wird.
Das Komitee hat sich auch bemüht, das Fest
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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
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Eine sehr lebhafte Auseinandersetzung brachte die ablehnende Haltung der Ersten Kammer zu dem Beschluß der Zweiten Kammer zu dem sog.„Notgesetz“, betreffend den für Wahl⸗ männer erforderlichen Steuersatz. War vor⸗ her der Antrag Dabid⸗Ulrich statt„mehr als 11 Mk.“ zu setzen:„mindestens“ 11 Mk. schließlich mit der erforderlichen Zweidrittel⸗ Mehrheit angenommen worden, so reute dies später offenbar eine Anzahl Abgeordnete, welche einfach umfielen und dadurch das ganze Not⸗ gesetz untern Tisch fallen ließen.
Insbesondere waren es die Herren vom Zentrum und einige nationalliberale Abge⸗ ordnete unter Führung des Grafen Oriola, welche lieber gar nichts zu Stande kom⸗ men lassen wollten, als den Antrag David⸗Ulrich zum zweiten Mal zum Beschluß zu erheben. Das ist natürlich auch ein Stand⸗ punkt! f Bei dem Schlußakt, der im Residenzschlosse stattfand, waren unsere Genossen natürlich nicht anwesend. Dort wurde der„Landtagsabschied“ verlesen, worin die in der abgelaufenen Tagung erledigten Gesetzesvorlagen aufgezählt werden, und den Abgeordneten der Dank für ihre Pflicht⸗ treue und anstrengende Arbeit ausgesprochen Es wird bedauert, daß infolge der Kürze der Zeit die Verhandlungen betr. Reviston des Wahlgesetzes, namentlich durch Einführung 0 direkter Wahlen, nicht zum Abschluß gebracht seien, und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß diese sowie die anderen nicht erledigten Vorlagen im nächsten Landtag zu Stande kommen.
Gießener Angelegenheiten.
— Auf das Gewerkschaftsfest, das diesen Sonntag im Walde links der Licherstraße stattfindet, machen wir nochmals aufmerksam. Jedes Gewerkschaftsmitglied muß für recht zahlreichen Besuch Sorge tragen. Bei dem jetzigen prachtvollen Sommerwetter bietet der Aufenthalt im Walde Genuß und Erholung.
zu einem echten Arbeiterfeste zu gestalten und es dürften alle Teilnehmer von dem Gebotenen befriedigt sein. Als Gewinne für das Preis⸗ schießen sind recht nützliche und wertvolle Gegen⸗ stände angekauft worden.
— Stadtverordneter Louis Flett ist am Donnerstag früh nach kurzer Krankheit im Alter von 67 Jahren gestorben. Der Verstorbene, der in den Sitzungen rednerisch wenig hervortrat, aber in politischer Beziehung sich der demokratischen Richtung zuzählte, war wegen seines offenen und geraden Wesens all⸗ gemein beliebt. Bei der letzten Stadtverordneten⸗ wahl hatten ihn unsere Genossen mit auf ihre Liste genommen; er erhielt dadurch 1535 Stim⸗ men, befand sich also unter den Kandidaten, die mit den höchsten Stimmenzahlen gewählt wurden.
— Zum Provinzialdirektor für Oberhessen ist an Stelle des Verstorbenen v. Bechtold Ministerialrat Breidert ernannt worden.
Volks bertreter“ Auf Aus⸗ führungen der antisemitischen„Volkswacht“, welche die Landtagsabgeordneten, die gegen das direkte Wahlrecht stimmten, scharf angreift, antwortete unser Offenbacher Parteiorgan: Die Volkswacht müßte doch am schärfsten vor⸗ gehen gegen ihren eigenen Parteigänger Leun von Großenlinden. Dieser hat nicht nur in sehr windiger Weise seinen Parteifreund Hirschel (den Redakteur der Volkswacht) im Jahre 1899 aus der Kandidatur verdrängt, sondern hat auch gleich den un der Volkswacht so schneidig gebrandmarkten Nationalliberalen gegen das direkte Wahlrecht votiert. Es bleibt abzuwarten, ob die Bauernbündler einen Mann in ihren Reihen weiter dulden werden, der dasselbe gethan hat, wie die Drehscheiben⸗ männer, deren Verhalten in der Volkswacht mit Recht als volsverräterisch charak⸗ teristert worden ist. Weisen die Bauernbündlern dem Gegner des direkten Wahlrechts Leun von Großenlinden nicht die Thür, dann gra⸗
Antisemiten das„Verlangen nach Wahl“ zum Schlachtruf bei den kommenden Landtagswahlen machen.
Aus dem Rreise gießen.
l. Wahlvereinsfest in Wieseck. Der Wiesecker Wahlverein feierte am vergangenen Sonntag sein 12. Stiftungsfest, mit dem zu⸗ gleich seine Fahnenweihe verbunden war. Es hatte sich dazu recht zahlreicher Besuch einge⸗ funden, besonders die auswärtigen Genossen waren in respektabler Anzahl vertreten. Nach⸗ dem die Fahne von der Beauftragten der Stifterinnen dem Verein übergeben worden war und der Vorsitzende den Dank des Vereins ausgesprochen, ergriff Genosse Busold⸗Fried⸗ berg das Wort zur Festrede. Darin ermahnte er im Hinblick auf die uns im nächsten Jahre bevorstehenden Kämpfe zu festem Zusammen⸗ schlusse. Unter der Fahne vereint müsse auch der Wiesecker Wahlverein mit Energie gegen Rückständigkeit, Lebensmittelwucher, überhaupt gegen politische und wirtschaftliche Knechtung ankämpfen. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie schloß Redner seine von lebhaftem Beifall begleiteten Aus⸗ führungen. Dann gab man sich der Festes⸗ freude hin, vergnügte sich mit Preisschießen und sonstigen Unterhaltungen. Erst spät strebten die letzten Festbesucher ihrem Heim zu. Jeder⸗ mann ist von dem ausgezeichneten Verlauf des Festes befriedigt.
Aus dem Nreise Friedberg⸗Püdingen.
— Die Kreiskonferenz findet nicht am 24., sondern am 31. August statt.
Friedberger Submission. Für die Gewerbe⸗ akademie war die Lieferung von Tischen, Schemeln, Kathedern, Schultafeln ꝛc. ausgeschrieben. Dazu waren zwei Angebote eingelaufen. Eines von 12 hiesigen Schreinermeistern, welche 5520,50 Mk. forderten, ohne den Anstrich und eines von der Firma Fuhrmann und Haus in Frankenthal, welche 2779,40 Mk. mit Anstrich fordert. Unter Berücksichtigung des geforderten geringsten Betrages für den Anstrich ergiebt sich, daß die Franken⸗ thaler Firma um 3200 Mk., also um mehr als die Hälfte billiger arbeitet, als die Friedberger Handwerks⸗ meister. Mit Recht konnte deshalb auch unser Genosse Busold in der Stadtverordnetenversammlung bei der Vergebung darauf hinweisen, daß man hier so recht ersehe, daß alle schönen Reden über die Rettung des Handwerks, wie sie im Gewerbeverein ꝛc. gehalten würden, wertlos seien. Wenn man heute glaube, daß durch gemeinsames Handeln für den Kleinmeister der goldene Boden noch zu erhalten sei, so ersehe man hier, daß es damit auch nichts wäre. Nicht ein einziger Stadt⸗ verordneter wagte hierauf etwas zu entgegnen, obwohl sie jedenfalls fast alle Mitglieder des Gewerbevereins sind. Auch der Vorsitzende, Beigeordneter Hironimus, nicht, der doch seit undenklichen Zeiten schon im Gewerbe⸗ verein das große Wort führt.— Interessant für den Beobachter ist auch das Folgende: Im vorigen Jahre, wo derartige Arbeiten ebenfalls ausgeschrieben waren, hatte die hiesige Firma Gebr. Ferber auf den Voran⸗ schlag des Stadtbaumeisters für den Anstrich 18 Prozent abgeboten und die Arbeit erhalten. In diesem Jahre nun war diese Arbeit im Voranschlage mit dem Satz vorgesehen, für den diese Firma die letzte Arbeit gemacht hatte. Und nun bot diese Firma nochmals 26 Pro⸗ zent ab. Trotzdem erhielt sie die Arbeit nicht, die Frankenthaler Firma macht sie noch billiger.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. In eine schlimme Lage ist die Familie des vor einigen Tagen in ziemlich jugendlichem Alter verstorbenen W. Jost ge⸗ raten. Dieser war bei dem Herrn Landtags⸗ abgeordneten Schlabach als„Bureauchef“ für den Riesengehalt von monatlich 85 Mk. thätig. Er erkrankte plötzlich und starb bald darauf. Als nun die Frau nach Krankengeld und Begräbniskosten fragte, stellte sich heraus, daß der verstorbene überhaupt nicht gegen Krankheit versichert war. Herrn Schlabach war es offenbar unbekannt, daß nach§ 1 Abs. 3 des Krankenverstcherungsgesetzes die in den Geschäftsbetrieben der Versicherungsanstalten und ähnlicher Institute beschäftigten Personen versicherungspflichtig stind, wenn ihr Gehalt
tulieren wir unseren Genossen in Oberhessen zu dem prächtigem Agitationsstoff, wollen doch die
jährlich 2000 Mk. nicht übersteigt. Der Herr Landtagsabgeordnete, der sich mit Viehbver⸗ sicherung redlich Mühe giebt, sollte eigentlich
denken. Nun wird er jedenfalls für die Krank⸗ heits⸗ und Beerdigungskosten des Jost aufkommen müssen.— Sache der Angestellten wäre es allerdings auch, sich darum etwas zu bekümmern, ob sie gesetzmäßig verstchert sind. 5
h.. Zwei Steinbruch⸗ Arbeiter verunglückten am Dienstag im Stein⸗ bruch bei Hirschhausen dadurch, daß ein Spreng⸗ schuß zu früh explodierte. Beide wurden sehr schwer verletzt; der eine dürfte kaum mit dem Leben davonkommen, während der andere sein Augenlicht verlieren wird. Beide wurden in die Gießener Klinik gebracht. Sollte es denn nicht möglich sein, durch weitgehendere Vor⸗ sichtsmaz regeln solche grausigen Unglücksfälle zu verhüten? Bei der nötigen Vorsicht kann doch nicht ein Schuß„zu früh“ losgehen.
Aus dem Rreise Marburg-Nirchhain.
St. Gewerkschaftsfest. Das diesjährige Sommerfest der Marburger Gewerkschaften (. Ins. in heutiger Nr.) findet am Sonntag, den 27. d. Mts. von nachmittags 3½ Uhr an in dem so schön gelegenen Dammelsberg statt. Außer Konzert der Kapelle Pauli und Tanz finden verschiedene Belustigungen für Jung und Alt statt und ist auch für Speise und Trank hinreichend auf Beste gesorgt. Abends findet im Saale des Cafe Quentin das Fest seine Fortsetzung. Die seitens der hiesigen Gewerkschaften in früheren Jahren veranstalteten Waldfeste im Dammelsberg waren stets außer⸗ ordentlich stark besucht und erfreuen sich einer großen Beliebtheit unter der hiesigen Arbeiter⸗ schaft. Wir wünschen deshalb auch für dieses Jahr, daß sich möglichst alle Arbeiter mit ihren Familien im Dammelsberg einfinden und — was wohl hauptsächlich dabei in Betracht kommt— recht günstiges Wetter.
— Kommunales. In der am Montag abend stattgefundenen Sitzung der Stadtver⸗ ordneten wurde u. a. auf Antrag des Vereins zur Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr in der Provinz Hessen⸗Nassau und Waldeck be⸗ schlossen, dem erwähnten Verein einen jährlichen Beitrag von 75 K* zu bewilligen. Es wurde hierbei darauf hingewiesen, wie gerade die Schwindsuchtsgefahr durch die Staubentwicklung in den neuen, ungepflasterten Straßen hiesiger Stadt, besonders in der Biegenstraße, gefördert würde und eine fleißigere Besprengung gewünscht. Als jedoch später die Bewilligung von 1400 A. für Beschaffung einer Reserve⸗Lokomobile von 50 Pferdekräften für das städtische Wasserwerk zur Verhandlung stand, und unter dem Hin⸗ weis, daß man bis jetzt ohne eine solche fertig geworden und diese Summe in den nächst⸗ jährigen Etat einzustellen sei, abgelehnt wurde, beschwerte sich der Oberbürgermeister über die inkonsequente Handlungsweise der Stadtver⸗ ordneten, die einerseits eine häufigere Besprengung der Straßen forderten, andererseits aber die Bewillung der Mittel zur Verhütung einer etwaigen Wasser⸗Kalamität ablehnten und machte dieselben für die etwaigen Folgen verantwort⸗ lich.— Ein Antrag einiger Mitglieder auf Gründung eines Städtebund⸗Theaters wurde dahin erweitert, daß eine Kommisston von 3 Mitgliedern gewählt wurde, welche die weiteren Vorarbeiten zu erledigen hat. Der Magistrat soll mit den Städten Gießen, Wetzlar, Fulda, Wildungen und Salzschlirf in Unterhandlungen treten. Der Referent, Stadtv. Stroinsky, teilte mit, daß die Vorstellungen in jeder Stadt abwechselnd während 4 Wochen gegeben werden sollen, und zwar wöchentlich eine Volksvor⸗ stellung zum Eintrittspreise von 40 Pfg., eine Schülervorstellung zum Eintrittspreise von 20 Pfg., die übrigen Vorstellungen zum Ein⸗ trittspreis von 2.(Studenten 50 Pfg.).— Es wäre zu wünschen, daß dieser Plan stch verwirklicht, damit auch den geringer Bemittelten einmal der Besuch einer guten Theatervorstellung ermöglichst wird.
Pietätvolle Verwandtschaft.
Ein bezeichnender Vorfall wird aus einem 9 kleinen, nicht sehr weit von Kassel gelegenen Ackerstädtchen mitgeteilt. In jenem Städtchen
Nr. 29. direkter; auch an die Versicherung seiner eigenen Leute
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