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sie Auch etwas. Der Darmstädter Briefschreiber undes Gieß. Anz. hat die Blödigkeit, dem Abg.
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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung
Nr. 9.
dienten. Vielleicht würde sich Abg. Köhler und mancher sogenannte„Bauer“ bedanken, wenn er die Arbeit der Minister für den Gehalt leisten sollte, er selbst(Ulrich) ebenfalls.— Diese Ausführungen gaben den Anttisemiten und Agrariern Veranlassung über Ulrich her⸗ zufallen. Graf Oriola, Brentano, Hirschel und so weiter warfen ihm vor, daß er die bäuerliche Bevölkerung„beschimpft“ habe. Auch sein Auftreten bei der Zolltarif-Debatte im Reichstage mußte herhalten. Gen. David trat der Unterstellung entgegen, daß Ulrich den Bauernstand beleidigt habe, er habe mit seinen Ausführungen die Herrenbauern ge⸗ meint. Ulrichs Auftreten im Reichstage sei ganz berechtigt gewesen; warum entrüste sich denn der Graf Ortola nicht über seinen Partei⸗ genossen Placke, der mit Ohrfeigen ge⸗ droht habe? Hier wurde Dapid vom Prä⸗ sidenten zur Sache gerufen. Redner erklärt, er sei gezwungen, die gegen seine Partei erfolg- ten Augriffe abzuwehren. Der Zentrumsmann Brentano führt aus, Ulrichs Bestreben sei, sich in jeder Lage als den einzigen Volksmann hinzustellen; worauf Herr Hirschel„feststellen“ will, daß Ulrich den Bauernstand„beleidigt“ habe. Im Weiteren verkündet der Mann die Weisheit, daß es keinen Unterschied gebe zwi⸗ schen Herrenbauern und Arbeitsbauern; die Fabrikarbeiter hielten auch zusammen, einerlei ob sie 12 oder 50 Mark die Woche verdienten. (Wo es Fabrikarbeiter mit 50 Mark Wochen⸗ verdienst giebt, hat Hirschel nicht verraten.)
Freitag stand das Kapitel„Direkte Steuern“ zur Beratung. Hierbei beklagte sich Genosse David darüber, daß von der Steuerbehörde Versuche gemacht werden, Ar— beiter, die nach dem Stempelgesetz von der Fahrradsteuer befreit sein sollen, unter nichtigen Gründen heranzuziehen. Dieser Stempel sei überhaupt eine ungerechte Besteuerung des Mittelstandes. Die Erhebung der Steuer werde recht rücksichtslos ausgeübt, wer damit im Rück⸗ stande bleibe, erhalte sofort ein Strafmandat für 1 Mark, gleich ein Fünftel der ganzen Steuer. Ministerialrat Best ist nicht abgeneigt, in eine nähere Prüfung der Sache einzutreten. Ferner wird an dem Erhebungsmodus der Hundesteuer und auch der Stempelsteuer Kritik geübt.— Die nächste Sitzung fand am 26. Februar statt. In derselben wurde erst die Präsidentenwahl vorgenommen, worauf bei dem Etat des Ministeriums des Innern über die Sozialpolitik debattiert wird.
* Die oben kurz wiedergegebene Rede unseres
Genossen Ulrich bei Beratung des Antrags
wunde 1 c der Beamten wurde von der gegnerischen Presse zu Angriffen! auf Ulrich und unsere 0 dg ole.
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ge e Dikte benutzt. Darin Jyowie daf„Ibnders das Gießener Amtsblatt rsck. eule“ Offenbacher Blättchen des Herrn
Ulrich„Liebedienerei nach oben“ vorzuwerfen. Wenn in einem Amtsblatt, das erst bei dem Kreisamt anfragt, ob es dieses oder jenes In⸗ serat aufnehmen darf, das Artikel eines Pro⸗ fessors nicht aufnimmt, aus Furcht,„oben“ damit anzustoßen, wenn ein solches Blatt von Liebedienerei eines Sozialdemokraten spricht und ihn als„Regierungsvertreter“ bezeichnet, so wird jeder vernünftige Mensch über die ganz außergewöhnliche Albernheit des Reptils lachen. Es wird versucht, die Sache so darzustellen, als habe Ulrich der Erhöhung der Einkünfte der besser bezahlten Beamten das Wort geredet. Das ist nicht der Fall. Die Dienstwohnungen, um die es sich handelte, werden zumeist von Beamten bewohnt, die unter 2000 Merk Ge⸗ halt beziehen, die also zu den kleinen Beamten gehören.— Wir werden, wenn uns der steno⸗ graphische Bericht über diese Sitzung vorliegt, nochmals auf die Sache zurückkommen und wollen jetzt noch gar nicht einmal sagen, daß wir in allen Punkten mit Ulrich einver⸗ standen seien.— Gewaltig bläht sich Hirschel in seinem Offenbacher Blättchen auf, fast 4 Spalten füllt er damit aus, wie er dem Abg.
Ulrich„auf den Leib gerückt sei“. Hirschelchen
soll nicht so aufschneiden; Ulrich wird sich sehr wenig daraus machen. Seine Entrüstung über die Ulrich'sche„Bauernbeleidigung“ ist eine elende Heuchelei; er sollte daran denken, wie oft er die Arbeiter heruntergerissen, als Lumpenzeng usw. bezeichnet hat.
Pon Aah und Fern.
Gießener Angelegenheiten.
— Zur Gewerbegerichtswahl hat das Gießener Gewerkschaftskartell auch eine Liste für die Klasse der Arbeitgeber auf⸗ gestellt. Für Arbeitnehmer sind Legitimations⸗ formulare auch bei der Ortskrankenkasse sowie bei den Vorsitzenden der hier bestehenden Freien Hilfskassen zu haben.— Wie wir hören, hat auch der evangelische Arbeiterverein im Verein mit dem katholischen Gesellenverein eine Arbeit⸗ nehmerltiste eingereicht. Unsere Gewerkschafts⸗ mitglieder und Parteigenossen müssen also rührig für eine zahlreiche Wahlbeteiligung agitieren, damit wir ein günstiges Wahlresultat zu ver⸗ zeichnen haben.
— Redaktionsgeheimnis in bürger⸗ lichen Zeitungen. Man schreibt uns: Eine recht interessante Schöffengerichtsverhand⸗ lung spielte sich in der vergangenen Woche in Gießen ab. Es sollte verhandelt werden gegen den Verleger und Redakteur der„Gießener Neuesten Nachrichten“ Klein und gegen den Berichterstatter Spieß wegen Beleidigung der Lehrkörpers der höheren und erweiterten Mädchenschule hierselbst. Die Beleidigung wurde in einem Bericht der„Nachrichten“ über die Debatte in der Stadt verordneten⸗Versamm⸗ lung gefunden, welche sich aus Anlaß des Fern⸗ bleibens der höheren Mädchenschule vom Jugendfest entsponnen hatte. Die Klage ist vom Amtsanwalt erhoben worden. Im Ver⸗ handlungstermin waren Direktor Störiko und Oberbürgermeister Mecum als Zeugen geladen. Spieß ist vom Redakteur Klein als Verfasser des Berichts genannt worden. Vor Eintritt in die eigentliche Verhandlung war vom Vorsttzenden ein Ver⸗ gleich angeregt, der dazu führte, daß der Ver⸗ teidiger des Klein, Rechtsanwalt Dr. Jung, mitteilte, sein Klient sei bereit, folgende Er⸗ klärung abzugeben: Es sei nicht seine Absicht gewesen, die Lehrer der höheren Mädchenschule zu beleidigen, er bedauere, dies getan zu haben, und erkläre ausdrücklich, daß der unter Anklage stehende Bericht auf falsche und unwahre In⸗ i die ihm geworden, beruhe, Leine
Ari 1 er bereit in auß 58 1 55„Gießener Auz. ele gicd„Nachrichten“ zu veröffentlichen. Angeklagter Spieß begreift nicht, wie Klein sagen könne, der Artikel enthalte Uarichtig⸗ keiten, er möge doch erst die Ergebnisse der Verhandlung abwarten. Talsächlich entspreche der Artikel der Auffassung eines Teiles der Stadtverordneten, die dieser Auffassung in der Versammlung Ausdruck verliehen haben. Der Amtsanwalt erklärt, es gehe nicht an, sich mit Klein zu vergleichen und seinen Gewährsmann abzustrafen. Die Sache wurde darauf vertagt, damit Spieß einen Anwalt mit seiner Ver⸗ tretung betrauen kann.— Uns interessiert an dieser Geschichte die merkwürdige Art, wie der Redakteur des„unparteiischen“ Blattes das Redaktionsgeheimnis auffaßt. Was braucht er denn den Verfasser des Artikels zu nennen? Damit verbessert er seine eigene Sache in keiner Weise. Eine sozialdemokratische Redak⸗ tion giebt nie die Namen ihrer Gewährsleute
reis.
5— Meine Bauern wählen mich doch! Dieses große Wort sprach„unser“ Reichstags⸗ abgeordneter Bürgermeister Köhler vor etwa 2 Jahren in einer Versammlung gelassen aus. Dieser Meinung scheint er auch heute noch zu sein, er hat nach einer„Ekklärung“, die er dem„Gießener Anzeiger“ zuschickte, seine Kan- didatur wieder aufgestellt. Vor Kurzem wurde uns don mehreren Seiten mitgeteilt, daß die antisemitische Parteileitung Herrn Köhler nahe⸗
gelegt habe, sich diesmal nicht aufstellen zu lassen. Die kürzlich in Gießen stattgefundene
antisemussche Vertrauensmänner⸗Versammlung beschloß ja auch, die Aufstellung des Kandidaten einer späteren Versammlung zu überlassen. Diese wartet aber Herr Köhler gar nicht ab, sondern proklamiert sich einfach selbst als Kan⸗ didat, in der ganz richtigen Voraussetzung, daß die hohe„Parteileitung“ dazu Ja und Amen sagen muß.— In seiner„Erklärung“ verspricht Herr Köhler noch, daß er im Falle seiner Wiederwahl mehr als bisher an den Reichs⸗ tagsverhandlungen teilnehmen werde und meint, daß es unserm Kandidaten Krumm wegen seines
Geschäftes auch nicht möglich sei, mehr in Berlin
anwesend zu sein. Köhler sollte sich nicht Sorgen um Krumm machen; wird unser Genosse gewählt, so wird er wissen, was er zu tun hat und unter allen Umständen es mit seinen Pflichten als Volksvertreter genauer nehmen, als es Köhler getan hat.
— Die Behandlung städtischer Ar⸗ beiter läßt nach uns zugegangenen Mitteilungen sehr viel zu wünschen übrig. Besonders wird darüber geklagt, daß wegen ganz geringfügiger Verfehlungen den Leuten hohe Geldstrafen auferlegt werden. Es kam vor, daß in einer Woche mehr als 11 Mark an Strafgeldern eingingen! Ferner pflegt der Herr Bommers⸗ heim, wenn er Arbeitern Vorhaltungen zu machen hat, die Sünder mit in abgelegene Räume zu nehmen, wo er sie unter vier Augen nach allen Regeln der Kunst herunterputzt. Es sollte da einmal ein wenig nach dem Rechten gesehen werden, denn die städtischen Arbeiter sind doch sozusagen auch Menschen.
Aus dem Nreise gießen.
— Versammlungen fanden unserer⸗ seits an den beiden letzten Sonntagen in Heuchelheim, Staufenberg und Ruttershausen statt. In Heuchelheim sprach am 15. Febr. Gen. Krumm über die Reichstagswahlen, wobei er, gestützt auf sehr
umfangreiches Material, besonders den Zoll⸗
tarif besprach. Seine Ausführungen wurden mit lebhastem Beifall aufgenommen.— In Staufenberg und Ruttershausen waren die Ver⸗ sammlungen gut besucht und auch hier fanden die Darlegungen des Gen. Vetters, der in beiden Versammlungen sprach, allseitige Zu⸗ stimmung.
Aus dem Nreise sriedberg⸗Püdingen.
V. Auffällige Wohltätigkeit übt in der letzten Zeit der He Graf Oriola, Ver⸗ treter des Kreises Flecherg im Reichstage.
Vorn Pfarrer Kalbhenn in Obermockstadt
wurde neulich bekannt gegeben, daß der Herr Graf 100 Mark zum Kirchenbaufonds der Gemeinde Medermockstadt gestiftet habe. An
dem Fonds wird schon seit 20 Jahren gesammelt.
Weiter wird noch aus Orleshausen berichtet, daß der dortige Kriegerverein ebenfalls mit einem Geschenke von 50 Mark bedacht wurde zur Anschaffung einer Vereinsfahne. Der Herr Graf denkt wohl auch: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Be u d 0 Wahlen rentteren ich solche Geschenke erst recht. salhe Taktik wie im Jahre 1898. Hoffentlich fallen keine Arbeiter auf diese„kluge Taktik des Brodwuchergrafen herein.
Aus dem Rreise Weßlar.
h. Vortrag der Lese vereinigung. Nächsten Dienstag, den 3. März, hält Herr
Dr. Liebe vom Waldhof Elgershausen auf Veranlassung der Lesevereinigung einen Vortrag über:„Die soziale Hygiene“.
Der Eintrittspreis beträgt 40 Pfg.— Un erscheint das Eintrittsgeld zu hoch. Wenn die Lesevereinigung den lobenswerten Zweck verfolgt, gediegene Vorträge auch den Minderbemittelten zugänglich zu machen,
von denen können.
Es ist ganz die⸗
Der Vor⸗ 1 trag findet, wie immer, im Schützengarten 1 4
so muß auch auf die 4 Lage der Arbeiter Rücksicht genommen werden, leider viele soviel nicht ausgeben 3
h. Die Reichskandidatur des Land. wirts Keiner in Werdorf ist nun von Seiten des Bundes der Landwirte in einer Versamm⸗ lung in Altenkirchen endgiltig proklamiert
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