Nitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 30.

Seite 6. ö. wirt und seiner Schwägerin, als sie dies hörten, vom Unflat entstellt und wüst, weil sie nichts 17 standen vor Entsetzen wirklich die Haare zu mehr auf sich hält. Und sie wird endlich dem Berge, und sie konnten nichts anderes, und] Manne selbst gleichgiltig oder zum Ekel, und 0 vertrauten das Geheimnis nur einigen ihrer] dann kommt der Unfriede ins Haus, sobald Kier des 1 Freunde. die Frau mit Löchern in den Strümpfen geht. 75 2 fl Unterhaltungs-Ceil. Nach wenigen Tagen wußten die Leute in Die Mädchen sprachen:Elsbeth, du hast Feilen der Goldenthal weit mehr, als die Müllerin gesagt wohl Recht. Fubellch d hatte. Da hieß es, der Oswald stünde mit Die junge Schulmeisterin sagte:Als ich* sch 1 dem Fürsten der Hölle im Bündnis, dem habe] den Oswald nahm, dachte ich sogleich darauf, Pebe Ind

8 er mit eigenem Blute seine arme Seele verschrieben. wie ich ihm beständig gefallen könne, denn ich 0 7 Goldmacherdorf Von diesem Augenblick an fürchteten sich] hatte ihn gar lieb. Und ich nahm mir vor, a

Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und[die Leute in Goldenthal vor dem Schulmeister noch mehr auf mich selber zu halten als zuvor Haus. Von Heinrich Zschokke. entsetzlich. Keiner bat ihm i zu leid, und nie vor seinen Augen zu erscheinen als 5 90 aus Angst vor Oswalds Rache und höllischem gewaschen und zierlich, allzeit mit unbeflecktem 10 2

9 Fortsetzung). Bundesgenossen. Sogar der grimmige Oöwen⸗ Gewand. Darum nahm ich sorgfältig mein ut beiin So sprach Oswald. Und beide thaten sich] wirt unterstand sich nicht, ihm oder dem Müller Kleider in Acht; darum muß' es in meinem 135 Nat einander gegenseitig das Gelübde. Und wie etwas in den Weg zu legen. Manche Leute Stall und in Küche und Keller so sauber sein, lech!

0 8 sie den Bund mit einem Kuß besiegelten, stieg] schlugen heimlich ein Kreuz, wenn sie dem] als in einer Stube. Der geringste Fleck i late. lad

vor dem Hause in nächtlicher Stille ein sanfter[ Oswald von ungefähr begegneten. meinem Anzuge mußte sogleich ausgemacht er: da schöner Gesang von vielen Stimmen empor. werden. So blieben meine Kleider wie nen i an i Das waren Oswalds Schüler und Schüler⸗ 11. Elsbeth steht in gutem Ruf. und ich selber blieb darin meinem Manne allt* uml innen im Gesang, die doch auch ihrem Lehrer Wenn aber die jungen Leute des Dorfes] Tage neu. ern Gar

eine Freude machen wollten. Und wie die] der Elsbeth begegneten, die da blühete wie eine Die Mädchen sprachen:Aber Elsbeth ier sie Neuvermählten folgenden Morgens aufgestanden Rose, schlug niemand vor ihr ein Kreuz, sondern die Zeit zerreißt endlich das sauberste Gewand. nan f waren, sahen sie viele Männer, Weiber und jeder nickte ihr den freundlichsten guten Tag; woher ein neues Kleid anschaffen, wenn den cha Kinder in der Ferne zusammengelaufen stehen, und wenn fie vorbei war, blieb wohl mancher Mann kein Geld giebt? A gie, und auf das Haus schauen und darauf zeigen.] gar still stehen und sah ihr nach. Denn Elsbeth Elsbeth anwortete:Ich gebrauche wenige illi Oswald öffnete neugierig das Fenster, und war eine schöne Frau, und sie schien mit Geld zu Kleidern, als andere. Denn ich bessen J unde sah sein ganzes Haus wunderbar mit Blumen- jedem Tage schöner zu werden, daß sich selbst] mit wenigen Nadelstichen das kleinste Loch auß, 1 auge kränzen und Blumenschnüren umhängt und] die Mädchen in Goldenthal darüber wunderten. damit es nicht größer werde. So kostet sunelen umsponnen. Das hatten in der Nacht still][ Dennoch war sie nicht kostbarer gekleidet oder] nichts als Faden und Zwirn. Andere abe te wen und heimlich seine Schüler und Schülerinnen geputzter, als andere Frauen waren: Aber tragen ihr Zeug, bis es alt ist, und lass Alan i gethan. Auch die kleinsten Kinder hatten dazu] man mochte sie sehen Sonntags oder Werktags, daran, was schadhaft ist: dann wird aus einen nete Feld⸗ und Gartenblumen gesammelt. So lange Morgens oder Abends, sie war immer, als kleinen Loch ein großes, und in kurzer 3 guzluichten das Dorf Goldenthal auf Erden war, hatte wollte sie zum Tanz gehen. Sie arbeitete in wird alles in Fetzen, und man muß neue Sertau man dergleichen nicht erlebt, und als Oswald der Sonnenhitze auf dem Felde und im Garten; Gewand kaufen, während ich immerfort meh Auzumach wieder zur Schule ging, kamen am ersten sie ging in den Stall und besorgte Kuh und altes trage und damit viel Geld spare. Hauß

Tage nach seiner Hochzeit alle Kinder, groß] Schwein; trug Gemüse und Eier zum Verkauf frauen, die nicht flicken und nähen können, be

und klein, reich und arm, und hatten sich mit in die Stadt. und dabei war sie allezeit] schwenden großes Geld und gehen doch mn

N Blumensträußen geschmückt, als wäre es ein] sauber und zierlich, und kein Fleck an ihren aus dem Kot gezogen. großer Festtag. Das freute den Oswald und J Kleidern. Als Elsbeth solche Worte redete, wurde Proph seine junge Frau recht iunig; denn das verrietIch glaube beinahe, die kann auch schon die beiden Mädchen rot, und fingen au f doch gute Herzen voll Liebe und Erkeuntlichkeit. hexen! sagte die Löwenwirtin, indem ste eine] weinen und sprachen:Wir haben nicht

Und sie küßten die Kinder, ließen ihnen Kuchen] Prise Schnupftabak nahm, und sich die Nase sauber nähen und flicken, gelernt, wie du. A es 10 backen und teilten allen aus. mit dem Aermel wischte. wird uns viel Schaden im Hause bringen, u Heine aus Im Dorfe aber war viel eitles GeschwätzJa wohl! sagten die jungen Männer wir sehen viel leiden voraus, und wir kön]Hätte

über die Hochzeit, und jeder hatte seine Meinung alle:Die kann es. Wenn Elsbeth nicht es nicht ändern. Und die Mädchen ginge Am pri

darüber. Denn niemand konnte begreifen, daß schon verheiratet wäre, sie würde uns allen die] traurig weg. 5 amtezeitu es dabei mit rechten Dingen zugegangen sein] Herzen aus dem Leibe hexen, so schön ist sie! Darauf erzählte Elsbeth ihrem Manne df Satze solle, sintemal unerhört war, daß der reichste Und die verheirateten Männer im Dorfe Gespräch mit den Freundinnen und sagte!. besorgt,

Müller im Lande seine schöne Tochter und verfuhren gar oft grob mit ihren Weibern, wolle beide nähen und flicken lernen, denn sarüber g 1 a einzige Erbin einem armen Schulmeister zur] und gaben ihnen Schmähworte und Ohrfeigen, erbarme sie, wenn die beiden Mädchen solle on den ö Frau gegeben. Um die Elsbeth würden auch daß sie nicht auch so schön geblieben waren, wie unglücklich werden. ur nicht wohl vornehme Herren aus der Stadt gefreit] die Schulmeisterin. Dann heulten die Weiber Oswald drückte seine gute Frau an mal 90 haben, so schön und reich war sie. Man wollte] und fluchten und schworen und zerkratzten ihren[Herz und sprach:Damit wirst du dir e er judäl daher gerne wissen, warum der Müller einen Männern das Gesicht mit ihren langgewachsenen Segen Gottes verdienen und selber ein egi florpz 0 so einfältigen Streich gemacht habe? Aber] Nägelkrallen. dieses Hauses werden. Nicht nur die held eangegen! der alte Siegfried lachte nur, und die Leute Zwei Mädchen, welche Elsbeths Freundinnen] Mädchen lehre, sondern alle, die von dir ler oon jener brachten von ihm nichts heraus. Auch die] waren und bald Hochzeit machen wollten, kamen wollen. Viele Haushaltungen im Dorfe wen zus Sele alte Müllerin ward von ihren Gevatterinnen] zu Elsbeth und sprachen:Du bist nun seit arm und elend bei aller Arbeit und ssrämpfet sehr geplagt und geueckt mit dem armen, schlechten] Jahr und Tag eine Frau, und bist so hübsch] weil die Weiber nicht die rechte Haushaltung derträum Schulmeister, und daß man einem hergelaufenen wie eine Jungfrau, und alle Männer bewundern kunst verstehen. Sie verstehen nicht, ihre Gänn werde

Kerl eine solche Tochter anhänge. Die Müllerin] dich, und alle Weiber müssen dich beneiden. mit allerlei gesundem Gemüse zu bepflangeg Hei war bei aller Gottesfurcht doch eine stolze] O Elsbeth, sage uns au, wie du das machest? damit sie Abwechslung bei den Speisen hals wi 1 Frau. Daher thaten ihr die verächtlichen Reden] Denn siehe, du weißt es, sobald bei uns eine Wollen sie einmal gut kochen, thun sie M wenn 10 weh, und als sie darüber einst vor Zorn fast] Tochter einen Mann hat, wird sie häßlich und Speck und Fett und Schmalz und Oel J ene ue weinte, sagte sie zur Adlerwirtin heftig:Schweigt] wüst, und die Liebe hört auf. So ist es nicht und kostet viel, und wird doch nichts Rech ficht 5 mit euerm dummen Geschwätz: ihr wisset so] bei dir. sondern ein ungesundes Essen. Die schla ge 0 viel als nichts. Der Oswald könnte wohl Die junge Schulmeisterin antwortete und Nahrung setzt schlechtes Blut ab und böse Si Aug den Adlerwirt und Kreuzwirt auskaufen. Er] sprach:Ich will es euch sagen. Die Weiber[Davon kommen Krankheiten, die kosten 058 dul hat mehr, als man glaubt. Das hab ich mit] haben allein die Schuld. So lange sie Jungfrauen Geld, und mit dem Arbeiten geht es bei king 65 0 meinen leiblichen Augen gesehen. Wenn ich sind, und den jungen Vurschen gefallen wollen, lichen Leuten schlecht. Eben so ist's mie lun 5 N nur reden dürfte, ich könnte euch Dinge sagen, schmücken sie sich, und alles Geld, was sie Kleidern. In den Dörfern sind wohl Mf Tue 4 ihr solltet Maul und Nase aufsperren. So haben und verdienen, stecken sie in neuen Putz. rinnen, aber weil sie mit dem Nähen ihr 1 1 sprach sie und schwieg blötzlich, und war ver⸗] Da sind sie sauber und glatt, daß ihre Stirn verdienen, hüten sie sich wohl, andere anzuwen 5 drießlich, daß sie im Zorn mit etwas heraus glänzt au der Sonne, und ihr Haar ist wie Die nun nicht flicken und nähen können, g bade geplatzt war, das sie verschweigen wollte. Auch gemalt. Haben sie endlich einen Mann, da mit Löchern in Aermeln und Strümpfen Funke 0 erfuhr die Adlerwirtin weiter nichts, und denken sie nicht mehr daran, gefallen zu wollen. so grob geflickt, daß das Geflickte ärger daft aun

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mußte noch dazu versprechen, es keinem wieder Da gehen sie des Morgens lange umher mit als das Zerrissene. Immer muß bald wie zu sagen. Stroh und Bettfedern im ungekämmten Haar; Neues angeschaft werden, das kostet viel G

Die Adlerwirtin sagte es auch niemanden, vergessen, sich jedesmol zu waschen, wenn sie] kund macht arm. Es ist wohl himmelschtels die an als ihrer Schwester und ihrem Manne, die] unrein werden, und denken, wenn sie recht] daß nicht in jedem Dorfe wenigstens eine hi Herr af vorher geloben mußten, das Geheimnis bet sich] wüst kommen, das stehe einer Frau gut, und! verständige Frau ist, eine Pfarrin oder O itz af zu behalten. Aber sie erklärten die Reden der] man sehe ihr an, daß sie viel hantiere. Dann hälterin des Pfarres, eine Amtmannsfrau 90 Müllerin so, als habe diese mit leiblichen, Augen] muß gespart werden; der Mann braucht Geld, eine Müllerin, oder Eine, die das Kochen] de 0 ganze Haufen Goldes und Silber bei Oswald und man kaun es nicht mehr, wie als Tochter, Gärtnern, das Nähen und Flicken versteht c gesehen; und Oswald könne, wenn er wolle, in allerlei Putzkram stecken. Das Gewand unentgeltlich die Bauerntöchter untern. lf das ganze Dorf kaufen; und es gingen im wird alt und beschmiert und schadhaft; das] Das würde viel Geld und Wohlstand im Site Hause Oswalds manchmal Dinge vor, daß, Ausbessern kostet viel Geld, und Selbermachen behalten, und viele frohe, glückliche Jon Si wenn man sie sagen dürfe, den Leuten die] hat keine gelernt. So gewöhnt man sich an machen. Elsbeth, geh', verdiene dir einen ge S9 fa Haare zu Berge stehen würden. Dem Abler⸗ Lumperei und Sudelei, und die Frau wird Gotteslohn. al