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Nr. 43.
Mitteldeutschs Sountags⸗Zeilung.
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enommenen Stichproben wurde polizeilich bestäkt t, daß 47 in den Listen Aufgeführte bereits längst verstorben, 270 polizeilich überhaupt nicht gemeldet und 316 Per⸗ sonen entweder in andere Bezirke abgemeldet oder von Wien verzogen waren, was vor⸗ läufig zusammen 633 Personen ergiebt. Weiter ist hervorzuheben, daß eine große Zahl 1 5 Wähler in der Liste unter einer alschen Adresse angeführt erscheint, so daß sie in Folge dessen keine Wahllegitimation er⸗ halten würden und auch ihr Wahlrecht nicht ausüben könnten. Bei dem fortschrittlichen Wahlkomitee meldeten sich bereits über 500 Personen, die nicht in der Liste standen und auf ihre Reklamation hin aufgenommen werden mußten.— Der Statthalter sicherte eine genaue Prüfung der Liste zu. Mit solchen elenden Betrügereien arbeiten die Herren Antise⸗ miten, wo sie in der Macht sind. Und ihre deutschen Gesinnungsbrüder, die Zimmermann, Hirschel ꝛc., die in Lueger und sesnem Anhang jeder Zeit ihre Vorbilder, denen sie nacheifern müssen, erblicken, werden jene Wiener Praktiken gewiß beifällig gutheißen, denn auch bei ihnen gilt 5700 jesuitische Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel.
22 Millionen Kronen Jahresgehalt
— das sind 18,7 Millionen Mark— will der österreichische Kaiser haben, sein bisheriges von 18 Mill. ist ihm zu klein. Bei den teuren Lebensmittelpreisen finden wir diesen Wunsch um Aufbesserung begreiflich. Die beiden Mini⸗ sterien von Cis⸗ und Trausleithanien beeilen sich natürlich, die Notwendigkeit der Aufbesse⸗ rung begreiflich zu machen. Man kann in diesen Streikzeiten nie wissen, was passiert. Eines Morgens wachen die österreichischen Völker auf und sehen sich mit Entsetzen vor einem Kaiser⸗ streik. Dieses Unglück zu verhindern, kommt es auf die Bagatelle von vier Millionen pro anno wahrhaftig nicht an. Auch nicht darauf, daß zu diesem ungeheurem Gehalt Tausende mit beitragen müssen, die nicht im Stande sind, ihren Hunger zu stillen.
Betrügerischer Pfaffe.
Bei der St. Wenzels⸗Vorschußkasse zu Prag wurden nach dem Tode eines ihrer höheren Beamten bedeutende Unterschlagungen entdeckt, was zur Folge hatte, daß der Präsident der Vorschußkasse, Drozd, und der Buchhalter Kohoft von ihren Aemtern suspendiert wurden. Die Erhebungen ergaben noch andere Fehl— beträge. Der 1 Präsident wurde nach dem Verhöre in Haft behalten. Später wurden der Oberbuchhalter Hartwig und der Buchhalter Hueber verhaftet. Die Höhe der defraudierten Summe beträgt nach den angestellten Unter⸗ suchungen über drei Millionen Kronen. Der Beginn der Dae enen reicht 20 Jahre zurück. Durch Aufstellung falscher Bilanzen und infolge mangelhafter Kontrolle war es möglich, daß die Defraudattonen bis jetzt unentdeckt blieben.— Der Verhaftete Drozd war früher Religionsprofessor und besitzt den Titel eines fürstbischöflichen Notars. Bei der Untersuchung ergab 15 daß der 65 jährige Geistliche große Verluste im Börsen⸗ spiel gehabt hat, er soll durch Vertrag sein Vermögen seiner Wirtschafterin und deren Sohne(ö) zugewendet be lb Bel der Eröffnung wurden skandalöse Privatbriefe ge⸗ funden. Drozd war auch Mitglied des katholisch⸗ politischen Vereins Böhmens.
Aus Frankreich.
Vorige Woche trat die französische Kammer wieder zusammen. Die Sozialisten brachten sofort eine Interpellation über den Bergarbeiter⸗ ausstand ein. Bei der Beratung derselben betonte Deputierter Basly, der Führer der Bergarbeiter, den Ausstand hätten lediglich die Gesellschaften hervorgerufen, die niemals die Freiheit der Arbeiterverbände anerkannten, die Löhne kürzten und Verhandlungen ablehnten. Die Re 1 den Arbeitern Gerechtigkeit verschaffen. Der Staat habe das Recht, die Kohlengruben selber zu übernehmen, wenn die
e nicht ihrer Verpflichtung gemäß den Betrieb aufrecht erhielten. Selle bean⸗ tragt die Bewilligung einer Unterstützung von zwei Millionen für die Ausstänbdigen. Die e wurde vertagt.
Klosterskandale scheußlicher Art deckte das Pariser Blatt„Aurore“ auf. Es handelt sich um eine geistliche Erziehungsanstalt in Tours, wo die dort untergebrachten Kin⸗ der in raffinirtester Weise gepeinigt wurden. Die Sache dürfte ebenfalls in der Kammer zur Sprache kommen.
Ende des amerikanischen Bergarbeiter⸗ streiks.
Der monatelange Riesenkampf der amerika⸗ nischen Bergleute ist nunmehr zu Ende. Nach⸗ dem sich die Grubenbesitzer auf Drängen Mit⸗ chells, des Führers der Arbeiter, damit ein⸗ verstanden erklärt hatten, daß das Schiedsgericht ein Mitglied der Arbeiterunion aufweisen solle, empfahl Mitchell die vorläufige Wiederaufnahme der Arbeit. Die Entscheidung war dem außer— ordentlichen Bergarbeiterkongresse überlassen, der am Montag zusammentrat und 650 Delegierte zählte. Dort trat Mitchell ebenfalls für die Annahme des Unternehmer⸗Vorschlages auf Einsetzung des Schiedsgerichtes ein, der den Arbeitern größere Gerechtigkeit sichere, als durch Fortsetzung des Ausstandes erreicht werden könne. Eine starke Gruppe will, daß die Zechenbesitzer gehalten sein sollen, jeden Streiker wieder anzustellen, andernfalls der Streik fort⸗ 975. werden soll. Dem gegenüber erklärte Mitchell, daß jeder Streiker, der nicht seinen Platz wieder erhalte, von der Union unterstützt werde. Darauf wurde der Beschluß, am Donnerstag die Arbeit wieder aufzu— nehmen, einstimmig angenommen.
Das Ende des Ausstandes wird im ganzen Kohlendistrikt festlich begangen.— Präsident Roosevelt berief das Schiedsgericht zusammen.
Ungeheuere Opfer hat der Streik gekostet. Der den Arbeitern entgangene Verdienst beträgt nach mäßiger Schätzung, mit Zugrundelegung der Verhältnisse vor dem Streik, eine Summe von 10 bis 12 Millionen Dollars. Demgegen— über steht alsdann die Thatsache, daß wenigstens ein Bruchteil der Streiker in Feld⸗ und Garten⸗ arbeit Verwendung für ihre Arbeitskraft fanden, daß ein anderer Teil Beschäftigung im Weich— kohlengebiete erhielt. Die finanziellen Opfer der Streiker sind jedenfalls sehr groß, indes kaum so riesig, als die gegnerische Presse sie aus sensationellen und noch gemeineren Motiven darzustellen beliebt, um die Arbeiter als ver— blendete Thoren erscheinen zu lassen. Die finanziellen Verluste der Ausständigen sind mindestens teilweise gemildert durch die Hilfe, welche ihnen aus den Kreisen ihrer Brüder und Freunde stetig zufließt. Dagegen ist der moralische Gewinn der Bergleute sehr hoch an⸗ zuschlagen. Der von den Grubenbesitzern mut— willig heraufbeschworene Kampf zur Vernichtung der Bergarbeiter⸗Organisation hat die organi— sterten Arbeiter des ganzen Landes wie ein Trompetensignal unter die Fahne gerufen. Sie begriffen, daß es sich um ihre Zukunft, um ihre Existenz handelte. Jetzt gilt's diesen Sieg im Interesse der Arbeiter zu nützen, seine Früchte zu sichern.
Die hessischen Landtagswahlen.
Obwohl uns nur noch wenige Tage von dem Wahltermin trennen, haben wir auch jetzt noch nur in einzelnen Wahlkreisen einen leb⸗ feen Wahlkampf zu verzeichnen. Das be⸗ stehende Wahlrecht verhindert einen solchen; es hat den großen Teil der Wähler in Bezug auf die Landtagsfragen abgestumpft. Es muß die Hauptaufgabe des hessischen Volkes sein, die offenen und versteckten Feinde des direkten Wahlrechts aus dem Landtage hinauszuwerfeu. Im Volke verlangt man auch das direkte Wahl⸗ recht ganz allgemein; man weiß auch, daß man die Beibehaltung des indirekten den Abgeord⸗ neten zu verdanken hat, die ihr Mandat ge⸗ fährdet sehen und sich deshalb hinter Kautelen verkrochen, um nur nicht ihre Feindschaft gegen
ein gerechtes Wahlsystem eingestehen zu müssen. Unsere Partei wird daher überall, wo wir eigene Kandidaten nicht aufstellen können, die⸗ jenigen unterstützen, die sich unbedingt für das direkte Wahlrecht erklären. Allerdings kann man sich dabei nur auf wenige verlassen. Für ein wirklich freies Wahlrecht ist keine bürger⸗ liche Partei zu haben. Was die Aussichten unserer Partei betrifft, so scheint die Wieder⸗ wahl der Genossen David und Haas in Mainz gesichert. 85 tobt dagegen der Kampf in Offenbach Stadt und Land. Hoffentlich ge⸗ lingt es unseren dortigen, tüchtig arbeitenden Genossen, den Sieg an unsere Fahne zu fesseln. Im Grünberger Kreise hätte ein frei⸗ sinniger Kandidat wohl Aussicht gehabt, wenn ein solcher aufgestellt wäre. Denn für Hirschel ist sogar anch in manchen antisemitischen Dör⸗ fern keine Sympathie vorhanden. Der rückstän⸗ dige Phrasendrescher würde dem Landtag kei⸗ neswegs zur Zierde gereichen; von der Sorte sind ohnehin noch genügend darin verblieben. *
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Mit den Landtagswahlen befaßte sich auch vorige Woche ein in dem„Gieß. Anz.“ er⸗ schienener, mit„Wolfhart“ unterzeichneter Ar— tikel. Was da für tolles Zeug über unsere Partei zusammengeschwefelt wird, davon geben wir unten zur Erheiterung unserer Genossen ein Beispiel. Am Schluß fordert er zwar auf, „mit eisernen Besen“ die Feinde des direkten Wahlrechts auszukehren. Auskehr, gut. Wie denkt sie sich der Mann? Er proklamiert die — Sammelpolitik, den bürgerlichen Mischmasch zur Verdrängung der zuverlässigsten Wahlrechtsanhänger, der Sozialdemokraten. Das Verhalten der bürgerlichen Parteien im letzten Landtage hat er offenbar vergessen. Dabei leistet er sich folgende alberne Ausfälle auf unsere Partei:
„Die große Masse der Parteiangehörigen besteht zum Teil aus Mitläufern, zum Teil aus solchen, die von dem Parteiprogramm kaum eine Ahnung haben und zum kleinsten Teil aus wirklich überzeugten Sozia⸗ listen. Ueber allem aber schwebt Singers Geist. Die Sozialdemokratie wird vom Instinkte der Massen getragen. Was sie nicht den Dummheiten der Gegner verdankt, schuldet sie dem Schlagwort„Brotwucher“ und „Fleischwucher“, das zieht, was braucht's da Argumente! Darum will die Sozialdemokratie unter allen Umständen den Zolltarif zur Wahlkampfparole machen. Sie betrachtet alles zuerst im Partei⸗, nicht im Arbeiterinteresse. Und wie Bebel einst im Reichstag die sogenannte Zuchthausvorlage, bei deren Al lehnung fast die Hälste der Sozialdemokratie fehlte, als Agita⸗ tionsmittel ersten Ranges bezeichnete, so wird auch jetzt der Schutzzoll der agttatorischen Wirkung halber bekämpft. Man spricht zwar wenig davon, daß der neue Zolltarif im wesentlichen industriealistisch ist, ergießt aber seinen hellen Zorn über die Agrarier.„Brotwucher“,„Fleisch⸗ wucher“— Schlagworte tragen die Partei, die in die „Abendröte der bürgerlichen Welt“ hineinschreitet. Ach, und wie leicht wäre sie zu besiegen. Es könnten bei nur teilweiser Einigkeit der Bourgeoisie der Sozialdemo⸗ kratie drei Dutzend Reichstagsmandate entrissen werden. Es wird nicht geschehen. Wir sind noch nicht so weit.“
Kommt auch niemals so weit! Selbst bei vollkommener Einigkeit des Bürgertums wird es ihm nicht gelingen, unsern Besitzstand erheblich zu schmälern. Offenbar weiß der Schreiber des Anzeiger-Artikels nicht, daß weit über zwei Drittel unserer Abgeordneten im ersten Wahlgange gewählt sind; und in vielen Wahlkreisen dürfte der bürgerliche Mischmasch dasselbe Schicksal wie 1898 der Frankfurter erleben. Also wir haben gar nichts gegen die „Einigkeit“ des Bürgertums!— Was aber sonst noch in den obigen Zeilen gesagt wird, ist doch geradezu haarsträubender Blödsinn. Es gehört wahrhaftig eine gehörige Portion Unverstand dazu, zu behaupten, wir hätten gegen die Zölle nur Schlagworte und keine Argumente. Derartiges sagt und schreibt, wer sich durch die Zölle auf Kosten des armen Volkes bereichern und deshalb die öffentliche Meinung irre führen will; andernfalls kann es nur ein politischer Kindskopf thun. Was also die Agrarier für die Wucherzölle vorbringen, sind triftige„Argumente“, was aber von den Zollgegnern, zu denen bekanntlich außer den Sozialdemokraten auch noch andere Parteien gehören, vorbringen, sind„Schlagworte“! Welch' unergründliche Weisheit!
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