Ausgabe 
30.11.1902
 
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Nr. 48.

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igen Kampfmittel verabscheuen. Er mußte den Vorsitz; im Kriegerverein niederlegen, vor Kuszem hat man ihm aber das Amt wieder übertragen. Wenn der Krieger verein den Schmähbriefschreiber an die Stelle seines bisherigen sehr achtenswerten Präsidenten setzte, so beweist das, daß in demselben der Sinn für Reinlichkeit nicht besonders entwickelt ist. Vielleicht hat sich auch der Briefschreiber gebessert, dafür haben wir aber keine Beweise. Genug, im Verein mit dem Herrn Pastor macht er wieder kräftig in Sozialistenbekämpfung, die in Kaffeekränzchen und Theeabenden, die der Pastor arran⸗ giert, betrieben wird. Erfolge bemerkt man noch nicht. Sie werden aber kaum größere sein, als die in jener Versammlung im Frühjahr, in welcher der Herr Pastor und Herr Apotheker Dr. Burckhardt die Sozialdemokratie vernichteten und wo dem Gottes manne direkte Unwahr⸗ heiten nachgewiesen wurden.

Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.

*Nationalsoztale Unflätigkeit. An einer ziemlich harmlose Polemik, die vor Kurzem zwischen demVorw. und derLeipz. Volksztg. in scharfer, aber keineswegs ungehöriger Weise geführt wurde, knüpfte dieHess. Landesztg. folgenden Satz:Wenn sich die sozialdemo⸗ kratischen Blätter schon unter einander solch nette Liebenswürdigkeit ins Gesicht schleudern, dann wird man sich freilich über den Unflat nicht wundern dürfen, mit denen sie fortwährend die Presse anderer Parteirichtungen überschütten. Die Nationalsozialen wollen in Beurteilung der Sozial demokratieobjektiver sein, als die übrigen bürgerlichen Parteien. Das beweist diese Aeußerung des nationalsozialen Blattes, welches damit eine erbärmliche Heuchelei treibt. Natürlich, wenn die sozialdemokratische Presse der bürgerlichen die Wahrheit sagt, so heißt dasmit Unflat überschütten; wenn aber Schweinburg⸗Junker⸗ und Pfaffenblätter die Sozialdemokratie jahrzehntelang Tag für Tag beleidigen, beschimpfen, verdächtigen, so ist das ganz in der Ordnung. Nicht wahr, Herr Pastor?

R. Schreiner⸗Aussperrung? Kürzlich beschloß die hiesige Zahlstelle des Holzarbeiter⸗Verbandes, die jetzt 58 Mitglieder zählt, über die Rohleder'sche Werkstelle verschiedener Mißstände wegen die Sperre zu verhängen. Darüber gerieten die Innungsmeister in solche Wut, daß sie dem Verbande erklärten,sämtliche Verbandsbrüder (wie sich der Obermeister ausdrückte) auszusperren, wenn jene Sperre nicht sofort anfgehoben und versprochen würde, nie wieder eine derartige Maßregel zu beschließen. Für Freitag, den 28. November ist eine geheime Sitzung der Meister einberufen, in der voraussichtlich die Aussperrung beschlossen wird. An die Gießener Kollegen richten die Marburger die Bitte, die reisenden Kollegen darauf aufmerksam zu machen, daß Umschauen hier streng verboten ist.

St. Ein warmes Herz für die armen Hand⸗ werksburschen, die Arbeit suchend bei gegenwärtiger rauher Winterszeit hungernd und frierend auf der Landstraße umherirren, scheint unser Herr Oberbürger⸗ meister nicht zu besitzen. Das zeigte sich recht eklatant in letzter Sitzung der Stadtverordneten. Hier bestand nämlich seither die löbliche Einrichtung, unbemittelten reisenden Handwerksburschen freies Nachtquartier nebst Abends einem Butter⸗Brod und Kaffee auf Kosten der Stadt zu verabreichen(ohne Gegenleistung); während die in der Herberge zur Heimat Freiquartier beziehenden Reisenden einige Stunden dafür arbeiten müssen. Der Oberbürgermeister beantragte nun, dieses opulente Abendbrod auf ein Stück trockenes Brod nebst schwarzem Kaffee zu beschränken und begründete diesen Antrag damit, daß, durch diese Freigebigkeit der Stadt Marburg angelockt, eine große Anzahl reisender Handwerksburschen ihre Schritte nach Marburg lenkten, um sich hier gütlich zu tun. Dem müsse ein Riegel vorgeschoben werden; die Leute brauchten überhaupt nicht auf der Landstraße rumzulaufen usw. Unsere Stadtväter, die ebenfalls sehr wenig sozialpolitisches Verständnis zu besitzen scheinen, stimmten natürlich dem Antrage zu und so ist denn nun dasherrliche Leben für die Handwerksburschen in Marburg vorbei! 1

Wieder ein polizeilicher Mißgriff. Allerdings waren es diesmal nur drei Handwerks⸗ burschen, die unter der Polizeiwillkür zu leiden hatten. Ju der Nacht vom 29. auf 30. Oktober wurde in Gladenbach durch Einbruch ein Uhrendiebstahl verübt. Drei Handwerksburschen, Buchdrucker aus Ungarn, wurden nun dieserhalb in Marienburg im Westerwald verhaftet und trotz ihrer Angabe, in der fraglichen Nacht in Herborn übernachtet zu haben, in Haft behalten. Erst am 25. November wurden dieselben wieder frei gelassen; es hatte also annähernd vier Wochen bedurft, um den Alibibeweis der drei jungen Leute auf seine Richtigkeit zu prüfen. Einen netten Begriff von

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der Schnelligkeit und Gründlichkeit deutscher Justiz können die so lange Eingesperrten mit in ihre Heimat nehmen. Verschieden es. Das Eis der letzten Tage hat hier verschiedene Unfälle durch Einbrechen vorwitziger Schlittschuhläufer zur Folge gehabt; glücklicherweise ging es immer gut ab. In Ockershausen erlitt ein Kind durch einen Fall auf der Rutschbahn einen Beinbruch. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde in der Rosenstraße ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Diebe, die bald darauf ermittelt wurden, eigneten sich die besten Marken des im Keller lagernden Weines an.

Krupps Beerdigung

hat am Mittwoch in Essen mit all' dem Prunk stattgefunden, der bei reichen Leuten üblich ist. Und hier handelte es sich nm einen sehr reichen Mann. Auch der Kaiser befand sich im Trauergefolge. Nach dem Begräbnis hielt er im Bahnhof eine Rede an die Vertreter der Arbeiterschaft Krupp'scher Werke, in der er Krupp als das Opfer einer Mordthat bezeichnete, begangen von Leuten, die des Namens Deutsche un⸗ würdig wären. Er forderte die Arbeiterschaft auf, das Tischtuch zwischen sich und diesen Leuten zu zerschneiden. Der Kaiser kann viel sagen, die Angegriffenen können ihm nicht antworten, ohne befürchten zu müssen, mit dem Majestätsbeleidigungsparagraphen in Konflikt zu kommen. Die deutsche Arbeiterschaft kennt ihre Stellung⸗ nahme, sie bedarf dazu keines Rates von hoher Stelle. Für unsere Genossen überall ist aber angesichts jener Rede der Rat am Platze: Mund halten!

Polizei⸗Mißgriffe.

Wie berechtigt die am Samstag im Reichs⸗ tag geübte scharfe Kritik der Polizei wirt⸗ schaft in Deutschland gewesen ist, beweisen wiederum zwei polizeiliche Mißgriffe. In Barmen brach der Stationsassistent Emde, als er morgens um Uhr sich zum Dienst begab, auf der Bahnhofstraße bewußtlos zu⸗ sammen. Schutzleute fanden den Unglücklichen und brachten ihn in der Annahme, er sei betrunken, nach dem Gefängnis. Erst nach mehreren Stunden befragte sich die Polizei auf dem Statiousbureau und erfuhr dort, daß der ins Gefängnis Gesteckte unmöglich betrunken sein könne, da er zum Dienst erwartet wurde. Ein herbeigeholterß Arzt stellte fest, daß der angeblich Betrunkene von einem Gehirnschlag getroffen sei. Nunmehr wurde der Schwerkranke ins Krankenhaus geschafft, wo er nach kurzer Zeit verstarb. Ferner wurde im Bahnhof Gersfeld eine Dame, die mit der Bahn vou Fulda gekommen war und weiterreisen wollte, von einem Gen⸗ darmen verhaftet und eingesperrt. Erst nach zwei Stunden wurde sie wieder freige⸗ lassen. Die Polizei hatte sie mit einer gesuchten Bremer Schwindlerin verwechselt. Am preuß. Bußtage(19. Nov.) erschienen 2 Schutz⸗ leute im Frankfurter Gewerkschaftshause, verhafteten dort einen jungen zugereisten Mann und transportierten ihn nach dem Polizeige⸗ fängnis, wo er während der Nacht mehrere Verhöre zu bestehen hatte. Andern Tages wurde er entlassen, weil die von zwei Männern gegen ihn erhobene Beschuldigung, den Raubmord in Ilbeshausen verübt zu haben, sich als grundlos erwies. Unsere Redner im Reichstage sprachen also mit vollem Rechte von Polizei⸗Willkür.

Pückleriana.

Der edle, tapfere Dreschgraf von Klein⸗ Tschirne stand am Samstag wieder einmal in Berlin vor Gericht. Zwei Redakteure der

Staatsbürgerzeitung, sein Inspektor Kirchner

und der Stenograph Schimmelpfennig leisteten ihm Gesellschaft. Sie waren mitsamt dem Grafen der Aufreizung zum Klassenhaß ange klagt, der Graf hatte sich außerdem wegen einer Beleidigung der Richter von Moabit und in Gemeinschaft mit Weber noch ein zweites Mal wegen Aufreizung zum Klassenhaß zu verant⸗ worten. Die Beleidigungsklage hat er sich durch die bekannte Rede zugezogen, worin er die Behandlung, die er von den Richtern zu Moabit erfuhr, in seiner Weise beschrieben. In der Verhandlung suchte der tapfere Kämpe seine verschiedentlichen, an Versamm⸗ lungen gerichteten Aufforderungen, die Juden zu verhauen, mit der alten Ausrede abzuschwächen, daß diese nurbildlich gemeint wären. Der

(Staatsanwalt beantragte gegen Pückler eine

Gesamtstrafe von einem Jahr Gefänguis und Verhaftung; gegen den Angeklagten Bruhn drei Monate Gefängnis, gegen die übrigen Angeklagten Geldstrafen. 28 Gräflein kam wieder sehr billig davon; er erhielt wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten in zwei Fällen zu 700 Mark. und wegen Beleidigung des Arztes Dr. Neumann 300 Mk. Geldstrafe. Also im Ganzen 1000 Mk.! Das ist für den Großgrundbesitzer eine Lumperei.

Kleine Mitteilungen.

r Erfroren. Der aus Oberkleen bei Butz bach

gebürtige Müller Joh. Jung wurde am Samstag auf

der Landstraße unweit seines Heimatsoctes erfroren aufgefunden. Jung war in letzter Zeit leidend.

r Eine Gasexplosion erfolgte Sonntag Nach⸗ mittag in Koblenz im GasthausZum Schwanen. Das Gebäude wurde zum Teil zerstört, Wände und Decken stürzten ein. Glücklicherweise wurde Niemand verletzt. Eine weitere Explosion erfolgte Sonntag Nacht in der Aschaffenburger Gasfabrik. Dabei wurde unter heftigem Knall das Regulierhaus gänzlich demoliert und ging in Flammen auf. Unfälle sind nicht vorgekommen. Das Feuer wurde bald gelöscht. In der Stadt erloschen infolge der Exploston sämtliche Lichter und am Montag konnten verschiedene gewerbliche Betriebe ihre Maschinen nicht in Thätigkeit setzen.

. Auf gräßliche Weise verunglückte ein junger Arbeiter aus Neuenhaus bei Siegburg. Er fuhr Abends auf der Chaussee mit seinem Rade gegen ein von einem Ochsen gezogenes Fuhrwerk, wobei die Horner des Tieres dem Radfahrer in den Unterleib drangen. Unter fürchterlichen Schmerzen starb der junge Mann alsbald.

Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung.

Eine Konferenz der hessischen Gewerkschafts⸗ kartelle fand am Sonntag in Offenbach statt. Es handelte sich besonders darum, sich über wirksames Ein⸗ greifen bei den Wahlen zu den sozialpolitischen Organi⸗ sationen zu beraten. Beschlossen wurde, die Wahlen zu Versicherungskörperschaften besser zu organisteren. Mit den Vorarbeiten dazu wird das Gewerkschaftskartell Mainz betraut. Gießen war durch Genosse Bock vertreten.

Partei-Nachrichten.

Parteigenossen! Sorgt angesichts des uns im nächsten Jahre bevorstehenden schweren Kampfes für die nötigen Mittel! Vor allem aber werbt neue Abonnenten für Euer Nampforgan, die Mitteldeutsche Sonntags-Seitung!

Für den Wahlkreis Darmstadt stellte die am Sonntag in Groß-Gerau stattgefundene Kreis⸗ konferenz den bisherigen Abgeordneten Gen. Cramer wieder als Kandidaten zum Reichstage auf.

Der Süddeutsche Postillon hat seine Nr. 500 als Jubiläumsnummer in reicher Ausstattung erscheinen lassen. Wir empfehlen den Genossen ihre Anschaffung. Der Preis beträgt 10 Pfg.

Versammlungskalender.

Samstag, den 29. November.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei LöbWiener Hof. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Dienstag, den 2. Dezember.

Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung bei Orbig.

Sonntag, den 7. Dezember.

Gießen. Freie Turnerschaft. Mitgliederv er⸗ sammlung im LokaleZum Pfau.

Gießen. Freie Turnerschaft. Turnstunden jeden Mittwoch, Abends /9 Uhr, Sonntag, Vormittags 10 Uhr imPfau.

Briefkasten.

Mrbg.⸗R. Konnte nicht alles Aufnahme finden. Mrbg.⸗W. Wir sind ganz mit Ihnen einverstanden. Trotzdem haben wir Ihre Zuschrift nicht aufgenommen, weil wir der Meinung sind, daß die Angelegenheit besser in der Parteiversammlung erledigt wird.

Sturm im Reichstage.

In der Donnerstagsitzung stellten die Zöllner den Antrag auf en Mloe-⸗Annahme des Zoll⸗ tarifs. Heftig protestierte die Linke gegen die⸗ sen neuen Gewaltakt. Nach lauger Geschäfts⸗ ordnungsdebatte trat Vertagung ein.

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