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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
legt die agrarische Mehrheit unverschämte Wucher⸗
ölle. Sogar auf Kartoffeln, dem neben em Brote wichtigsten Nahrungsmittel des Volkes! vorlage hatte einen Zoll auf das Hauptnah⸗ rungsmittel der Armen vorzuschlagen gewagt, erst das christliche Zentrum beantragte für die Zeit vom 15. Februar bis 31. Juli 2.50 Mk. für den Doppelzenter! Fünf Mark wollten die unersättlichen Agrarier haben.
Diäten für die Kommissionsmitglieder. Der Bundesrat hat am Dienstag die Gewährung von Entschädigungsgeldern an die Mit⸗ glieder der Zolltarifkommission beschlossen. Jedes Mitglied soll 2400 Mk. erhalten. Die Vor⸗ lage soll dem Reichstag alsbald zugehen. Ob der zustimmt, ist aber noch nicht so zweifelsohne. Warum sollen jetzt auf einmal Diäten gezahlt werden, die man dem Reichstag beharrlich ver⸗ weigerte?„Den Kerls auch noch Diäten?“ soll damals von maßgebender Seite gefragt worden sein. Möglich, daß jetzt auch die Sozialdemo⸗ tie sagt: Ich gebe den Kerls keine Diäten!
Hungernde Kinder!
Die Volksschullehrer sind eher wie Andere in der Lage, die ungenügende, nicht menschenwürdige Ernährung weiter Volkskreise an den Kindern beobachten zu können. Sie wissen deshalb auch, welche furchtbaren Wirkungen er⸗ höhte Lebensmittelzölle auf die Kinder der Armen ausüben und sind mit vereinzelten Ausnahmen auf der Seite der Zollgegner. Rektor Wippe in Ellrich sagt im letzten Heft der pädago⸗ gischen Monatsschrift:„Deutscher Schulmann“ treffliche Worte gegen den Brotwucher. Es heißt in dem Artikel u. A.:
„Heute saß vor mir in der Klasse ein elf⸗ jähriges Mädchen, ein Arbeiterkind. Es machte im Diktat sehr viele Fehler. Ich tadelte hart und dann sah ich es auf einmal mit andern Augen an. Weiß nicht, wie es kam. So blutlos, so schmal die Wangen, so hohl das Auge, so voll Menschenjammer das Gesicht. Schmut⸗ zige Lumpen am Leibe. Die Schuhe zerris⸗ sen, die Sohlen defekt und draußen so kalt, naßkalt, schneekalt.—„Kind, hast Du heute früh Kaffee getrunken?“„Nein.“„Hast Du heute früh etwas gegessen?“„Nein.“„Hast Du Frühstück gegessen?“„Nein.“„Kein Stück⸗ chen Brot?“„Nein.“„Hast Du nasse Füße?“ „Ja.“ Ich fragte nicht weiter. Ich wußte genug. Vater und Mutter ordeutliche Leute, Mutter krank, seit Langem krank; viele Kin⸗ der. Mich packte der Jammer. Ich dachte an die vielen Fehler im Diktat. Und als ich das Kind bald darauf ein Stück Brot essen sah und noch ein Stück Brot, so bange, so scheu, als ob so viel Glück ihm gar nicht gehören könne, da dachte ich an die Erhöhung der Getreidezölle auf Kosten dieses Kindes und seiner tausend und abertausend Leidensgenossen; dachte an die Landwirte, die kleinen und die großen, im Westen, im Norden, im Osten und in der Mitte des Vaterlandes, da wo ich je ge⸗ wesen; dachte an die Tausende von Kindern, die je vor mir gegessen— nein, noch nie hatte ich erlebt, daß dem Kinde eines Land⸗ wirtes der Hunger aus den Augen gesehen, nie, nie. Wenn unter den ohne Schuld der Eltern nach Brot hungernden Kindern nur einmal eins wäre, unter den Tausen⸗ den nicht hundert nicht zehn, nein, nur ein einziges Bauern-, ein einziges Gutsbesitzers⸗ kind, dann mögt Ihr die Getreidezölle er⸗ höhen um dieses einen Kindes willen, sonst habt Ihr davon keine Spur von Recht, Ihr Herren im Bundesrat, Ihr Herren im Reichs⸗ tag. Was wißt Ihr überhaupt von Hunger? Habt ihn nie gesehen, geschweige denn gefühlt. So lange in einem Staat nur das Kind des Brotkonsumenten
hungert, steht Ch ristus nicht auf der
Seite derer, die demselben sein kärgliches
Stückchen Brot zu Gunsten des Brotprodu⸗
zenten verkleinern wollen.“
Ehre dem wackeren Lehrer! Er besitzt viel mehr Einsicht und Nächstenliebe als die Tausende
Verbn
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Noch nicht einmal die Regierungs-
gescheitelter und geschorener Pfaffen, welche es mit den Brotwucherern halten! 8 8
Unersättlichkeit der Agrarier.
Die Unverschämtheit der Landwirtsbündler eht doch wirklich in's unglaubliche. Jetzt er⸗ flären sie gar, daß ein Getreidezoll von 7. 50 Mk. noch nicht genug ist. In Schlochau erklärte der Bundesagitator Fritz Bley in einer Bundes⸗ versammlung:„Der Bund hat leider in⸗ zwischen die Ueberzengung gewinnen müssen, daß ein Gedreidezoll von 7,50 Mk. auch nicht ausreichen wird, um die Land⸗ wirtschaft rentabel zu machen, da ja die geringe Zollerhöhung durch die bedeutende Frachter⸗ mäßigung für ausländige Getreide wieder auf⸗ gehoben werde. Man werde in Zukunft 10 bis 15 Mk. Zoll fordern. Auf dem Ge⸗ biete der Tarifermäßigungen ständen den Land⸗ wirten noch unliebsame Ueberraschungen bevor.“
Daraus ist zu entnehmen, was dem deutschen Volke bevorsteht, wenn etwa die nächsten, Wahlen, die sicher unter dem Zeichen des Zolltarifs stattfinden, den Agrariern die Mehr⸗ heit bringen sollten. Für die Arbeiter wieder eine Mahnung, immer auf dem Posten zu sein!
Dozialdemokratischer Wahlsieg.
Bei der Stadtverordnetenwahl in Bremer⸗ haven am 6. März. behaupteten unsere Parteigenossen ihre drei Mandate und eroberten, obwohl sämtliche Gegner sich ver⸗ einigt hatten, zwei weitere freigewordene Mandate, sodaß ihnen jetzt alle zehn Sitze der dritten Abteilung gehören. Unsere Kondidaten erzielten rund 200 Stimmen mehr als die Gegner. Bravo!
Wacker gekämpft haben auch unsere Ge⸗ nossen bei den Stadtverordnetenwahlen in Karlsruhe. Sie standen dort dem gesam⸗ ten bürgerlichen Mischmasch gegenüber, wahrend sich die Demokraten der Stimmabgabe enthiel⸗ ten. Trotzdem siegte der Mischmasch nur mit knapper Mehrheit; er erhielt 3437, die soz.⸗ dem. Liste 3290 Stimmen.
Ersatzwahlen.
Für den verstorbenen Abg. Johannsen(Däne) hat am 6. März eine Ersatzwahl im Kreise Hadersleben-Sonderburg stattgefunden, die wieder mit der Wahl des Dänen, Redakteur Jessen endete, der ca. 10000 Stimmen erhielt. Die sozialdemokratischen Stimmen stiegen von 342 im Jahre 1898 auf 457.
Ferner fand am Mittwoch eine Nachwahl zum württembergischen Landtage im Kreise Bern⸗ berg statt. Gewählt wurde der Bauernbünd⸗ ler Immendörfer, was in dem ländlichen Kreise selbstverständlich war. Unser Genosse Stein⸗ brenner erhielt 1343 Stimmen.
Antisemitische Wahlrechtsfeinde.
Dr. Böckel, der ehemalige„Hessische Bauernkönig“ und jetzige Bureaubeamte des Bundes der Landwirte empfiehlt der Regierung den Staatsstreich. Er schreibt zur Zoll⸗ frage:„Können die Politiker des allgemeinen Wahlrechts nichts Gedeihliches schaffen, dann muß die Regierung selbst die Sache in die Hand nehmen, und wäre es sogar um den Preis, daß sie das faule, veraltete Wahlrecht abschaffte.“ Solche Vorschläge nehmen sich in Böckels Munde besonders schön aus. Er, der stets für Erweiterung der Volksrechte ein⸗ trat, ist bereit, das wichtigste und fast einzige Recht des Volkes preiszugeben! Das kenn⸗ zeichnet wieder den durchaus reaktionären Cha⸗ rakter des Antisemitismus.— Ein Gleiches sehen wir auch in Hessen, wo die Antise⸗ miten sich gegen die Einführung des direkten Wahlrechts zum Landtage sträuben und an dem ungerechten aber für sie vorteilhafteren indirekten Wahlrecht, das der Korruption Thür und Thor öffnet, festhalten.
Freisinnige Bismarckanbeter.
In der ehemals freien Reichsstadt Frank⸗ furt fühlte die Bourgeoisie das dringende Be⸗
Darüber kam es in der letzten Stadtverordne⸗ tensitzung zu erregten Auseinandersetzungen zwischen unserm Genossen Quarck und der freisinnigen Mehrheit. Das Frankfurter Bürger⸗ tum hat die Fußtritte vergessen, die ihm Bis⸗ marck mit dem Kürassterstiefel im Jahre 1866 versetzte, es ist von der jetzt wieder stark kras⸗ sterender Bismarckdenkmal⸗Seuche ergriffen Der
Magistratsvorschlag ging dahin, auf dem Platze
vor dem neuen Schauspielhause, das im Ok⸗ tober eröffnet werden soll, den brutalen und eigennützigen Junker in Stein gehauen aufzu⸗ stellen. Dagegen wehrte sich Quarck mit aller Entschiedenheit. Er erinnerte daran, wie 1866 Bismarck dem General Röder die telegraphische Anweisung gegeben, zwecks Eintretbung einer Kriegskontribution von 25 Mill. Gul den die Stadt auszuhungern, und wie über diese Brutalität selbst die gesinnungstüchtigsten Notabeln der Stadt ihrer Entrüstung Aus⸗ druck gegeben. Die Frankfurter Zeitung habe damals von einer„modernen Tillyperlode“ ge⸗ sprochen, von Quälereien, die mit„raffinierter Wollust“ an einer wehrlosen Stadt verübt wor⸗ den seien. Einem solchen Manne wolle man jetzt in Frankfurt an der schönsten Stätte der Kunst ein Denkmal setzen! An dem Schau⸗ spielhause, das Intendant Claar am liebsten Goetheschauspielhaus nennen wollte, in dem Goethescher Getist gepflegt werden sollte! An diesen Platz gehöre ein ganz anderes Denk⸗ mal; das der Mutter Goethes(Zustimmung), für das ja recht eifrig gesammelt wird. Solch eine künstlerische Aufgabe, schloß Quarck, ist wert, von uns gefördert zu werden. Sie mit mir das Bismarckdenkmal meinetwegen dahin, wohin es gehört: auf den freien Platz an der Neuen Zeil neben dem Polizeipräsidium, dem Gericht und dem Gefängnis, lauter Wahrzeichen Bismarckscher Staatskunst, also aufs Klapperfeld!(Lauter Lärm und Wider⸗ spruch.). a e Der Bürgermeister Varrentrapp erwiderte sehr erregt, im Jahre 1871 habe Frankfurts Bürgerschaft den Schleier über 1866 fallen lassen. Die Angaben unseres Genossen aber
auch nur in einem Punkte zu widerlegen, war
dem Bürgermeister nicht möglich. Nur zwei Demokraten hatten den Mut, sich auf die Seite Quarcks zu schlagen, dessen Rede in der Bür⸗ gerschaft sympathisch aufgenommen wird. Wenn das Denkmal Bismarcks doch vor
dem neuen Schauspielhaus errichtet werden sollte, daun wird es ein dauerndes Denkmal der
Schande für Frankfurts Demokratie sein und Zeugnis ablegen für den geschwundenen Frank⸗ furter Bürgersinn und Bürgerstolz.
Verunglückte Mittelstandsretterei.
ne. u. 4 dürfnis ein Bis marckdenk mal aufzustellen.
8 47 2 9 55. e—
Verweisen
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Durch sehr hohe Umsatzsteuern die Kon⸗
sum vereine zu erdrosseln ist schon lange das Bestreben jener kleinbürgerlichen Kreise, die in der konservativen und antisemitischen Partei ihre politische Vertretung sehen. legten sich dann auch in Sachsen für Einführung der Umsatzsteuer durch Landesgesetz ganz gewaltig
ins Zeug. Zu dieser Frage hat nun die säch⸗
sische Regierung, die sich doch gewiß jederzeit den reaktionären Parteien gefällig zeigte, eine Denkschrift veröffentlicht, worin der Mittel⸗ standsaktion eine arge Enttäuschung bereitet
wird. Die Regierung lehnt die allgemeine 3
Einführung der Umsatzsteuer ab. Von hundert sächsischen Gemeinden mit über 1000 Einwohner haben nur 5 von dieser Sondersteuer Gebrauch gemacht— heißt es in der Denkschrift—, es liege deshalb keine Veraulassung dazu vor, die große Zahl der Gemeinden durch Gesetz zur Einführung einer solchen Sondersteuer zu noͤti⸗ en, die nach ihrer soztalpolitischen
erechtigung sehr bestritten, nach ihren wirtschaftlichen Wirkungen sehr zweifel haf⸗
ten Wertes ist, indem sie von denen, die
belastet werden sollen, abgewälzt wird und denen die dadurch gefördert werden sollen, eine
verschärfte Konkurrenz schafft.— Im Weitern wird dem Kleinhandel geraten, Maßregeln zu ergreifen, die zu seiner Stärkung führen
können, vor Allem durch einen gemeinsame
Diese
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