Ausgabe 
16.11.1902
 
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Seite 4.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

7 Nr. 9.

Haubitzen und Verstärkung der Kriegsmarine mehr Mannschaften notwendig. Kaum wird dort die Heeres verstärkung angenommen sein, sehen sich natürlich die andern Staaten ebenfalls zu neuen Militärforderungengenötigt, dann kommt Oesterreich wieder an die Reihe und so gehts fort, bis endlich die Völker dem tollen Spiel selbst ein Ende machen. Hoffentlich dauerts nicht mehr allzu lange.

Sozialismus im russischen Heere.

Neulich veröffentlichte der Vorwärts einen geheimen Erlaß des russischen Kriegsministers. Darin schildert der Minister das immer stärkere Auftreten des Sozialismus in der Armee und fordert die Regimentskommandeure auf, Gut⸗ achten über die Bekämpfung desselben einzu⸗ senden. Die letzte und beste Stütze absolu⸗ tistischer Brutalität ein halbwildes Militär beginnt zu schwanken.

von Uah und Lern.

Gießener Angelegenheiten.

Dr erraten kasse i der am Mittwoch Abend im Postkeller stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung wurde zunächst der Rechnungsprüfungsausschuß für 1902 gewählt und dafür Holtberg, Sickert und Schmidt bestimmt. Dann erfolgte die Ersatzwahl des Vorstandes, welche die Wieder⸗ wahl der seitherigen(ausscheidenden) Mitglieder ergab. Es folgt dann die Beratung über die vom Vorstand beantragten Statutenände⸗ rungen. Diese beziehen sich auf die§§ 2, 15, 22 und 31 des Statuts und sehen Erhöhungen der Leistungen der Kasse an die Mitglieder vor. Den Aenderungen wird nach den Anträgen des Vorstandes zugestimmt, nachdem sie der Ge schäftsführer Fourier mit dem Hinweise auf den verhältnismäßig günstigen Stand der Kasse begründet hat. Den letzten Punkt der Tages⸗ ordnung bildet die Berichterstattung über den Krankenkassentag in Hamburg, die von Fourier gegeben und beifällig aufgenommen wird.

Der neugegründete Arbeiter⸗ turn verein hielt vergangenen Sonntag seine erste Generalversammlung ab. Zunächst nahm diese das Referat des Turngenossen Krafft aus Frankfurt entgegen, in welchem der Redner die Entwickelung der Arbeiterturnvereine schil derte und ihre Aufgaben erläuterte. Seine Ausführungen wurden sehr beifällig aufgenom men. Bei der folgenden Statutenberatung wurde u. a. festgesetzt, daß jede 17 Jahr alte männliche Person Mitglied werden kann. Jüngere können in die Zöglingsriege eintreten, wo sie 10 Pfg. Monatsbeitrag zu entrichten haben. Für die übrigen Mitglieder kostet das Eintrittsgeld 50 Pfg., der monatliche Beitrag 30 Pfg. An⸗ meldungen zum Eintritt werden in den Wirt⸗ schaften von Löb und Orbig entgegengenommen. Die Rezitation Walkottes am onnerstag Abend war außerordentlich stark besucht; der allerdings nicht große Saal des Leuzschen Felsenkellers bot kaum Platz für alle Erschienenen. Walkotte entledigte sich seiner Aufgabe in gewohnter künstlerischer Weise, die Zuhörer folgten ihm mit großer Aufmerksam⸗ keit und spendeten reichen Beifall. Auch in Wetzlar, wo Herr Walkotte am Mittwoch im SuützengartenEnoch Arden vortrug, war ein überaus starker Besuch zu verzeichnen, etwa 600 Personen waren anwesend. Für diese Veranstaltung wird man dem Gewerkschafts kartell Dank wissen.

Menschenfreundlicher Unter⸗ nehmer.Wer nicht genug schafft, ob jung oder alt, weg mit ihm! So rief kürzlich der Bauunternehmer Schneider seinem Parlier zu. Damit wollte er andeuten, daß diejenigen Maurer, die schon eine Reihe von Jahren sich bei ihm abquälen, keinen Vorzug genießen, sondern bei nicht zufriedenstellender Leistung so gut wie die jungen Leutefliegen sollen. An diesem Ausspruch, wie an tausenden von Fällen

ersieht jeder Arbeiter, daß es ihm nichts das

Geringste nützt, wenn er jahrzehnte lang dem Unternehmer seine Arbeitskraft zur Verfügung

stellte, zufrieden mit dem, was man ihm zu bieten für gut fand; seine Lage kanu er nur verbessern, wenn er im Verein mit seinen Be⸗ rufs⸗ und Arbeitskollegen allgemeine Ver⸗ besserung der Arbeits verhältnisse anstrebt. Das kann aber nur durch weiteren Ausbau der ge⸗ werkschaftlichen Organisation geschehen, der sich darum auch jeder Maurer anschließen müßte.

Aus dem Nreise gießen.

Der Prozeß gegen das hessische Anti⸗ semitenblatt, dieVolkswacht in Offenbach wegen Beleidigung des Händlers Berlin in Großen-Buseck, der vor einiger Zeit mit der Verurteilung des Redakteurs Reuther zu einem Monat Gefängnts endete, erlebte vor Kurzem eine Neuauflage. Reuther hatte näm⸗ lich den Verfasser der beleidigenden Notiz ge⸗ nannt und nun wurde auch gegen diesen, den Steinmetz Arnold in Beuern, Anklage er⸗ hoben. Gegen ihn fand die Verhandlung am 31. Oktober vor der Gießener Strafkammer statt, die ihn zu 80 M. Geldstrafe und Pub⸗ likation verurteilte. Die Verhandlung bot manches Interessante. In der inkriminierten Notiz war gesagt worden, Berlin habe einen Einbruch bei sich fingiert, um die Entschädigung von der Versicherung einzuheimsen. Wie fest⸗ gestellt wurde, war aber Berlin gar nicht gegen Einbruch versichert. Reuther bestätigte als Zeuge u. A., daß ihm der Angeklagte Arnold nach seiner,(R's.,) Verurteilung 60 Mark ge⸗ schenkt, die er dankend angenommen habe. Weiter ging aus den Zeugenaussagen des Pro⸗ tokollführers und Hirschels hervor, daß der angeklagte Mitarbeiter der Volkswacht ein über⸗ spannter Mensch sei. Daß Arnold aber an⸗ geklagt wurde, hat Reuther durch seine Tol⸗ patschigkeit verschuldet, weil er ihn gegen alle redaktionelle Gepflogenheit als Verfasser der Notiz nannte. Ueberflüssiger Weise sagt er auch noch in dieser Verhandlung, daß er zur Zeit der Aufnahme des Artikels nicht am Blatt thätig gewesen sei; daraufhin ist es gar nicht unmöglich, daß noch andere Personen hereinfallen. Und das durch Reuthers Eselei.

Aus dem Rreise friedberg-Püdingen.

o. Prozeß wegen Flugblätter⸗ Verteilung. Genosse Hofmann⸗Vilbel war seisser Zt. mit einem Strafmandat belegt worden, weil er an einem Sonntage während der Kirchenzeit unsere Landkalender verbreitet hatte. Auf seinen Einspruch wurde er vom Schöffengericht verurteilt, von der Gießener Strafkammer aber freigesprochen. Gegen das Urteil legte die Staatsanwaltschaft Reviston ein. Das Oberlandesgericht in Darmstadt sprach aber den Angeklagten wiederum frei.

e. Lehrermangel herrscht gegenwärtig in Heldenbergen. In den letzten zwei Jahren haben vier Lehrer unsern Ort verlassen, ohne daß sofort wieder Ersatz geschaffen war. Infolgedessen mußte der Unterricht von den anderen beiden Lehrern mit übernommen werden. Es ist leicht begreiflich, daß dabei der Unterricht sehr leidet; außerdem büßt aber auch der Lehrer seine zur Weiterausbildung in seinem Berufe so nötige freie Zeit ein, was gewiß nicht geeignet ist, seine Berufsfreudigkeit zu erhöhen. Würde unsere Programmforderung: Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehrmittel verwirklicht, so würde dieser Uebel⸗ stand beseitigt. Vie manches Kind besitzt die Befähigung zu dem Lehrerberufe, aber keine Mittel zur Ausbildung. In andern Fällen wieder verhält es sich umgekehrt. Würde übrigens der Staat etwas mehr für Kultur⸗ zwecke übrig haben und weniger für Mord werkzeuge aufwenden, so brauchte kein Lehrer mar gel zu existieren, wovon immer wieder die arbeitende Klasse den Nachteil hat.

Aus dem Nreise Wetzlar.

i. Die Stadtverordnetenwahlen, welche hier in Wetzlar am 6. November stattfanden, haben das Ergebnis, daß aus jeder der 3 Abteilungen ein neues Mitglied in das Rathaus einzieht. Die neuen Mitglieder sind in den Abteilungen 1 und 2 die Herren Sanitätsrat Dr. Herr und Kaufmann Ad. Becker; während in

der 3. Wahlabteilung eine engere Wahl zwischen de Kaufmann Karl Giebrich und Bäckermeister Edug Kyrmse stattzufinden hat. Daß sich die Wahlen d 1. Abteilung mit 24, und die der 2. Abteilung mit 116 Stimmberechtigten, ohne öffentliche Agitation voll⸗ zogen, ist bei der geringen Zahl der Wähler dieser be⸗ vorzugten Wahlklassen nicht zu verwundern. In der 3. Wahlabteilung mit 806 Stimmberechtigten ging es erst an den letzten Tagen vor der Wahl etwas lebhafter

ständig negatives, denn es haben nur etwa 33 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht, obwohl sich 5 Kandidaten um das Mandat des seitherigen Stadtverordneten Ritterle bewarben. Das Wahlresultat war folgendes. Fast einstimmig wurde Herr Allmenrö der mit 249 Stimmen wiedergewählt. Ferner erhielten Kaufmann Giebrich 86, Bäckermeister

Befort 38 Stimmen; die weiteren Stimmen waren zersplittert. Die öffentliche Agitation war fast aus⸗

Wählerversammlung beschränkt. sammlung konnte eine Einigung auf einen bestimmten Kandidaten nicht herbeigeführt werden, da für keinen der beiden dort in Frage stehenden Kandidaten, Befort und Kyrmse, eine Veranlassung zum Rücktritt vorlag. Unsere Parteigenossen haben sich an der Wahl selbst in nur kleiner Zahl beteiligt, da es uns unmöglich war, geeignete, unabhängige Kandidaten zu finden. Es war daher jedem einzelnen Genossen überlassen, über seine Beteiligung an der Wahl zu entscheiden. Für die am 25. November stattfindende Stichwahl ist indessen ein Fernbleiben von der Wahl nicht zu empfehlen, da unter den beiden Kandidaten Herr Bäckermeister Kyrmse seinem Gegner, Herrn Kaufmann Giebrich, entschieden

vorzuziehen ist. In der Stadtvertretung sitzen bereits

so viele Kaufleute und Großgewerbetreibende, daß die Versammlung eher einer Handelskammer, ö Gemeindevertretung ähnlich sieht. Schon die Thatsache,

für, daß genannte Kreise die Gemeindeverwaltung iu ihrem Interesse zu führen gedenken. 4 h. Eine Gedächtnisfeker, die für den verstor⸗ benen Pfarrer Repp in Werdorf am 3. November vom Pfarr⸗Verein veranstaltet wurde, wird viel besprochen. Man wunderte sich, daß die Herren Pastoren eine solche Feier nicht in der Kirche, sondern im Hotel Kaltwasser abhalten. Herr Dr. Liebe und seine Guttempler sind darüber besonders tief betrübt, denn sie nehmen an, daß ihre Enthaltsamkeits⸗Agitation selbst bei den Herren Pastoren nicht den gewünschten Boden findet. Wir finden im Gegenteil es ganz in der Ordnung, daß die Feier im Wirtshaus abgehalten wurde, uns würde es in der Kirche auch nicht gepaßt haben. f

k. Der Arbeiter⸗-Jubilar. Auch Hachen⸗ burg(Westerwald) schreibt man uns: Kürzlich gab es in unsern Städtchen ein rührend-erbauliches Fest. Einer der Arbeiter der Firma Gebrüder Dewald hatte das fünfzigste Jahr seiner Thätigkeit in diesem Geschäft vollendet. Diese fünfzigjährige Arbeit fand dann auch die gebührende Anerkennung; der Proletarier erhielt nun was denn? Eine lebenslängliche Rente? Ein paar tausend Mark, damit sich der arme Teufel seinen Lebens⸗ abend etwas behaglicher gestalten könnte? Ach nein, nichts Derartiges. Das wäre eher etwas für Aufsichts⸗ ratsmitglieder. Dem Arbeiter belohnt man seine fünfzig⸗ jährigen Dienste mit demAllgemeinen Ehrenzeichen. Aus Anlaß feierlicher Ueberreichung dieser Medaille fand ein Festgelage statt. Dabei ließ man auch großartige Reden los. Unter anderem leistete sich einer vom Bureaupersonal den Ausspruch, daß die Dewald'schen Arbeiter nichts von dem Phrasengeklingel mo⸗ derner, sozialer Bestrebungen hören wollten. Man muß annehmen, daß der Brave keine blasse Ahnung von dem hat, was er moderne, soziale Bestrebungen nennt; verstände er etwas davon, dann bekundete er mit diesen Worten eine geradezu erbärmliche Knecht⸗ seligkeit. Solche Leute machen sich allerdings Liebkind bei den Unternehmern. Der treue Arbeiter aber dekoriert seinen Sonntagsrock mit dem blanken Kupferstück, geht fromm zur Kirche, betet, daß er bis zu seinem seligen Ende seine Arbeitskraft dem Kapitalisten zur Verfügung stellen darf. 1

Stöckerianer-Agitation auf dem Wester⸗ wald. In Emmrichenhain sprach am Sonntag der Stöckerapostel und Sekretär der Christlich⸗Sozialen Dr. Burkhardt⸗Godesberg. Seine Hauptausführungen betrafen natürlich den Zolltarif. suchte er die Kleinbauern für Vertretung der Junker⸗ interessen einzufangen und ging dabei mit echt Stöcker scher weltbekannter Wahrheitsliebe vor. Die Kornpreis wird der Zoll nicht höher treiben(I), aber die Vieh preise werden der Landwirtschaft goldene Berge ein⸗ bringen uw. Was Herr B. sonst über die Sozlal⸗

demokratie vorbrachte, stand auf dem Niveau des Kasseler Sonntagsblattes und der sonstigen antisemitischen K.

zu. Das Ergebnis dieser Agitation war aber ein voll⸗

Kyrmse 74, Rentner Ritterle 63, Schmiedemeister

schließlich auf eine, von dem Handwerkerverein berufene Auch in dieser Ver⸗

als einer

daß die Handels⸗ und Krämerkreise einen der ihrigen in der 3. Wahlklasse zur Wahl stellen, ist ein Beweis da⸗

Mit honigsüßen Worten

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