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Seite 6.
Mitteldeutsche Ssuntags⸗Zeitung.
Nr. 39.
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b Unterhaltungs-Ceil.
Das Goldmacherdorf.
Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke.
18)(Fortsetzung).
„Viele von uns haben an der Gemeinde noch beträchtlich für Stroh, Haber und andere Lieferungen aus dem letzten Kriege zu fordern. Man verzinset ihnen zwar jährlich, aber sie müssen doch allemal erst ihren Beitrag zur allgemeinen Zinssumme geben. Das ist mühsam und thöricht. Nun haben wir diese Schuld auf alle Bürger, nach Maßgabe ihres Vermögens, verteilt. Den Reichen trifft davon mehr, den Armen weniger. So wird die Gemeindsschuld in eine Partikularschuld verwandelt. Wer auf diese Art so viel schuldig wird, als er selber zu fordern hat, der streicht Schuld und Forde⸗ rung, und ist frei, bekommt und zahlt keinen Zins mehr. Wer mehr zu fordern hat, als er durch die Einteilung schuldig wird, streicht erst so viel von seiner Schuld weg, als ihm die Gemeinde selbst schuldig ist, und sagt: „Wer zahlt mir den Ueberfluß dessen, was mir herausgebührt?“— Antwort:„Diejenigen zahlen ihn, die nichts an die Gemeinde geliefert haben im Kriege. Diese sind als Schuldner an die Zuguthaber verteilt, und tragen denselben entweder die kleine Summe, die sie trifft, gleich baar ab oder verzinsen solche zu vier vom Hundert.“
So redete Oswald. Viele verstanden es anfangs nicht recht. Da sie aber einsahen, daß dabei keiner zu kurz kam, waren sie es sehr zufrieden. Denn die Reichen, welche am meisten zu fordern hatten, die hatten auch nach Maßgabe mehr an Abtragung der Gemeinds⸗ schuld zu zahlen. So blieb für die Aermern weniger zu entrichten übrig, und jeder fand die Einrichtung darum billig, weil die Schätzung der Güter und des Vermögens sehr unparteiisch gemacht war.
Am Sonntage darauf ward die Gemeinde abermals versammelt, und Oswald redete also:„Ihr Männer, liebe Mitbürger, es ist uns gelungen, das Geld, was die Gemeinde schuldig ist, in den benachbarten Städten zu geringerm Zins zu erhalten, also, daß Golden⸗ thal jährlich nur zweihundert und zwanzig Gulden Zins zu entrichten hat. Aber es wird manchem Hausvater schwer fallen, den Beitrag zu diesem Zins zu erschwingen aus seinem Gut. Daher ist es besser, es zahle keiner von euch den Zinsbetrag aus seinem Gut.“
Da erhoben alle Goldenthaler ein Gelächter, und sie riefen:„Das läßt sich hören und gefällt uns über die Maßen.“
Oswald erhob die Stimme und redete weiter:„Ihr Männer, liebe Mitbürger, wir haben noch ein großes Stück Gemeinweide. Das ist elendes Land, vom Vieh zertreten, mit alten einzelnen Eichen darauf. Jeder von euch, dem dieses Land gehörte, würde es besser benutzen. Aber wer benutzt es jetzt?— Niemand. Denn die Reichen, welche viel Vieh haben und es im Sommer darauf weiden lassen, haben offenbaren Schaden daran. Nicht nur kommen ihre Kühe magerer und hungriger abends heim, als sie des Morgens hinausgingen, sondern es geht auch für die Aecker aller Dünger vom Vieh dabei verloren. Die Armen aber, die keine Kuh halten können, haben gar keinen Nutzen davon, und müssen ihn den Reichen überlassen. Ist das billig? Warum sollen reiche Bürger mehr Vorteil vom Eigentum der Gemeinde haben, als arme? Sind wir nicht allesamt Goldenthaler? Hat einer nicht so viel Recht, wie der andere? Wer hat denn den Reichen den Nutzen des Gemeindland allein gegeben?— Wenn die Armen ein Stück Feld davon hätten, und könnten Klee und andere
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Grasarten darauf bauen, so hätten sie für ihre Ziegen und Schafe doppelt so viel und gesünderes, nahrhafteres Futter, als jetzt. Also ist unser
at, daß wir das Gemeinland in gleiche Teile unter die Bürger verteilen, daß jeder seinen Teil davon benutzen könne, wie er wolle. Das Land bleibt aber ewiges Eigentum der Gemeinde; jeglicher empfängt seinen Anteil nur in Pacht, und kann ihn weder verkaufen, noch verleihen, noch vererben, noch sonst ver⸗ äußern; sondern derselbe fällt jedesmal nach des Besitzers Tode an die Gemeinde zurück. Diese giebt ihn dann an einen jungen Bürger, der eigne Haus haltung führt und ohne Gemein⸗ land ist. Jeder zahlt jährlich einen geringen Pachtzins von seinem Stück, und damit wird der Zins von der Gemeindsschuld abgetragen. Also zahlt niemand diesen Zins aus seinem eigenen Gute, sondern aus dem, was er von der Gemeinde zum Lehen hat.“
Nachdem Oswald geredet hatte, entstand großes Nachdenken im Volk, Gemurmel, Streit, Wortwechsel, Geschrei und Lärmen, als wäre Mord und Totschlag. Denn die reichen Bauern, welche das Weidland bisher ausschließ⸗ lich mit ihrem Vieh benutzt hatten, wollten die Teilung nicht zugeben, schrieen über Ungerech— tigkeit und drohten mit der Regierung. Andere sagten:„Wir sehen wohl, man will die Lumpen reich machen, und die Ehrenleute im Dorfe zu Lumpen. Wer Vieh hat, der kann es zur Weide schicken; das ist eine alte Recht⸗ same, die von den Vätern vererbt ist, und die lassen wir uns nicht nehmen!“
Doch die Mehrheit der Bauern, die nicht reich waren, oder die ihr Vieh, um mehr Dünger zu gewinnen, im Stall fütterten, setzte es durch und hob den Weidgang auf. Alsbald mußte ein Feldmesser kommen, alles Gemein⸗ land, in so viele Teile, als Haushalten waren, verteilen und dann wurden die Stücke verlooset. Die reichen Bauern gingen jammernd und klagend vor die Regierung und beschwerten sich wegen der Bedrückung ihrer Rechtsame. Die Regierung aber gab folgenden Bescheid: „Das Gemeinland ist eine Rechtsame der Bürger und nicht der Kühe von Goldenthal. Also kann jeder Bürger das Gemeinland oder seinen Teil benutzen wie er will. Ihr Herren aber verteidiget nicht eure alte Rechtsame, sondern euern von Alter stinkenden Eigennutz, und verstehet noch dazu euern Vorteil schlecht. Derohalben bleibt von nun an der Weidgang aufgehoben. Damit packet euch, ihr Esel, und ziehet heim in Frieden!“
Die reichen Bauern bedankten sich für den gnädigen Bescheid, und zogen heim. Nun erst bedauerten sie den Löwenwtirt Brenzel im Zucht⸗ hause, und sagten:„Er war doch bei allen Fehlern ein braver Mann; er hielt alte Gerechtig⸗ keiten und Herkommen; unter ihm wäre so etwas nie geschehen. Der Oswald ist ein Franzos, ein Jacobiner, ein Neuerer, ein Bona⸗ partler und dergleichen.“
24. Und abermals die Schulden müssen getilgt werden.
Schon im folgenden Frühjahr war Freude und Jubel in der vormaligen Wüste des Gemeinlandes. Denn wo sonst einsame Kühe am kurzen schlechten oder sauren Grase rupften und zupften, blühte nun ein wahrer Garten. Da sah man nun Bohnen, Hopfen und Hanf, Erbsen und Flachs, Kohl und Erdäpfel, Klee und Getreide in bunter Mannigfaltigkeit. Jeder konnte leicht berechnen, daß er mit der Ernte nicht nur den kleinen Zins abtragen, sondern reichen Ueberfluß haben würde. Selbst die reichen Bauern, sobald sie einmal zum rechten Verstand kamen, was oft sehr schwer für sie hielt, erkannten ihren Vorteil dabei. Denn nicht nur hatten sie Gewinn am Futter für ihre Kühe im Stall, an Milch und Dünger, sondern auch an baares Geld. Denn hätte jeder, wenn es nach ihrem Kopf gegangen wäre, zum Schuldenzins der Gemeinde aus seinem eigenen Sack gesteuert, so würden sie verhältnismäßig das Meiste dazu
haben zahlen müssen, während jetzt ein jeder von seinem Pachtland gleich viel Zins ent⸗ richtet der Oswald aber war noch nicht
zufrieden, und nicht vergebens so oft in den Wäldern Tage lang umhergestrichen. Er hatte sogar in einer benachbarten Stadt den Ober⸗ förster besucht, der in seinem Fach ein grund⸗ geschickter Herr war, und hatte denselben links und rechts in den Goldenthaler Gemeinds⸗ waldungen herumgeführt und um Rat gefragt. Der Oswald brütete wieder über etwas, aber keiner wußte recht worüber? Die reichen Bauern sagten:„Wir wissen's wohl, es soll wieder über unser Fell hergehen!“ Diesmal aber hatten sie sich doch geirrt.
Jedermann war sehr neugierig, als die gesammte Bürgerschaft von Goldenthal wieder versammelt wurde, um von den Vorgesetzten wichtige Anträge zu hören.
Oswald trat wieder hervor und sprach mit lauter Stimme:
„Ihr Männer, liebe Mitbürger! Ein Mann ohne Schuld hat jedermanns Huld. Unser Dorf hat aber noch Schulden. Wir verzinsen dieselben vom Pachtlande. Besser wäre es, wir behielten den Zins vom Pachtlande jeder
in seinem eigenen Sack, wenigstens zehn Jahre
lang oder länger. Damit wäre uns allen geholfen!“
Die Leute lachten und sprachen unter sich: „Der Vorschlag ist nicht unbillig.“
Oswald fuhr fort zu reden:„Ich und die ehrsamen Beisitzer wollen es übernehmen, dafür gut zu stehen, daß die Gemeindsschuld ganz oder doch größtenteils abgetragen werden soll, ohne eure Unkosten, sobald ihr einwilliget, drei Beschlüsse zu genehmigen und zu befolgen.“
„Aha!“ schrieen die reichen Bauern:„Jetzt kommt der hinkende Bote nach!“
Oswald sprach:„Höret mich an und denket wohl nach, ob ich wahr rede oder nicht. Wir haben in Goldenthal ungefähr hundert Haushaltungen.“
„Das ist wahr!“ riefen die Bauern.
„Jede Haushaltung,“ sagte Oswald,„be— kommt jährlich drei Klafter Holz nebst Reis⸗ wellen aus dem Gemeindswald.“
Die Bauern sagten:„Das ist wieder wahr.“
„Und,“ fuhr Oswald fort,„so viel braucht jede Haushaltung, manche mehr, manche aber auch weniger, die aus der Garküche speist. Aber alle könnten sich mit wenigerem behelfen, wenn sie nicht Jahr aus Jahr ein zum Brot⸗ backen, Obstdörren und zu den Wäschen gar viel Holz nötig hätten. Bedenket, wenn in einer einzigen Woche zehn, zwanzig Familien Wäsche halten oder Brot backen, wie viel Holz in so vielen Häusern auf einmal verbrannt wird!“
Die Bauern murrten und sprachen:„Das ist ganz richtig: aber wir können nicht ohne Brot leben und in unreiner Wäsche gehen.“
Oswald sagte:„Es giebt viele Gemeinden im Lande, die weit reicher sind, denn wir, und doch weit mehr hausen und besser sparen, als wir. Aber eben darum sind sie reicher. Es giebt Gemeinden, sie haben nicht so viel Waldung, als wir, und haben doch Holz genug und können davon sogar verkaufen. Aber wie machen sie es? Da haben mehrere Häuser zusammen nur einen einzigen Back- und Dörrofen. Da trägt jeder in der Woche seinen Teig und sein Obst hin, wenn die Reihe an ihn kommt. Und weil der Ofen nie kalt wird, braucht jeder nur wenig Holz zur Feuerung hineinzuthun, um ihm die gehörige Hitze zu geben. Das nennt man hausen uad sparen!— Warum können wer das nicht? Warum thaten wir das nicht schon längst? Antwort: Weil wir zum Guten entweder zu träg oder zu unverständig waren. Und bedenkt noch dazu, wie leicht wir durch das Backen und Dörren in den Wohnhäusern ein ganzes Dorf in Feuersgefahr setzen. Bedenket, wie viel Holz wir nur dadurch sparen könnten, wenn wir kleinere, bequemere Stubenöfen hätten, die weniger Holz fressen, statt der ungeheuern Steinmassen, die wir haben müssen, weil sie auch zum Backen und Dörren dienen solle n. Holz verbrennen, heißt Geld brennen!“
Bei diesen Worten kratzte sich die ganze ehrsame Gemeinde von Goldenthal verdrießlich hinter den Ohren.
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