Ausgabe 
1.6.1902
 
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Gießen, Sonntag, den 1. Juni 1992.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

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Ein Gutsbesitzer über die Getreidezölle.

Im letzten Hefte derNeuen Zeit veröffent⸗ licht unser Genosse, der Gutsbesstzer Ebhard in Kommorowen einen Artikel überZollpolitik und Landwirtschaft, in dem er nachweist, daß die Politik der höheren Getreidezölle der Landwirt- schaft nicht nur nichts nützt, sondern direkt schadet. Das ist zwar während des Kampfes um die Zölle schon von vielen Seiten nachgewiesen worden; trotzdem oder gerade deshalb sind die sachverständigen Ausführungen eines bewährten Landwirtes vou hohem Interesse. Wir geben sie in Folgendem wieder.

Die Agrarier und die ihnen gehorsame Reichsregterung behaupten, die Preise der land⸗ wirtschaftlichen Produkte seien so hoch zu steigern, daß die Kosten der Herstellung gedeckt werden. Diese Forderung kommt mir ganz so unsinnig vor, als wenn die Stiefelfabrikanten verlangen wollten, der Preis der Stiefel solle nach denjenigen Produktionskosten berechnet werden, die ein ohne jegliche maschinelle Hilfe arbeitender Schuh⸗ flicker bei der Herstellung von Stiefeln haben würde. Der Bauer steht aber gegenüber dem

mit allen Hilssmitteln der Technik ausgerüsteten⸗

Großgrundbesitzer weit weniger schlecht da wie der Handwerker gegenüber dem Großindustriellen. Denn der Handwerker muß, schon um leben zu können, Waren für den Markt produzieren, während der Bauer nur so viel Waren zu produzieren braucht, um die Steuern zu bezahlen und einzelne Wirtschaftsgegenstände anzuschaffen, wogegen ihm zum Leben die Scholle genug bietet. Die Bauern, die mit dem Großgrund⸗ besitzer, der mit den neuesten Maschinen pflügt, eggt, sät und drischt, nicht konkurrieren können und die thatsächlich beim Getreidebau in Folge ihrer rückständigen Wirtschaftsweise sehr oft nicht auf die Produktionskosten kommen werden, produzieren überhaupt nicht für den Markt. Verkaufen sie im Herbst Getreide, um sich et⸗ was Geld zu verschaffen, so müssen sie es im Frühjahr nicht nur zum Leben, sondern auch zur Saat zu sehr erhöhten Preisen wieder an⸗ schaffen. Der Bauer wie der kleine Handwerker stehen außerhalb des modernen Betriebs, und jeder Versuch, wie beim Handwerk mit den Innungen, so beim Bauern durch Erbschafts⸗ beschränkung, Zollgesetzgebung, Zerschlagen der Domänen, Beschränkung der Freizügigkeit, die Ertragsfähigkeit der Bauernwirtschaft künstlich zu steigern, bleibt ohne Erfolg.

Gewiß kann die Lebensweise des Bauern

noch bedeutend gehoben werden, und wir Sozial⸗ demokraten sind sicherlich die Letzten, die sich dem widersetzen würden. Deshalb empfehlen wir vor Allem die Einführung des Miliz⸗

systems, das dem Bauern seine Kinder als Arbeiter gerade bei der nötigsten Arbeitszeit lassen würde, während der jetzige Militarismus den Bauern von Arbeitskräften geradezu ent⸗ blößt, ferner fordern wir Uebernahme sämtlicher

Schullasten durch den Staat, Trennung von Schule 135 Kirche, wodurch einer Menge para⸗ sttärer Existenzen Gelegenheit zu produktiver Ar⸗ heit gegeben würde und vor Allem Staats⸗ kredit mit geringem Zinsfuß zu genossenschaft⸗ lichen Meliorationsarbeiten jeder Art.

Der agrarische Großgrundbesitzer verlangt nun, daß er beim Getreidebau aufdie Pro⸗ duktionskosten kommt, nimmt aber als Maß⸗ stab nicht eine moderne Wirtschaftsweise an, sondern die des wirtschaftlich rückständigen Bauern, und deshalb verlangt er, der Staat müsse ihm durch einen hohen Zoll helfen.

Produktionskosten des Roggens sind nun nicht eine absolute Größe, relativer Faktor; sie sind in keinem Jahre gleich groß, bei jedem Besitzer verschieden und ganz davon abhängig, obextensiv oder intensibge⸗ wirtschaftet, ob schwach oder stark gedüngt, ob gut oder schlecht gefüttert, ob flach oder tief gepflügt, ob mittels Maschine oder mit aus Urväter Zeit stammender Sichel gemäht wird und schließlich ob bei der Ernte gutes oder schlechtes Wetter ist.

Ebhard giebt dann einen Auszug aus seinen Büchern. Daraus geht hervor, daß er in den letzten 6 Jahren einen recht ansehnlichen Rein⸗ gewinn zu verzeichnen hatte, der von den Zöllen vollständig unabhängig war, da für Futter⸗ mittel bedeutend mehr ausgegeben, als für Getreide vereinnahmt wurde. Das Gut Kom⸗ morowen ist im Ganzen 584 Hektar groß. Aus dem erwähnten Bücher⸗Auszug wollen wir nur die Angaben der letzten beiden Jahren anführen. Es sind dabei nur die Einnahmen für Vieh und Getreide angeführt, um eben zu zeigen, daß bei intensiver Wirtschaftsweise der Land⸗ wirt von hohen Zöllen keinen Vorteil hat, weil er das Hauptgewicht auf Viehzucht legen muß.

Also Ebhard hatte an Ein nahme für:

In den Jahren

1899/1900 1900/01 Pferde, Vieh, Schweine, Schafe, Federvieh... Mk. 48 484 54835 Getreide:. 5 4143/2 10 165 Ausgabe für: Pferde, Vieh, Schweine, Schafe, ete. 15 445 19 962 Saaten und Futter 4339 14377 Künstl. Dünge 5 7540 8846 Löhne aus⸗ schließl. Naturalien 19401 19 630

Dabei hatte unser Gutsbesitzer im ersten Jahr- 20 587 Mk.; im andern 22593 Mk. Re iner⸗ trag zu verzeichnen!

Einzelne Futterstoffe, wie Kleie, Oelkuchen, sind zwar nicht mit einem Zolle belegt, aber es werden auch viele Getreidearten wie Mais, Gerste, Hafer, Erbsen und deren Gemische als Futterstoffe eingeführt, und es läßt sich der ziffermäßige Nachweis führen, daß mit dem Steigen des Getreidepreises auch der Preis für Futterstoffe gestiegen ist und der rationell wirt⸗ schaftende Landwirt keinen Nutzen von der Zollpolitik hat. Den Nutzen einer Erhöhung der Getreidepreise haben nur diejenigen Landwirte, die extensiv wirtschaften, zum Teil auch wegen Leutemangel dazu gezwungen sind. Das sind dieselben Schreier im Streite, die die Aufhebung der Freizügigkeit fordern und den Arbeiter am liebsten als Sklaven an ihre Scholle fesseln möchten. Für moderne Arbeiterfragen haben ste nicht das geringste Verständnis; sie können

sich nicht daran gewöhnen, im Arbeiter einen

sondern ein ganz

gleichberechtigten Faktor des Wirtschaftsgetriebes zu sehen. Da sie selbst nichts leisten, erwarten ste alles Heil von einer weisen Regierung, die ihnen ihre Ziele verwirklichen soll. Die Welt⸗ geschichte hat ihr Urteil über die Köckeritze und Lüderitze gesprochen. Unsere Agrarier können zwar nicht mit Flinte und Säbel den Wege⸗ reisenden überfallen, aber desto sicherer ver mittelst der Gesetzgebung. Ich glaube, das Urteil der Geschichte über sie wird noch härter sein als bas über ihre Vorfahren.

Eine Erhöhung der Agrarzölle wird aber entschieden auch dazu führen, die gesamte Land⸗ wirtschaft zu schädigen. Ist der Landwirt bei niedrigen Getreidepreisen mehr oder weniger gezwungen, den Getreidebau einzuschränken, mehr Futter anzubauen und in erhöhtem Maße Viehzucht zu treiben, so wird er durch vermehrte Dungproduktion auch den Kulturzustand seines Bodens um ein Bedeutendes erhöhen. Die Pflanzennährstoffe, die er durch die Produkton von Milch, Fleisch, Wolle abgiebt, werden durch eine starke Fütterung nicht nur reichlich kom⸗ pensiert, sondern geben dem Boden noch einen reichen Ueberschuß und liefern dem Landwirt auch sichere Getreideerntey.

Wird im umgekehrten Falle durch eine Zoll⸗ politik erhöhten Getreidepreisen Rechnung ge⸗ tragen, so scheint es ja viel einfacher und billiger, den Futterbau einzuschränken, die Vieh⸗ zucht zu ermäßigen und die für Verkaufsge⸗ treide bestimmte Fläche zu erhöhen. Solche Güter, deren es leider nicht wenige giebt, kom⸗ men mit der Wirtschaft immer mehr zurück. Getreide wird soviel wie möglich verkauft, der Acker, der bei Einzelnen nur ein geringen Er⸗ satz Pflanzennährstoffen durch eine Zugabe von künstlichem Dung erhält, verarmt immer mehr, das Getreide will dann auf die Dauer nicht mehr wachsen, und um den Besitzer zu schützen, soll dann der Staat wieder mit natürlich aber⸗ mals erhöhten Zöllen helfen. Das ist dann die bekannte Schraube ohne Ende. Dieses zwangsweise Produzieren von Getreide, das durch die Zollgesetzgebung mit Notwendigkeit herbeigeführt wird, bedeutet ein zwangsweises Zurückschrauben der Landwirtschaft auf eine niedrige Kulturstufe. Die Hungerjahre, die bereits zum ehernen Bestand der russischen Landwirtschaft gehören es wächst dort nichts mehr, weil alles Getreide verkauft wird und der Boden keinen Ersatz an Pflanzennährstoffen erhält, würden auch bei uns ihren Einzug halten.

Das ist die Meinung eines Mannes, der seit 24 Jahren als erfolgreicher Landwirt thätig ist. Die anttsemitischen Zollagitatoren, die höhere Getreidezölle im Interesse der Bauern für notwendig erklären, die Maler, Archi⸗ rekten, Lehrer etc. werden vielleicht sagen, Ebhard versteht nichts von Landwirtschaft.

Ein Wort an die Bauern.)

Wenu man die Redner vom Bunde der Landwirte hört, so könnte man meinen, daß wir Sozialdemokraten für die Landwirtschaft keinen Sinn und kein Herz hätten. Nach ihnen

) Wir geben gerne diesem Artikel eines Parteige

nossen Raum, obgleich wir nicht in allen Teilen mit

ihm einverstanden sind. D. R.

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