Ausgabe 
30.11.1902
 
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Seite. 6

Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.

Unterhaltungs-Ceil. 7 ů Aus den Erinnerungen eines alten Frankfurter Hürgerwehrtambours.

Wieder einmal an einem schönen Sommer⸗ nachmittag hatten wir um sechs Uhr die Wache am Affentor bezogen. Damals wurden die Wachen nicht am Mittag, sondern um sechs Uhr abgelöst. Unter der Wachmannschaft befand sich eine Anzahl Frankfurter und Sachsenhäuser Fischer, die mit dem wachhabenden Sergeanten auf kameradschaftlichemDu standen. Kaum waren wir richtig eingerückt, so erklärte einer von ihnen dem Sergeanten:Weißt Du was, wir gehen jetzt fort fischen.

Ja, das geht aber doch nicht, wer soll dann Posten stehen?

Ei da der Tambour das war ich kann ja auch Posten stehen, der hat ja doch nichts zu thun.

Damit gingen sie wirklich ihres Weges und kamen erst am anderen Morgen früh wieder zurück. Fische brachten sie allerdings eine ganze Menge mit und zwar lauter prachtvolle Exem⸗ plaxe, es war eine Lust sie anzusehen. Da muß jetzt die Fischbäckern herbei, die soll uns die Fische schön herrichten und backen, aber wer soll sie holen? Der Tambour kann hingehen, das faule Aas hat ja doch die ganze Nacht nichts gethan.

Hoho, ich habe zweimal Posten gestanden, ruft Euch doch die Fischbäckern selber, gab ich ärgerlich zur Antwort.

Mach, daß Du fortkommst und hole die Frau, sonst kriegst Du nicht einen Schwanz zu essen. Was wollte ich thun? Wohl oder übel mußte ich mich auf die Beine machen und nach der Löhrgasse, wo damals die Fischbäckern wohnte, gehen und dieselbe rufen.

Bald darauf erschien sie denn auch und mit einem:Ach Herr Jesus, was wollt Ihr denn mit den Fischen alle machen? eröffnete sie ihre Thätigkeit. Als Antwort erscholl aus dem Chor ein kräftiges: Halt's Maul!Die nimmst Du mit, putzt sie hübsch und häckst sie schön, nachher werden wir schon damit fertig werden, das laß nur unsere Sorge sein.Na, meinet⸗ wegen, brummte ste und damit trollte sie mit den Fischen ab.

Inzwischen wurden verschiedene bekannte Gärtner, die von ihren Feldern zum Thor hereinkamen, angehalten um auf dem Altar der Wachtstubenfreude zu opfern. Der eine mußte einige Gummern(Gurken), ein anderer Petersilie oder Kerbel, wieder ein anderer etwas abladen was zur Komplettierung eines guten Gurken⸗ salates notwendig war. Selbstverständlich hatte das alles gratis und aus Freundschaft zu ge⸗ schehen. Beim Ducat, der damals gerade zapfte, war ein tüchtiger Krug Aepfelwein geholt worden und neben ihm auf dem Tisch lag ein stattlicher Laib Brot. Jetzt fehlten nur noch die gebackenen Fische. Ja, was machen denn die? Da müßte einmal jemand hingehen und nachsehen, daß wir auch unsere Sach wieder alle bekommen. Natürlich wuchs dieser Gang mir wieder, dem faulen Tambour, in den Garten und als ich zu ihr kam, der schlag⸗ fertigen Fischbäckern, da empfing ste mich nicht sonderlich freundlich und apostrophierte mich: Na, was willst Du? Ich brauche Dich nicht!

Nun, ich will nachsehen was die Fische machen und ob sie bald fertig sind. 5

Die werden schon kommen, wann sie fertig sind, geh nur wieder auf Deine Wachtstube und wartet bis ich komme.

Ich kann ja auch hier bleiben bis Du fertig bist und dann helfe ich Dir die Fische hintragen. Nach nochmaliger eindrucksvoller Versicherung, daß sie mich auch dazu nicht brauche, duldete sie mich doch in der Küche und

beendete ihre Arbeit in tadelloser Weise. Noch protzelten die letzten Fische in der Pfanne, da

holte die flinke Bäckerin auch schon zwei kleine Körbe herbei und belegte dieselben säuberlich mit weißen Tüchern. Nun legte sie die Fische, die geradezu herrlich gebacken waren, einen nach dem anderen da hinein, band selbst noch eine weiße Schürze vor und dann traten wir ge⸗ meinsam mit unserer kostbaren, reizend duftenden und verlockend aussehenden Last den Weg nach der Wachtstube an. Es kostete mich selber eine starke Ueberwindung, um nicht die Zahl der Fische um einen zu verringern. Mehr als einmal wurden wir auf der Straße angehalten mit der Bitte: ach gebt mir auch einen Fisch, was von mir ebenso prompt beantwortet wurde mit der Einladung: Komm mit auf die Wacht⸗ stube, da kriegst Du auch einen Fisch. Dort war, inzwischen eine gehörige Schüssel mit Gummernsalat präpariert worden und prangte äußerst appetitlich zwischen dem Krug Aepfel⸗ wein und dem Laib Brot. Wir hätten wirklich ein großartiges Frühstück gehabt, aber da führte der Teufel den langen, roten Roland daher. Natürlich hatte der auch schon wieder einen Hieb und mit nicht ganz sicheren Füßen kam er in das Wachtlokal und bat: ach gebt mir auch einen Fisch!Du kriegst auch einen Fisch, sagte der Sergeant und drehte sich nach dem Tisch, um ihm einen solchen zu geben. Wäh⸗ renddessen hatte aber Roland die Schüssel mit Gummernsalat eutdeckt und krümmte sofort seine fünf Finger zu einer Art Greifzange, mit welcher er blitzschnell in die Schüssel fuhr um einen tüchtigen Griff Gummernsalat nach dem Munde zu führen.

Ei, zum Donnerwetter, seht mal was der da macht, der greift ja mit seinen sommerfleckigen Pfoten in den Gummernsalat, ei den Kerl muß ja und damit giebt ihm Einer einen Stoß. Roland, nicht faul, packt seinen Gegner, die Anderen mischen sich herein und wollen den Frechen hinauswerfen. Das ging aber nicht so glatt und bei der Balgerei fiel der Tisch um und alles was darauf stand und lag mußte mit, das Brot, die schönen Fische, die Schüssel mit Gummernsalat und der Krug mit Aepfel⸗ wein, der ging aber auch kaput. Ein Jammer wars, wie die Kerle nun mit ihren Stiefeln in den schönen, guten Sachen herumtrampelten, ich habe mir schnell noch zwei Fische dazwischen herausgeholt, sonst hätte ich gar nichts gehabt. Schleunigst habe ich mich damit vor's Affenthor geflüchtet, um sie ungestört verzehren zu können und die drinnen haben sich weiter gebalgt. Ach, und die Wachtstube hat ausgesehen, es war eine Höllenschande!

So um vier Uhr herum sagt dann der Sergeant: Wir müssen aber doch das Wacht⸗ lokal wieder sauber machen, um sechs Uhr löst uns die Linie wieder ab und da können wir doch das Lokal so nicht übergeben.Das soll der Tambour machen, der hat ja doch nichts zu thun, heißt's wieder.

Ihr kämt mir aber gerade recht, erst liegt Ihr die ganze Nacht am Main und ich muß hier Posten stehen, dann muß ich ein paar Mal zur Fischbäckern laufen und dann vertrampelt Ihr alles, so daß ich nicht einmal etwas zu essen kriege, das thät mir aber aufliegen, macht Euch die Wachtstube selber sauber, ich mach's nicht! Was wollten sie machen, die Zeit ist immer näher an sechs Uhr herangerückt. So sind sie zusammengetreten, haben ihre Geldbeutel gezogen und ein paar Sechsbätzner auf den Tisch gelegt; Einer ist hingegangen, hat wieder einen Krug Aepfelwein geholt und einen kräftigen Schinkenknochen mitgebracht, ein Anderer hat einen halben Laib geholt und dazugelegt. So haben wir nun die Linie erwartet. Endlich kam dieselbe und wir sind auch angetreten. Nachdem wir uns gegenseitig was vorpräsentiert hatten, nahm unser Sergeant den Sergeanten von der Linie in das Wachtlokal. Da haben sie dann mit einander gediwert und nach einer Weile kamen ste wieder heraus. Freundlich klopft der Sergeant von der Linie unserem Sergeanten auf die Schulter und sagt: Ziehen Sie nur ab, Herr Kamerad, wir machen das alles wieder in Ordnung. Damit war die Sache gut, die Linie ist eingerückt und wir sind abgezogen mit Glanz und eee

Splitter.

Sei zum Geben siets bereit, Miß nicht kärglich deine Gaben, Denk, in deinem letzten Kleid Wirst du keine Taschen haben. 5 Paul Heyse.

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Die Wahrheit hat schon manchesmal in Höhlen gehaust, wenn draußen der Unsinn in großen Schritten durchs Land ging. 0

Scheffel.

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Der Wahn, daß man der Revolution am sichersten durch Festhalten am Alten und durch strenge Verfolgung der durch solche geltend gemachten Grundsätze entgegentreten könne, hat besonders dazu beigetragen, die Revolution zu fördern und derselben eine stets wachsende Ausdehnung zu geben.

Die Gewalt dieser Grundsätze ist so groß, sie sind so allgemein anerkannt und verbreitet, daß der Staat, der sie nicht annimmt, entweder seinem Untergange oder der erzwungenen An⸗ nahme derselben entgegensehen muß.

Minister v. Hardenberg. *

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Die größtmöglichste Kraft und Schönheit der menschlichen Gesellschaft, der moralischen Reichtümer, welche noch in ihrer Zukunft schlummern, können nur ans Licht gefördert werden durch die langsame, schwierige, arbeits- volle und Vorsicht erfordernde Methode des für Alle zu lebenden politischen Lebens, d. h. der Regierung der Nation durch die Nation.

Jak. Grimm.

Humoristisches.

Unterofsiziers Klage.Ick werde det Jewerbe bald an den Nagel hängen. Keen Aas von so n Ur⸗ lauber bringt jetzt bei die Fleischnot noch'ne Wurst mit!

Konsequent. Pfarrer: Geld macht nicht glücklich, Sepp, das merkt Euch! Sepp: Ja, Herr Pfarra, do muaß i do glet im Gmoanderat beantrage, daß Sie koa Pfarrabgab' von der Gmoand mehr kriage!k

Die Kunst lange zu leben. Ein nieder⸗ hessischer Pfarrer hatte in seiner Gemeinde einige räudige Glieder, die der Branntweinflasche unmäßig zusprachen und die zu bessern sein eifriges Bemühen war. Zu ihnen gehörte auch ein mehr als siebzig Jahre alter Schäfer. Eines Tages traf nun der Geistliche auf seinem Spaziergange besagten Schäfer bei seiner Herde und beschloß, die Gelegenheit zu benützen und dem Alten, der erst kürzlich völlig berauscht in seiner Schäferhütte aufgefunden worden war, ins Gewissen zu reden. Da er aber kein zorniger Eiferer war, sondern durch milde und lehrreiche Ermahnungen zu wirken suchte, begrüßte er sein verirrtes Gemeindeglied mit freundlichen Worten, sprach mit ihm über Wetter, Ernte und dergleichen und sagte dann wie beiläufig: 1

Nun ist ja der alte R. auch zur ewigen Ruhe eingegangen. Vierundachtzig Jahre alt! Ein schönes 1 Alter! 0

Do hon Se recht, Herr Parr, bemerkte der Hüter 1 der Schafe, beifällig nickend.

Er hat aber auch, fuhr der Pfarrer fort, indem er den Schäfer ernst ins Auge faßte,in seinem Leben nie einen Tropfen Branntwein getrunken.

Der brave Schäfer nickte wieder zustimmend und erwiderte treuherzig:Wissen Se, Herr Parr, ich hon schont so bi me gedacht, wann he alsemol en Schnäps⸗ chen getrunken hätt', viellichte lewete he dann noch.

Durch diese unerwartete Bemerkung verblüfft und belustigt zugleich, verabschiedete sich der Geistliche lächelnd, ohne seine sanfte Strafpredigt vollendet zu haben.

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Geschichtskalender.

30. November. 1878: Erstes sozialdemokrati⸗ sches Flugblatt unter dem Sozialistengesetz. 1

1. Dezember. 1900: Jakobowsky, Liederdichter, F. 1897: Bergarbeiterunglück in Kaiserslautern, 37 Tote.

2. 1896: Prozeß Lecke rt⸗Lützow.

3. 1894: Wilh. II. Rekruten⸗Bevorzugungsrede. 9

4. 1901: Petition gegen die Zölle mit 3/ Mill.

Unterschriften geht an den Reichstag.

5. 1901: Graf Arnim's Armenverhöhnung im Reichstag(der Vater wird alles versoffen haben).

6. 1871: Gründung der Gotthardtbahngesellschaft.

* geboren; 7= gestorben 3

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