichte.
Auf dem Wochenmarkte in Gießen kosteten am 30. Dezbr.: Butter per Pfd. Mk. 1,10— 1,15, Hühnereier 2 St. 15— 19 Pfg., Enteneier 1 St. 0—0 Pfg., Gänseeier per St. 00— 00 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5,20— 5,50 Mk., Zwiebeln per Ztr. Mk. 3,50—4,50, Milch per Liter 18 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0,80 bis 0,90, Hühner per St. Mk. 1,00— 1,20, Hahnen per St. Mk. 0,70 1,25, Enten per St. Mk. 2,00 bis 2,60, Gänse per Pfd. 50—64 Pfg.
Fleischpreise. Ochsenfleisch per Pfd. 66— 76 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 60—64 Pfg., Schweinefleisch 70 bis 80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, 84 Pfg., Kalb⸗ fleisch 68— 72 Pfg., Hammelfleisch 50—70 Pfg.
Helnichste 6
Meinen werten Gästen, Freunden und Be—
Ickwänsche
zum Jahreswechsel!
August Albeld,„Zum Gambrinus“.
E. Krumm, Gießen.
Inhalts⸗Auszug: Re ichtagswahl-Ergebnisse mit Nach⸗ wahlen.— Soclaldemokrat. Abge- ordnete in den Landtagen.— Minke für die Reichtagswahlen.— Aas mufs ber Arbeiter von der Wehrpflicht wissen?— Elwas von der Slektri- zität.— Ortsübliche Tagelöhne.
Gewerklchaftliche Hrtihkel: Deutsche Streikstatiltik 18901901.
Meinen werten Gästen ein
Sröhliches Meufjahr!
N V
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Profit Deujqdhr 1903!
Allen unseren Freunden, Bekannten und Gästen wünschen wir ein
glückliches neues Jahr!
re
. 5 Jean Arnold„ Aarburg Daniel Jesberg um Schi kapaß“ 7 Wehrdaerweg 2. und Frau. 9 25 n S
Adresfen der Gewerkschafts-Organi⸗ satsanen, Gewerbe-Inspektoren, Ar⸗ beitersekretarigte.— Die Eeiftungen
der deutschen Gewerkschasten.— Vom Schlachtfelde der Arbeit.— Die Nitgliederzahlen der freien Gewerk⸗ schaften.— Ein Kapitel aus dem Gewerbegerschtsgesetz.
Wie der Inhalt zeigt ist der Kalender für
Gewerkschaften und Partei
ein praktisches und unentbehrisches
Meinen werten Gästen
die herzlichsten Glückwünsche
zum Jahreswechsel!
August Rinn, Heuchelheim.* 5
Nachschlagebuch.
Zu beziehen durch jede Buchhandlung.
Buchhandlung Vorwärts Berlin Sw. 68, Lindenftr. 69.
Allen werten Freunden und Gönnern zum Jahreswechsel die besten Wünsche!
912
Louis Lob und Frau
Marburg Hirschberg 12.
Unseren werten Gästen, sowie Freunden und Bekannten wünschen wir ein herzliches
rosit Neujahr!
Rest. Hilberger u. Frau „Stadt Braunschweig“.


