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Nr. 39.
Mitteldentsche Sonntaas⸗Zeitung.
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Seite 5.
bei ihm zwei Finger teilweise abgeschnitten wurden.— An demselben Tage kam ein mit Möbeln beladener Möbelwagen der Firma Ed. Heppe in der Sybelstraße ins Rollen und rannte, da alle Hemmvorrichtungen versagten an der Ecke des Rotenbergs gegen einen Baum; eines der Pferde stürzte die ziemlich hohe Böschung hinunter auf die Barfüßerthor⸗Straße, während das andere getötet wurde. Menschen wurden glücklicherweise nicht verletzt.
— Waldbrand. Am Montag entstand auf bis jetzt noch aufgeklärte Weise im Staatswalde bei Cölbe ein Brand, der bei dem herrschenden ziemlich starken Wind leicht größere Dimensionen hätte annehmen können. Auf ein Telegramm der Bahnverwaltung an die hiesige Oberförsterei, worin dringend um Hilfe ersucht wurde, rückte(da das Jäger⸗ bataillon noch im Manöver anwesend war), ein Teil der gerade nach einer Uebung zu einer Generalversammlung versammelten hiesigen Freiwilligen Feuerwehr nach der Brandstelle ab, fand aber nichts mehr zu thun, da die Einwohner von Cölbe das Feuer bereits ge— dämpft hatten.
Humor auf dem Parteitage.
Wie immer bei unseren Parteitagen, kam auch auf dem Münchener der Humor zu seinem Rechte. Wir haben das Kellerfest, das im Hackerbräu den Montag stattfand, schon kurz erwähnt. Diese Veranstaltung verlief glänzend. Vollmar begrüßte die Delegierten, in deren Namen Pfannkuch dankte. Die gesanglichen und turnerischen Leistungen riefen einen wahren Beifallssturm hervor. Zum Schlusse kam bei verdunkeltem Zuschauerraum— ein Haber⸗— feldtreiben zur Aufführung, in dem ver— schiedenen Parteigrößen regelrecht„getrieben“ wurde. Die„Schandverse“ mit ihrer derben Frozzelei erweckten stürmischen Jubel. Wir lassen zum Beweise für den guten Humor innerhalb unserer Partei zwei der„Schandverse“ hier folgen:.
Da August von Breiß'n, mit dem fang ma o,
Weil ea's Fexirn und's Raafa so guat ko.
Bal no Oaner von uns', Nos'nzipferl rüahrt
Glei kimmt ea wia Schandari daher gschbaziert;
An jed'n Dreck muaßa blos' n, wann er eahm aa net brennt
In a jed's Haferl stiart a eini, de Himmisakramen't.
Meister: Is dös woahr?
Haberer: Woahr is!
Mstr.: Aufrewöin!
2 Aba jatzt Manner kimmt no a bessa's Fress'n, Da Gothaer Bock und da Ulrich vo Hess'n, Da Oa' kriagt jatz' bal an Ord'n, da Anda sauft an Großherzog sein Wei! Und dös wöll'n nachat richtinga Manna sei; Dia san schon vo Grund aus völlt vadorb'n Und nachstens kriagt a Jeda a Hofuniform.
Mstr.: Is dös woahr? Haberer: Woahr is! Mstr.: Aufrewöin!
So wurden in 10—12 Versen eine Reihe Parteiführer hergenommen. Jedesmal, wenn der Habermeister kommandierte:„Aufrewöin!“ (sovtel wie: rebellieren, Skandal machen) ertönte ein ohrenbetäubender Lärm. Da wurde ge— schossen, geheult, gepfiffen, kurz eine wahre Höllenmusit vollführt. Selbstverständlich wur- den die Verse, die wir leider nicht alle abdrucken können, viel belacht.
Konfessionelle Schlachtermeister.
Ein Kandidat der Kölner Metzger wird bei der nächsten Stadtverordnetenwahl aufgestellt werden. Wie in der letzten Sitzung der Ochsen⸗ metzger⸗Innung Herr Gräfen berichtete, ist in Aussicht genommen worden, einen Vertreter des Metzgergewerbes in den Stadtrat zu entsenden. Der Vorstand der Ochsenmetzger⸗Innung habe mit dem Innungsvorstand der Schweinemetzger eine Zusammenkunft gehabt und man habe sich dahin geeinigt, dem Zentralwahlkomitee der Zentrumspartei einen Schweinemetzgermeister aus Ehrenfeld als Kandidat zu empfehlen. Der betreffende Herr soll berücksichtigt werden, doch könne man noch nicht versprechen, ob er
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in der zweiten Klasse aufgestellt werde, da die e eee in dieser Klasse mit möglichst cheren Kandidaten rechnen müsse. Die Liberalen werden nicht verfehlen, zur Wahrung der Parität ebenfalls einen Metzger als Kandidaten aufzu⸗ stellen.— Es wäre doch eine Schande, wenn die liberalen Schweine und Ochsen ohne Vertretung im Stadtrat blieben, denn bei der Zuspitzung der politischen und konfesstonellen Gegensätze kann nicht erwartet werden, daß der Zentrumsmetzger die Sache der andersgläubigen Vierfüßler in der Weise vertritt, wie es diese verlangen können.
Oeffentliches Aergernis.
In München kam eine Tagelöhnersfrau aus der Vorstadt Pasing dieser Tage wegen Erregung öffentlichen Aergernisses vor das Schöffengericht. Der Unseligen waren an einem Tage im Juli ihre beiden im Alter von fünf und zwei Jahren stehenden Knaben auf die Straße entwischt, als sie dieselben soeben für ein Bad entkleidet hatte. Da diese Toilette der beiden Buben bet den Passanten Aergerniß erregte und das Schamgefühl der Pasinger auf's Gröblichste verletzte, wurde der Vorfall zur Anzeige gebracht. Die Mutter erhielt dar⸗ aufhin wegen„groben Unfugs“ einen Straf⸗ befehl, lautend auf eine Haftstrafe von zwei Tagen— womit die deutsche Sittlichkeit wieder einmal gerettet ist.
Sittlichkeit in besseren Kreisen.
Zu den kürzlich in Dresden verhandelten Prozessen wegen Verbrechen gegen das keimende Leben wird berichtet, daß noch immer weitere Schuldige ermittelt und verhaftet werden. Die schwereren Fälle werden in der demnächst beginnenden Schwurgerichtsperiode zur Ver⸗ handlung kommen. Unter den bisher schon Verurteilten befindet sich unter Anderen die Frau eines Schuldirektors, während die Frau eines angesehenen sächsischen Volks- vertreters an den Folgen der mit ihr vorge— nommenen Machenschaften starb. Die noch jugendliche Tochter eines Oekonomierats und Mitgliedes der konservativen Partei im sächsischen Landtag endete im Gefängnis freiwillig ihr Leben.— Ein schönes Bild von der Sittlichkeit in der bürgerlichen Gesellschaft!
Fideles Gefängnis.
Zwei Tage verhandelte das Landgericht in Oldenburg i. Gr. unter Ausschluß der Oeffentlichkeit einen Prozeß in Gefängnisan⸗ gelegenheiten. Zwei Wärter, Osterthun und Kühling, waren wegen angeblicher Unstttlichkeiten gegen weibliche Insassen des Gefängnisses an⸗ geklagt und seit Juni in Haft. Wegen Mangels an Beweisen und der nachgewiesenen Verlogen— heiten und Unzuverlässigkeit der Beschuldiger, weiblicher Gefängnisinsassen, sprach man die Angeklagten frei. Ferner wurde gegen die Aufseherin Willers und gegen zwei weibliche Gefangene wegen Bestechung verhandelt. Diese wurde teilweise nachgewiesen. Die Willers wurde zu acht Monaten Gefängnis(drei Monate Untersuchungshaft sind abzurechnen), die Händ— lerin Schweiger-Jever zu vier Monaten Gefäng⸗ nis verurteilt, während die Fischer-Bant frei⸗ gesprochen wurde. Man hatte fröhliche Gelage im Weibergefängnis veranstaltet, die von der Aufseherin geduldet wurden. Der Inspektor der Anstalt ging in Folge dessen bereits in Pension.
Hohe Lebenswege.
Vorige Woche starb in Bad Spaa die schon seit längerer Zeit leidende belgische Königin. Ihr hoher Gemahl hat sich nicht viel um sie bekümmert, der vertrieb sich die Zeit anderweit. Der bei den Belgiern ohnehin unbeliebte Leopold hat aber jetzt das Volk vollends gegen sich auf⸗ gebracht, weil er seine zweite Tochter, die frühere Kronprinzessin von Oesterreich, jetzige Gräfin Lonyay, die an den Sarg ihrer Mutter geeilt war, aus dem Sterbezimmer wies. Diese Hand⸗ lungsweise wird natürlich von der gesamten belgischen Presse auf das Schärfste verurteilt.
Der ziemlich wackelige belgische Konigsthron kann unter Umständen dadurch vollends zu⸗ sammenkrachen.
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Kleine Mitteilungen.
In Butz bach erschoß sich am Dienstag der Rechner des„Mathildenstifts“, Küchel. Das Motiv ist unbekannt.
r Vom Schlachtfeld der Arbeit. Bei dem Bau der Kirche in Wiemelhausen bei Boch um stürzte das Gerüst zusammen. Fünf Arbeiter stürzten in die Tiefe. Ein Arbeiter wurde schwer und die anderen leicht verletzt.
Gewerkschastl. u. Arbeiterbewegung.
+ Die Handschuhfabrikanten rüsten zum Kriege gegen die organisterten Arbeiter. Die Herren in Altenburg und Neuhaldensleben haben eine Zuschußkasse für nichtorganisierte Arbeiter und Arbeiterinnen der Lederhandschuh⸗ Branche in's Leben gerufen und laden zum Beitritt, d. h. zum Austritt aus der Gewerk⸗ schaft, ein. Das Vorgehen dürfte nur den einen Erfolg haben, daß die schmarotzenden Elemente den Herren teurer als zuvor werden. Die überzeugten Verbandsmitglieder werden der Organtisation nicht den Rücken kehren.— Der Verband der Handschuhmacher nahm kürzlich die Wahl seines ersten Vorsitzenden mittels Urabstimmung vor. Gewählt wurde W. Riepekohl mit 925 Stimmen, gegen 581, die Wohring in Liegnitz erhielt.
Die Einführung einer Arbeits⸗ losenunterstützung lehnten die Mitglieder des Dachdeckerverbandes ab. Von 3155 Stimmberechtigten erklärten sich 644 dafür und 949 dagegen. 1652 haben überhaupt nicht ab⸗ gestimmt.
Partei-Nachrichten.
Sieben Monate Gefängnis. Zu dieser harten Strafe wurde vor einiger Zeit der Gen. Thiel in Kassel verurteilt, weil er als Redakteur des„Kasseler Volksblatt“ durch einen in demselben veröffentlichten Artikel einen Pfarrer und eine Oberin beleidigt haben sollte. Seine gegen das Urteil eingelegte Revision wurde dieser Tage vom Reichsgericht verworfen, obgleich der Oberreichsanwalt selbst die Anwendung des§ 185 neben dem§ 186 als rechtsirrtümlich bezeichnete.
Versammlungskalender.
Samstag, den 27. September.
Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. T. O.: Berichterstattung bom Parteitag.
Sonntag, den 28. September.
Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammluug bei Orbig. Lauterbach. Wahlverein. Versammlung bei Wirt Kaut.
der Landeskonferenz. Montag, den 29. September.
Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.
Samstag, den 4. Oktober.
Friedberg. Soz.⸗de m. Wahlverein. 9 Uhr Versammlung in Stadt New-Nork. ordnung: Berichterstattung vom Parteitag.
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Eröffnungs⸗Vorstellung! Sonntag, den 28. September 1902: Der Hypochonder
Lustspiel in 5 Akten von Gustav von Moser.
Mittwoch, den 1. Oktober 1902: Maria Stuart
Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich von Schiller. Freitag, den 3. Oktober 1902: Novität!
Die Fee Caprice
Lustspiel in 3 Akten von Oskar Blumenthal. Anfang der Vorstellungen: 8 Uhr.
Nachmittags 4 Uhr T.⸗O.: Bericht von
Abends Tages⸗
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