Ausgabe 
19.10.1902
 
Einzelbild herunterladen

lebesammlung statt.,

Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

. 42.

Präsidenten Roosevelt eingesetzten Schiedsgericht unterbreitet würden. Dies wurde von den Unternehmern rundweg abgelehnt. Infolgedessen wurde der Kampf von beiden Seiten mit Er⸗ bitterung fortgesetzt. Mehrere tausend Mann Miliztruppen sind in die Streikreviere entsandt, doch gab das Verhalten der Streikenden keinen Anlaß zum Einschreiten.

In den letzten Tagen kam die Nachricht, daß das En de des Riesenkampfes herbeige⸗ kommen sei. Ein Schiedsgericht ist eingesetzt worden, dessen Entscheidung sich Arbeiter und auch die Grubenbesitzer unterwerfen wollten. Unterdessen soll aber die Arbeit aufge⸗ nommen werden. Hoffentlich lassen sich die Arbeiter nach so langwierigen Kampfe nicht

in den brutalen Kapitalisten übervorteilen. *

*,* Von den französischen Bergleuten wurde schon mehrmals der Generalstreil be⸗ schlossen, im Oktober vorigen Jahres und zu⸗ letzt von dem Bergarbeiterkongreß im März dieses Jahres. Wegen schwacher Beteiligung an der Abstimmung kamen die Beschlüsse nicht zur Durchführung. Jüngst hat sich nun der Kongreß im Commentry einstimmig für den Generalstreik ausgesprochen.

Die Lage der Arbeiter hatte sich nämlich sefgie mit der niedergehenden Konjunktur ver⸗ schlͤmmert, da die Gruben die von den Arbeitern während der Hochkonjunktur errungenen Lohn⸗ erhöhungen zum Teil wieder rückgängig machten, trotzdem die Kohlenpreise ziemlich auf der gleichen Höhe geblieben sind, wie im Vorjahre.

Im Pas⸗de⸗Calais und bald darauf im Nord⸗Departement brach der Streik aus, ehe moch das Landeskomitee sich versammelt hatte. And dem Beispiel folgte das Loire-Revier, wo ider Streik schon für den 8. Oktober, einen Tag vor der Entscheidung des Kongresses erklärt

durde. Den letzten Austoß gab dem Komitee die hochmütige Antwort des Zentralkomitees der Grubenkompagnien, das jede Unterhand⸗ lungen ohne Weiteres ablehnte. Die Antwort des Ministerpräsidenten ist dagegen befriedigend ausgefallen, weshalb sich der Streik nicht gegen die Regierung, sondern ausschließlich gegen die

hatten sich zu derselben eingefunden. Der Referent, Genosse Dr. David, sprach über die unserer Partei im Landtag gestellten Auf⸗ gaben und hob insbesondere die geschickte und ernstliche Thätigkeit des Abg. Ulrich hervor, auf welchen die Offenbacher Wählerschaft allen Grund habe stolz zu sein. Es sei eine Ehren⸗ sache für die Arbeiterschaft die Wiederwahl Ulrichs, den gegen diesen gerichteten gehässigen Angriffen seiner Gegner zum Trotz durchzu⸗ setzen. Dann sprach noch Gen. Scheide mann, der den Offenbacher Kudelmuddel gehörig geißelte. Unsere Genossen hoffen auf den Sieg unserer Partei. 5

Der geplante Kuddelmuddel in Mainz ist nun doch nicht zu Stande gekommen. Vielmehr haben die Demokraten beschlossen, die Sozialdemokratie zu unterstützen. Einen gleichen Beschluß haben die Freisinnigen gefaßt. Die Nationalliberalen dagegen wollen selbständig in den Wahlkampf ziehen. Das Zentrum ist sehr betrübt, daß der Mischmasch berunglückte. Nun muß es auch eigene Kandi⸗ daten aufstellen. Herr Schmitt, der Zentrums⸗ abgeordnete für Mainz, hat denn auch schon am Sonntag auf dem sogenannten hessischen Katholikentag in Mainz den heftigsten Kreuzzug gegen die Sozialdemokratie gepredigt. Das wird ihm aber nicht viel nützen, vielmehr ist zu hoffen, daß unsere Genossen mit großer Mehrheit wiedergewählt werden. In Darm⸗ stadt werden unsere Genossen die Freisinnigen unterstützen.

Gießener Angelegenheiten.

Sozialdemokratischer Wahl⸗ verein. Mit den Landtagswahlen be⸗ schäftigte sich wiederum die letzte, am vorigen Samstag stattgefundene Mitgliederversammlung unseres Wahlvereins. Es handelte sich dabei nur darum, Stellung zu der Wahl in Gießen zu nehmen. Der bisherige Abgeordnete für Gießen war Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch. Von mehreren Rednern wurde anerkannt, daß Herr Gutfleisch in der Frage der Wa hlreform, die bei der eerzallgen Wahl besonders in

Betracht ko Lic ⸗h auch von uns zu dilli⸗

Mißstände in Bäckereien. Es it nicht allgemein bekannt, welche schauderhaften, ekelerregenden Zustände noch heute in vielen Bäckereien existieren. Schon vor zirka 10 Jahren wies unser Genosse Bebel in einer Broschüre darauf hin, die viel Aufsehen und auch die Aufmerksamkeit der Regierung erregte. Seitdem mögen einige Besserungen eingetreten sein; aber zahlreiche Prozesse und Verurteilungen in den letzten Jahren beweisen, daß noch viele und fast unglaubliche Schweinereien in Bäckereibetriüeben vorkommen. Das da e der Bäcker führt dafür eine erdrückende Fülle von Beweisen an. Es sagt ganz mit Recht, daß die Beseiti⸗ gung dieser Uebelstände ein dringendes Gebot des allgemeinen t sei. Wohl erklärte im Juni 1899 Graf Posadoosky im Reichs⸗ tage, nachdem Bebel die in dem Würzburger Prozeß vom April 1899 an das Tageslicht gebrachten Unsauberkeiten zur Sprache brachte, daß staatlicherseits Bestimmungen über die Ein⸗ richtung und den Betrieb von Bäckereien er⸗ lassen werden sollten. Es erschien auch ein Entwurf dazu, aber man hat bis heute nichts mehr davon gehört. Das hiesige Gewerk- schaftskartel! beschäftigte sich in der letzten Sitzung auf Anregung des Bäckerverbandes mit dieser Angelegenheit und beschloß eine Resolution, in der die Regierung zum energischen Einschreiten gegen die Bäckereimißstäude aufgefordert wird. Das Schwurgericht verhandelte Donnerstag voriger Woche gegen den Dienstknecht Janissch aus Kohden bei Fried⸗ berg wegen Brandstiftung. Er soll, als er in Diensten des Gutspächters Klein auf der Ludwigshöhe bei Leihgestern stand, ein un⸗ bewohntes Gebäude in Brand gesteckt zu haben. Die Sache wird vertagt, da noch weitere Zeugen vernommen werden sollen. Wegen Raubes hat sich am Freitag der Maurer Schwing aus Kupferdreh zu verantworten. Er soll am 6. August ds. Js. die Gastwirts⸗ frau Berg aus Trais⸗Horloff auf der Kreis⸗ straße Friedberg⸗Hungen überfallen und ihr 5 Mk abgenommen haben. Nach langer Ver⸗ handlung sprachen ihn die Geschworenen schuldig des Raubes, worauf er zu 2 Jahren Ge⸗

chic, Hann genden Steh Wtanbe⸗ ngenommen habe und

aubengesellschaften richtet. Fern.

vor Nah und

pa 5 Fb Hessisches. 1 Zur Landtagswahl.

Von einer eigentlichen ee ee ist nur in einzelnen Kreisen die Rede. Es ist eben auch eine Folge des erbärmlichen indirekten Wahlsystems, das die Wähler den Landtags⸗ wahlen geringere Beachtung schenken. Daher werden die Wahlen vielfach nur von Kliquen oder den Landbürgermeistern gemacht. In Oberhessen hört man gon einer Wahl⸗ bewegung eigentlich nur im Grünberger Kreise. Den will sich bekauntlich der Antisemitrich Hirschel aus Offenbach erobern. Als Gegen⸗ kandidat wurde am Sonntag in Grünberg der Kaufmann Mol! aufgestellt. Dessen Anhänger stießen schon wiederholt mit den Antisemiten zusammen, wobei verschiedene Liebenswürdig⸗ keiten wieHanswurst,Lausbub ꝛc., wie man sie schon öfters in antisemitischen Ver- sammlungen gehört hat, herüber und hinüber flogen. Nächstens wird Herr Moll sein Pro⸗ ramm entwickeln und wir sind begierig, wie sich zum direkten Wahlrecht stellt. Unsere ütei hat bisher einige gut besuchte und gut claufene Versammlungen abgehalten. Ver⸗ iatgeirch Sonntag sprach Gen. Krumm in eiskirchen vor ausgezeichnet besuchter Ver⸗ sammlung, am Sonntag vorher in Lindenstruth und Vetters in Bersrod. Unserer Partei wird überall Sympathie entgegengebracht; dagegen soll eine autisemitische Versammlung in Londorf nur von 15 Leuten besucht gewesen sein, so daß Herr Reuther von Offenbach abzog, ohne seine Weisheit aus⸗ vepackt zu haben. 5 In Offenbach fand am Samstag Abend

Dadat Einem Gegner des direkten Wahlrechts zufallen könnte, sei für uns die Unterstützung seiner Kandidatur geboten. Aber diese Gefahr liege nicht vor. Anderseits ist es Thatsache, daß unsere Partei infolge des elenden Wahl⸗ systems viel zu schwach im Landtage ver⸗ treten ist, 1 die Interessen der Arbeiter und Minderbemittelten nicht in genügender Weise wahrgenommen werden können. Wir hätten deshalb die Pflicht, wo wir irgend könnten, eigene Kandidaten aufzustellen, wie es der Beschluß unserer Landeskonferenz verlange. Dieser Ansicht war die Mehrheit der Versamm⸗ lung; sie beschloß deshalb, selbständig in die Wahlbewegung einzutreten. Als Kandidat wurde Genosse Eduard Krumm aufgestellt. Als zweiten Punkt der Tagesordnung nahm die Versammlung den Bericht des Genossen Vetters über den Parteitag in München entgegen. Der Redner gab eine ausführliche Schilderung unseres Parteitags und eine Ueber⸗ sicht der gefaßten Beschlüsse. In einer ein⸗ stimmig angenommenen Resolution erklärt sich die Versammlung mit den Beschlüssen des Parteitags einverstanden, drückt aber den Wunsch aus, daß die theoretischen Streitigkeiten sich künftig in bescheideneren Grenzen halten möchten, weil sie nur einen kleinen Teil der Partei⸗ genossen interessieren. Rezitation. Das Gewerkschaftskartell hat für den 13. November den auch hier bestens bekannten Rezitator Emil Walkotte zu einem Vortrage gewonnen. Die Rezitationen, die Herr Walkotte hier schon gehalten hat, haben allseitig den größten Beifall gefunden. Der Rezitator bestrebt sich, die neueren besseren Dichtwerke weiteren Kreisen und namentlich den Arbeitern zugänglich zu machen. Diesmal wird das Drama von Ernst Die größte Sünde zum Vortrag kommen. Unsern Freunden und Arbeitern, die sich sonst wenig den Genuß einer Theatervorstellung leisten können, wird es will⸗ kommen sein, wenn ihnen ein gutes Stück in künstlerischer

.A. 8. u%% 1 S., Herurteilt. wird. vc. nie Ar- schluß der Oeffentlichkeit gegen den Bergmann Lang von Hungen wegen Notzucht statt. Der erst 20jährige Angeklagte hat bereits zahl⸗ reiche Vorstrafen hinter sich und verbüßt auch gegenwärtig eine Gefängnisstrafe. Der ihm zur Last gelegten Verbrechen soll er sich in Hungen und in Trais⸗Horloff schuldig gemacht haben. Er wird zu 12 Jahren 2 Mo⸗ naten Zuchthaus verurteilt.

aus dem Nreise gießen.

Heuchelheim. Diesen Samstag findet im LokaleZum grünen Baum eine öffentliche Parteiversammlung statt, in der über den Münchener Parteitag Bericht erstattet werden wird. Es ist Pflicht der Genossen, hierzu zahlreich zu erscheinen.

Die Bürgermeister wahl in Bers⸗ rod ist vom Provinzialausschuß für ungültig erklärt worden, wegen dabei geübter Wahl⸗ beeinflussung. Wären nicht verschiedene Wähler mit Freibier traktiert worden, so würde die Wahl anders ausgefallen sein. Die Gemeinde muß außerdem noch die Kosten des Verfahrens

bezahlen.

aus dem Nreise friedberg-Büdingen.

x. Selbstmord eines Bürgermeisters Am Samstag Morgen wurde der Bürgermeister Wörner in Bad⸗Nauheim im großen Teiche als Leiche aufgefunden. Es stellte sich bald heraus, daß er seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht hatte. Diese Thatsache rief natürlich im ganzen Orte eine ungeheuere Auf⸗ regung hervor. Wie derFrkftr. Ztg. ge⸗ schrieben wurde, hätte Wörners Verhaftung

in einem Ehescheidungsprozesse vor dem Gießener Landgerichte einen Mein eid geleistet habe.

imSaalbau eine imposante Wähler⸗Ver⸗ Etwa 1500 Personen

Weise dargeboten wird. Deshalb darf wohl auch dieser Vortrag auf zahlreichen Besuch rechnen.

Der Bürgermeister stand sonst allgemein in hohem Ansehen. Von anderer Seite wurde die

U

Rr. Sache

Wörn Teiln.

für die

Vortt Oltober an die sprehel Eno Mittel Lang! lieder Fruuff

gahte

Enttit

1 unte

bevor gestanden, weil er am 15. April v. Js.

niedrig fe bes woͤchte 17 nie g Pes Vene Gene unte Pat born sst! Ag! Lande sche mun auf Arb dul Hal

in intr Feld asser ersc eger dami begue wirke geger Schü man; wen größ dolle Gen ding unte hin arb Sei uff ge! wa im Gr kan Die nic gar unk für 00