Ausgabe 
18.5.1902
 
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. Nr. 20.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

sitzt beinahe für 100000 Mk. Aktien, es muß also jeder Steuerzahler mit bezahlen helfen. Darauf scheinen aber die Herren im Aufsichts⸗ 955 nicht die geringste Rücksicht genommen zu aben.

Lehrer und Arbeiter. Zu dem von uns im Leitartikel in Nr. 17 besprochenen DramaStreik des Gießener Oberlehrers Sommerlud schreibt uns ein Lehrer:

Sehr geehrter Herr Redakteur! Bei der Lektüre des Sommerladschen Dramas empfindet man das lebhafteste Be⸗ dauern besonders deswegen, weil es gerade ein Lehrer ist, der diese unhistorische und ver⸗ ständnislose Auffassung der sozialen Bewegung vertritt. Ein klarer Kopf wird sich ja in seinem Urteil durch derartige Phantastepro⸗ dukte nicht irritieren lassen. Aber manches gute spießbürgerliche Gemüt wird sich gegen die ihm hier eingeredeten Vorurteile nicht zu wehren vermögen. So wird Herr Sommer⸗ lad mitverantwortlich für das Unglück, daß die verschiedenen Schichten und Parteien unse⸗ res deutschen Volkes sich fremd oder gar ge⸗ hässig und mißtrauisch gegenüberstehen. Bei ehrlicher, rein sachlicher Erwägung unserer politischen Aufgaben beiderseits wäre diese Feindschaft, diese fortschritthemmende Reibung, in so starkem Maße durchaus nicht nötig. Zum Glück giebt es unter den Berufsgenossen des Herrn S. doch viele, die sich zu historisch gerechteren Urteile hindurchgedacht haben. Sie werden auch die ihnen anvertraute Jugend zu ruhig sachlichem vorurteilslosem Denken zu erziehen wissen. Ergebenst X. X.

Daß nicht alle Lehrer der Arbeiterbewegung mit der Voreingenommenheit und Beschränkt⸗ heit wie der Verfasser des Stückes gegenüber⸗ stehen, wußten wir allerdings. Doch freut es uns, diese Zuschrift veröffentlichen zu können, sie zeigt, daß die Lehrer die Beleidigung em⸗ pfinden, die ihnen Herr Sommerlad mit seiner Kapuzinade zugefügt hat.

Das Wahlfreibier. Auf Grund des§ 138 des Bürgerl. Gesetzbuches, wonach ein Rechtsgeschäft nichtig ist, das gegen die guten Sitten verstößt, fällte die Civilkammer II des Landgerichts Darmstadt eine interessante Entscheidung, die vom Oberlandesgericht bestätigt wurde. Es handelte sich, schreibt die Frkft. Ztg., um die namentlich auf dem Lande weit verbreitete Unsitte des Freihaltens im Wirts⸗ haus bei Gemeindewahlen. Gelegentlich der Bürgermeisterwahl in Dornheim war der Vater eines der Kandidaten sehr splendid gewesen und hatte bei den Inhabern verschiedener dortiger Wirtshäuser bestellt, daß jedermann auf seine Kosten bis zu der am nächsten Tag stattfindenden Wahl unentgeltlich Speise, Getränke und Liqueure erhalten solle. Es gab natürlich ein allgemeines Gelage und bedeutende Rechnungen. Einer der Wirte hatte über 600 Mark zu fordern, die er einklagte, da Zahlung nicht zu erhalten war. Die Klage wurde auf Grund des§ 138 abgewiesen und die anderen Wirte, die das Resultat der Klage ihres Kollegen abwarteten, haben voraussichtlich nun auch das Nachsehen. Hoffentlich macht das viele Wirte für alle Zukunft vorsichtig und bewirkt, daß dieser weitverbreitete, demoralisirende Mißbrauch, der

ein übles Licht auf die vielberühmteländliche

Sittlichkeit wirft, nach und nach verschwindet. Das Urteil verdient auch in unserer Gegend Beachtung, die Unsitte des Freihalten bei Wahlen ist auch hier an vielen Orten ein⸗ gerissen. In Altenstadt(Kr. Friedberg) sollen die Zechereien anläßlich der Bürger⸗ meister⸗Wahl ein ganzes Jahr lang angedauert

haben. Aus dem Nreise gießen.

n. In Großen⸗Buseck sprach am ver⸗ gangenen Sonntag Genosse Krumm Gießen in einer öffentlichen Volksversammlung überAgrarische Fragen. Der Redner wies eingehend und ziffernmäßig nach, daß die ganze Schutzzollpolitik nur dem Junker⸗ tum nütze. Was die kleinen Bauern im günstigsten Falle profitieren, sei ihnen doppelt und dreifach durch die Zölle auf alle anderen Gebrauchsgegenstände ge⸗ nommen worden. Bauern und Arbeiter sollten einig

seln, zur gemeinsamen Bekämpfung des ganzen indirekten Steuersystems, welches nur den Kapitalisten zu gute

kommt. Weiter kam der Referent noch auf Religion, Internationalismus, Ehe ꝛc. zu sprechen und wies die uns von den Gegnern in Bezug darauf gemachten Vor⸗ würfe ansführlich und entschieden zurück. Die Ver⸗ sammlung nahm einen recht guten Verlauf.

Aus dem Rreise riedberg⸗Püdingen.

* Fabrik abgebrannt. Am Himmel⸗ fahrtstag früh ist die Möbelfabrik von Binde⸗ wald in Friedberg zum größten Teile abgebrannt. Dampfmaschine und Holzbearbeitungsmaschinen sind alle verbrannt. Der Betrieb soll nach Möglichkeit aufrecht erhalten wer den. Die Fabrik beschäftigt über 100 Arbeiter. Für die Isen⸗ burger Ausgesperrten dürfte der Brand insofern von Bedeutung sein, als man hier der Ansicht ist, daß die Firma Bindewald für die Isen⸗ burger Firmen Aushilfsdienste versah. Wenig⸗ stens soll seit Beginn des Isenburger Streiks der Geschäftsgang ein flotter gewesen sein. Damit dürfte es nun vorbei sein.

Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbach.

r. Unsere Maifeier, die am Sonn⸗ tag, den 4. in Lauterbach stattfand, war leider infolge des ungünstigen Wetters nur mäßig besucht. Besonders bemerkte man das Fehlen der älteren Wahlvereinsmitglieder von Blitzenrod. Doch verlief die Feier in der schönsten Weise. Genosse Schmidt- Preunges⸗ heim hielt die Festrede, in der er die Mai⸗ Forderungen der Arbeiterschaft darlegte und die Anwesenden ermahnte, ihre Kräfte mit in den Dienst der gerechten Sache zu stellen und tüchtig mit zu arbeiten, um endlich unser hohes Ziel zu erreichen. Darauf folgte gemütliche Unterhaltung, Vorträge und Tanz. Man trennte sich mit dem Bewußtsein, das Fest der Arbeit in würdigster Weise begangen zu haben.

(Unliebsam verspätet. D. R.)

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Stürmische Diskussionen soll es auf der kürzlich stattgefundenen Generalver⸗ sammlung des Landwirtschaftlichen Vereins gegeben haben. Die Bauern zeigten sich beson⸗ ders darüber unwillig, daß die Leitung des Vereins mit allen Mitteln darauf hinarbeitet, daß nur eine bestimmte Rasse Rindvieh(Vogels⸗ berger) gezüchtet werde, was ein Teil der Land⸗ wirte nicht haben will. Diese mußten sich des⸗ wegen schon alle möglichen Scherereien gefallen lassen. Auf der Generalversammlung mußte namentlich Herr Kreissparkassendirektor Schla⸗ bach manches scharfe Wort hören.

Aus dem Rreise Marburg⸗-Rirchhain.

St. Eine Anzahl Arbeiter aus Slavonien, welche von dem Unternehmer des Bahnbaues bei Sarn au billiger Arbeitskraft wegen den hiesigen Ar⸗ beitern, die doch wahrlich schon anspruchslos genug sind, vorgezogen waren, legten, da ihnen an dem versprochenen Stundenlohn noch einige Pfennige abgezwackt werden sollten, die Arbeit nieder und trafen am Montag, völlig mittellos hier ein. Sie beanspruchten von der Stadt Reisegeld in die Heimat, das ihnen aber nicht gewährt werden konnte. Sie wurden von der Polizei zur Weiter⸗ beförderung an den Bahnhof geschafft.

Todesfall. Am Dienstag Abend starb hier der auch in weiteren Kreisen bekannte frühere Präfident des hiesigen Landgerichts, Geh. Oberjustizrat Dr. Schul⸗ theis. Derselbe erfreute sich hier wegen seines gerechten und biederen Charakters allgemeiner Achtung.

Die Frequenz der hiesigen Universität hat in diesem Sommersemester die bisher noch nicht dagewesene Zahl von über 1400 Studierenden und Hörern, dar⸗ unter auch mehrere Damen, erreicht. Von Ausländern dürfte wohl diesmal Rußland das größte Kontingent stellen. 5 Selbstmord. Aus Gram über einen von seinem Liebhaber erhaltenen Absagebrief hat sich ein hiesiges Dienstmädchen am Dienstag Abend vergiftet.

Der Kon sumverein hat seit Anfang dieses Monats seine erste Verkaufsstelle in dem neu gebauten und gut eingerichteten Laden des Hauses Metzgergasse 6 eröffnet. Dieselbe erfreut sich bereits eines guten Zu⸗ spruchs und dürfte, falls der Verein so wie seither weitere Fortschritte macht, in nicht allzu ferner Zeit an die Errichtung einer zweiten Verkaufs stelle im Nordviertel gegangen werden. Für die nötige Agitation zur Ge⸗ winnung neuer Mitglieder sorgen in ausgiebigster Weise die Konkurrenten, sodaß dem Vorstand des Konsum⸗ vereins in dieser Beziehung nicht mehr viel zu thun übrig bleibt.

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Kleine Mitteilungen.

* Vom Zuge überfahren. Bei der Station Lohra Strecke Niederwalgern-Gladenbach) stellte sich ein Geisteskranker vor die Lokomotive eines in Bewegung befindlichen Zuges. Der Unglückliche wurde sofort getötet.

** Groß feuer in Frankfurt. Am Samstag Vor⸗ mittag geriet das in der Fahrgasse gelegene Verkaufs⸗ lokal des Materialwaren⸗ und Chemikalien⸗Geschäftes J. J. Haas in Frankfurt durch entzündetes Benzin in Brand. Das Ladengeschäft mit allen Vorräten wur de vernichtet. Auch ein Teil des darüber im Entresol untergebrachten Moͤbellagers der Firma G. Marx ist verbrannt. Die Feuerwehr, die durch das Signal Großfeuer zur Brandstelle gerufen wurde, beseitigte die Gefahr in verhältnismäßig kurzer Zeit. Mensch en sind nicht verunglückt.

* Hunnen in Deutschland. Ein in Frank⸗ furt a. M wohnender junger Chinese Names Low Ah Boon wurde am 3. Mai Abends in der Taunusanlage von fünf Leuten angepackt, ihm die Mütze entrissen und sein Zopf mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Entrüstet bemerkt dazu sogar derFrkft. Gen. Anz.: Die Gewaltthat erscheint von noch größerer Roheit, wenn man weiß, daß für den gläubigen Chinesen der Verlust des Zopfes eine große Schmach bedeutet. Die rohe That zeigt so recht, wie weit die Verwir⸗ rung der sittlichen Begriffe unter der Rachekriegshetze gediehen ist. Daran hat sich aber grade dasunpartei⸗ ische Frankfurter Blatt in hervorragender Weise beteiligt.

* Ungetreuer Nachtwächter. In einem kleinen Orte bei Zollhaus wurde der dortige Nachtwächter seines Amtes enthoben, weil er dabei erwischt wurde, wie er einem Mitbürger Dickwurz stahl.

* Ein Geschäft, das noch was einbringt, sind die Höchster Farbwerke. Die Gesellschaft zahlt wie im Vorjahr 20 Prozent Dividende und die paar

Herren des Aufsichtsrats erhalten für ihre gewiß nicht 5

an strengende Mühewaltung die Kleinigkeit von 622 547 M. Tantieme!

* Gattenmord. Am Montag Nacht erstach der Maurerparlier Maurer in Kassel seine Frau nach vorausgegangenem Streite. Sowohl der Mörder wie die Ermordete werden als arbeit same Leute geschildert.

* Ein 100⸗Millionen⸗Schwindel hält Paris in Aufregung und drängt sogar die Ereignisse auf Martinique in den Hinter⸗ grund. Die Frau des Rechtsanwalts Hum⸗ bert hatte vor Jahren vorgegeben, 100 Mil⸗ lionen Franken geerbt zu haben. Unter Hin⸗ weis auf die Erbschaft und die Prozesse, die ste deswegen führen müsse, gelang es Frau Humbert, bei Banken ꝛc. ungeheuere Summen, aufzunehmen. Jetzt stellt sich die ganze Ge⸗ schichte als Schwindel heraus. Das Ehepaar ist flüchtig.

Partei-Nachrichten.

An die Genossen im V. nass. Wahlkrei se (Dillenburg⸗Herborn)! Um die Agitation bei der nächsten Reichstagswahl besser und planmäßiger als seither betreiben zu können, ist es notwendig, daß die Genossen im Kreise mit einander in Verbindung treten und demnächst einmal zu einer Besprechung zu⸗ sammentreten. Unablässige Arbeit thut not, wenn wir bei der Wahl Erfolge erringen wollen. Es gilt des⸗ halb, sich bei Zeiten zu cühren! Wollen daher die Genossen im Kreise ihre Adressen sowie die Sache betreffenden Zuschriften recht bald an Stadtverord. E. Krumm in Gießen, oder an die Redaktion ds. Bl. gelangen lassen. Mit Parteigruß! R.

Verfolgung unserer Partei in Schlesie n. Aus dem Lande der Centrums-Agrarier, Grub en⸗ barone und sonstiger Kapitalshyäneu wurde schon oft berichtet, wie dort unseren Genossen zugesetzt und mit welchen Mitteln unsere Partei bekämpft wird. Jetzt giebt wieder ein Urteil der Strafkammer in Leuth en i. S. zum Nachdenken Veranlassung. Angeklagt war der Genosse Haase als Redakteur des polnischen Parteio rgan Gazeta Robotnicza. Er soll einen katholischen Erz⸗ priester beleidigt haben, indem er diesem vorwarf, daß er Ministranten Geldbeträge, die ihnen gehörten, vor⸗ enthalten habe. Nachdem die Verhandlung am 2. Mai, in der es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Haase

und dem Vorsitzenden gekommen, vertagt worden war verurt eilte das Gericht den Angeklagten zu 9g Mo na ten Gefängnis und verfügte seine sofortige Verhaftung. rp

Versammlungs kalender.

Samstag, den 17. Mai.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamr lung bei LöbWiener Hof. Metallarbeite Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Friedberg. Nichtgewerbliche Arbeiter. Abends 8 Uhr Versammlung bei Ihl, Stadt New⸗NVork.

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