Ausgabe 
30.3.1902
 
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Degradation.

Nr. 13.

Mitteldeulsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

des Herrn Pfarrer S. hervorgeht, werden ihm von Seiten der Konfirmanden in den letzten Jahren kaum noch Eier gebracht, und wo dies trotz seiner vorherigen Ablehnung geschehen sei, habe er dafür iu irgend welcher Weise Ent⸗ schädigung geleistet.

Aus dem Rreise Jriedherg⸗Püdingen.

n. Eine Glasarbeiter⸗Versammlung tagte am Sonntag im Rathaussaale in Büdingen. Der Vorsitzende des GlasarbeiterVerbandes, Girbig, sprach über:Das Recht der gewerkschaftlichen Organi⸗ sation. In einem fast zweistündigen Vortrage zeigte Redner, wie das Unternehmertum die Gewerkschaften stets mit Zuhülfenahme der staatlichen Machtmittel be⸗ kämpft und drangsaliert habe. Dies Beginnen sei um so thörichter und verwerflicher, als man längst darüber einig sei, daß durch den gewerkschaftlichen Zusammen⸗ schluß nicht nur die Lage der Arbeiter, sondern auch die Industrie im Allgemeinen gehoben werde. Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich dem Verbande anzuschließen, soweit dies noch nicht der Fall ist, schloß der Redner seine belehrenden Ausführungen.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Ueber die Knappschaftskassen wurde kürz⸗ lich ein Bericht in demWetzl. Anz. veröffentlicht, worin dieselben über den Schellenkönig gelobt und den Arbeitern vorgerechnet wird, was es doch für eine große Wohlthat für die Arbeiter mit den Knappschafts⸗ kassen sel. Bei genauerem Zusehen wird man aber finden, daß die Leistungen der Knappschaftskassen weit unter denen der meisten Ortskassen stehen. Bei Mk. 2. Beitrag pr. Monat müssen die Leistungen als äußerst geringfügig bezeichnet werden. Wenn mit den Beiträgen der Unternehmer immer renom miert wird, so muß doch bemerkt werden, daß diese eben die Arbeiter auch erst verdienen müssen.

h. Lebhafte Klagen führen die Arbeiter der Sophienhütte über die Behandlung die sich der Platzmeister Rademacher ihnen gegenüber erlaubt. Dieser Mann, der mehrere Jährchen als Unteroffizier bei der Marine diente, glaubt sich jedenfalls noch in seiner Funktion als Rekrutendriller. Willkürlich verkürzt er den Arbeitern die Mittagspause auf eine halbe Stunde, so daß diese ihr Mittagessen nicht zu Hanse einnehmen können. Wer Einwendungen macht bekommt Abzüge. Die Betriebsleitung sollte da doch einmal nach den Rechten sehen. Warum sich die Arbeiter nicht dei den Vorge⸗ setzten des Rademacher beschweren, kann man sich ja denken.

* Christlich⸗sozial⸗antisemitischer Kuhhandel. Um das Wetzlarer Reichstags⸗ mandat schachern die Stöckerschen mit den Antisemiten Zimmermannscher Richtung. Wie dasVolk berichtet habe Dr Burckhardt, kürzlich in einer Versammlung in Oberquembach mitge⸗ teilk, daß er in dieser Sache mit Herrn Hirschel schriftlich und mündlich verhandelt und ein Abkommen dahin getroffen habe, daß die Anti⸗ semiten die Christl.⸗Sozialen im Wetzlarer Wahlkreise unterstützen sollten. Die Christlich⸗ sozialen würden wiederum die Antisemiten in anderen Wahlkreisen unterstützen. Auch Herr Abg. Liebermann von Sonnenberg habe sich mit der gegenseitigen Unterstützung einverstanden erklärt. Im Wahlkreise Wetzlar würden die Christlich⸗sozialen auf keinen Fall auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichten, da sie bei ihrem ersten Vorgehen 10 Prozent Stimmen mehr erhalten hätten, als die Anti⸗ semiten, die jetzt um so weniger Aussicht auf Erfolg hätten, als sie für die höchsten Korn⸗ zölle wären, von denen die Arbeiter und Klein⸗ bauern, die fast alle Korn zukaufen müßten, nichts wissen wollten; das würde die Sozial⸗ demokratie gründlich ausnutzen, und nur dieser Partei zu gute kommen, sodaß die Gefahr vorläge, daß die Sozialdemokratie mit dem Centrum in Stichwahl käme und der zu drei Viertel evangelische Kreis dann ans Centrum verloren ginge. Der liberale Kandidat würde wohl gar nicht mehr in Frage kommen de.

Uns dünkt, die Herren verkaufen das Fell, bevor sie den Bären haben. Unsere Genossen werden sich erlauben, in dieser Angelegenheit ein bescheidenes Wörtchen mitzureden. Nur unablässig die Agitation von Mund zu Mund betrieben, damit die reaktionäre Gesellschaft eine gehörige Schlappe erleidet!

Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain.

St. Metallarbeiter ⸗Versammlung. Eine öffentliche Versammlung der Metallarbeiter und aller im Baufache beschäftigten Arbeiter fand am letzten Sonntag Nachmittag im Jesberg'schen Lokale dahier statt und war recht

gut besucht. Metallarbeiter Holland aus Frankfurt a/ M. referierte über das zeitgemäße ThemaUrsachen und Wirkungen der Arbeits⸗ losigkeit und ihre Bekämpfung. Der Redner entledigte sich seiner Aufgabe in sehr geschickter Weise und richtete am Schluß seiner Aus⸗ führungen die Frage an die Anwesenden: Stehen Sie sich wirklich so gut in Marburg mit ihrem Sommer- und Winterlohn(siehe Maschinenfabrit O st hei m), daß Sie keine Organisation brauchen? Unter lebhaftem Bei⸗ fall schloß Redner seinen ausgezeichneten Vortrag; worauf sich acht Mann zum Verbande meldeten. Der Metallarbeiterverband zählte hier seit⸗ her nur 13 Mitglieder und ist ihm dieser Zu⸗ wachs nur zu gönnen. Leider stehen aber noch sehr viele Arbeiter außerhalb der Organisation. Sie räsonnieren wohl über die schlechten Ver⸗ hältnisse und geringen Löhne und ballen die Faust in der Tasche aber damit wird nichts gebessert. Nur durch den Zusammenhalt der Arbeiter in der Organisation kann eine Besserung erreicht werden. Darum: Auf, Ihr Metallarbeiter, schließt Euch Eurer Organisation an, nur in der Einigkeit liegt die Macht, Euer Loos zu verbessern und einigermaßen stabile Verhältnisse zu schaffen!

Ordnungsstütze. In einer Wirt⸗ schaft in Ockershausen benahm sich kürzlich der Vizebürgermeister eines benachbarten Dorfes dermaßen rauhbeinig, daß er vom Wirt unter Assistenz einiger Gäste an die frische Luft be⸗ fördert werden mußte. Hierbei soll diese Stütze der Sitte und Ordnung sogar mit Messerstechen gedroht haben!

Ein wahrer Christ und Freund der armen Reisenden scheint Herr Nikolaus Prediger in Kirchhain zu sein. Bei der Beratung des PunktesVer⸗ pflegungsstation, gelegentlich der kürzlich in Kirchhain stattgefundenen Kreistagssitzung, wünschte dieser Herr Kreistagsabgeordnete eine bauliche Instandsetzung der Verpflegungsstation, eventuell Verlegung derselben nach Schweins⸗ berg, Halsdorf ꝛc., damit man in Kirchhain dieseLumpen los würde! Kommentar hierzu überflüssig!

Kleine Mitteilungen.

** Ein merkwürdiger Unglücksfall passierte in Frankfurt⸗Sachsenhausen. Dort war ein 13jähriger Knabe im Begriff sich zur Schulprüfung zu begeben und trank noch in aller Eile Kaffee. Hierbei blieb ihm ein Bissen Brod im Halse stecken und ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war, erstickte der Knabe.

** Theater⸗Brand. Das Stadttheater in Barmen brannte in der Nacht vom Montag zum Dienstag vollständig nieder, nur das Foyer blieb erhalten. Menschen sind nicht ver⸗ unglückt.

rn Der älteste Glasarbeiter und wohl auch der älteste Mann in Deutschland, durfte der Glasmacher Paul Müller aus Kleintettau in Bayern sein, der am 22. März 1793 geboren ist und also drei Jahrhunderte esehen hat. Er lebt zur Zeit in seinem letzten Arbeitsorte Weitersglashütte bei Carls⸗ feld im sächsischen Erzgebirge. Wenn man be⸗ rücksichtigt, wie schwer und aufreibend der Beruf eines Glasarbeiters ist, so muß man über diese außerordentliche körperliche Widerstandsfähigkeit staunen.

* Wieder einer. In Hannover wurde der achtzigjährige Pastor Quentin wegen Sittlichkeit svergehen, die er an Knaben verübt hatte, verhaftet. Gewissen braven Seelenhirten, die nicht müde werden, die Sozialdemokratie als den Inbegriff alles Schlechten hinzustellen, sei dieser Fall zur gefälligen Anmerkung empfohlen.

* Wieder ein Soldatenschinder. Das Kriegsgericht in Trier verurteilte vorige Woche den Sergeanten Schieffen, Futter⸗ meister im 44. Feld⸗Artillerie⸗Regiment, wegen fortgesctzter Mißhandlung von Untergebenen zu 1 Jahr Gefängnis und Nicht weniger als 69 Zeugen bekundeten, daß sie von dem Angeklagten mißhandelt worden waren.

Gräßlicher Tod eines Arbeiters. Am Freitag stürzte der in der Filzfabrik in Löbau(Sachsen) beschäftigte Arbeiter Heinzel⸗ mann von dort infolge Ausgleitens kopfüber in einen mit kochender Farbe gefüllten Bottich. Der Verunglückte hatte noch so viel Geistes⸗ gegenwart, sich selbst herauszuarbeiten. Die Kleider mußten dem Bedaueruswerten vom Leibe geschnitten werden, wobei ganze Haut⸗ stücken mit abgerissen wurden. Der Bedauerns⸗ werte starb bald darauf. Er hinterläßt Frau und zwei Kinder im zartesten Alter.

Briefkasten.

Nach Lollar. Sie sind nicht der Erste, der da⸗ rüber Klage führt. Wir erhielten schon mehrfach Zu⸗ schriften, in denen auf die eigentümlichen Umgangsformen, die auf dem dortigen Postamte jetzt üblich sind, hinge⸗ wiesen wurde. Von einer Veröffentlichung nahmen wir aus gewissen Gründen Abstand und verwiesen in einem Falle den Einsender auf den Weg der Beschwerde an die vorgesetzte Behörde. Wir werden aber die Sache im Auge behalten; wenn wir jetzt auch Ihre Einsendung nochmals zurückstellen müssen. F. Wetzlar. Nein. Der Rheder, der nach dem Untergang eines seiner Schiffe an seinen Freund telegraphierte:Die Mannschaft ist leid er gerettet hieß irren wir nicht Adolf Schiff und wohnt in Elsfleth.

Zur Beachtung für unsere Spediteure u. Abonnenten!

Mit dem 1. April legt unser bisheriger Expedient, Genosse Schneider, die Expedition unseres Blattes nieder und übernimmt dieselbe Genosse

Carl Orbig, Rittergasst.

Wir bitten, alle die Expedition unseres Blattes be⸗ treffenden Bestellungen und Sendungen an diesen zu richten. Die Redaktion befindet sich wie seither Kirchenplatz 11.

Wir nehmen hierbel Veranlassung, unserm Genossen Schneider, der seit sechs Jahren die Expedition ge⸗ leitet hat, für seine gewissenhafte und unermüd⸗ liche Thätigkeit, die er unserm Blatte gewidmet hat, unsern herzlichsten Dank, zugleich im Namen der Preßkommisston, auszusprechen. Wir bedauern leb⸗ haft seinen Rücktritt von der Expedition, wozu er durch die übrigens sehr erfreuliche Weiterentwickelung der von ihm außerdem betriebenen Buchhandlung veran⸗ laßt wird, wünschen ihm weiteres Gedeihen seines Ge⸗ schäftes und hoffen, daß er unserem Blatte auch in Zukunft das gleiche Interesse wie bisher entgegenbringen

wird. Redaktion und Verlag der Mitteldeutschen Sonntags-⸗Zeitung.

Die Spediteure, welche mit der Abrechnung pro I. Quartal noch im Rückstande find, bitten wir um umgehende Erledigung derselben, damit die Fertig⸗ stellung der Bücher nicht verzögert wird. Die Expedition.

Versammlungskalender. Samstag, den 29. März.

Gießen. Sozialdem. Wahl verein. Abends 8 uhr Versammlung im Lokale Orbig. Sonntag, den 30, März.

Marburg. Arbeiter⸗Gesang⸗VereinEintracht. Abends 8 Uhr bei Jesberg: Familienfeier. Alle Mitglieder und Freunde sind hierzu herzlichst eingeladen. Eintritt frei.

Ortskrankenkasse Friedberg.

Das Bureau unserer Kasse befindet sich vom 1. April ab im Hause

Haingraben 13. Die Bureaustunden sind wie seither Vor- mittags von 89 Uhr, Nachmittags von 37 Uhr. Der Vorstand: Carl Damm, erster Vorsitzender.