Ausgabe 
28.12.1902
 
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Da erklangen die

Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 7.

brennenden Bäumchen stand und dann bald diese bald jene Gaben mit einem Freudenschrei

begrüßte.

Weihnachtsglocken in feierlichen Tönen von den nahen Türmen. Eduard schlang den Arm um die Schultern der Geliebten und in stummer Seligkeit sahen

ste sich in die Augen. Die bunten Lichtchen

am Baume erstrahlten im hellsten Glanze und

die Tannennadel dufteten und knisterten leise, als freuten sie sich über das Glück dreier Menschenkinder.

Die drei Bauber formeln. Von Johann Jacoby.

Und er sprach zu den Jüngern:Der Sab⸗ bat ist um des Menschen willen gemacht und micht der Mensch um des Sabbats willen. So

ist des Menschen Sohn ein Herr auch des Sab⸗ bats.(Evang. Marci, Kap. 2, V. 27, 28.) Dies hohe Wort gilt wie vom Sabbat sso von allen menschlichen Einrichtungen, von jeglichem Gesetze und Herkommen, von Kirche,

(Staat und Gesellschaftsordnung. Aus

dem Bedürfnisse des Menschen hervorgegangen soll alle diese Institutionen nur als Mittel dienen zum Heile des Menschen. Während

Aber im Laufe der Zeit bei vorschreitender Entwicklung die Bedürfnisse sich umgestalten, die materiellen und geistigen Ansprüche an das Leben sich steigern, halten Gewohnheit, Unver⸗

munft und Eigennutz fest an den hergebrachten Mechten und Ordnungen, erklären dieselben für heilig und unantastbar und verlangen, daß die Wedürfnisse der Menschen den überkommenen Satzungen sich unterwerfen, nicht umgekehrt. So wird was ursprünglich Mittel gewesen, zum Selbstzweck erhoben, und langer harter Kämpfe bedarf es, bis endlich des Menschen Sohn sich als denHerrn des Sab⸗ bats erkennt, unbekümmert am SabbatAeh⸗ ken ausrauft und mitden Schaubroten der Priester seinen Hunger stillt. 9Im Namen der Kirche!Im Namen des Staats!Im Namen der Gesellschaft! Diaurch diese dreifache Zauberformel hat von jsher Herrschbegier und Selbstsucht Einzelner den Geist, den Willen, die Arbeitskraft der Völker gefesselt und ausgebeutet. Die Kirche das heißt die Anmaßung der Priester sagt zu den Laien: Euer Geist ißt zu schwach, die Wahrheit zu ergründen. Auf daß Ihr nicht in Irrtum und Sünde ver⸗ fallt, müßt Ihr ohne Prüfung glauben, was wir, die Dolmetscher des göttlichen Gei⸗ sues, als Wahrheit verkünden. Die Kirche ist umfehlbar; der Glaube allein kann Euch von ewiger Verdammniß erretten. Der Staat das heißt die Herrschsucht der weltlichen Machthaber sagt zu den Staatsangehörigen: Ohne Unterordnung keine Ordnung auf Erden! Nicht dem eigenen be⸗ schränkten Urteile dürft Ihr in Eurem Handeln folgen, sondern dem, was wir als Recht fest⸗ stellen. Der Obrigkeit Wille ist Gesetz; nur bedingter Gehorsam schützt Euch vor Anar⸗ ckte und Verderben. Die Gesellschaft das heißt die Hab⸗ ä er der besitzenden Klassen sagt zu den Besitzlosen: Uns verdankt Ihr Arbeit und Urot. Darum sollt Ihr von den Früchten

0 N e(autres Schweißes uns so viel abgeben, als

mir für billig erachten. Wollt Ihr dies nicht,

An, 1 steht es Euch frei, ohne Arbeit und Lohn

zu verhungern. f Gedankenlos willenlos besitzlos ist de Masse des Volkes den Zwecken der Kirche, des Staats, der Gesellschaft untertan.

So lange jeder dieser drei Mächte die Aus⸗ butung der Menge für sich ausschließlich in Nspruch nimmt, treibt gegenseitige Eifersucht st zum Kampfe untereinander. Die serche predigt gegen den Mammon die weltlichen Machthaber streiten wider die Ober- horschaft der Kirche die besitzende Klasse

) Vorwort zuGesammelte Reden und Schriften bin Dr. Johann Jacoby.

strebt banach, den Staat ihren Sonderinteressen dienstbar zu machen. Allein im Laufe der Zeiten ändert sich die Sachlage: je mehr dank den Bemühungen uneigennütziger Forscher die Erkenntniß der Wahrheit sich im Volke verbreitet, je mehr die arbeitende Klasse zur Einsicht ihrer Lage, zum Bewußtsein der eigenen Kraft gelangt um so augenfälliger tritt die Lüge, die Ohnmacht jener drei fesselnden Zauberformeln zu Tage. Tron, Altar und Geldmacht sehen sich genötigt, die gegenseitige Fehde einzustellen und der gemeinsamen Gefahr gegenüber Schutz⸗ und Trutzbündnis zu schließen, ein Bündnis, das dem Anschein nach ihre Kraft vermehrt, im Grunde aber nichts weiter ist als das Ein⸗ geständnis, daß jede der drei Mächte für sich allein zu schwach ist, den Forderungen der Freiheit und Gleichberechtigung Wider⸗ stand zu leisten. Und hiermit ist der Charakter, die Bedeu⸗ tung der Jetztzeit ausgesprochen: es gilt den letzten, entscheidenden Kampf der unterdrückten, freiheitsbedürftigen Menschheit gegen den drei⸗ einigen Feind! Geistesfreiheit Willens⸗ freiheit Arbeitsfreiheit ist die Losung;

der Kampfpreis: Allgemeine Bildung Tugend und Wohlfahrt!

Gemeinnütziges.

Die Vermeidung von Erkältungen ist eine Kunst, die ebenso schwer auszuuͤben wie zu lehren ist. Es wird unsäglich viel gerade über die Entstehung von Erkältungen geschrieben, aber über kaum eine Krankheit bestehen so verworrene Vorstellungen wie über diese. Die Verwirrung beginnt schon beim Namen, denn der Begriff der Erkältung ist gar nicht abzugrenzen, und sehr erfahrene Aerzte haben schon den Vorschlag gemacht, ihn über⸗ haupt aus dem Sprachgebrauch zu entfernen und statt dessen lieber durch Ausdrücke zu er⸗ setzen, die zur Kennzeichnung der einzelnen Form der Erkältung geeignet wären. In klarer, einfacher Fassung, die sich sehr vorteilhaft von dem oft gebotenen Wust abhebt, hat Dr. Beerwald in den Blättern für Volksgesun dheits⸗ pflege über das Wesen der Erkältung gesprochen. Er hält sie überhaupt nicht für eine Krankheit, sondern für einen Schwächezustand des Körpers, der auf dessen zu großen Wärmeverlust zurück⸗ zuführen ist. Wird der Selbstschutz des Körpers verringert, wie es z. B. durch Abgabe einer zu großen Menge des Wärmevorrats geschieht, so erhalten die Krankheitskeime einen Wachs- tumsboden in unserem Körper, der ihnen bisher kein Mittel zum Fortkommen bot. Daraus ergiebt sich auch die Erklärung dafür, daß eine Erkältung zu soviel verschiedenen Erkrankungen führen und auch verschiedene Organe angreifen kann. Bei kalter Witterung sind Nase, Hals, Luftröhre und Lunge, bei heißer der Darm am meisten gefährdet. Ein einfacher Schluß aus den bisherigen Behauptungen sagt uns, daß eine Erkältung unmöglich wird, wenn wir dem Körper einen genügenden Wärmeschutz sichern. Die Natur hat ihm einen solchen schon in der Haut gegeben, die jedoch auch nur dann ihren Dienst richtig erfüllt, wenn ihr nicht durch übertriebene oder vernachlässigte Pflege die Fähigkeit dazu benommen wird. In der Haut spielen sich unter der Aufsicht eines im ver⸗ längerten Mark sitzenden Nervenzentrums die jenigen Vorgänge ab, die den Menschen vor einem schädlichen Einfluß äußerer Wärme⸗ schwankungen schützen. Wird es in der Um⸗ gebung warm, so befiehlt jenes Nervenzentrum die Erweiterung der Hautgefäße; dadurch strömt das Blut reichlicher der Körperoberfläche zu und bewirkt dort eine Wasserverdunstung, die eine Abkühlung herrvorruft. Beim Sinken der Temperatur wird umgekehrt eine Veränderung der Hautgefäße und eine Zurückdrängung des Bluts nach dem Junern veranlaßt, damit von

der blutarmen Haut nur eine möglichst geringe Wärmemenge an die kühle Außenluft abgegeben!

werden kann. Nun kommt es darauf an, dem natürlichen Wärmeschutzapparat unseres Körpers seine Tätigkeit nicht zu erschweren. Dazu ist es notwendig, ihn keiner zu jähen Erhitzung oder Erkältung auszusetzen, weil sonst die Regelung des Blutzuflusses oder der Blutab⸗ sperrung nach der Haut nicht schnell genug vor sich gehen kann. Eine genügende Regelung der Hauttätigkeit wird aber auch dann erschwert, wenn die Empfindlichkeit der Haut beeinträchtigt oder zu sehr gesteigert wird. Ersteres geschieht durch seltenere Hautreinigung, und Dr. Beerwald führt die größere Sterblichkeit in den Monaten Oktober bis Mai zu wesentlichem Teil darauf zurück, daß während der kälteren Monate nur ungenügende Waschungen und Bäder vorge⸗ nommen werden. Anderseits geben zu häufige warme Bäder der Haut eine Ueberempfindlichkeit.

Splitter.

Nicht jeder liebt den Arzt, der mit dem Messer

Kühn in das faule Fleisch der Lügen dringt.

Das Vorurteil ist mächtig in der Welt,

Und wer da rührt an einer alten Satzung,

Sei auch gefaßt, daß tausend drum ihn hassen. M. Ring.

** * Magst du die Lüge noch so gut In das Gewand der Wahrheit kleiden Der Dümmste ist nicht dumm genug, Um beide nicht zu unterscheiden. Bodenstedt.

*

* Hiebe, seien es geistige oder leibliche, die man für seinen Freund erhält, tun nicht weh.

Die Wahrhaftigkeit ist jene Mutter Erde, auf der feststehend der ringende Geist nicht zu bestegen und niederzuwerfen ist.

Bert. Auerbach. * 8*

Feiger Gedanken Bängliches Schwanken, Weibisches Zagen, Aengstliches Klagen Wendet kein Elend, Macht dich nicht frei. Allen Gewalten

Zum Trotz sich erhalten, Nimmer sich beugen, Kräftig sich zeigen Rufet die Arme

Des Himmels herbei. Goethe. Humoristisches. Schulhumor. Dorfschullehrer:Hier sind

zwei Eier; wenn ich nun noch zwei dazu lege, wie viel sind es dann, Michel? Michel(steht auf, lacht pfiffig und sagt):Sie können doch keine Eier leren, Herr Lehrer.

Abgeführt. Herr(am Stammtisch zu einem ungeladenen Gast, der sich durch beständiges Wortführen lästig macht, vertraulich)Können Sie schweigen? Gast:O, wie das Grab! Herr:Nun, dann tun Sie es.

Auf dem Heimweg vom Wirtshaus. Angetrunkener Bauer:Schad', daß der Mensch blos zwei Füß hat; mit vier könnt' ma' no' amal so viel vertrag'n!

Geschichtskalender.

1896: Gründung des 1. ital. Avanti in Rom. 1884: 1642: Isaak Newton,

25. Dezember. sozialist. Tageblattes Großes Erdbeben in Spanien. Astronom*.

26. 1895: Hammerstein aus Athen ausgewiesen.

27. 1836: Attentat auf denBürgerkönig Louis Philipp v. Frankreich. 1571: Kepler A stronom,*

28. 1859: Macauley, engl. Geschichts schreiber 5. 1848: Grundrechte vom Frankfurter Parlament beschlossen.

29. 1892: Schluß des Elberfelder Geheimbunds⸗ prozesses.

30. 1760: Caroline Neuber, berühmte Schau⸗ spielerin im Elend gestorben.

31. 1895: Einfall Jamesons in Transvaal. Explosion im Wrangelschacht bei Wal senburg(36 Tode). 1874: Th. York, Sekretär der sozialist. Partei Deutsch⸗ lands, F. 1882: Leon Gambetta, franz. Staatsmann,.

* geboren;= gestorb en

9

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