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Nr. 35.
Mittelden tsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
—— Durch zerlumpte Hadern Scheint selbst as kleinste Laster durch; Amts⸗
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Und pelzverbrämte Röcke decken Alles. Plattir' die Sünde nur mit Gold, gleich bricht Die starke Lanze der Gerechtigkeit Ohnmächtig ab; bekleide sie mit Lumpen Und eines Narren Strohhalm sticht sie durch.
— Auf die Lassallefeier in Glei⸗ berg, welche dort diesen Sonntag im Feußer⸗ schen Lokale stattsindet— nicht im„Schwarzen Walfisch“, wie vorher apgegeben— werden die Genossen nochmals aufmerksam gemacht und um recht zahlreiche Beteiligung ersucht.
Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain.
St. Die Lassallefeier am Sonntag, den 30. August, findet nicht, wie zuerst bekannt gegeben, nachmittags 4 Uhr, sondern abends Uhr im Jesberg'schen Lokale statt. Die Veranlassung zur Abänderung giebt der schlechte Besuch der in letzter Zeit an Sonntagsnach⸗ mittagen abgehaltenen Versammlungen. Hof⸗ fentlich ist durch die Verlegung der Feier auf den Abend ein recht zahlreicher Besuch zu erwarten.
— Allgemeine Gewerkschafts⸗Ver⸗ sammlung. Die am vergangenen Sonntag⸗ nachmittag im Jesberg'schen Lokale anberaumte Versammlung der hiesigen Gewerkschaften war
leider sehr schwach besucht, was denselben wahr⸗
haftig nicht zur Ehre gereicht. Nachdem der Vorsitzende der Gew.⸗Kommisston, Alb. Knopf, die Versammlung eröffnet hatte und das Bureau gebildet war, erteilte er dem als Delegierten bei dem Gewerkschaftskongreß in Stuttgart anwesend gewesenen Bezirksleiter der Metall⸗ arbeiter, F. Ehrler, aus Frankfurt a. M. das Wort zu einem Vortrag über den Kongreß. Redner schilderte in fast zweistündigen, fesselnden Ausführungen die auf dem Kongreß gepflogenen Verhandlungen und Beschlüsse, mit besonderer Berücksichtung der sog. Buchdruckerdebatte. Als besonders bemerkenswert hob er hervor, daß dies— mal auch die Reichsregierung Vertreter zum Kongreß entsandt habe, wodurch sich die Dele⸗ gierten allerdings keinerlei Hoffnung auf ein besseres Verständnis der Regierung für die Bestrebungen der Gewerkschaften gemacht hätten. Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage folgte noch eine kurze Diskussion, sowie ein Schlußwort des Referenten, worauf der Vor⸗ sitzende ihm den Dank der Versammlung aus⸗ sprach und, nachdem noch einige lokale Ange⸗ legenheiten besprochen waren, die Versammlung schloß.(Siehe auch unter Gieß. Angel. D. R.)
— In Ockershausen hatten sich am verflossenen Sonntag in der Gastwirtschaft von A. Metzig eine größere Anzahl von Stein⸗ hauern aus Marburg und Umgegend zusammen⸗ gefunden, welche eine Besprechung über ein demnächst in obigem Lokale zu veranstaltendes Vergnügen pflogen. Man hofft, durch die Veranstaltung eines solchen die Steinhauer, Maurer usw. aus ihrer Letargie aufzurütteln und ste zum Eintritt in die Organisation zu bewegen, um dann später auch hier eine Zahl⸗ stelle des Verbandes errichten zu können. Ob dieses Mittel von Erfolg sein wird, werden die Thatsachen lehren. Wir wollen das Beste wünschen. a
G. An unsere Abonnenten. Mit 1. September wird das Austragen der Zeitungen von Genossen Prüßing besorgt. Um nun eine geregelte Geschäftsführung zu ermöglichen, ersuchen wir die Genossen, den Abonnements⸗
— betrag unbedingt vor dem 15. jeden Monats
an gen. Genossen zu bezahlen. Bestellungen auf Werke, sowie auf den jetzt erschienenen Neue⸗Weltkalender und Arbeiter⸗Notizkalender werden auch von demselben entgegengenommen. Pflicht eines jeden Genossen sst es, für die Verbreitung unserer Presse einzutreten, sowie neue Abonnenten zu werben.
Bergunglück in Oberschlesien.
Am Montag früh brach in der Heinitzgrube bei Beuthen in Ober⸗Schlesten auf der 420 Meter tief 1 Sohle ein Grubenbrand aus. Dabei sind 18 Häuer und ein Ober⸗
steiger erstickt, 80 Schwerverletzte liegen im Krankenhause in Beuthen. (Weiteres Nah und Fern Seite 7.)
Kleine Mitteilungen.
Wegen Milch pantscherei wurde eine Bäuerin aus Kloppenheim vom Amtsgerichte in Vilbel zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt. Ihr Mann erzielte Freispruch. Beide waren angeklagt, der Milch fast zur Hälfte Wasser zugesetzt zu haben.
* Grausiger Fund. In der katholischen Kirche zu Höchst a. M. fand ein barmherziger Bruder ein Packet, worin sich die Leiche eines neugeborenen Kindes befand, das offenbar erstickt worden war.
e Morithat. In Frankfurt tötete am Donnerstag früh ein 24 Jahre alter Metzgerbursche in der Vogelgesanggasse eine verheiratete, unter polizei⸗ licher Kontrolle stehende Frau durch drei Revolverschüsse und erschoß sich dann selbst.
e Vertrauens un würdiger Vertrauens- mann. In Coburg entfloh der dortige Partei-Ver⸗ trauensmann mit etwa 200 M. Parteigeldern nach der Schweiz. Er dürfte mit den paar Mark kaum weit kommen.— Für den Offenbacher Arizonaliker bietet sich aber wieder vortreffliche Gelegenheit über die Schlechtig— keit der Sozialdemokratie und die über allen Zweifel erhabene— Ehrlichkeit der Antisemiten Artikel zu ver⸗ brechen.
„ Ordnungsstütze kommt ins Zuchthaus. Der hochangesehene Seminar⸗Oberlehrer Collmann in Greiz wurde wegen Sittlichkeitsverbrichen an seinen Schülern, die ihm in 300 Fällen nachgewiesen wurden, zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.
* Henkerarbeit. In Altenburg wurden am Donnerstag früh die drei wegen Mordes an dem Grubenarbeiter Seifert zum Tode Verurteilten und zwar die 47 jährige Wittwe Seifert, der 34 jährige Nieder⸗ mater und der 20 jährige Maurer Tänzler, mit dem Beil hingerichtet.
* Ein Schiffsunglück ereignete sich am Sonntag Nacht wiederum bei Hamburg. Der Personendampfer „Billwärder“ mit 114 Mitgliedern eines Vereins an Bord, stieß mit dem Dampfer„Adelbert“ zusammen. Keines der beiden Schiffe sank, aber es entstand doch eine furchtbare Panik, wobei 10 Passagiere verletzt wurden.
z Brückeneinsturz. Ein Bogen der im Bau be⸗ findlichen Corneliusbrücke in München stürzte ein und riß etwa 40 Arbeiter mit in die Tiefe, von denen 30 zum Teil schwer verletzt wurden. Zwei sind den Ver⸗ letzungen erlegen.
* Frhr. v. Stietencron in Niederweiler(Loth⸗ ringen), der im vergangenen Jahre den italienischen Arbeiter Fazzi erschoß, vom Kriegsgericht aber freigesprochen wurde, scheint sich in Niederweiler nicht mehr wohl zu fühlen. Er will sein Gut nebst Allen, was dazu gehört für 450 000 Mk. verkaufen und Lothringen verlassen. Sein Scheiden wird Niemandem Thränen entlocken. Besonders schofel von diesem Menschen war, daß er bei all' seinen Reichtum den Hinterbliebenen des von ihm Ermordeten Zahlung einer kleinen Rente verweigerte.
Saubere Nonne. Die Schwester Philomena in Neapel versorgte gegen Geld mit den ihrer Obhut anvertrauten Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren die berüchtigsten Lebemänner Neapels. Als gegen zwanzig ihrer Zöglinge an einer häßlichen Krankheit darniederlagen, machten, wie der Berl. Volkszeitung ge⸗ meldet wird, die Aerzte Anzeige bei Gericht und erwirkten für das ruchlose Weib im Ordenskleid die Verurteilung zu sechs Jahren Zuchthaus. Aus Rache hetzte aber die klerikale Presse den abergläubischen Pöbel gegen die Aerzte auf und es fiel richtig der Arzt unter dem Dolchmesser bezahlter Subjekte.
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Partei-Uachrichten. 8
Unser Frankfurter Parteiblatt, die„Volks⸗ stimme“, erfreut sich mitsamt der dortigen Parteidruckerei „Union“ einer günstigen Entwickelung. Wie in einer Versammlung des soz.⸗dem. Vereins mitgeteilt wurde, waren im letzten Jahre die Einnahmen für Abonnements um 4000 Mk. höher wie vor zwei Jahren, die Inserate brachten 3000 Mk. mehr wie im vorigen Jahre. Dabei verringerten sich die Druckkosten um 4000 Mk.(Das Blatt wird in eigener Druckerei hergestellt.) Die Druckerei erzielte einen Reingewinn von 12500 Mk. bei reich⸗ lichen Abschreibungen. Der Reingewinn wurde zum Teil für Vermehrung des Maschinen- und Schriftenmaterials verwendet.— Bekannt ist, daß in der Druckerei die achtstündige Arbeitszeit eingeführt ist und die dort be⸗ schäftigten Arbeiter auch sonstige Vergünstigungen (Ferien ꝛc.) genießen.
Preßsünder im Gefängnis. Unter sehr scharfer Aufsicht wird unser Genosse Dr. Quarck gehalten, der gegenwärtig im Preungesheimer Gefängnis eine 2½¼ monatige Strafe abbüßt. Wle die Volksstimme
mitteilt, ist es unsermn Genossen nicht einmal gestattet, unbeaufsichtigt iim Gefängnishofe spazieren gehen zu dürfen. Das ist doch unerhört. Hätte freilich Quarck einen Menschen im Duell ermordet, so hätte er sich viel gelinderer Behandlung zu erfreuen.
Unser Genosse Theodor Metzner ist am Sonntag unter ungeheuerer Beteiligung der Parteigenossen auf dem Friedhof der freireligiösen Gemeinde in Berlin beerdigt worden. Der Trauerzug, in dem sich auch mehrere Musikkorps befanden, zählte weit mehr als 12000 Personen. Die liberale Fraktion der Stadtver⸗ ordnetenversammlung war durch Deputationen vertreten. Da sich die Polizei taktvoll benahm, kam keinerlei Un⸗ ordnung vor. Der Vorbeimarsch des Zuges währte mehr als eine Stunde. Am Grabe hielt Genosse Waldeck⸗ Manasse die Trauerrede, in der er die Verdienste des alten erprobten Kämpfers für die Arbeitersache schilderte und seinen lauteren Charakter hervorhob.
„Die Parteigenossen in Wiesbaden wählten den freireligiösen Prediger Welker zum Parteitags⸗Delegierten und nahmen ver— schiedene Anträge in Bezug auf die Bekämpfung des Zentrums an.
Versammlungskalender.
Samstag, den 30. August.
Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. T.⸗O.: 1. Die Landes⸗ konferenz. 2. Anträge zum Parteitag.
Heuchelheim. Arbeiterbildungs verein. Abends 1/9 Uhr Versammlung bei Wirt August Rinn.
Wieseck. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei B. Wacker. T.⸗O.: 1. Bericht von der Kreiskonferenz. 2. Die Landeskonferenz in Worms.
Sonntag, den 31. August.
Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammlung bei Orbig.
Montag, den 1. September.
Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Dienstag, den 2. September. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig.
Führer durch das Gewerbe-Unfallversicherungs⸗Gesetz.
durch das Bau⸗Unfallversicherungs⸗Gesetz. durch das Unfallversicherungs⸗Gesetz für Land⸗
und Forstwirtschaft.
durch das Invalidenversicherungs-Gesetz. Jedes einzelne Werk ist zusammengestellt nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen und mit einem aus⸗ führlichen Inhalts⸗Verzeichnis mit alphabetischem Sach⸗ register versehen. Die Führer sind jedem Arbeiter ein treuer Ratgeber in allen, die Unfall- und Invaliden⸗ Versicherung betreffenden Angelegenheiten.— Preis des einzelnen Werkchens 25 Pfg., nach auswärts 3 Pfg. Porto. Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie.
Von Ed. Bernstein. Preis brosch. 2 Mk.
Die Kommission.
Die Landes⸗Konferenz
der Sozialdemokraten Hessens findet
Sonntag, deu 7. September 1902,
Vormittags 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus in Worms statt. Vorläufige Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees. Referent Ge⸗ nosse Ulrich, Offenbach. 2. Rechnungsablage. Referent Genosse Orb, Offenbach. 3. Die bevorstehenden Landtagswahlen. Referent Genosse
Dr. David, Mainz.
4. Der Parteitag in München.
Darmstadt.
5. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. Referent Ge⸗
nosse Ulrich, Offenbach. 5 6. Einlaufende Anträge.
7. Wahl des Landes-⸗Komitees. 8. Wahl des Ortes der nächsten Landes⸗Konferenz.
Parteigenossen! Die Wichtigkeit der Tages⸗ ordnung macht eine zahlreiche Beschickung der Konferenz nötig, sorgt deshalb dafür, daß überall Delegierte ge⸗ wählt werden. Diskutiert die Tagesordnung und sendet etwaige Anträge rechtzeitig an den mitunterzeichneten Genossen Ulrich, damit dieselben veröffentlicht werden können.
Die Delegierten sollen mit einem Mandat versehen sein; die Formulare versendet das Landes⸗Komitee und werden dieselben vom Genossen Ulrich bezogen.
Offenbach a. M., 15. Juli 1902.
Daß indes⸗Komitee. C. Ulrich, eee
gr. Marktstraße 23. Geleitsstraße 14.
Referent Genosse Cramer,
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