Ausgabe 
30.3.1902
 
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Seite 6.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 13.

50 Unterhaltungs-Ceil. 7

rů

A Frühlings klänge.

Auf Sturmes flügeln naht die Zeit Der Freiheit und der Menschlichkeit; Die Welt in ihren Tiefen zittert, Weil sie den neuen Frühling wittert.

Empor zum Himmelslichte strebt Ein jedes Sämlein neu belebt; Was lange, lang verborgen war Drängt sich zutage wunderbar.

Die Fesseln löset der Titan

Im dunkeltiefen Ozean.

And auf zur Sonn stürmet seine Schaar Die lang, ach lang gefangen war.

Zu Boden donnernd was sich stellt, So naht der Lenz der neuen Welt, Wie Seus mit Blitz und mit Gewittern Der Starke lacht, die Feigen zittern.

Fröhliche Oflern. Erzählung von Frida Pritzlaff.

Guten Tag, Mutter Krause! Immer trüb gestimmt, sogar heut am Osterfest. Seid Ihr immer noch ohne Nachricht don Eurem Sohne, dem Franzel?

Eine alte Frau, der diese Anrede galt, saß vor der Thür ihres kleinen Häuschens. Die Frühlingssonne lag auf ihrem grauen Haare, so daß es fast weiß erschien, und als sie die Augen aufhob zu dem Fragenden, sah derselbe, daß sie in Thränen schwamm.

Eben war die alte Frau aus der Kirche gekommen, in ihrem Schooße ruhte noch das Gesangbuch, fein säuberlich zusammengelegt, ein weißes Taschentuch darauf und, wie es so Sitte ist auf dem Lande: ein kleines Sträußchen da⸗ bei, wohl abgeschnitten von den blühenden Ge⸗ ranien, welche freundlich zu den die Vorderwand des Häuschens zierenden Fenstern herausschauten, trotz der frühen Jahreszeit in flammenden Far⸗ ben prangend.

Die alte Frau traute ihren Ohren kaum, als ste diese Stimme, die ihr nur zu bekannt war, hörte; sie trocknete sich die Augen und er⸗ hob sie heimlich bungend zu dem Manne, der als der verkörperte Typus eines protzigen Bauern vor ihr stand, abgesehen von einigen gutmütigen Zügen im Gesicht, die in etwas das protzenhafte Aussehen verminderten.

Mit schwankender Stimme und erneuten

Thränen klagte die Frau, daß ihr Franz immer noch kein Lebenszeichen von sich gegeben habe, am End' sei er schon tot, ihr Franzel und er, der Wiesenbauer, sei Schuld am ganzen Elend. Der Wiesenbauer bekam ein Zucken im Ge⸗ sicht, trat von einem Fuß auf den andern, räus⸗ perte sich, spuckte wütend aus und sagte:Wißt, Frau Krause, ein Anderer hätt's eben so ge⸗ macht wie ich; ausgelacht hätten mich die Leut', hätt' ich Eurem Franzel, der so arm ist wie eine Kirchenmaus, mein bildsauberes Mädel an den Hals geworfen, mein Mädel, das Haus und Hof allein erbt von ihrem Vater, von mir! Aber das Mädel ist leider eben so narrisch ver⸗ schossen in Euren Franzel, hängt den Kopf und wird alle Tag' blässer. An dem Allem ist der Franzel schuld; Meiner Seel'! Wißt ich, wo der Junge steckt, per Eilpost müßt er her! Das Kopfhängen und die Heulerei hab' ich satt! Meine Alte heult und schilt mich einen Rabenvater. Die Junge heult, und an⸗ statt der frühern Liebe hat sie Furcht für mich. Die Mutter Krause heult sich die Augen blind, Alles wegen dem Wiesenbauer, dem Barbar, dem Wüterich, der zu seinem vielen Geld noch mehr dazu möcht'! Sakra! Die Heulerei muß nein Ed' nehmen, sag' ich, der Wiesenbauer! Kommt heut Nachricht von dem Franzel, schreibt ihm: der Wiesenbauer giebt ihm seine Tochter! Punktum!

Die alte Frau hatte sprachlos zugehört, immer erstaunter über die Reden des Bauern; nun, da er mit hochrotem Gesicht schwieg, schaute sie durch Thränen auf zu ihm und sagte:Nun wäre Alles gut, wenn der Franzel noch lebt; hab' immer gehofft, heut am Osterfest komme gute Nachricht von ihm. Und schluchzend brach sie aufs Neue in Thränen aus. Da erklang das Posthorn:.

Muß i denn, muß i denn zum Städtel naus

Und du, mein Schatz, bleibst hier... Und als der Postillon bei dem dritten Vers angelangt war:

Wenn i komm', wenn i komm', wenn i wieder⸗

um komm', g Kehr' i ein, mein Schatz, bet dir..., da entstieg der gelben Postkutsche, als einziger Passagier, ein hübscher, frischer Bursche mit treuherzigem Gesicht. f

105 nahm er seine Reisetasche und schritt durch die winkeligen Straßen des Dorfes.

Neugierige Gesichter schauten überall durch die Fensterscheiben. Augenblicklich stutzten die Leute, was für ein Fremder heut ihr Dorf be⸗ suche aber da sagte Eins und das Andere: Gewiß es ist Krause's Franzel! Und die Buben sprangen hinter ihm her, diese und jene

Nachbarin machte sich vor dem Hause zu schaffen,

um dem Wiedersehen zwischen Mutter und Sohne und besonders der Begegnung des Franzel mit dem Wiesenbauern beiwohnen zu können. So war so ziemlich das halbe Dorf Zeuge bei der Wiedersehensszene vor dem Häuschen der Frau Krause.

Von den beiden Hauptpersonen unbemerkt war Franzel ganz nahe gekommen, und plötz⸗ lich erklang fein heller Ruf:Grüß' Gott, Mutter!

Die alte Frau erhob sich zitternd von der Bank, doch ihre Füße wollten sie nicht tragen, sie sank wieder darauf zurück.

Schon war der Franzel bei ihr, umarmte und küßte sie.

Sie erzählte unter Schluchzen, wie bitter er ihr weh gethan mit seinem langen Schweigen, doch nun sei Alles wieder gut!

Der Wiesenbauer war zurückgetreten bei diesem bewegten Wiedersehen, um durch seine Anwesenheit nicht zu stören. Auf der andern Seite des Häuschens stand er, wischte sich die Augen und lauschte auf die Erzählung des Burschen, der von seinen Irrfahrten in der Fremde sprach. Wie er nicht schreiben gewollt, um seiner Mutter nicht das Herz schwer zu machen, über sein mißliches Ergehen.

Endlich hatte er einen Freund gefunden, der ihm behilflich war, zu einer guken Stellung, auch sonst war er ihm in der uneigennützigsten Weise 9517 Hand gegangen, hatte ihn da auf einen Vorteil, dort auf einen Nachteil aufmerk⸗ sam gemacht, so daß er sich bald in bessern Verhältnissen befunden hatte. Eben dieser Freund hatte ihn auch bestimmt zu seinem heu⸗ tigen Besuch in der Heimat, um wieder gut zu machen, was er durch sein langes Schweigen an seinem alten Mütterchen gefehlt habe. Und nun überraschte Franzel die Mutter noch mit der Nachricht, daß dieser edle Freund, ohne den er verkommen wäre in der großen Stadt, morgen selbst kommen werde, um sein liebes Mutterlein kennen zu lernen.

Wie geht's der Margareth, Mutter? fragte dann plötzlich der Franz und eine dunkle Röte brentete sich über sein Gesicht.

Herrjeh! sagte Mutter Krause,wo ist denn der Wiesenbauer hingekommen? Er war, ehe Du kamst, bei mir, um zu sagen, daß die Margareth Dein sein soll, wenn Du kommst.

Der Wiesenbauer schaute um die Hausecke und weidete sich lächelnd an der Ueberraschung des Burschen, der nicht zu wissen schien, sollte er diese Nachricht glauben oder nicht.

Nachdem sich der Bauer die verdächtig glän⸗ zenden Augen gewischt trat er zu Beiden: Na, grüß' Gott, Franz! Ausreißer, bist wieder da? Wie wär's, wenn Du und Deine Mutter gleich mitkämet zu der Margareth, lugt eh schon lang genug aus nach dem verschwundenen Schatz. Morgen am Ostermontag könnt' man die Ver⸗ lobung abhalten, Abends kann das Brautpaar

tanzen imLamm, und wir Alten, wir bleiben im Wiesenhof gemütlich beinand. Topp, schlagt ein und vorwärts; Die Margareth hat sich lange genug kränkt, Zeit ist's, daß sie wieder rote Backen kriegt!

Durch das ganze Dorf flog es wie ein Lauf⸗ fener:Krauses Franzel kriegt jetzt doch noch des Wiesenbauern Margareth! 5

Das waren fröhliche Ostern im Wiesenhof. Die Augen der Margareth leuchteten im alten Glanze und auf ihren Wangen blühten die schönsten Rotröselein!

Am Ostermontag war Verlobung, die Tische brachen fast von der Ueberfülle der Speisen und Getränke. Der Wiesenbauer strahlte ordentlich im Glanze seiner neuen Würde als Schwieger⸗ vater und als dieses Glückes Schmied.

Franzels Freund war richtig gekommen aus der Stadt und mit Vorliebe unterhielt sich der Bauer mit dem jungen Manne, der so bescheiden auftrat, so gewinnende Manieren und so klare Ansichten mitbrachte aus der Stadt. Der Bauer wollte Alles wissen und wurde nicht müde, ihm zuzuhören.

Tausend Fragen hatte der junge Mann schon beantwortet und nun platzte der Bauer noch mit einer, wie es schien, ganz besonders interessterenden heraus:Und sagen Sie, was sind denn das für Leut', die Sozialdemokraten, die's in der Stadt gar so viel geben soll? Müssen verdammte Kerle sein, wie der Pfarrer sagt. Wollen das Unterste zu oberst kehren, Güter verteilen und so weiter.

Der junge Mann sagte, während ein feines Lächeln um seinen Mund huschte, daß er selbst zu diesen vermaledeiten Sozialdemokraten gehöre.

Ungläubig schüttelte der Bauer den Kopf, er hatte sich einen Sozialdemokraten ganz anders vorgestellt, woran besonders der Pfarrer des Dorfes schuld war, der solche entstellte Bilder von diesen Sozialdemokraten entworfen hatte, daß den Bauern der Angstschweiß auf die Stirn trat, wenn sie nur an diese dachten.

Da hat Euch der Herr Pfarrer einen or⸗ dentlichen Bären aufgebunden, sagte der junge Mann. Dann suchte er dem Bauern die Grund⸗ züge der sozialdemokratischen Ideen zu erklären.

Der Bauer war ganz Ohr. Nicht genug konnte er sich wundern über die Klugheit des jungen Mannes, wie der Alles verstand!

Selbst thätig in einer Maschinenfabrik, er⸗ erzählte er dem aufhorschenden Bauern von den Fortschritten der Technik, von den Aufsehen erregenden Verbesserungen der Maschinen die tausend und tausend Hände überflüssig machen, durch ihre schnelle und unübertroffene Arbeit. Leider seien die Maschinen der Menschheit noch nicht zum wahren Segen geworden, denn durch diese große Ersparnis menschlicher Arbeitskraft werden täglich Hunderte brotlos. Erst durch eine neue gerechte Arbeitsteilung, die den Kern⸗ punkt der sozialistischen Lehre bildet, sei es mög⸗ lich, all die Hilfsmittel der neuen Zeit zu segens⸗ vollen, die Menschheit entlastenden Einrichtungen zu verwerten.

Diese Reden klangen wieder anders als die⸗ jenigen, die der Pfarrer ihnen von der neuen Lehre gehalten, doch hatte der Bauer Verstand genug, die unwiederleglichen Thatsachen, die ihm der junge Mann vorführte, zu begreifen und eben darum auch einzusehen, daß all den veralteten Einrichtungen eine neue Gesellschafts⸗ ordnung zurechtgezimmert werden müsse, was allerdings nicht von heut auf morgen, sondern durch mühsame Arbeit Tausender erst errungen und erzwungen werden kann.

Wie weggeblasen waren die Vorurteile des Bauern vor den Ausführungen seines Gastes, und als derselbe spät in der Nacht den Wiesen⸗ hof verließ, schüttelte ihm der Bauer herzlich die Hand und sagte:Dank bin ich Ihnen schuldig, vielen Dank, ich sehe ein, die Sozial⸗ demokraten wollen nichts Unrechtes, so viel habe ich gelernt, und es soll nicht umsonst gewesen sein, verlassen Sie sich darauf. a

Ein ganzer Kerl, sagte der Wiesenbauer zu seiner Frau,schade, daß wir nicht noch eine

Tochter haben, ich hätte ste Keinem lieber ge

gönnt als diesem Malefizsozialdemokraten!*

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