Ausgabe 
23.3.1902
 
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Nr. 12.

Witteldeuische Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

für verantwortlich, finde es aber eigentümlich, daß Herrn Singer in einem Geschäft thätig war, von dem das Gericht am 9. Juni 1888 folgen⸗ dermaßen urteilt: 18 90

Die von der Firma Singer Abhängigen waren für sie eben eigentlich weiter nichts als Arbeitsmaschinen, die für die Firma ausgenutzt wurden, soweit sie nach den Verhältnissen sich ausnutzen lassen mußten; daß sie im übrigen auch Menschen waren, kümmerte die Firma wenig.

An die Verlesung dieser Stelle habe ich nur die Bemerkung geknüpft, daß unter solchen Ver⸗ hältnissen denn Singer war, als jene Aeuße⸗ rung fiel, noch Mitbesitzer der Firma die sozialdemokratische Partei, deren Hauptführer Singer ist, kein Recht habe, andere der Aus⸗ beutung wegen Vorwürfe zu machen.

Dr. Georg Burckhardt.

Dazu muß uns Herr Burckhardt schon einige Bemerkungen gestatten. Die Verstcherung, er habe Singer keinen Vorwurf machen wollen, meint er doch wohl nicht ernst. Denn wes⸗ halb sonst bringt er und seine Freunde die Sache fast in jeder Versammlung vor? Thatsache ist ferner, daß Singer, der damals von Berlin ausgewiesen und in Dresden aufhältlich war, gar keinen Einflluß auf das Geschäft ausübte, auch nicht darin thätig war. Was will aber Herr Burckhardt mit dem Urteil beweisen? An- genommen, es ist richtig zitiert, was wir im Augenblick nicht nachprüfen können, so ist doch zunächst für jeden Vorurteilsfreien klar, daß das bürgerliche Gericht mit Vergnügen die Gelegenheit wahrnahm, dem verhaßten Sozialdemokraten eins auszuwischen. Was da aber ferner über die Arbeitsverhältnisse gesagt wird, läßt sich ohne Weiteres auf jedes kapitalistisch e Geschäft anwenden. Werden etwa die Arbeiter vonchristlichen Unternehmern als etwas anderes als Arbeits⸗ maschinen angesehen? Die Kapitalisten sind Ausnahmen, welche die Menschenwürde ihres Arbeitspersonals achten. Wir sind sicher, daß Singer, soweit es an ihm lag, für ordent⸗ liche Arbeitsverhältnisse und anständige Behand⸗ lung der Arbeiter stets gesorgt hat. Wir müssen das, was wir in letzter Nr. gesagt, voll auf⸗

recht erhalten. Uebrigens weiß die Sozial de⸗ mokratie sehr genau, wem sie ihr Vertrauen schenkt, sie braucht darüber die Belehrung der Gegner nicht. Singer hat nicht nur für die Arbeitersache ganz bedeutende Opfer gebracht, und bringt sie noch, er steht auch als Ehren⸗ mann in jeder Beziehung da und wird als solcher von Freund und Gegner(anständigen!) geachtet. Mögen die Christlich⸗Sozialen vor ihrer eigenen Thüre kehren, sie haben da mehr Arbeit, als ste leisten können. Siehe Hammer⸗ stein und viele andere.

Recht wenig christlich verfuhr der Herr Pastor Lehr in Löhnberg, derselbe, der neulich die Sozialdemokatie so gründlichver⸗ nichtete mit den Kindern in der Kleinkinder⸗ schule. Wie aus Löhnberg geschrieben wird, hat der Seelenhirte damals es ist schon einige Jahre her bei den 23 jährigen Kin⸗ derchen mit Prügeln nicht gespart. Ein da⸗ mals Z jähriges Kind bekam eine so kräftige Ohrfeige, daß es mehrere Tage auf dem einen Ohr nicht hören konnte und die Spuren des Schlages einige Tage lang sichtbar waren. Ferner wird in der Zuschrift bemerkt, daß verschiedentliche Einmischung des Pastors in das Familienleben der Einwohner höchst unangenehm empfunden wurde.

Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.

St. Unsere diesjhrige Märzfeier fand am Samstag abend unter starker Beteili⸗ gung im Jesberg'schen Lokale statt. Der Ver⸗ trauensmann widmete zunächst dem kürzlich in Gießen verstorbenen braven Gen. Fr. Schäfer einen warmen Nachruf und ehrte die Versamm⸗ lung das Andenken des Verblichenen durch Er⸗ heben von den Sitzen. Der Arbeiter⸗Gesang⸗ vereinEintracht leitete dann die Feier durch den Vortrag zweier passender Lieder ein. Die Festrede hielt Gen. Stadtv. Krumm ⸗Gießen. Redner schilderte in fesselnder Weise die Vor⸗ gänge destollen Jahres 1848, indem er hauptsächlich die Ursachen, welche das Volk zu den Waffen greifen ließ und welche ca. 50 Jahre weiter zurück liegen, klar darlegte. Auf die interessanten Ausführungen des Redners hier näher einzugehen, gestattet uns leider der

Raum unseres Blattes nicht und dürfte die Geschichte der 1848er Revolution wohl auch ge⸗ nügend bekannt sein. Mit der Aufforderung, den Kampf gegen das übermütige Junkertum, das uns neuerdings wieder durch die beabsich⸗ sichtigte Lebensmittelverteuerung bedrohe, kräf⸗ tig weiterzuführen und durch die Abgabe des rechten Stimmzettels bei der nächstjährigen Reichstagswahl dem Junkertum womöglich die Herrschaft zu entreißen, wodurch wir am besten das Andenken der März⸗Gefallenen ehren würden, schloß Gen. Krumm seine mit lebhaftem Bei⸗ fall aufgenommene Rede. Der Gesangverein gab der schön verlaufenen Feier durch den Vor⸗ trag von zwei weiteren recht gut zu Gehör ge⸗ brachten Liedern unter Leitung seines bewährten Dirigenten Herrn Pauli jun., einen würdigen Abschluß.

Die Bündlerversammlung im Saal⸗ bau am vorigen Donnerstag nachmittag, die von ungefähr 350 Personen besucht war, nahm, wie zu erwarten war, einen recht stürmischen Verlauf. Die Berufung des Reichstagsabg. Rösicke als Redner war natürlich nur ein Lockmittel; derselbe hätte, wie der Vorsttzende bekannt gab, wegen des Todes eines Onkels leider abgesagt. Dafür war ein Angestellter des Bundes, Namens Bley erschienen, welcher sich, wie dieHessische Landesztg. schreibt, in Schimpfereien gegen die Zolltarifgegner erging und letzteren zu verteidigen suchte. In der Dis⸗ kussion widerlegte in treffender Weise der natio⸗ nalsoziale Redner v Gerlach die Ausführungen Bley's und wies die persönlichen Angriffe gegen ihn zurück. Nicht weniger als 7 Redner ver⸗ suchten es darauf, den gewandten Gegner mundtot zu machen, was ihnen aber nicht gelingen wollte, denn viele der Anwesenden, meistens geringere Bauern, spendeten Herrn v. Gerlach Beifall. Natürlich ließen die Bundesredner namentlich auch an der Sozialdemokratie kein gutes Haar; was uns aber weiter nicht bekümmern kann.

Diesen notleidenden Agrariern ist der Zoll⸗ satz von 7.50 Mk. für Getreide noch viel zu gering, sie verlangten noch weit höhere Zölle. Schließlich gelangte eine Resolution(wobei nur die anwesenden Bündler abstimmen durften) zur

Kleine Mitteilungen.

* Auffällige Naturerscheinung. Aus Nidda wird berichtet, daß dort am Montag eine Art Erdbeben, ein mehrere Sekunden anhaltendes unterirdisches Rollen be⸗ merkt wurde; stellenweise klirrten die Fenster. Kurz darauf erhob sich ein kurze Zeit währen⸗ der heftiger Sturm.

Buben veich oder Racheakt. Sonntag Abend wurde in Mülheim a. M. eine Art Attentat verübt. In das Zimmer eines Straßenwärters, worin dieser mit seiner Frau schlief wurde ein mit Pulver gefülltes und mittels Zündschnur zur Explosion gebrachtes Stück Gasrohr geworfen. Die Exploston richtete großen Schaden an, die beiden Eheleute wurden aber nicht verletzt.

Aus dem Kasseler Trebersumpf. In Kassel wurde der Kaufmann und Agent Christian Schäfer, der durch jahrelange scham⸗ lose Erpressungen dem Aufsichtsrat Schlegel von der Trebertrocknungs⸗Gesellschaft, dessen Vorbestrafung ihm bekannt geworden war ins⸗ gesamt 15000 Mark abgenommen hatte, zu neun Monate Gefängnis und zweijährigen Ehr⸗ verlust verurteilt. Die sofortige Verhaftung wurde verfügt. Der in Untersuchungshaft befindliche Direktor Schmidt hat vor dem Untersuchungsrichter eingestanden, daß sämtliche Tochtergesellschaften der Trebergesellschaft von Anfang an mit Verlust gearbeitet haben. Sämtliche Gründungen erfolgten auf Veran⸗ lassung der Leipziger Bank, von welcher die Trebergesellschaft insgesamt 120 Millionen Mk. erhalten habe.

* Wieder Einer. Der Kassierer des Kredit⸗ und Sparvereins in Hermsdorf(S. Altenburg) wurde auf Antrag der Staatsan⸗ waltschaft wegen grober Wechselfälschungen und Unterschlagungen 2c. verhaftet. Die Verhaftung erregt großes Aufsehen. Die Höhe der Wechsel⸗ soll sehr bedeutend sein. Im ltenburgischen sind in letzter Zeit mehrere

Banken und gewerbliche Unternehmungen wegen Betrügereien ihrer Leiter oder Angestellten zusammengebrochen. Das Altenburger Ländchen ist durch diese Schwindeleien empfindlich mit⸗ genommen worden.

** Zum Krosigk⸗Prozeß wird mitgeteilt, der eine Angeklagte Sergeant Hickel sei dauernd Ganzinva⸗ lide mit dem Zivilversorgungsschein und einer monatlichen Pension von 15 M. aus dem Militärverhältnis entlassen worden. Die neue Verhandlung, die im April statt⸗ finden wird, soll mindestens fünf bis sechs Tage in Anspruch nehmen, da zu derselben weit über hundert Zeugen geladen werden.

Arbeiterbewegung.

Der Abwehrstreik der Schreiner und Lackierer in Isen burg dauert noch fort, die Zahl der Ausständigen hat sich sogar vermehrt, da in zwei weiteren Geschäften die Arbeit eingestellt, in denen vom 1. März ab Lohnkürzungen vorgenommen wurden. Es sind jetzt 52 verheiratete und 30 ledige Kollegen ausständig. Um Fernhaltung des Zuzugs wird ersucht.

F Wohlthäter Krupp. Auf die Be⸗ schwerde, welche kürzlich eine Versammlung Krupp'scher Arbeiter wegen der Arbeitsordnung an ihn richtete, hat Herr Krupp, der auf der sonnigen Insel Capri weilt, ablehnend geantwortet. Es heißt in dem Antwortschreiben:

.... Die Anordnung, daß die Arbeiter

während der Mittagspause auf dem Werk bleiben müssen, ist zur Erzielung guter Betriebsergebnisse notwen⸗ dig und liegt deshalb auch mit im Interesse der Arbeiter...

Damit also gute Betriebsergebnisse erzielt werden die Arbeiter haben in der Regel sehr wenig davon müssen ein Teil der Arbeiter auf ordentliche Mittagspause ver⸗ zichten! Der Arbeiter bekommt eben nur bessere

Arbeitsbedingungen, wenn er sie sich selbst er⸗ kämpft.

Partei Nachrichten. Schwere Strafe.

Sieben Monate Gefängnis erhielt der frühere verantwortliche Redakteur unseres Kasseler Parteiorgans, Genosse Carl Thiel und zwar wegen Beleidigung des Pfarrers Führer und der Oberin des Krankenhauses zum Roten Kreuz. Obgleich die Namen des Pfarrers und der Oberin in den Artikeln nicht genannt waren, heißt es in dem Urteil, seien sie doch so kenntlich gemacht, daß Niemand anders gemeint sein konnte, Es seien beiden arge Verfehlungen und unlautere Be⸗ ziehungen vorgeworfen worden. Der vom Angeklagten versuchte Wahrheitsbeweis sei vollkommen mißglückt.

Versammlungskalender. Samstag, den 22. März.

Gießen. Holzarbeiter. Versammlung, abends 1/9 Uhr bei Löb. Delegiertenstichwahl. Metall⸗ arbeiter. Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig.

Heuchelheim. Arb. Bild.⸗Ver. Abends 8 Uhr Versammlung bei B. Keil.

Sonntag, den 23. März.

Gießen. Allg. Kranken- und Sterbekasse d. Metallarbeiter. Nachmittags von 25 Uhr Stichwahl imKühlen Grund, Neuen Bäue.

Marburg. Oeffentl. Metallarb.⸗Versamm⸗

lung. Nachm. Uhr bei Jesberg.

Montag, den 24. März. Schneiderverband. Abends 9 Uhr bei Versammlung.

Letzte Nachrichten.

Wahl in Breslau. Bei der Ersatzwahl am Donnerstag erhielten Bernstein(soz.) 14 700, Heilberg (freis. Volkspartei) 6428, Bellerode konservativ⸗klerikaler Kompromißkandidat) 4474, Mosch(Antisemit) 323 Stimmen. Im Ganzen war also die Wahlbeteiligung schwächer als bei den Hauptwahlen von 1898; damals erhielten die gesamten Gegner 11225, die Sozlaldemo⸗ kratie 14896 Stimmen.

In Nürnberg wurde bei der Landtagsersatzwahl Genosse Merkel mit 141 von 217 Stimmen gewählt.

Hierzu eine Beilage.

Gießen. Orbig.

Ausgabe nächster Nummer Donnerstag.