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Ny. 31.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung

Seite 3⸗

Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.

St. Konsumverein. Die am Montag abend bei D. Jesberg abgehaltene General⸗ Versammlung war von Mitgliedern schwach besucht; jedoch war eine Anzahl Frauen der⸗ selben erschienen, was recht erfreulich ist. Der Geschäftsführer erstattete zunächst den Bericht über das abgelaufene Quartal, aus dem her⸗ vorging, daß sowohl die Mitgliederzahl wie der Warenumsatz in steter Zunahme begriffen sind und die Warenschulden sich bedeutend ver⸗ ringert haben. Der Bericht des Aufsichtsrates ergab, daß bei den monatlichen Revisionen, die mit größter Umsicht gehandhabt worden alles in bester Ordnung befunden worden sei. Die statutenmäßig ausscheidenden Aufsichtsratmit⸗ glieder Kalb und Schel dt wurden wieder⸗ und Knopf an Stells Abels neugewählt. Der statutenmäßig ausscheidende Kassierer Rohr wurde ebenfalls wieder gewählt. Eine lebhafte Diskusston eutspann sich hierauf über den„8 Uhr⸗Ladenschluß“; im Prinzip erklärten sich sämtliche Redner dafür, doch hielt man den Zeitpunkt für Einführung des 8 Uhr⸗Laden⸗ schlusses als für hiesige Verhältnisse noch für

verfrüht. Nach Erledigung einiger anderer Angelegenheiten wurde die Versammlung geschlossen.

R. Eine Bauarbeiter⸗Versammlung fand am Dienstag zwecks Gründung einer Filiale des Maurerverbandes statt. Etwa 50 Personen waren anwesend. Gauleiter H. Hütt⸗ mann aus Frankfurt hielt einen 1 stündigen Vortrag über Zweck und Nutzen der Organisation. Da sich genügend Maurer in den Verband auf⸗ nehmen ließen, so ist eine Filiale des Maurer⸗ Verbandes in Marburg gesichert.

* Zur Stichwahl. Im„Vorwärts“ wenden sich die Genossen Härtling, Thesing und Michels mit einer längeren Erklärung gegen das Verhalten des Vorwärts bei der Marburger Stichwahl, worauf der „Vorw.“ wieder ausführlich antwortet. Wir kommen rauf in nächster Nr. zurück.

Eingesandt.

Die Nr. 28 der„Mitteldeutschen Sonntags⸗Ztg.“ Ingt einen Artikel unter der Ueberschrift„Was nötig 1st.“ Darin wird u. a. darauf hingewiesen, daß sich bei der letzten Wahl in Bezug auf Agitation und Or⸗ ganisation schwere Mängel gezeigt hätten und der Vor⸗ schlag gemacht, die Kreise Gießen, Alsfeld, Wetzlar, Marburg und Dillenburg zu einem Agitations⸗ bezirk zusammenzufassen. Dieser Vorschlag verdient entschieden Beachtung und der Marburger Kreis hätte allen Grund, sich dem Agitationsbezirke anzuschließen, wenn es zur Gründung eines solchen kommt. Gehören doch neun Zehntel der Bevölkerung unseres Kreises der arbeitenden Klasse an; diese Leute aufzuklären ist nur bei andauernder und nachhaltiger Arbeit möglich. Durch Schaffung eines Agitationsbezirkes wird den einzelnen Genossen und Orten die Arbeit erleichtert, es wird Hand in Hand gearbeitet. Jedenfalls werden die Marburger Genossen in etner der nächsten Parteiver⸗ sammlungen diese Frage erörtern und für Gründung eines Agitationsbezirkes eintreten. Rich. Rösler.

Anmerkung. Es wäre gut, wenn die Genossen der übrigen Kreise diese Anregung ebenfalls erörtern wollten. Vielleicht könnte dann kurz nach dem Partei⸗ tage in einer Konferenz der beteiligten Kreise das Weitere in die Wege geleitet werden. D. R.

Aus Fulda

kam dieser Tage die Nachricht, daß dort eine Art Revolution ausgebrochen, Militär konsigniert und der Belagerungszustand proklamiert worden sei. Später stellte sich heraus, daß die Sache nicht so sehr gefährlich war. Italiener, die bei dem Kanalbau beschäftigt sind, haben in verschiedenen Wirtschaften gelärmt und Schläge⸗ reien veranlaßt. Darauf hat der Landrat Steffens, der an hochgradiger Nervosität leidet, die erwähnten Maßregeln angeordnet, die aber infolge Eingreifens eines andern Beamten nicht zur Ausführung kamen. Landrat Steffens ist beurlaubt worden.

Bei Kriegervereinsfesten.

Vergangenen Sonntag fand in Dreisbach bei Siegen ein Kriegerfest statt. Dabei wurde, wie das Wetzlarer Amtsblatt berichtet, der

erstochen.— Bei einem Kriegerfest in La n⸗ genhain(Taunus) vor 14 Tagen kam es schon beim Aufstellen des Festzuges zu einem Kampfe, wobei ein junger Mann mit dem Schlagring arg zugerichtet wurde. Auf dem Festplatze kam es erneut zu Schlägereien.— Es geht immer sehr lebhaft zu bei den Patrioten! Wir wollten die Ordnungspresse mal hören, wenn Derartiges bei Arbeiterfesten vorkäme.

Soldaten⸗Massenmord in Ungarn.

Der Oberst eines ungarischen Regiments ließ das⸗ selbe bei glühender Sonnenhitze von Trebinje nach Bielek maschieren und dabei Gefechtsübungen vornehmen. Hunderte Soldaten fielen erschöpft nieder, 60— 70 er⸗ litten den Sonnenstich. 30 Gestorbene werden gemeldet.

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Kleine Mitteilungen.

z Aus der Kaserne. In der Marburger Jägerkaserne entstand zwischen mehreren Soldaten ein Streit, in dessen Verlauf ein Jäger seinen Kameraden einen Fußtritt vor den Leib versetzte. Der Getretene stürzte zusammen und starb nach kurzer Zeit.

. Braver Ordnungshüter. Ein gewisser Schulz war bis vor Kurzem Polizeiwachtmeister in Alfeld a. d. Leine, obwohl er früher, wie sich jetzt erst herausgestellt hat, wegen Unterschlagung im Amte eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten erlitten hat. Um diese Tatsache zu verdecken, fälschte Schulz seine Papiere und beschwor öfters diese falschen Angaben vor Gericht. Infolgedessen wird der Polizei⸗ mann wegen Meineid vor Gericht gestellt.

* Zwei Kinder verbrannten in Vilber⸗ hofen a. d. Sieg. Sie waren allein zu Hause, hatten mit Streichhölzern gespielt und so das Feuer hervor⸗ gerufen.— Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in Görlitz am Sonntag. Dort verbrannten zwei allein zu Hause gelassene Kinder von 2 und 5 Jahren. In diesem Falle wurden die Eltern verhaftet, weil sie es an der nötigen Aufsicht fehlen ließen.

Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung.

T Bauarbeiter⸗Aussperrung in Cassel. Die von den Bauunternehmern wegen des Schreinerstreiks angedrohte Aussperrung aller Bauarbeiter ist von Montag ab erfolgt. Es sind über 3000 Arbeiter auf das Pflaster ge⸗ worfen. Selbstverständliche Pflicht eines jeden Arbeiters ist es, den Zuzug von Cassel fern⸗ zuhalten und Streikarbeit nach dort nicht zu übernehmen. Der Uebermut der Unternehmer muß an dem festen Zusammenhalt der Arbeiter zu Schanden werden!

F Bergarbeiter⸗Bewegung. Aus Essen wurde dieser Tage berichtet, daß dort in der letzten Zeit mehrere stark besuchte Berg⸗ arbeiterversammlungen abgehalten worden sind, in denen die zahleichen Beschwerden der Berg— arbeiter klar gelegt wurden. Es haben auch im Oberbergamtsbezirt Dortmund mehrere Konferenzen stattgefunden, an denen die leiten⸗ den Persönlichkeiten aus dem Bezirk teilnahmen. Die Unzufriedenheit in den Arbeiterkreisen nimmt immer größere Dimensionen an. Die Vertreter der Arbeiterschaft sind damit beschäf⸗ tigt, eine Denkschrift auszuarbeiten, in der die Lage der Arbeiterschaft dargestellt wird. Es herrscht die Ansicht vor, daß ein Bergarbeiter⸗ ausstand unvermeidlich ist.— Wir haben das Vertrauen zu den Bergleuten, daß sie ihre Schritte reiflich erwägen werden.

* Ein Streik der Streikbrecher dürfte auf dem Gebiete der Lohnkämpfe noch selten dagewesen sein. Zu einem solchen kam es in Hannover, wo die Maurer aus⸗ gesperrt sind. Die Innungsmeister ließen 160170 Galizier anwerben, denen sie 50 Pfg. Arbeitslohn die Stunde versprachen und die sie verpflichteten, bis Ende Oktober zu arbeiten. Für jeden Mann hatten sie dem Werbe⸗Agenten 5 Mk. Vermittelungsgebühr bezahlen müssen. Die Freude der Unternehmer war aber nur von kurzer Dauer. Nur einen Tag arbeiteten die Arbeitswilligen, seitdem streiken sie und sind weder durch Versprechungen noch durch Drohungen zur Aufnahme der Arbeit zu be⸗ wegen. Sie streiken aus Solidaritätsg efühl mit den Maurern und auf Kosten der Bau- gewerks⸗Innungsmeister! Wie sie behaupten, sind sie unter Vorspiegelung fal scher

Maurer Reitz aus Birlenbach im Streite

Tatsachen nach Hanubver gelockt worden,

und da ein Teil von ihnen organistert ist, so verweigerten sie die Arbeit. Ohne Geldmittel, litten sie Hunger. Die Leitung der Aus⸗ gesperrten hatte ein Einsehen und unterstützte sie einigermaßen. Arbeitersekretär Schrader, mit dem sie sich in Verbindung setzten, erwirkte bei dem Magistrat, daß die Betrogenen von der Stadt verpflegt wurden. Die Kosten da⸗ für sollen später vom Baugewerksamt wieder eingetrieben werden.

Partei-Uachrichten.

1 Von dem Abg. Gen. v. Haller wußten bürgerliche Blätter kürzlich zu berichten, daß er sein Mandat zum bayr. Landtage niedergelegt habe, weil es zwischen ihm und anderen sozialdemokratischen Abgeord⸗ neten zum„Krach“ gekommen sei Dazu erklärte unser Nürnberger Parteiorgan: Die Wahlmänner der sozial⸗ demokratischen Partei des Wahlkreises Nürnberg⸗Altdorf haben nach eingehender Erörterung einstimmig entschieden, daß keinerlei Grund für einen Rücktritt Hallers aus dem bayerischen Landtage vorliegt. Gen. Segitz er⸗ klärte im Namen der Nürnberger Abgeordneten, daß sie bedauern würden, wenn Gen. Haller sein Mandat niederlegen würde. Gen. Segitz verpflichtete sich, mit den Gen. Merkel und Löwenstein alle Anstrengungen zu machen, um die bestehenden Differenzen innerhalb der Fraktion auszugleichen.

Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Kreiskonferenz

Sonntag, den 30. August, vormittags

10 Uhr im Lokale Orbig in Gietzen. 5 Tagesordnung: f

„Bericht des Reichstagswahlkomitees.

. Geschäfts⸗ und Kassenbericht des Vorstandes.

Vorstandswahl.

. Landeskonferenz.

. Parteitag in Dresden.

.Verschiedenes.

Die Parteigenossen der einzelnen Orte im Kreise werden ersucht, für zahlreiche Beteiligung an der Kon⸗ ferenz zu sorgen und die Wahlen der Delegierten recht⸗ zeitig vorzunehmen. Anträge wolle man an den Vor⸗ sitzenden Gg. Beckmann, Gießen, Grünbergerstr. 44, gelangen lassen.

Wahlkreis Wetzlar. Quittung. Für den Parteifonds gingen ein: Ges. bei einem Ausfluge 6 Mk.

Unsere Totenliste. In Leihgestern wurde am Freitag vor 8 Tagen unser Parteigenosse Joh s. Seipp IX. zur letzten Ruhe bestattet. Schon in den siebziger Jahren gehörte er zu unserer Partei und war damals ein eifriges Mitglied des Arbeitervereins, der infolge des Ausnahmegesetzes 1878 aufgelöst wurde. Seipp ist 62 Jahre alt geworden, wegen seines ehren⸗ haften Charakters erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit. Ehre seinem Andenken!— In Offenbach starb der Genosse Schreiner Adam Demuth. Bei seiner am Montag erfolgten Beerdigung hielt Genosse Ulrich, nachdem der Arbeitergesangverein„Lassallia-Union“ einen Trauerchor vorgetragen, eine kurze eindrucksvolle Gehächtnisrede, die mit dem Gelöbnis schloß, im Sinne des Verstorbenen unentwegt weiter zu wirken. Namens des Holzarbeiterverbandes und des Sozialdemokratischen Vereins wurden Kränze mit entsprechenden Widmungen am Grabe niedergelegt.

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Versammlungskalender.

Samstag, den 1. August.

Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag über„Die neue Friedhofs- und Begräbnisordnung“. Referent: E. Krumm.

Marburg. Holzarbeiter. sammlung bei Hillberger.

Sonntag, den 2. August.

Heuchelheim. Arb. ⸗Bild.⸗Verein. Nachmit.

tags 3 Uhr Versammlung bei Wirt B. Keil.

Abends 9 Uhr Ver⸗

Marburg. Gewerkschaftskommission. Vor⸗ mittags 10 Uhr bei Hillberger. Montag, den 3. August. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. e Schneider. Abends 9 Uhr bei Hill⸗ erger.

Sonntag, den 8. August. Friedberg. Soz.⸗dem. Wahl verein. Abends 8½ Uhr Versammlung in Stadt New-Nork.

Brieftasteu.

Einige Einsendungen mußten zurückgestellt werden.

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