Ausgabe 
21.12.1902
 
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immer schon Krupp

9s zu lügen. Aten wurde, Wider⸗

Nr. 51.

Mitteldeulsche Sonntogs⸗Heiteung.

Seite 5.

bedeutend vergrößert wurde. Selbstverständlich sind da⸗ bei auch wieder nicht geringe Abschreibungen vorgesehen. Wie man sieht, machen also die Aktionäre ihre Geschäfte, während die Arbeiter unter ewiger Lohndrückerei zu lelden haben.

h. Die Annahme des Zolltarifs begrüßte auch das Wetzlarer Amtsblatt mit Jubel und schimpft dabei wie ein Rohrspatz auf unsere Parteigenossen, die verhindern wollte, daß dem arbeitenden Volke von der Junkersippe die Taschen ausgeplündert werden. Ueber⸗ flüssig zu sageu, das der biedere Anzeiger auch mit dem allem Recht ins Gesicht schlagende Vorgehen der Mehr⸗ heitsparteien vollständig einverstanden ist. Er muß es ja, denn er vertritt die Interessen der Beutepolitiker, druckt mit Behagen jeden die Arbeiterklasse beschimpfen⸗ den Schweinburg⸗Artikel nach. Fast in jeder Nummer bringt das Landratsblatt Notizen über die in ver⸗ schiedenen Industriebezirken herrschende Arbeitslosigkeit und den dadurch hervorgerufenen Notstand, bejubelt aber dabei die Verteuerung der notwendigsten Lebensmittel! Das nennt sich Christentum.

* Doktor Burckhardt, der Christlich⸗ soziale Parteisekretär, kritisiert in dem in Siegen erscheinenden StöckerblatteVolk, das von unsern Genossen im fünften nassauischen Wahl⸗ kreise verbreitete Flugblatt. Er giebt sich red⸗ lich Mühe, durch alle möglichen Verdrehungen dessen Inhalt zu widerlegen, er wird aber da⸗ mit bei den Westerwälder Kleinbauern keine Gegenliebe finden. Welcher Art die Waffen sind, die der Herr Doktor dabei anwendet, geht aus folgenden Sätzen hervor:

Einen der hervorragendsten Wohl thäter der Arbeiter, Krupp, haben ste*) in ein frühes Grab durch gemeine Ver⸗ leumdungen gebracht, und im Reichstag haben sie sich als Gassenbuben aufgeführt und thun es noch. Ein anständiger Arbeiter kehrt dieser Partei doch wohl nun den Rücken, sie hat sich selbst gerichtet.

Dieser Glanzleistung des frommen Christen halte man den für unsere Gegner kläglichen Verlauf der Krupp⸗Affaire gegenüber! Christlich⸗ sozial ist nicht blos Unsinn, wie jemand gesagt hat, sondern weit Schlimmeres.

Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.

St. Eine öffentliche Parteiversammlung findet diesen Sonntag, den 21. Dez., abends 9 Uhr im Jesberg'schen Lokale statt, in welcher unser Genosse Stadtverordneter Krumm⸗Gießen über:Die Vorgänge im Reichstage und die Hetze gegen die sozialdemokratische Partei referiren wird. Bei dem großen Interesse, welches jeder denkende Arbeiter den jüngsten Ereignissen im deutschen Parlament entgegenbringt, darf ein zahl⸗ reicher Besuch wohl erwartet werden. Die Annahme des Hungergesetzes macht es allen Arbeitern zur Pflicht, Protest gegen die Vergewaltigung durch die Junkerparteien einzulegen. Ist auch das Lokal nicht allzu geräumig (ein Saal steht uns bekanntlich hier nicht zur Verfügung), so sollte dieser Umstand doch niemand abhalten und deshalb muß für uns Alle am nächsten Sonntag Abend die Parole lauten:Auf, zu Jesberg, in die Versamm⸗ lung! f

Der Konsum verein Marburg hielt am Samstag Abend bei Jesberg seine diesjährige ordl. Generalversammlung ab, in welcher der Geschäftsführer den Jahresbericht erstattete. Seit Eröffnung der Ver⸗ kaufesstelle, am 1. Mai d, Js. hat der Verein ganz schöne Resultate zu verzeichnen. Trotz der großen Aus⸗ gaben für die Ladeneinrichtung und der üblichen Ab⸗ schreibungen usw. kommt dennoch eine Dividende von 4 Proz. zur Verteilung an die Mitglieder, worüber diese ihrer Befriedigung Ausdruck gaben.. Nachdem noch die Wahl von drei Mitgliedern des Aufsichtsrates, darunter auch eines aus Ockershausen., vollzogen, war, fand noch eine rege Disikussion über viele den Verein berührende Fragen statt. 3 5

Aufruhr angehender Staatsstützen. Fürchterlichen Skandal verübten in der Nacht vom Sonn⸗ tag zum Montag die Marburger Studenten. Gegen 12 Uhr nachts erschtenen sie wie auf Verabredung in der Zahl von 5-600 auf dem Markwlatze, wo sie mehrere Stunden laug sangen, schrien und lärmten, sodaß es den wenigen Polizeibeamten unmöglich 51 Ruhe zu stiften. Ursache zu dem Krakehl 170 15 Arretirung mehrerer Studenten sein, denen man 115 Handschellen angeletzt habe. Die Sache wird woh 9 gerichtliches Nachspiel haben. In einer Sitzung de Studentenausschusses wurde beschlossen, gegen die 5 letzter Zelt sich häufenden Uebergriffe einzelner 1 7 leute gegen Studenten bei Rektor und Senat 170 den städt, Behörden Protest und Beschwerde einzulegen.

) Die Sozialdemokraten. ö

Wenn die Studenten gegen die Polizei⸗Uebergriffe pro⸗ testiren, so läßt sich dagegen nichts sagen. Was würde aber wohl Arbeitern passirt sein, die derartigen Aufruhr in Szene setzten?

Die Nationalsozialen hielten am vorigen Samstag abend hier eine zahlreich besuchte Protestver⸗ sammlung gegen die Vorgänge im Reichstag, mit Herrn v. Gerlach als Referenten ab, welche auch von einer größeren Anzahl unserer Parteigenossen besucht war. Eine Resolution, welche die Entrüstung der Versammlung über das Vorgehen der Reichstagsmehrheit zum Aus⸗ druck bringt, sowie ein Tadelsvotum für ehemaligen hessischen Bauernkönig Böckel, Abgeordneten für Mar⸗ burg, in sich schließt, gelangte zur Annahme. In der Diskussion ergriff ein Parteigenosse das Wort, der auf den Widerspruch hinwies, den die Nationalsozialen in der Heeresfrage einnehmen, indem sie sich für das von Junkern geleitete Heer, das die Interessen der herr⸗ schenden Klasse schütze, und zugleich für die Arbeiter begeisterten. Im Schlußwort suchte der Referent diese Ausführungen zu widerlegen.

Antisemitische Dichtkunst.

Ein gottbegnadeter Dichter ist dem Anti⸗ semitismus in Queckborn erstanden. Von Zeit zu Zeit lagert er seine Produkte in Hir⸗ schels Organ in Offenbach ab. In einer alten Nummer desselben stießen wir zufällig auf ein solches, worin der Bauer folgendermaßen an⸗ gedichtet wird:

Wenn Du wollst, Du könntest regieren,

Du Freier der Luft, des Lichts. Wenn Du wollst, wenn Du wollst, Du ständest Am Ministertisch und erfändest Gesetze, doch Du willst ja Nichts. Hm, Gesetzeerfinden ist ja nicht schlecht; bisher taugten die antisemitischen Erfindungen verteufelt wenig. Der Mann kann sich aber noch zu einem dichterischen Genie entwickeln. Vielleicht entschließt er sich nochmal Dreschgraf Pücklers Reden in Verse zu bringen! Wir möchten ihm dabei raten, sich den Juden Heinrich Heine zum Muster zu nehmen: Weil ich ein Esel, so rat ich Euch, Den Esel zum König zu wählen; Wir stiften das große Eselreich, Wo nur die Esel befehlen!

Die Wohlfahrtssirma Krupp.

Ein Arbeiter, welcher seit 18 Jahren bei Krupp arbeitet, hatte bei einem Familien⸗ zerwürfniß sich des Hausfriedensbruches schuldig gemacht und erhielt dafür vom Gericht 2 Tage Gefängnis zudiktiert. Diese Strafe genügte jedoch der Wohlfahrtsfirma Krupp nicht, sie warf den Mann auf das Straßenpflaster und nahm ihm so sein wohlerworbenes Recht an der Pensionskasse. Nach zwei Jahren war der Mann unterstützungspflichtig bei eintretender Arbeitsunfähigkeit. Die Wohlfahrtskasse hat nun das Geld, der Arbeiter das Nachsehen. Trifft den Mann jetzt das Unglück der Arbeits⸗ unfähigkeit, dann fällt er der Armenverwaltung zur Last und die Stadt baut dem Wohlthäter Denkmäler! Der Mann mag verbrochen haben, was er will, das größere moralische Verbrechen hat die Wohlfahrtsfirma begangen, indem sie einen von der ordentlichen Gerichts⸗ barkeit bereits belangten Sünder noch um seine wohlerworbenen Rechte brachte.

Kleine Mitteilungen.

* Kind verbrannt. In Bieber wollte sich am Dienstag ein fünfjähriges Kind am Ofen wärmen, wobei seine Kleider Feuer fingen. Sein in der Nähe arbeitender Onkel rettete es vom Feuertode. Doch mußte es schwer verbrannt in die Gießener Klinik gebracht werden.

* Große Unterschlagungen und Bücherfäl⸗ schungen hat der Depotverwalter Neßler der Dar m⸗ städter Bank in Berlin verübt und sich dann aus dem Staube gemacht. Die veruntreute Summe wird auf 700,000 Mk. geschätzt.

a Fine Kesselexplotion erfolgte am Mittwoch in der chemischen Fabrit Griesheim. Viele glaubten an eine furchtbare Explosion, so daß mancher Arbeiter durch Aus reißen sich in Sicherheit zu bringen suchte. Es war glücklicherweise nicht so schlimm.

Gewerkschaftl. u. Arbeiterbewegung. J. Bei den Gewerbe⸗Gerichtswahlen in München erhielt die Liste der organisierten Arbeiter 9747 Stimmen, diejenige der christ⸗ lichen Arbeiter 1948. Nach dem Proportional⸗ wahlrecht, das in München eingeführt ist, erhalten unsere Genossen 50, die Chrlstlichen 10 Beisitzer⸗Mandate. Wie zu erwarten, brachte auch die Gewerbe⸗Gerichtswahl in Elberfeld unsern Genossen den Sieg. Dort zeigt sich ein auffälliger Stimmenrückgang der christlichen Arbeiter.

T Die Weber in Meerane befinden sich noch immer im Ausstand, die profitwütigen Fabrikanten haben sich noch zu keinen Zuge⸗ ständnissen herbeigelassen. Unterstützung thut dringend not. Hoffentlich gehen den Kämpfern auch aus unserm Leserkreise einige Scherflein zum Weihnachtsfeste zu.

+Bergarbeiter⸗Ausstand in Ober⸗ schlesten. Aus Beuthen wird berichtet, daß in der Hohenzollerngrube von der 1600 Mann starken Belegschaft sich 750 Mann im Aus⸗ stande befinden. Das ist nicht hübsch von den kaisertreuen Arbeitern, wie es die in Oberschlesien doch wohl ohne Ausnahme sind nach den Ergebenheits⸗Adressen zu urteilen.

Partei-Nachrichten.

Das rote Jahr. Unter diesem Titel giebt die Buchhandlung Vorwärts zur Agitation für das kommende Wahljahr eine illustrierte Jahrschrift heraus. Die Illustrationen bringen die siegesbewußte Kampfeslust unserer Partei zum Ausdruck, die Textbeiträge reden in zündender Sprache von den Aufgaben, die unserer Partei im Wahlkampf harren. Der Preis ist 10 Pfg., in Partieen bezogen 5 Pfg.

Eine Gemeindevertreter⸗ Konferenz für den Rhein⸗ und Maingau soll am Sonntag, den 28. Dezember im Gewerkschaftshause in Frankfurt statt⸗ finden. Einberufer sind die Genossen Ulrich, Quarck und Dreesbach.

Zum internationalen Arbeiter⸗Kon⸗ greß, der am 16. August nächsten Jahres in Amster⸗ dam stattfinden soll, sind dem internationalen Bureau bereits eine Reihe Vorschläge zur Tagesordnung zuge⸗ gangen. Darunter befinden sich: Generalstreik, Auf⸗ hebung der stehenden Heere, Erweiterung des Inter⸗ nationalen Sekretariats, internationale Regeln für die soziale Politik, das Wahlrecht der Frauen, Gewerk⸗ schaften und Politik, Stellung des internationalen Prole⸗ tartats iu den Nationalitätenfragen, die Korrespondenden der sozialistischen Presse im Ausland.

Versammlungskalender.

Geuossen! Besucht regelmäßig Eure Versammlungen!

Samstag, den 20. Dezember. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Montag, den 22. Dezember. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 91 Versammlung bei Orbig.

Gießen. Freie Turnerschaft. Turnstunden jeden Mittwoch, Abends ½9 Uhr, Sonntag, Vormittags 10 Uhr imPfau.

Vriefkasten.

Quittung. Für den in Notlage befindlichen Gensssen gingen ein: Sch. i. D. 3.; B. 1. Z. B. 0.50. Rst. 0.30. Küfer 1.50. Ungen. i. A. 3.50 Den Gebern besten Dank. Weitere Gaben nehmen die bekannten Stellen geen entgegen.

B. Racine. Doll. 1.50 eingangen. Brief folgt demnächst. Gruß!

Zur Beachtung!

Die nächste Nummer unseres Blattes gelangt Dienstag, den 23. Dezember zur Ansgabe. Die folgende, Nr. 1 1903 erscheint Die stag, den 30. Dez Wir bitten unsere geehrten Inserenten und Spediteure dies beachten zu wolle u.

Expd. d. M. SE.⸗Zitg

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