Ausgabe 
16.3.1902
 
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votum schärfster Art.

welcher

Seite 4.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

r. 11.

aufsuchen würde, breitwillig und so liebens⸗ würdig wie möglich Rede und Antwort stehen, ohne im Mindesten an unserer republika nischen Gesinnung einzubüßen. Wir Sozialdemokraten sind viel zu demokratisch, um gekrönte Häupter schlechter zu behandeln als andere Menschen⸗ kinder. Stimmt!

Aber die hessischen Antisemiten werden wohl nun zu den Republikanern übergehen, 9 ste doch schon auf ihremParteitage in Leipzig im Hinblick auf die Unterredung des Großherzogs mit Ulrich mit der Revision ihrer monarchischen Gesinnung.

Der hessische Landtag

setzte in vergangener Woche die Beratung des Einzeletats fort. Bei dem Justizetat am Dienstag teilte Justizminister Dittmar mit, daß die hessische Regierung einen vollständigen Gesetzentwurf betreffend die Entschädigung un⸗ schuldig Verurteilter dem Bundesrat unter- breitet habe.

Hierüber spricht Abg. Ulrich seine Freude aus und bittet den Justizminister um Auskunft, ob in diesem Gesetzentwurf nur Entschädigung für unschuldig Verurteilte vorgesehen sind, oder auch für unschuldig Verhaftete, welche Fälle viel häufiger vorkommen und die, abge⸗ sehen von den seelichen Qualen, den betreffen⸗ den auch materiell zu Grunde richten. Redner hätte, so sehr er erfreut ist, daß die Regierung

die Initiative ergriffen hat, doch gewünscht, daß eine Regelung von Landeswegen vorgenom⸗ men worden wäre. Ohne dem Reich vorzu⸗ greifen, könnte eine provisorische Regelung in unserem Lande erfolgen. Redner geht auf seine unter Nichtbeachtung des Art. 31 der Reichs⸗ verfassung, welche ihn als Reichstagsabgeord⸗ neten schützt, und unter völliger Außerachtlas⸗ sung des Art. 84 der hessischen Verfassungsur⸗ kunde erfolgte gerichtliche Vorladung ein, und erklärt, der letzte zu sein, der sich der Verant⸗ wortung dessen, was er gethan hat, entzieht, aber er halte es auch für notwendig, daß auch die Richter, die berufenen Schützer der Gesetze, die Reichs⸗ und Landesgesetze beachten. Hier⸗ aus entwickelt sich eine längere Debatte zwischen Ulrich und Brentano(Ctr.) Dann wird über die Umgestaltung des Gerichts voll⸗ zieherwesens beraten, wobei Genosse Ulrich für die Verstaatlichung desselben eintritt.

Gießener Angelegenheiten.

Die Affaire Löber wird in der Bürgerschaft noch viel viskutiert und, soweit wir wahrnehmen konnten, wird überall das Verhalten des spekulativen Herrn abfällig beur⸗ teilt, dagegen das Vorgehen des Bürgermeisters als vollkommen korrekt anerkannt. Und das mit Recht. Für die Gemeinde wähl er sollte aber dieser Vorfall eine Lehre für die Zukunft sein. Sie müssen bei den Wahlen die Kandi⸗ daten besser prüfen und nicht Leute in die Stadtvertretung entsenden, die mehr Interesse für ihren persönlichen Vorteil als für das Wohl der Gesamtheit bekunden. Bei weniger energischem Auftreten des Bürgermeisters hätte sich hier eine nette Korruption entwickeln können und wir hätten so ein kleines Panama erlebt! Von einem solchen rann beispielsweise die Stadt Annaberg in Sachsen erzählen. Dort war ein Stadtrat Matthes zugleich Besteller und Lieferant von Fahnenstoffen für die Stadt. Er signierte als Stadtrat die von ihm selbst als Lieferant ausgestellten Rechnungen und die Preise waren um ein Drittel höher als in anderen Geschäften! Braver Patriot natürlich! Man fragt sich, was Herr Löber nun thun wird. Unseres Erachtens kann er, nachdem die Stad tverordneten⸗Versammlung dem Bürger⸗ meister einstimmig ein Vertrauensvotum gab, gar nichts anderes thun, als sein Mandat in die Hände der Wähler zurückzugeben, denn jener Beschluß bedeutet für ihn ein Mißtrauens⸗

Stadtvater Schmall. Man schreibt uns: Zur Charakteristit des Herrn Schmall, die Dreistigkeit hatte unserem

bringen wir nachstehend eine kleine Erinnerung an die Notiz, die wir in N. 19 dieses Blattes von 1901 veröffentlichten.

Herr Schmall hatte in einer Versammlung des Kaufm. Vereins sich in dem ihm eigenen Brustton der Ueberzeugung, gegen die Her⸗ gabe des Kaufm. Vereins hauses an den anti⸗ semitischen Handlungsgehülfenverband gewandt. Darauf schrieb das Offenbacher Antisemiten⸗ blatt dieVolkswacht:

Wir wundern uns, daß der Stadtverord⸗ nete Schmall besonders als eifriger Ver⸗ teidiger seiner jüdischen Mitbürger namhaft gemacht ist. Wir erinnern uns einer Zeit, da der betreffende Herr in einer Versammlung in Rodheim a. d. Bieber ein dreifaches Hoch auf zwei antisemitische Reichs⸗ tagsabgeordnete ausgebracht, daß er am andern Tage sich zum Frühschoppen im antisemitischen Lager bei unserem Freund Luft eingefunden hat und in Berlin den beiden obenerwähnten anti⸗ semitischen Reichstagsabgeordneten auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Damals war allerdings der Geldbeutel in Gefahr, denn der betreffende Herr ist Cigarren Fabrikant und damals lag die Tabaksteuer in der Luft. So sieht ein freisinniger Charakterkopfaus.

Wir haben von dem, was das genannte Blatt von sich giebt, gewiß keine hohe Meinung. Aber in diesem Falle hat es sicher die Wahr⸗ heit gesagt und wir haben der Charakteristik des Herrn Stadtverordneten Schmall nichts hinzuzufügen.

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Weiter hat in der letzten Sitzung der Stadt⸗ verordnete Herr Schmall bei dem verunglückten Versuche Herrn Löber aus der Patsche zu helfen, die Unfreundlichkeit gehabt, gegen unser Blatt Vorwürfe zu erheben. Der Inhalt desselben eschlage besonders bei Wahlzeiten der Wahrheit ins Gesicht, erklärte er. Wir möchten den biederen Stadtpater erwidern, daß mit solchen Redensarten absolut nichts bewiesen ist und fordern ihn auf, uns nur einen einzigen Fall zu zeigen, wo in unserm Blatte der Wahrheit in's Gesicht geschlagen wurde. Das wird ihm nicht gelingen, auch nicht, wenn wir ihm unsere sämtlichen Jahrgänge zum ein⸗ gehenden Studium zur Verfügung stellen, wozu wir erbötig sind. Aber immer, wenn die sozialdemokratische Presse bürgerliche Korruption bloßlegte,schlägt ste der Wahr⸗ heit ins Gesicht. Was den Besitzenden nicht paßt, ihren Interessen zuwiderläuft, bezeichnen sie mit Vorliebe als Unwahrheit, Gehässigkeit, Verleumdung ꝛc. Aber gerade mit diesen geistigen Waffen kämpfen unsere Gegner. Erst in den letzten Tagen standen die Redakteure der beiden bürgerlichen Blätter in H ar burg vor Gericht, weil sie schwere Beschuldigungen, deren gänzliche Haltlosigkeit sich erwies, gegen den Abg. Förster und den Redakteur des Hamb. Echo erhoben hatten. Der eine wurde zu 200. Mk. Geldstrafe verurteilt, während der andere sich zur Zurücknahme der Beschul⸗ digungen in seinem Blatte verstehen mußte. Und solche Fälle würden viel mehr vorkommen, wenn die Sozialdemokraten, wie es ihre Gegner thun, bei jeder Gelegenheit zum Kadi laufen würden. Daß aber die Preßorgane und Flugblätter unserer Gegner immerwaͤhrend nicht blos zu Wahlzeiten bewußt oder un⸗ bewußt undder Wahrheit ins Gesicht schlagen, machen wir uns anheischig, Herrn Schmall nachzuweisen. Das kann auch gar nicht anders sein; denn wer die heutigen, auf Ausbeutung und Ungerechtigkeit beruhenden, angeblich gott⸗ gewollten sozialen und wirtschaftlichen Zustände verteidigt, unterstützt eben eine faule Sache und kann dabei Wahrheit nicht gebrauchen. Drum immer hübsch vor eigener Thüre kehren! Es schadet auch nichts, wenn damit bei Stadtverordneten, die zum Schaden des Ge⸗ meinwesens in Grundstücken spekulieren, der Anfang gemacht wird!

g. Die Gewerbegerichtsbeisitzer für 1902/3 wurden vorigen Freitag ausgelost. Dar⸗

Genossen Krumm Doppelzüngigkeit vorzuwerfen,

Jan. 1903 Ed. Krumm. Februar J. Kirch.

Auf die Märzfeier am Sonntag Abend im Lokale Orbig machen wir die Genossen aufmerksam. Donnerstag, den 20. März abends wird im gleichen Lokale das Wahl⸗ resultat aus Breslau, wo an diesem Tage die Ersatzwahl zum Reichstage stattfindet, bekannt gemacht.

Hch. Männche.

am Montag der 27 Jahre alte unverheiratete Schriftsetzer Deibel. Er war zuletzt in der Brühlschen Druckerei beschäftigt und erfreute sich bei seinen Kollegen großer Beliebtheit. Motiv der That ist unbekannt.

Das Gießener Schwurgericht verhandelte in seiner letzten Sitzung gegen drei Einwohner von Zell bei Alsfeld, Rasch, Bam⸗ berg und Köhler wegen Meineid. Es erfolgte Freisprechung.

Aus dem Rreise gießen.

r. Aus Heuchelheim. Der Familien- abend des Arbeiter-Bildungs⸗ Vereins am vorigen Samstag nahm einen vorzüglichen Verlauf. war zum Erdrücken voll, trotzdem herrschte die heiterste Stimmung unter den Anwesenden. Die Gesangsabteilung des Arbeiter⸗-Bildungs⸗ Vereins, die von andern durchKrisen heim⸗ gesuchten Gesangvereinen um ihre gute Ent⸗ wickelung beneidet wird, brachte mehrere Lieder exakt und flott zum Vortrag. Ihre Leistungen sind angesichts ihres erst einjährigen Bestehens als vorzüglich zu bezeichnen. Komische Vor⸗ träge mehrerer Mitglieder und eines Gießener Freundes fanden viel Beifall. Sehr spät endete die gelungene Feier.

Aus dem Nreise Alssesd-Cauterhach.

Der Wahlverein Alsfeld schreibt man uns von dort verfügt nun wieder über ein Lokal und konnte seit langer Zeit wieder eine Mitglieder⸗Versammlung abhalten, die sehr gut besucht war. Es zeigt sich, daß die plumpen Angriffe, die von antisemitischer Seite besonders in der Bindewald'schen Ver⸗ sammlung auf unsere Partei erfolgten, das

sichtigten, ste haben für uns wacker agitiert. Auch dieMitteldeutsche Sonntagszeitung hat recht hübsch an Abonnenten gewonnen. Die nächste Versammlung findet in Bälde statt und hoffentlich ist der Besuch ein noch stärkerer.(Zeit wird's, daß sich endlich mal die zahlreichen Ar⸗ beiter im Alsfeld⸗Lauterbacher Kreise etwas rühren! D. R.)

Aus dem Nreise Wetzlar.

Die Ortskrankenkasse für Gesellen und Gehilfen in Wetzlar hatte nach dem Jahres⸗

bericht für 1901 eine Einnahme von 10 742,72 Mk. zu verzeichnen, der einschließlich der Kapi⸗ talseinlage von 950 Mk. eine Ausgabe von

10 703,83 gegenüber steht. Der Gesamtüber⸗

schuß beträgt 963 Mk. Die Mitgliederzahl

schwankte zwischen 630 und 800.

t. In Haiger wird von einem Hamburger Kon⸗

sortium eine neue ZementfabrikWesterwald errichtet.

Unter dem gleichen Namen existiert hier schon seit längerer Zeit eine Zementfab rik. Vor Kurzem hat der Direktor

S. in Langenbach, auf den s. Zt. ein harmloses Attentat

verübt wurde, seine damals entlassenen Bergarbeiter

wieder eingestellt, 0

Die Stöckerianer auf Agitation. Wir müssen noch mit einigen Worten auf die christlich⸗soziale Versammlung in Löhn berg

nach fungieren als Beisitzer für:

zurückkommen. Zunächst ist es unwahr, daß

5 ö Arbeitgeber: Arbeitnehmer: März H. Leib. Gust. Krüger. April K. Stohr. Joh. Schaͤfer Mai G. Gerhardt. Joh. Rudolph Juni H. Winn. Derselbe für? Juli K. Berg. Ausgeschiedene. August Fr. Hennings A. Hensel. Septembr. L. Emmelius. Chr. Petersen. Oktober E. H. Müller. Aug. Bock. November L. Pirr. Wilh. Laucht. Dezember E. A. Faber. Hch. Baum.

Gust. Holtberg.

Freiwillig aus dem Leben geschteden ist

Gegenteil bewirkt haben, was die Herren beab⸗

Das Lokal des Gastwirts Volkmann i

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