Ausgabe 
16.3.1902
 
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Nr. 11. Gießen, Sonntag, den 16. März 1902. 9. Jahrg. Redaktion: Nedaktionsschluß: Kirchenplatz 11, Schloßgasse. Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.

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Bei mindesteng

Großgrundbesitz, Bund der Land

wirte und Zolltarif.

Vor Kurzem brachte der Vorwärts unter dieser Ueberschrift einen Artikel, der für unsere Gegend von besonderem Interesse ist. Dort werden Thatsachen angeführt, die mit zwing⸗ ender Notwendigkeit darthun, daß die Erhöhung der Getreidezölle einzig nur dem Großgrund⸗ besitz zu gute kommen. Es heißt da:

Zu der von dem Bunde der Landwirte stets vorgeschützten Bauernfreundlichkeit, speziell der Behauptung, die höheren Getreidezölle würden nicht wegen der Großgrundbesitzer gefordert liefert die Neuverpachtung des Hofgutes Utphe in der Wetterau ein drastisches Beispiel.

Dieses dem Grafen zu Solms-Laubach gehörige, 700 Morgen große Gut hatte der Oeconom Fülberth seit 24 Jahren in Pacht und auf das beste bewirtschaftet.

Während unter den früheren Besitzern und besonders dem verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms-Laubach die Güter zwar zu der höchstmöglichsten Pachtsumme verpachtet wurden, sich die Pächter jedoch stets einer sehr humanen Behandlung zu erfreuen hatten, scheint diese Tradition unter dem jetzigen Grafen nicht bei⸗ behalten werden zu sollen.

Mit der Führung der gräflichen Verwaltung ist nämlich seit kurzem ein Herr Schön, früher Staatsanwalt und Bezirksvorsitzender des Bundes der Landwirte in Ostpreußen betraut, welcher im Schlosse zu er residiert und von da aus täglich mit einer seiner Equipagen zur Rentkammer nach Laubach fährt, um hier in echt ostpreußischer Manier die Pachtschraube anzuziehen.

Herr Schön, welcher auch heute noch Mit⸗ glied des Bundes der Landwirte ist, war erst an der Rentkammer des Fürsten zu Solms⸗ Braunfels ebenfalls als Kammerdirektor thätig und suchte auch da schon im vorigen Jahre bei Verpachtung eines Gutes, wegen der bevorstehenden höheren Getreide⸗ zölle zu erwartenden Mehreinnahmen, eine wesentlich höhere Pachtsumme herauszu⸗ schlagen, doch scheint man in Braunfels einge⸗ sehen zu haben, daß sich die Thätigkeit und Schneidigkeit eines ostpreußischen Staatsanwalts mit der von jeher geübten Loyalität der Braun⸗ felser Herrschaft gegen die Beamten und Pächter nicht verträgt, weshalb Herr Schön bald wie der von der Führung der fürstlichen Geschäfte als Kammerdirektor entbunden wurde.

Was in Braunfels nicht gelang, scheint nun in Laubach vollbracht zu werden. Trotzdem die Herren vom Bunde der Landwirte behaupten, die höheren Getreidezölle sollten in erster Linie den mittleren und kleineren Landwirten zu gute kommen, fordert dessen früherer Bezirks. vorsteher und Mitglied Schön mit Rücksicht auf die aus dem neuen Zolltarif für die Landwirtschaft sich ergebenden Mehr- einnahmen eine Pachterhöhung von A Mk. pro Morgen, was bei einem seitherigen Pachtpreis von 18 Mk. ein Aufschlag von 22 Proz. bedeutet.

Der seitherige Pächter wollte auch, um seine Existenz nicht preiszugeben, in den sauren Apfel beißen und 2 Mk. Pacht mehr, also 20 Mk. pro Morgen, zahlen.

Dieses teilte Herr Schön jedoch sofort den übrigen Reflektanten mit unter Hinweis darauf, daß sie, wenn sie eine Chance für die Pachtung haben wollten, jetzt mehr bieten müßten, wo⸗ durch es ihm gelang, einen andern Pächter zu finden, welcher 22 Mk. Pacht pro Morgen bot, bei Verschärfung der Pachtbedingungen, welche dem Pächter weitere Opfer auferlegten.

Diesem wurde denn auch ohne jegliche Rück⸗ sicht auf den seitherigen Pächter, der 24 Jahre für den Grafen gewirtschaftet und viele Ver⸗ besserungen auf dem Gute auf seine eignen Kosten vorgenommen, sofort der Zuschlag erteilt.

ieser Pachtpreis, welcher sich mit den üb⸗ rigen Lasten auf 27 Mk. pro Morgen beläuft, wurde auf genanntem Gute noch nie gezahlt und steht in krassestem Widerspruch zu den steten Klagen des Bundes der Landwirte, daß die Landwirtschaft keine Erträge liefere.

Dies die Mittelstandspolitik des Bundes der Landwirte und seiner Anhänger.

An der Hand des hier Mitgeteilten mögen die kleinen Landwirte prüfen, ob zutrifft, was ihnen von gewisserbauernfreundlicher Seite stets vorgeredet wird, daß nämlich die höheren Zölle den Kleinbauern Nutzen brächten.

*

Mit der Frage des Nutzens der Zölle für den Kleinbauern beschäftigt sich auch eine Zu⸗ schrift, die wir von einem in einem Dorfe in der Nähe Gießens wohnhaften Landwirt er⸗ halten. Sie nimmt Bezug auf einEingesandt, das imGieß. Anz. jüngst veröffentlicht wurde. In dieser Einsendung war auf eine Arbeit Dr. Königs über den Verkauf von Getreide in den kleinbäuerlichen Betrieben Hessens hinge wiesen, wo der Nachweis geführt werde, daß schon ein Betrieb mit zweit Hektaren Getreide absetzen könne und daß kaum ein Fünftel der kleinbäuerlichen Familien Hessens Getreide zu⸗ kaufe. Dann sagt der Verfasser des Einge⸗ sandts ein Akademiker:

Die Handelskammer iu Gießen hatte in einer Eingabe an den Reichstag von den Verhältnissen in den Kreisen Fulda und Lauterbach aus verallgemeinernd die Be⸗ hauptung aufgestellt, daß man für Hessen zehn Hektar als die Grenze annehmen könne, von der ab aufwärts ein Ueberschuß von Brot⸗ getreide über den eigenen Bedarf erzeugt, werde. Wie sehr diese Behauptung die that⸗ sächlichen Verhältnisse verkennt, liegt auf der Hand. Selbst in Dörfern von mittlerer Fruchtbarkeit, wie in dem nahen preußischen Willingshausen, Kreis Ziegenhain, ist ein rationeller Landwirt mit Durchschnitts⸗Fa⸗ milie(drei Erwachsene, zwei Kinder) und bei großem Viehstand(drei Kühe, 1 Rind, drei Schweine) in der Lage, von seinen zwei Hek⸗ tar Ackerland und anderthalb Hektar Wiesen fünf Doppelzentner Roggen und über sechs Doppelzentner Hafer zu verkaufen

Die Sache mit dem Bauer in Willings⸗

hausen könne unmöglich stimmen, sagt unser Landwirt in seiner Zuschrift.

Ich möchte wohl den Wunderbauer und.

seinen Betrieb kennen lernen, schreibt er,und sehen, wie er es fertig bringt, bei der ange⸗ gebenen Viehzucht noch Getreide zu verkaufen. Vielleicht hat der Mann in seiner Aufstellung vergessen, was er an Kleie und sonstigem Kraft⸗

futter zugekauft hat. Einsender dieses besitzt 4 Hektar Land, hält 4 Stück Vieh und 5 Schweine im Durchschnitt. Seine Familie zählt ebenfalls 5 Personen. Ich darf sagen, daß ich umsichtiger und vernünftig zu wirtschaften ver⸗ 1571 Voriges Jahr habe ich an Getreide ab⸗ gesetzt:

13 Ctr. Weizen 107,25 Mark

12 Safer

1% Gefen

Sa.: 280,25 Mark.

Den Roggen habe ich für Verbrauch

mahlen lassen. Zugekauft habe ich:

19 Ctr. Kleie 95,. Mark 10 Futtermehl 70, 12,5 Mais 87,50 4 Weizenmehl 64,

3 Palmkuchen 18,75

Sa.: 335,25 Mark.

Also mehr zugekauft für 55 Mk. Mir als als praktischem Landwirt ist es überhaupt un⸗ glaublich, und darin werden mir alle Land⸗ wirte beistimmen, daß man auf zwei Hektar Land 4 Stück Vieh halten kann. Aus meiner Tabelle ist jedenfalls der Beweis erbracht, daß die Landwirte mit 4 Hektar bei gutem Boden, bei magerem aber und weniger ertragbarem Boden bis zu 10 Hektar keine Vorteile von höheren Getreidezöllen haben. Wollten wir Landwirte aus dieser Klasse überhaupt kein Geld für Kraftfutter ausgeben und nur unser eigenes Produkt füttern, dann hätten wir bei guter Viehhaltung gar kein Getreide zu verkaufen.

Will man unserer Klasse Landwirte helfen, so kann man das nur, indem man in einer gut bezahlten Arbeiterschaft für kaufkräftige Kundschaft sorgt, die in der Lage ist, den Bauern die besseren Produkte, Milch, Butter, Fleisch etc. abzukaufen. Aus diesen Artikeln zieht der kleine Landwirt seine Haupteinnahme. Ferner ist es für uns entschieden von Nutzen, wenn sich die Industrie entwickelt, damit reichliche Arbeitsgelegenheit vorhanden ist. Gerade für diejenigen kleinen Landwirte, die so viel ziehen, wie sie brauchen, ist es sehr angenehm, wenn sie mit dem Verdienste eines in der Industrie beschäftigten Sohnes rechnen können. Des⸗ halb bin ich gegen die Erhöhung der Zölle. Wenn auch zehn Gelehrte nachweisen wollen, daß der Kleinbauer von den Zöllen Nutzen hat, ich weiß aus Erfahrung, daß dies nicht zutrifft.

Diese Aeußerung des Kleinbauern ist jeden⸗ falls beachtenswert. Sie deckt sich im Uebrigen vollkommen mit dem, was von unserer Seite über diese Frage schon öfters angeführt wurde und was uns mündlich von vielen kleinen Land⸗ wirten mitgeteilt wurde.

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politische Rundschau.

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Gießen, den 7. März. Die Zolltarifkommission

arbeitete im Schweiße ihres Angesichts auch in der vergangenen Woche an der Verteuerung der Lebensmittel. Auf eins nach dem andern