Ausgabe 
16.3.1902
 
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Nr. 11.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 3.

Zusammenschluß und tüchtige Ausbildung aller im Kleinhandel thätigen Kräfte. Es sei sehr u wünschen, so schließt die Denlschrift, daß die Kreise des Kleinhandels über dem Verlangen nach Umsatzsteuern die schwierigere, aber auch wirksamere Selbsthülfe nicht ver⸗ säumen. 1

Diese Stellungnahme gefällt natürlich den Antisemiten und Agrariern durchaus nicht. Vielmehr fordert das Organ des Bundes der Landwirte die Kleinkaufleute auf, trotzdem auf Einführung solcher Steuern zu dringen.

Autisemitische Kolonlalschwärmerei.

Mit der von den Antisemiten propagierten Mittelstandsretterei in Deutschland gehts nicht recht vom Flecke, deshalb verlegen sich die Herren Bindewald und Werner in der neuesten Zeit mehr auf Kolonialpolitik, offenbar soll ihnen Ostafrika und Kamerun das Versuchsfeld ihre Mittelstandspolitik abgeben. Vor einigen Wochen erklärte ja Herr Bindewald in Alsfeld, daß aus den Koloniennoch etwas werden könne. Im Gegensatz zu andern antisemitischen Abgeordneten tritt er also für die Bewilligung der ca. 30 Millionen Mk. für die afrikanischen Sandwüsten ein. Bei der Reichstagsverhand⸗ lung in voriger Woche thaten sich die Herren Bindewald und Werner als große Kolonialpoli⸗ tiker auf. In den Fiebernestern Ostafrikas sieht die Malerphantasie Bindewalds eine blühende und natürlich judenfreie Kolonie deut⸗ scher Bauern entstehen, wenn nur der Bahn⸗ bau im großen Stile betrieben werde. Die deutscher Bauern werden sich dafür bedanken, das Material zu einem Massengrabe in Ost⸗ afrika zu liefern, dessen Kosten der deutsche Mittelstand zum Teil zu tragen hätte.

Aber nehmen wir einmal an, meint mit Recht die S. A. Ztg., in Afrika seien geeignete Landstriche zum landwirtschaftlichen Betriebe für Bauern vorhanden; nehmen wir ferner an, die Kornernten fielen gut aus; nehmen wir drittens an, große Bahnanlagen ermöglichen den Kolonisten, ihre Produkte auf den Welt⸗ markt zu bringen: wohin sollte dann der Segen geführt werden? Etwa nach Deutschlaud, da⸗ mit den deutschen Bauern Konkurrenz gemacht würde? Das wollen ja die Antisemiteriche durch ihren Zollwucher gerade verhindern! Sie wollen ja unsere Landesgrenzen, zum Scha⸗ den der Arbeiter und des Mittelstandes, durch chinesische Zollmauern gegen das billigere Getreide des Auslands verschließen! Also sind die antisemitischen Kolonialphantastereien der bare Unsinn, und eben deshalb würdig, einen Teil der antisemitischen Politik zu bilden.

Deutscher Reichstag.

Der Kolonial⸗Etat stand am Mittwoch zur Verhandlung. Für eine von der deutschen Kolonial⸗ gesellschaft zu errichtende Auskunftsstelle für Auswanderer werden 30 000 Mk. verlangt und schließlich bewilligt, obwohl sich auch Centrumsleute dagegen erklären.

Eine lebhafte Diskussion entspann sich über den Er⸗ werb des Bauterrains für das neue Dienstgebäude der Kolonialverwaltung. Das für den Erwerb bestimmte Grundstück in der Wilhelmstraße, das einer Fürstin von Hohenzollern gehört, wird von Sachkennern als ganz ungeeignet bezeichnet. Auch ist der Preis von Millionen die Regierung wollte sogar 2 800 000 Mk. zahlen viel zu hoch. Die Forderung wurde aber schließlich doch mit 126 gegen 91 Stimmen bewilligt. Beim Kolonialetat galt die Hauptdebatte der Verlänge⸗ rung der Usambarabahn⸗Bahn bis Momba. Hier traten

besonders die Antisemiten als enraglerte Kolonialschwär⸗ mer auf. Die Regierungsvorlage, welche für die Weiter⸗ führung dieser Bahn 1 550 000 Mark verlangt, wurde abgelehnt.

Donnerstag verhandelte man weiter über die Etats der Kolonien. Beim Etat für Kamerun be⸗ schwerte sich der konservative Abg. Schrempf über die Angriffe, die er wegen seiner Kritik der grausamen Be⸗ handlung der Neger in Kamerun von Kolonialinteres⸗ senten erfahren hat. Kolonialdirektor Dr. Stübel wollte zuerst nicht mit der Sprache heraus, sah sich aber dann durch das Eingreifen unseres Genossen Ledebour ge⸗ zwungen, ausführlich über die Grausamkeiten dreier Kauf⸗ leute zu berichten, die unter anderem einem Neger die Hände mit Spiritus begossen und dann ange⸗

zündet haben. Sie sind deshalb mit Gefängnis bis zu 5 Jahren bestraft worden. Dagegen soll es nicht richtig sein, daß ein Neger gepfählt worden ist.

Beim Etat für die Karolinen kritisierte der freisin⸗ nige Abg. Wie mer unsere neueste Erwerbung und wies darauf hin, daß die Denkschrift über diese Inselgruppe die Verhältnisse ungünstiger darstellt, als sie seiner Zeit der damalige Staatssekretär des Aeußeren, Graf Bülow, geschildert hat. Der Gouverneur, Herr v. Benning⸗ sen, gab zu, daß der Wert der Insel ursprünglich über⸗ schätzt worden sei, hob aber hervor, daß die Erwerbung aus politischen Gründen erfolgt sei. Auch sei der Plan⸗ tagenbau auf den Inseln nicht ganz aussichtslos. Beim Etat für Samoa plaudert der Gouverneur von Samoa Dr. Solf, recht hübsch über die Art, wie die Selbst⸗ verwaltung der Insel eingeführt worden ist und was die Häuptlinge darunter verstehen. Diese braunen Na⸗ turkinder scheinen für Liebesgaben beinahe so zugänglich zu sein, wie unsere Agrarier.

Freitag gab es nur eine kurze Sitzung, in der man die zweite Lesung des Etats zu Ende führte. Eine längere Diskussion entspann sich nur bei dem Kapitel Zölle. Die Budgetkommission beantragte, die Ein⸗ nahmen aus den Zöllen um 12 Millionen Mark höher einzusetzen, als im Etat vorgesehen war. Dadurch soll die Zuschußanleihe überflüssig gemacht werden. Nach⸗ dem der Reichsschatzsekretär Frhr. v. Thielmann erklärt hatte, die Regierung würde sich dem Kommissions antrag nicht widersetzen, gelangte er zur Annahme.

Montag begann die dritte Lesung des Etats, nachdem ein Gesetz zum Schutze des Genfer Neutrali⸗ tätszeichens nach kurzer Beratung angenommen war.

Beim Etat des auswärtigen Amtes kam der Staats⸗ sekretär v. Richthofen auf die Anfrage Bebels in der 2. Lesung zurück, da er sich nach dem Schicksal der ver⸗ hafteten Ostpreußin erkundigt habe, die im Libauer Gefängnis von den russischen Schergen unter dem Ver⸗ dachte gefangen gehalten wird, revolutionäre Schriften nach Rußland eingeführt zu haben. Aus den Mittei⸗ lungen des Staatssekretärs ging hervor, daß das Aus wär⸗ tige Amt ein gewisses, nicht allzu großes Interesse an dem Schicksal dieser Deutschen nimmt.

Umfangreicher gestaltete sich die Debatte beim Reichs⸗ amt des Innern. Hier wurde von unseren Genossen Zubeil und Stadthagen das Reskript des Ministers Möller, das die Ausführungsbestimmungen zum

Gewerbegerichts⸗Gesetz giebt, einer eingehenden Kritik unterzogen. Staatssekre⸗ tär Graf Posadowsky gab die Erklärung ab, daß Herr Möller sein Reskript, das in der That höchst bedenklicher Natur gewesen ist, durch ein zweites Reskript in der Hauptsache zurückgenommen hat. Genosse Wurm kam auf den Maulkorberlaß für die Fabrikinspektoren zurück und erkundigte sich nach der Verordnung der Steinar⸗ beiter. Graf Posadowskly suchte die Maulkorbverord⸗ nung in einem milderen Lichte erscheinen zu lassen und versprach, daß die Schutzmaßregeln zu Gunsten der Steinarbeiter demnächst imReichsanzeiger veröffent⸗ licht werden würden. Genosse Stadthagen wies darauf hin, daß von den 54 Städten, die nach der Gewerbe⸗ gerichtsnovelle, weil sie über 20 000 Einwohner haben, Gewerbegerichte errichten sollen bis zum 1. Januar 1902 nur 6 ihrer Verpflichtung nachgekommen sind. Der Staatssekretär erklärte das für bedauerlich.

Bei Weiterführung der Debatte am Dienstag gab es beim KapitelReichsschulkommissiou ein Ge⸗ fecht zwischen Herrn Rettich, dem glorreichen Vorsitzen⸗ den der Zolltarifkommission, Untergebenen Wangenheims und mecklenburgischen Domänenpächter und unserem Ge⸗ nossen Herzfeld. Herr Rettich verteidigte die mecklen⸗ burgischen Volksschulzustände, als wenn er Angehöriger der Ritterschaft wäre. Er hatte selbst ein beschönigen⸗ des Wort für den unglaublichsten Zustand, daß die Kinder vom 11. Lebensjahre ab mit größter Bereitwilligkeit einen sogenannten Dienstschein ausgestellt bekommen, der den Schulunterricht auf 6 Stunden in der Woche ver⸗ ringert. Genosse Herzfeld hielt alle seine Behaup⸗ tungen aufrecht und konnte sich auf zahlreiche zustimm⸗ ende Schreiben aus den Kreisen der mecklenburgischen Lehrerschaft berufen.

Beim Kapitel desReichsgesundheitsamts brachen die Freisinnigen eine Debatte über die Zustände in den Krankenhäusern Berlins vom Zaun. Die Herren Her⸗ mes, Fischbeck und Langerhans gaben sich redliche Mühe, den MohrenBerliner Kommunal-⸗Freisinn weiß zu waschen. Aber Antrick und Singer leuchteten ihnen heim.

Der Reichstag, der bei den Verhandlungen der letzten Tage nur schwache Besetzung aufweist, wird mit der 3. Lesung des Etats Donnerstag zu Ende kommen und dann in die Osterferien gehen.

Krieg in Südafrika.

Eine fürchterliche Niederlage der Engländer. Am Montag gab der Kriegs⸗

minister Brodrick im englischen Unterhause eine Hiobspost aus Südafrika bekannt, die unge⸗ heuere Bewegung hervorrief. Kitchener meldete nämlich, daß der Burenführer Dela rey die Truppen Lord Methuens am Freitag an⸗ griff, vollständig schlug und Lord Me⸗ thuen selbst gefangen nahm. Die Ab⸗ teilung des Letzteren war über 1200 Mann stark, wovon über 1000 in Gefangenschaft ge⸗ rieten, zum teil aber wieder frei gelassen wurden:

Kitchener berichtet darüber am 9. März:

Die Abteilung marschierte in zwei Kolonnen und verließ um 3 Uhr früh Tweebosch. Eine Stunde später, kurz nach Tagesanbruch, griffen die Buren an. Ehe Verstärkungen eintreffen konnten, war die Nachhut durchbrochen. In⸗ zwischen galoppierten die Buren in großer Zahl gegen beide Flanken; dieser Angriff wurde an⸗ fangs von den Flankenabteilungen abgewiesen. Aber eine Pansk war eingerissen. Alle mit Maultieren bespannte Wagen und berittene Mannschaften stürmten, wild durcheinanderge⸗ worfen, dahin, ihnen folgten die mit Ochsen be⸗ spannten Wagen. Alle Bemühungen, sie zum Stehen zu bringen, waren erfolglos. Paris sammelte 40 Mann, besetzte eine Stellung und brachte die Ochsenfuhrwerke zum Stehen. Nach mutiger, nutzloser Verteidigung drang der Feind in die Wagenreihe ein. Methuen wurde am Oberschenkel verwundet. Paris wurde umzingelt und ergab sich um 10 Uhr früh.

Die Nachricht von dem bedeutsamen Siege Delareys hat begreifli her Weise in England die größte Aufrufung hervorgerufen. Die Iren im Parlament hingegen jubelten bei der Nachricht. Lord Methuen gilt als Liebling der Londoner Salons, seine strategische Fähig⸗ keit soll nicht weit her sein.

Von Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit will⸗

kommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste

Gewissenhaftigkett bet Uebermittelung von Nachrichten. Wir

bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf ein er Seite zu beschreiben.

Hessisches.

Großherzog und Sozialdemo⸗ krat. Am Donnerstag voriger Woche haben sich die Mitglieder der Hessischen Zweiten Kammer auf Einladung ihres Präsidenten zu einemparlamentarischen Abend vereinigt, den auch wieder wie im Vorjahre der Groß⸗ herzog besuchte. Das Gejammer, das die Reaktionäre aller Schattirungen darüber an⸗ stimmten, als der Großherzog damals eine längere Unterhaltung mit dem Genossen Ulxich gepflogen hatte, ist auf den Großherzog offen⸗ bar ohne Eindruck geblieben. Denn dieselbe Wormser Ztg. das Organ des Lederkönigs v. Heyl, die sich im vorigen Jahre gewaltig entrüstete und nicht genug davor warnen konnte, den Sozialdemokraten Entgegenkommen zu zeigen, berichtet über den Verlauf des Abends:

Auch an dem Tische der sozialdemokratischen Abgeordneten hatte sich Se. Kgl. Hoheit nieder⸗ gelassen und einige Zeit besonders mit dem Abg. Ulrich lebhaft unter⸗ halten. Der ganze Abend verlief in jeder Hinsicht in allgemein befriedigender Weise... Diesmal scheint also das monarchische Empfinden der braven Patriotin in der Lutherstadt weniger verletzt. Wir haben schon öfters betont, daß es für die Sozialdemokratie und ihre Fortent⸗ wickelung ganz gleichgültig ist, ob irgend ein Monarch ihre Anhänger als vaterlandslose Gesellen bezeichnet oder ob er ihnen freundlich entgegen kommt. Für den Fürsten sieht das Letztere ja entschieden besser aus; aber solche Kleinigkeiten haben doch nicht den mindesten Einfluß auf eine große Bewegung, die in den wirtschaftlichen Verhältnissen wurzelt. Auf einen Leitartikel, den die Voss. Ztg. diesemEreignis widmete auch derGieß. Anz. druckte ihn ab worin sich das Blatt wundert, daß derVorw. keinen Tadel gefunden habe, antwortet unser Zentralorgan: Auch wir würden jedem Monarchen, der uns etwa in der Sprechstunde unserer Redaktion