.

M2

Seite 4. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 30. fliehen wenn zuer dazuz überhaupt noch sunsere Genossen, trotzdem für sie durch die Schmidt in Trohe. Aus diesem Aulaß 5 fähig ist. Vereinigung der Gegner eine schwierigere] hat der Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein in Trohe

Parteitag der süddeutschen Volkspartei.

Am Sonntag und Montag hielten die Demokraten, zu deren Führern die Herren Sonnemann, Payer, Hausmann ac. gehören, in Offenburg i. B. ihren Parteitag ab. Bemerkenswert ist eine Aeußerung Dr. Rößlers, der den Parteibericht erstattete. Er mahnte am Schluß seiner Rede unter allseitigem Beifall zur Einigkeit der linksstehenden Par⸗ teien. Unnötige Raufereien mit den Sozialdemokraten hätten zu unter⸗ bleiben und unvernünftige Vorurteile dürften bei Stichwahlen keine Rolle spielen. Es ist schade, daß Herr Rößler so wenig Wähler hinter sich hat, die seine Worte beherzigen könnten. Ferner beschäftigte sich der Parteitags mit der Arbeitslosenunterstützung, über welchen Gegen⸗ stand Sonnemann sprach, der es als das Beste erklärte, wenn die Stadtgemeinden diese Ver sicherung übernähmen. Außerdem forderte man eine bessere Wahlkreiseinteilung für die Reichs⸗ tagswahlen.

Was der Kleinhandel nicht kann.

Ein Erholungsheim für die Ange⸗ stellten ist nach derSozialen Praxis von einem größeren Breslauer Waarenhaus in der nächsten Nähe des schlesischen Badeorts Warm⸗ brunn errichtet worden. In dem schön gelegenen und ausgestatteten Haus ist sämtlichen Ange⸗ stellten abwechselnd 8 Tage lang und darüber Gelegenheit gegeben, sich von der Last der Arbeit zu erholen. Verpflegung und Wohnung, Arzt und Bad werden den Gästen unentgeltlich geboten, auch die Kosten der Reise trägt die Firma. Für Unterhaltung ist durch Einrichtung einer Bibliothek, von Konzerten, Tennisplätzen 2c. Sorge getragen. Bemerkenswert ist folgende Erklärung der Firma in der zur Eröffnung herausgegebenen Festschrift:Diese unsere Leistung soll nicht als ein Akt der Wohlthätigkeit angesehen werden; wir haben uns vielmehr von der Erwägung leiten lassen, daß Jeder, der das Jahr hindurch in aufreibender und treuer Pflichterfüllung für unser Haus thätig war, auch ein Anrecht auf die ihm durch uns gebotene Erholungsmöglichkeit erworben hat. Ist der Kleinhandel ebenfalls Willens oder auch nur in der Lage, in solcher Weise für seine Angestellten zu sorgen?

Pon Uah und Lern.

Gießener Angelegenheiten.

Zur Landtagswahl.

Nach einer Bekanntmachung des Kreisamts

Gießen werden die Urwählerlisten vom Montag, den 13. Oktober

an 3 Tage lang ausgelegt. Die Wahl⸗

männerwahlen finden

Mittwoch, den 29. Oktober statt.

Von unserer Partei wird dieser Tage ein Flugblatt zur Verbreitung gelangen, in welchem die sozialdemokratische Landtagsfraktion Bericht über ihre Thätigkeit ablegt. Die Fraktion be⸗ gründet darin ihre Stellungnahme zu jedem einzelnen Gegenstande, den der 31. Landtag verhandelt hat. Besonders wird auf das volks- feindliche Verhalten der Landtagsmehrheit bei Beratung des Wahlgesetzes hiugewiesen. Es gelte, schließt das Flugblatt, bei der bevor stehenden Wahl die Feinde des direkten, ge⸗ heimen und gleichen Wahlrechts in die Minder⸗ heit zu bringen und die Zahl der sozialdemo⸗ kratischen Vertreter zu vermehren, damit der Einfluß des werkthätigen Volkes auf die Gesetz⸗ gebung und Verwaltung des Landes vermehrt werde. Das Flugblatt wird in ganz Hessen zur Verteilung gelangen.

Die Gießener Nationalliberalen haben beschlossen, bei der Landtagswahl gemeinsam mit den Freisinnigen für den bis⸗ herigen freis. Abg. Gutfleisch einzutreten. Demnach dürfte sich hier der Wahlkampf sehr einfach gestalten. Selbstverständlich werden

Situation geschaffen ist, mit aller Energie in den Wahlkampf eintreten. 5

Ünser Arbeitergesangverein Eintracht feierte am vorigen Samstag im Leib'schen Saale sein 29. Stiftungsfest. Es wies einen zahlreichen Besuch auf und nahm den besten Verlauf. Die Darbietungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen; besonders klappten 2 Chöre mit Orchesterbe⸗ gleitung:Der Barde undSehnsucht vor⸗ züglich. Unter der energischen Leitung seines Dirigenten, Herrn A. Bauer, entwickelt sich der Verein in recht erfreulicher Weise; die Sänger lassen es nicht an Anstrengung und gutem Willen fehlen und sehen auch ihre Mühe mit Erfolg gekrönt. Es ist nur zu wünschen, daß dem Verein noch mehr unserer sangeslustigen Freunde beitreten, damit er noch leistungsfähiger werde. Das sei besonders jüngeren Genossen ans Herz gelegt! Auch die Aufführung des Theaterstückes machte den Mitwirkenden alle Ehre. Seinem Inhalte nach paßte es wohl nicht besonders für ein Arbeiterfest; aber wir wissen recht gut, daß in guten, für solche Ge⸗ legenheiten geeigneten Theaterstücken keine große Auswahl vorhanden ist. Ein Tanz hielt bis spät in die Nacht hinein die Festteilnehmer zu⸗ sammen. Sonntag wurde ein Ausflug nach Kleinlinden unternommen, der ebenfalls zahl⸗ reiche Beteiligung aufwies.

In der Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung kam in der Sitzung am Donnerstag die Fleischnot zur Sprache. Verhandelt wurde über den Antrag der Gastwirte von Gießen und Umgegend auf Aufhebung des Ein⸗ fuhrverbotes von lebendem Vieh, der ein⸗ stimmig angenommen wurde. Bürgermeister Mecum gab zur weiteren Begründung des Antrags recht interessante Ziffern. Demnach ist der Verbrauch von Schweinefleisch, welches für die ärmere Bevölkerung hauptsächlich in Betracht kommt, von 432 Schweine auf je 1000 Einwohner in 1900/1901, in den gleichem Zeitraum(von 11 Monaten) in 1901/1902 auf 375 Stück zurückgegangen. Die Preise sind von 6475 Pfg. auf 7480 Pfg. pro , Kilo gestiegen. Diesen unanfechtbaren sta⸗ tistischen Ziffern gegenüber nimmt sich die recht großmäulige Ableugnung der Fleischnot durch Antisemiten und die10 Mark-Männercher des Bundes der Landwirte recht komisch aus. Um solche Zahlen zu widerlegen, gehört etwas mehr Grütze als die land wirtschaftlich⸗ sach verständigen Direktoren, Architekten, Dr. phil. usw. der Agrarier besitzen.

Mit der Erhöhung der Fleischpreise ist natürlich, worauf wir schon neulich hinwiesen, auch eine nicht unbedeutende Preissteigerung der übrigen Lebensmittel eingetreten. Eier, Butter, ꝛc. stehen für die gegenwärtige Jahres⸗ zeit ungewöhnlich hoch im Preise. Unter der Kalamität leidet begreiflicherweise nicht blos die städtische Bevölkerung, sondern auch die große Zahl der minderbemittelten Landbewohner, der Kleinbauern, die ihr Fleisch kaufen müssen, weil sie nicht so viel Fleisch produzieren, als sie für sich brauchen. Grade auch in diesen Kreisen werden lebhafte Klagen über die gegen⸗ wärtige Fleischteuerung geführt und man lächelt angesichts der Thatsachen über die antisemitischen Redensarten, daß die Grenz⸗ sperre im Interesse der kleinen Bauern läge. Will das Volk sich nicht durch das nimmersatte Agrariertum aussaugen lassen, so muß es mit aller Energie sich zum Protest gegen die volks feindlichen Maßregeln aufraffen.

Gießener Stadttheater. Sonntag den 28. ds. Mts. wird die Theatersaison wieder eröffnet. Das Theater ist im Laufe des Sommers vollständig renovirt und umgebaut worden. Zur Eröffnung wird Moser's prächtiges LustspielDer Hypochonder ge⸗ geben. Am Mittwoch folgt SchillersMaria Stuart, während Freitag die erste Novität der Saison, Blumen⸗ thalsFee Caprice(Lustspiel in 3 Akten, in Scene geht.

Aus dem Rreise gießen.

Ihre silberne Hochzeit begehen diesen Samstag, den 27. Sept., unser Genosse Heinrich Wagner und seine Ehefrau geb.

an diesem Tage eine kleine Feier arrangiert, um sein stets rühriges Mitglied zu ehren. Mögen sich hieran die Genossen in Trohe recht zahlreich beteiligen und dadurch ihre Anteilnahme an dem frohen Familienfeste bekunden. Dem Jubelpaare wünschen wir aber, daß es ihm noch viele Jahre vergönnt sein möge, Seite an Seite begleitet von einem freundlichen Geschick durchs Leben zu wandeln. Und möge unser Genosse auch fernerhin in unsern Reihen seinen Mann stellen im Kampfe für bessere Daseins⸗ 9 8 für die Wohlfahrt des gesamten olkes.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Militärscheue. Fünf Militär⸗ pflichtige aus dem Dillkreise wurden am Mittwoch von der Wetzlarer Strafkammer wegen unerlaubter Auswanderung abgeurteilt. Gegen die Angeklagten wurde in ihrer Ab⸗ wesenheit verhandelt und jedem 155 Mk. Geld⸗ strafe zudiktiert. Die Zahl derjenigen, die sich alljährlich in Deutschland dem Militärdienst entziehen, ist eine ganz bedeutende. Es scheinen nicht alle jüngeren Männer von den Annehm⸗ lichkeiten der Ferienkolonie überzeugt zu sein, die äußerst zahlreichen Soldatenschindereien, von denen die Zeitungen täglich berichten, mögen wohl mit dazu beitragen, daß Viele lieber dem Vaterlande den Rücken kehren, als daß sie sich solchen Quälereien aussetzen.

r. Beamter und Fischhändler. Aus Hachen⸗ burg im Westerwald schreibt man uns: Es ist ja bekannt, daß die Lage der kleinen Gewerbetreibenden durch aus keine günstige ist. Während sich die Steuern und Abgaben immerfort steigern, wird der Verdienst durch Einflüsse aller Art geschmälert, so daß ein großer Teil der kleineren Kaufleute sich recht kümmerlich durch⸗ schlagen muß. Wenn aber dann auch noch gut besoldete Beamte sich Geschäfte zulegen und so den kleinen Kaufleuten das Leben sauer machen, so muß das ent⸗ schleden verurteilt werden. So betreibt in Hachenburg ein Gerichtsbeamter einen schwungvollen Fischhandel. Es wäre recht angebracht, wenn sich die zuständige Behörde mal genau erkundigte, ob dieses Handelsgeschäft auch so wie andere Steuern zahlt. Uebrigens sollte ein Beamter nicht auch noch als Konkurrent der Klein⸗ kaufleute auftreten.

Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain.

St. Eintracht. Wir wollen nicht unter⸗ lassen noch einmal auf die Stiftungsfeier des A.⸗G.⸗V.Eintracht(s. Inserat) aufmerksam zu machen. Für jeden organisterten Arbeiter und Parteigenossen muß am Sonntagabend, den 28. Sept., die Parole lauten:Auf, zum Schloßgarten!

Buchdrucker⸗Ausflug. Begünstigt von herrlichstem Wetter unternahmen am vor⸗ igen Sonntag die Mitglieder der Bezirksvereine Gießen und Marburg des Buchdruckerverbandes den schon seit langer Zeit geplanten Ausflug nach dem Stunden von hier entfernten, sehr schön gelegenenFrauenberg. Ein Teil der hiesigen Buchdrucker fuhr mittags 1.30 Uhr mit der Bahn den Gießener Kollegen, welch letzere leider sehr schwach vertreten waren, bis Niederweimar entgegen, von wo aus man sich gemeinsam zu Fuß über die Nehbrücke nach Cappel begab und von dort weiter durch den Wald den Aufstieg nach dem Frauenberg unter nahm. Oben auf dem von einer Burgruine gekrönten Berggipfel angelangt, genoß man die prächtige Aussicht und dann ging es auf der andern Seite hinunter, wo einige Wirtshäuser mit geräumigen Gärten zu angenehmen Aufent⸗ halt einluden. Hier fanden sich dann auch noch viele hiesige Buchdrucker mit Familien ein und wurden bei einem guten Glase Bier alte Erinnerungen ausgetauscht und neue Freund⸗ schaft geschlossen. Gegen abend begab man sich nach dem Südbahnhof, von wo aus um 8 Uhr, nachdem schnell noch einige Gläser

eleert, die Gießener mit ihren Damen die ückfahrt nach der Heimat antraten.

Betriebsunfälle. In der hie⸗ sigen Tapetenfabrik geriet am Dienstag ein Arbeiter mit der Hand in eine Maschine, wo⸗

Date ein

eine Frei ab,

Ein däm

Da

Und! Da Und

1

0 Part der a (opt