Ausgabe 
17.8.1902
 
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Nr. 33

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Nr. 33.

Mitteldeutsche Sountaas⸗Zeitung.

Seite 3.

bittere Jahre dort vertrauern müssen, wenn sie nicht begnadigt werden. So werden Menschen⸗ leben für immer geknickt werden, für eine That, die durch die bisherige Haft längst gebüßt ist. In den Gnadenakten, die König Albert vieren der Opfer jenes Spruchs zu Teil werden ließ, lag das stillschweigende Eingeständnis, daß das formelle Recht hier zum Unrecht geworden war. Und selbst im Bürgertum ist heute die Erkenntnis aufgedämmert, daß jenes Ucteil nur möglich war in einer Zeit, in der die Zuchthausvorlage angekündigt war, in jener Zeit, da die Arbeiter⸗ bewegung wieder einmal eine Periode besonderer Anfechtung durchmachen mußte, und namentlich die Bestrebungen der Arbeiterschaft nach besseren Arbeitsbedingungen als sast verbrecherische Auf⸗ lehnung in den Augen der herrschenden Klassen gebrandmarkt waren. Wir Sozialdemokraten sind Gegner des Begnadigungsrechtes des Fürsten, wir wollen nur Gerechtigkeit; auch durch eine umfangreiche Amnestie würde unsere Stellung zum Staate und zur Monarchie nicht berührt, aber das hindert uns nicht, das Gute anzu erkennen, was von irgend einem Fürsten ausgeht. Vom menschlichen Standpunkte, aus Mitgefühl für die vom Schicksal Verfolgten, die widrige Verhältnisse in das Gefängnis brachten, hätten wir eine wirkliche, weitergehende Am nestie begrüßt.

Ein Führer der Nationalliberalen,

Rudolf v. Bennigsen, ist vorigen Donnerstag im Alter von 78 Jahren gestorben. Bennigsen mar einer der Gründer der nationalliberalen Partei, ebenso auch ihres Vorgängers, des Nationalvereins, der die Einigung Deutschlands unter der preußischen Pickelhaube erstrebte. Er war der anerkannte Führer der deutschen Bour⸗ geoisie, die sich Bismarck verschrieb und alle 48er Ideale zu dem Bodenrummel warf, als ihr die notwendige Vorbedingung des Geschäfts auf größerer Stufenleiter, die notdürftigste nationale Einheit geboten wurde. Bennigsen war Hannoveraner und vor 1866 Führer der Opposition in der hannoverschen zweiten Kammer. Von 1867 ab war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des norddeutschen, später des deutschen Reichstags. Er hat den Verfall seiner Partei mit erleben und ansehen müssen. Einst die stärkste und einflußreichste Partei im Reichstage, ist sie heute nur eine Parteiruine, eine Anzahl von Personen, die 15 in den meisten politischen Fragen uneinig ind.

Sie thun nicht mehr mit,

die liberalen Ordnungsleute im Mülhäuser Gemeinderat nämlich, und haben samt dem Bürgermeister ihre Mandate niedergelegt. Sie erklären ein Zusammenarbeiten mit den Sozial⸗ demokraten für unmöglich. Nun finden diesen Sonntag für 11 Sitze Ersatzwahlen statt, bei denen hoffentlich unsere Genossen siegen.

Sozialistischer Wahlsieg.

Bei einer Ersatzwahl zur Gemeindevertretung in Lichtenberg bei Berlin fielen sämtliche der abgegebenen 330 Stimmen auf unsere Ge⸗ nossen. Sie haben dort die ganze dritte Ab⸗ teilung 8 Mandate von im Ganzen 31 inne.

Gelehrige Schüler des Dreschgrafen.

Ueber eine antisemitische Rüpelet schlimmster Sorte berichteten am Samstag dieMainzer

Neuesten Nachrichten folgendermaßen:

Am Donnerstag Abend fuhr ein junger Kaufmann aus Groß-Gerau, der in einem hiesigen Konfektionsgeschäfte angestellt ist, mit dem 9 Uhr⸗Zuge nach Hause. Er stieg in ein Koupee, in welchem sich vier, anscheinend den besseren Ständen angehörende Herren befanden. Kaum hatte der junge Mann Platz genommen, als sich das Quartett in unflätigen, antise⸗ mitischen Schimpfereien erging, die mit der Apostrophe begannen:Wie können Sie sich unterstehen, bei uns einzusteigen? Einer der vier Helden drohte dem jungen Manne, ihn während der Fahrt über die Brücke in den Rhein zu werfen, während ein Anderer ein

Dolchmesser hervorzog, unter Bemerkungen, die wir aus Achtung vor unseren Lesern hier nicht wiedergeben wollen. Dabei wetzte er den Dolch an seinem Stiefelleder. Als der junge Mann sich diese Beleidigungen verbat, durchbohrte ihm der Messerheld den Fahrplan, welchen er in der Hand hatte. Ein drittes Mitglied der Bande versuchte dem jungen Manne eine bren⸗ nende, einem Schaffner gehörende Laterne an⸗ zuhängen, wogegen er sich sträubte, und bruta⸗ lisierte ihn gleichfalls in pöbelhaftester Weise. Der also Attakierte kam nahezu ohnmächtig in Groß⸗Gerau an, woselbst er bei der Bahn⸗ behörde sofort Anzeige erstattete. Die vier Helden verweigerten die Nennung ihrer Namen, worauf nach Darmstadt telegraphische Weisung erging, das Quartett bei Ankunft so lange zu sistieren, bis die Personalien festgestellt seien. Hier entschlossen sie sich nach längeren Exörte⸗ rungen ihr Inkognito aufzugeben und entpuppten sich als die Herren Rechtsanwalt Dr. Geßner, Amtsrichter Dr. Mahr, Oberrechnungsrevisor Reitzel und Hofbuchhändler Reitzel, sämtlich in Darmstadt ansässig.

Das ist ja ein nettes Benehmengebildeter Leute, unter denen sich sogar noch ein Richter und ein Anwalt des Rechtes befindet! Solche Gemeinheiten erlaubt sich der ungebildetste Erdarbeiter nicht! Auf das gerichtliche Nach spiel darf man gespannt sein.

Die Krönungs⸗ Komödie in Eugland

ist programmmäßig unter Zuhilfenahme des ganzen mittelalterlichen Mummenschanzes ab⸗ gewickelt worden. Doch nicht so ganz ohne Zwischenfälle. Wie berichtet wurde, setzte näm⸗ lich der Erzbischofdem König die Krone zuerst verkehrt auf! Das sei abersofort geändert und kaum bemerkt worden. Das kann nicht ganz stimmen, vielmehr muß der Erzbischof darüber in gewaltige Erregung ge⸗ raten sein, denn kurz darauf wankte er und wäre hingefallen, wenn ihm nicht sofort Hilfe beigesprungen wäre. Das ganze Theater ist etwa dem Kölner Karneval vergleichbar und zeigt den monarchischen Unfug auf die Spitze getrieben. Dabei ist die Monarchie in England völlig bedeutungslos und ohne jeden Einfluß auf die Staats angelegenheiten.

Aber das Volk hat nun seine Krönungsfeier gehabt, Eduard der Dicke ist gesalbt und ge⸗ krönt und mag nun ruhig sterben. Zum Herr⸗ scher über Milltonen taugt er noch immer, wenn er auch nur noch ein halber Mensch ist und jetzt für seine früheren Ausschweifungen büßt. Das Gottesgnadentum ist augenscheinlich dazu bestimmt, den Gipfel der Lächerlichkeit zu erklimmen und in solchen Repräsentanten die ganze Fäulnis des Systems zu zeigen. Auf dem Throne Englands ein von ekelhaften Krank⸗ heiten heimgesuchter ehemaliger Roué, auf an⸗ deren Thronen Nachfahren Caligulas, im Zäsa⸗ renwahn sich selbst Altäre bauend und selbst vor dem eigenen Bilde Weihrauch verbrennend, auf anderen Thronen wieder stumpfsinnige Idioten, und da und dort gekrönte Börsenjobber, die schnell noch ihren Profit einheimsen wollen so präsentteren sich Auserwählte von Gottes⸗ gnaden!

Kreiskonferenz

für den Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda.

Die Konferenz, welche am Sonntag pünktlich 1 Uhr im Lokale Orbig in Gießen eröffnet wurde, war von 10 Orten mit 25 Delegierten beschickt. Nach Wahl des Bureaus verliest der Kassierer A. Bock die Abrechnung, deren Richtigkeit später von dem Revisor Peters bestätigt wird. Danach verzeichnet die Wahl⸗ vereinskasse in Einnahme: 380.40 Mk.; die Ausgabe: 340.35 Mk., es bleibt somit ein Kassenbestand von 40.05 Mk. Die Unterstützungskasse hatte eine Ein⸗ nahme von 217.05 Mk., eine Ausgabe für drei Sterbe⸗ fälle von 60 Mk., somit beträgt der Bestand 157.05 Mk. Zur Abrechnung der Unterstützungskasse bemerkt der Kassterer, daß diese bisher eine ganz erfreuliche Ent⸗ wickelung genommen habe. Man könnte, wenn sie sich weiterhin günstig entwickelt, schon bet der nächsten Kon⸗ ferenz an eine Erweiterung der Leistungenvielleicht einmalige Unterstützung bei Notfällen) denken. Was

die Wahlvereinstasse betrifft, sprechen sich mehrere Dele⸗ gierte dahin aus, daß jetzt unbedingt für Stärkung der Finanzen gesorgt werden müsse, denn wir dürften uns bei den bevorstehenden Landtagswahlen nicht allein auf das Landeskomitee und den Parteivorstand verlassen. Unsere Genossen sollten durch gelegentliche Extrabeiträge rechtzeitig die nötige Munition für die bevorstehenden Kämpfe herbeischaffen. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der meisten bisherigen Mitglieder: 1. Vorsitzender: Beckmann; 2. Vorsitzender! Orbig; Kassierer: Bock; Schriftführer: Volz; Beisitzer: Becke r⸗ Altenbuseck, Dech-Wieseck, Steinmüller-Heuche heim. Zum 3. Punkte bespricht Orbig die Tagesordnungs⸗ gegenstände der Landeskonferenz, deren Hauptsächlichste auch hier die Land⸗ und Reichstagswahlen bildeten. Er kennzeichnet das erbärmliche Verhalten der Landtags⸗ mehrheit zur Wahlrechtsreform; hier sei die Feindschaft der meisten bürgerlichen und besonders der ländlichen Abgeordneten zum direkten Wahlrecht offenbar geworden, weil viele fürchteten, daß sie dann mit Glanz aus dem Landtage hinausbefördert würden. Redner erklärt, daß wir bei den künftigen Landtagswahlen in allen Wahl⸗ kreisen Kandidaten aufstellen müßten.(Zustimmung.) Schließlich empfiehlt er, die Konferenz so viel als mög⸗ lich zu beschicken, wenn auch Worms von hier allerdings etwas abgelegen sei. In der Diskussion wird Beschwerde geführt über die späte Verteilung der Landkalender. Diese müsse mindestens vor Weihnachten ecledigt sein. Ferner wird gewünscht, das Landeskomitee möge den in der Bewegung noch rückständigen Kreisen seine besondere Fürsorge angedeihen lassen und ferner wünscht man all⸗ gemein, daß man die Landeskonferenzen in solchen Orten abhalten solle, die etwa in der Mitte des Landes gelegen sind. Bezüglich der Kalender erklärt Orbig, daß die frühere Herausgabe in diesem Jahre vorgesehen sei. Was die Fürsorge für die noch rückständigen Kreise betreffe, so könne nicht viel mehr vom Landeskomitee gethan werden, als thatsächlich geschteht. Man müsse die zur Verfügung stehenden Mittel in Betracht ziehen; außerdem verschlingen die Kalender einen nicht unbe⸗ deutenden Betrag. Ueber den Parteitag referiert Genosse Beckmann. Nachdem er kurz die Aufgaben erörtert hat, die dem Münchener Parteitage bevorstehen, beantragt er, die Ko ferenz wolle auch diesmal einen Delegierten entsenden. Dessen Tagegelder werden auf Mk. 8. und etwaigen Lohnausfall, sowie Fahrkosten dritter Klasse festgesetzt. Als Delegierter wird Vetters gewählt. Es folgt dann der 5. Punkt der Tages⸗ ordnung: Die Reichstagswahl. Hierüber referiert Genosse Vetters. Aller Voraussicht nach dürften die Wahlen im Juni nächsten Jahres stattfinden. Es werde also langsam Zeit, daß man sich darauf vorbereite und thatsächlich wären die Gegner schon hier und da an der Arbeit. Für uns handele es sich nicht blos darum, unsere Position zu behaupten, wir müßten auch eine entsprechende Steigerung der Stimmenzahl erreichen. Wenn wir nicht auf drei Millionen Stimmen kommen, haben wir unsere Pflicht nicht gethan. An Agitatious⸗ material fehle es uns wahrhaftig nicht. Möglicherweise sei der Kampf um die Zölle bis dahin noch nicht ent⸗ schieden und die Zollfrage werde zur Wahlparole. Aber auch ohne diese besitzen wir wuchtige Waffen, die uns die heutigen Verhältnisse, die Politik der Regierungen, das Vorgehen der herrschenden Klassen lieferte und die wir zu benutzen verstehen werden. Redner weist besonders auf die Rechtsprechung hin; dieWelt- und Kolo⸗ nialpolitik biete uns Hunderte von Angriffspunkten. Wer als Angehöriger der Arbeiterklasse die Verkehrtheit der Regierungspolitik nicht erkenne und nicht einsehe, wie auf allen Gebieten das Wohl der Gesamtheit hint⸗ angesetzt werde, der müsse schon ganz verblödet sein. In unserm Wahlkreise hat unsere Partei gute Fort⸗ schritte aufzuweisen. Redner bespricht eingehend die Wahlziffern der letzten Wahlen. Es sei vor Kurzem viel von einem Zusammengehen der Linken die Rede gewesen. In unserem Organe habe sich ein Genosse für ein solches ausgesprochen. Der an sich nicht üble Ge⸗ danke müsse schon an der Unzuverlässigkeit der links⸗ stehenden bürgerlichen Parteien scheitern. Sie stehen uns sämtlich als Gegner gegenüber! Wir können uns nur auf uns selbst verlassen. Gerade in unserm Kreise haben wir gesehen, wie die Freisinnigen für den Reak⸗

tionär eintraten, wie auch die Juden, die von den Antisemiten stets als unsere Schützlinge hingestellt würden

zum großen Teil für den Antisemiten stimmten,

Immerhin! Mögen sie den Dreschgrafen wählen! Wir halten deshalb unsere Grundsätze und die Forderung: Gleichberechtigung für Alle! jederzeit hoch. Wir müssen aber alle unsere ganze Kraft einsetzen, um den Kampf in Ehren zu bestehen. Schließlich schlägt Redner als Kandidaten für den 1. Hess. Wahlkreis den Genossen Stadtverordneten Eduard Krumm in Gießen vor. Nachdem noch Beckmann auf die Notwendigkeit der Beschaffung größerer Geldmittel hingewiesen und Bock sich entschieden gegen ein Zusammengehen mit dem Frei⸗

sinn gewandt hatte, wird Genosse Krumm einstimmig als Kandidat proklamiert. ImVerschiedenen spricht zunächst Holtberg über die Zweckmäßigkeit der Ausdehnung der örtlichen Zuständigkeit des Gießener