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hofer verlobt habe.
Sefte 6.
Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.
Nun Künclet an die Jleihnachtshersen!
Nm zündet an die Weihnachtskerzen
In Schloß und Hütte, Stadt und Land; Bereitet unter heitern Scherzen
Den Weihnachtstisch mit milder Hand!
Im Funkelglanz von Nimmelssternen,
So leuchtet durch die Winternacht—
Ein Feenbild aus lichten Fernen—
Das alte Fest in hehrer Pracht!
Im Glockenklang, im Schall der Lieder Vergeßt euch nicht in eigner Lust; Entfacht in eurem Innern wieder
Den edlern Drang der Menschenbrust! Es strahlet nicht uns Menschen allen In gleichem Glanz der stolze Baum, Und tausend Schmerzenstränen fallen Anklagend in den Weihnachtstraum!
So soll der Weihnachtsbaum uns prangen Für Noch und Nieder, Mann und Bind, Daß nicht mehr über bleiche Wangen
Die Träne der Verzweiflung rinnt!
Daß alle Menschen glücklich wallen Durchs Erdensein wie im Gedicht!
Laßt einen Strahl der Sonne fallen
Auf jedes Menschenangesicht!
Das helle Weihnachtslicht enthüllet
Uns greller noch die Dunkelheit,
Die weit und breit die Welt erfüllet,
Den Drang und Kampf verirrter Seit! Wohin ihr blickt: Der Armut Sehnen,
Der Torheit Sieg, die Wut der Schlacht, Der Freiheit Schmach, des Elends Tränen, Des Geistes Druck, des Goldes Macht!
Drum zündet an die Weihnachtskerzen, Laßt leuchten ihren Strahlenschein! Erfüllt die Seelen, klärt die Herzen, Gießt Licht in jede Brust hinein! Unwissenheit, sie flicht die Ketten, Durch die man eure Geister lenkt: Den Armen kann kein Weiser retten, Der nicht empfindet, strebt und denkt!
Laßt hell die Weihnachtslichter schimmern, Tragt ihren Glanz in jedes Haus! Durch blinde Fenster laßt sie flimmern Und treibt den Wahn der Nacht hinaus! Schwingt hoch die Fackel der Gedanken! Lehrt allen Völkern Recht und Pflicht; Dem Geist der Seit, dem müden, kranken, Reißt ihm die Maske vom Gesicht!
Den Weihnachtstisch belegt mit Gaben Der Milde und Gerechtigkeit;
Ein Jeder soll das Seine haben,
Den Lohn die Tugend, Trost das Leid! Der Fluch des Mangels soll verschwinden, Fort mit der Unterdrückung Bann,
Die Wahrheit soll die Heimat finden
And frei sein soll der freie Mann!
Nun zündet an die Weihnachtskerzen
Im Geist der Sukunft und des Heils! Denkt nicht allein der eignen Schmerzen, Des eignen Glücks, des eignen Teils! Sin Weihnachtsbaum für alle Glieder Der Menschheit unterm Sternenzelt! Dann schallt ihr Glocken, klingt ihr Lieder Und grüßt das Fest der ganzen Welt!
Friedrich Thieme.
Mariechens Weihnachten.
Von Ludwig Kratz.
Es war rauhes stürmisches Dezemberwetter. Der Schnee wirbelte in kleinen scharfen Kry⸗ stallen, die wie Nadelstiche die Haut berührten, durch die Luft und ballte sich unter den Tritten der hastig dahineilenden Passanten. Wen nicht dringende Geschäfte ins Freie nötigten, der blieb zu Hause im traulichen Zimmer beim warmen Ofen.
Glücklich Derjenige, der bei solchem Wetter sich dieses verschaffen konnte.
So mochte auch die arme Wittwe denken, die in einem kleinen zweistöckigen Hause, das dem Trödler Oppermann gehörte, zwei kleine Stübchen bewohnte, von denen sie eins an ein Fabrikmädchen vermietet hatte. Sie hatte einst bessere Tage gesehen, denn sie stammte aus einer begüterten Handwerkerfamilie, wo sie als einziges Kind verwöhnt und verzogen wurde.
Da lernte sie den jungen hübchen Berghofer!
kennen, der als Monteur im Hause ihres Vaters einige Zeit beschäftigt war. Die beiden jungen Leute hatten bald Gefallen an einander gefun⸗ den, und eines Tages erklärte die Tochter den besturzten Eltern, daß sie sich mit Otto Berg⸗ Die Alten wollten natür⸗ lich von einer Verbindung mit dem hübchen aber armen Otto nichts wissen, gaben aber schließlich den Bitten ihres einzigen Kindes nach, und die Beiden wurden ein Paar.
Anfangs ging alles gut. Otto Berghofer, der ein geschickter und fleißiger Arbeiter war, verdiente ein hübches Stück Geld und als ihn sein geliebtes Weib bald mit einem Töchterchen beschenkte, da hätten die jungen Leutchen mit keinem Fürsten getauscht.
So vergingen einige Jahre. Da brachte man eines Tages Frau Berghofer den blutig zerfetzten Leichnam ihres Gatten, der von einem Gerüst abgestürzt war, ins Haus und nun nahm das Elend bei ihr seinen Anfang.
Laut weinend in ihrer Verzweiflung, warf sie sich über die Leiche, wo sie lange schluchzend verharrte. Das kleine Mariechen, das ver— wundert die Mutter beobachtete, zupfte sie leise am Kleide und fragte:„Warum weinst Du denn Mama? Papa schläft, und wenn Du so jammerst, wirst Du ihn aufwecken!“ Das brachte die unglückliche Frau wieder zu sich selbst. Heftig riß sie ihr Töchterchen an die Brust und erzählte ihr, daß der gute Papa für immer schlafe. Jas Kind sah die Mutter mit großen Augen verständnißlos an, es begriff nicht, wie man darüber weinen konnte.
Ein Unglück kommt selten allein. Bald darauf starben auch ihre Eltern. Der Vater hatte sich in gewagte Spekulationen eingelassen,
die den Verlust seines gesamten Vermögens zur Folge hatten und die alten Leute konnten diesen Schlag nicht überwinden. Mit ihnen war auch die letzte Stütze für die arme Ver⸗ lassene geschwunden und völlig gebrochen mußte sie nun die Sorge für die Erziehung ihres Kindes allein in die Hand nehmen. Die bittere Existenzfrage trat an sie heran. Sie suchte sich so gut es ging mit Näharbeiten, die ihr von einem Warenhause übertragen wurden, zu er⸗ nähren. Aber der Verdienst war sehr kümmer⸗ lich. Die wenigen Ersparnisse waren bald auf⸗ gezehrt; die Möbelstücke wurden eins nach dem andern verkauft, aber es wollte nicht reichen. Dazu kam noch, daß ihr zarter Körper, der an harte Arbeit nicht gewöhnt war, zu kränkeln anfing.
Aber die Sorge um Mariechen gab ihr immer wieder Kraft, und stets von Neuem mühte sie sich ab und nähte bis tief in die Nacht hinein: kaum daß die erstarrten Finger noch die Nadel halten konnten. Ihre Stube war kalt; Kohlen konnte sie keine kaufen, denn das Geld war so knapp und morgen— war Weihnachten! Sie mußte doch ihrem Liebling eine kleine Freude bereiten, aber die fleißigen Finger wollten nicht mehr; müde ließ sie die kalten Hände auf die Arbeit sinken und starrte mit brennenden Augen in die öde, stürmische Winternacht. Die Lampe war längst erloschen, sie merkte es kaum. Der Hunger nagte in ihren Eingeweiden; eine lähmende Müdigkeit überfiel sie. Mariechen schlief längst in seinem kleinen Bettchen und lächelte im Schlafe.
*
„Nun Emma, wohin so eilig?“ Mit diesen Worten eilte ein junger Mann an Seite eines hübschen Mädchens, das mit Schachteln und Päcken beladen munter dahinschritt.
„Ach Du bist's Eduard!“ rief sie angenehm überrascht, denn der Sprecher war ihr Bräu⸗ tigam, Eduard Winkler, der in einer nahge⸗ legenen Fabrik als Werkzeugmacher beschäftigt war.„Gut, daß wir uns treffen“, fuhr sie fort,„da kannst Du mir gleich einige Päcke tragen helfen!“
„Mit Vergnügen Schatz, gieb nur her.“ Bei diesen Worten belud er sich mit den Sachen und fuhr dann fort:„Was hast Du denn Alles drin 2“
„Ach, nur ein paar Kleinigkeiten,“ rief Emma, ein wenig verlegen,„ich habe für Mariechen und Frau Berghofer einige Weih⸗ nachtsgeschenke ausgesucht!“
Eduard verzog den Mund ein wenig und meinte dann:„Mariechen und immer wieder Mariechen, fast könnte man eifersüchtig werden, wenn—“
„Aber pfui, Eduard!“ unterbach Emma
schmollend ihren Begleiter,„wie kannst du nur so sprechen, die arme Frau dauert mich so, und Du weißt doch, daß sie nicht in Lage ist ihrem Kinde eine Weihnachtsfreude zu bereiten.“
„Nun, es war nicht so schlimm gemeint!“ begütigte er.„Du weißt, daß ich das Kind ebenso lieb habe wie Du. Ich meine nur, Du solltest bei Deiner Fürsorge für Mariechen auch mich nicht ganz bei Seite schieben!“
„Ach Du!“ rief Emma mit schelmischen Seitenblick,„Du weißt wohl, daß ich Dir gut doch wir Du kannst
bin, das bedarf doch keiner Worte; sind am Ziele, komm mit herauf. mir die Geschenke schmücken helfen.“
Sie öffnete die Hausthür und eilte leicht⸗ füßig die knarrenden Treppen hinauf. Eduard, der in dem dunklen Hausflur stolperte, war eben bemüht einige Päckchen die ihm entfallen, waren aufzulesen, als er oben plötzlich einen lauten Aufschrei vernahm. So schnell er konnte lief er hinauf, und sah Emma Aidan beim Schein einer Kerze in Frau Berghofers Stube stehen.
Sie deutete, keines Wortes mächtig, in die Ecke und Eduard sah nun mit Schrecken die arme Frau, stumm und staar in ihrem Stuhle sitzen. Rasch entschlossen stellte er Wieder⸗
ordnen und den Baum
lebungsversuche an und als diese nicht halfen,
holte er einen Arzt. Doch dieser konnte nur noch den Tod konstatieren.„Die arme Frau ist an Entkräftung gestorben!“ sagte er ernst. „Wir müssen die Behörde benachrichtigen.“
*
Am folgenden Tage wurde die sterbliche Hülle der Frau Berghofer ins Leichenhaus ge⸗ schafft. Emma, die sich des verwaisten Kindes annahm, schmückte traurig das Bäumchen. „Die Mama ist berreist und wird bald wieder⸗ kommen mit vielen schönen Sachen!“ tröstete ste Mariechen, das weinend nach der Mutter verlangt hatte. Die Kleine beruhigte sich nach
Kinderart bald und freute sich im Voraus auf die schönen Sachen.
Am Abend kam Eduard. Das Zimmer⸗ chen war angenehm durchwärmt, auf dem weiß gedeckten Tische stand der festlich ge⸗ schmückte Tannenbaum; die Geschenke lagen bereit und ein süßer Duft nach frischem Kuchen erfüllte das Gemach.
Eduard küßte seine Braut, die beide Arme liebend um seinen Nacken schlang; sie tauschten gegenseitig ihre Gaben und gelobten sich, den verwaisten Kinde Vater und Mutter zu er⸗ setzen. Dann ging Eduard hinunter zu den Trödlersleuten, die Mariechen einstweilen bet sich behielten, und holte die Kleine herauf.
In stiller Rührung betrachteten sie das
Kind, das mit strahlenden Augen vor dem
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