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Seite 4.
Mitteldeutsche Souutaas⸗Zeitung.
Nr. 7.
völkerung von großem Vorteil. In Erkenntnis dessen hat sich ja auch die Stadt bei Errichtung des Volksbades stark engagiert, ste besitzt etwa die Hälfte der Aktien. Da sollten doch die Stadtverordneten dafür sorgen, daß das In⸗ stitut gemeinnützig wirkt. Das kann aber nicht geschehen, wenn die Bäder verteuert werden. Viele können für ein Wannenbad nicht 60 Pfg. ausgeben und Brausebad ist auch nicht jeder⸗ manns Sache. Hoffentlich kommt die An⸗ gelegenheit in der Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung zur Sprache. — Eine gesellige Zusammenkunft der Vorstand des Wahl vereins für Sonntag, den 23. Februar im Orbig'schen Lokale vorgesehen. Den Mitgliedern, ihren An⸗ gehörigen und Freunden sollen durch Lieder⸗ vorträge des Gesangvereins Eintracht, Dekla— mationen und humoristische Vorträge einige vergnügte Stunden bereitet werden. Die Ge⸗ nossen wollen sich dazu recht zahlreich einfinden. — Ein allzu, schneidiger“ Beamter ist der am hiesigen Bahnhof bedienstete Bahn⸗ steigschaffner Schnabel aus Wieseck. Kamen da am Dienstag eine Anzahl Arbeiter von Weilburg an, die mit Arbeiter-⸗Fahrkarten ver⸗ sehen waren. Diese hatten laut Verfügung der Eisenbahndirektion für den Fastnacht⸗Dienstag Giltigkeit. Das wußte offenbar der Bahnsteig⸗ schaffner nicht und deshalb schleppte er die be⸗ treffenden Arbeiter von Pontius zu Pilatus, weil nach seiner Meinung die Fahrkarten un⸗ gültig wären. Schließlich mußte er hören, daß die Sache vollkommen in Ordnung war. Er sollte sich besser instruieren und nicht die Leute e belästigen; wenn's auch„nur“ Arbeiter no! Aus dem Rreise gießen.
d. Der Magen der Kirche. Aus Großenlinden schreibt man uns: Eine recht peinliche Ueberraschung wurde einigen Mitbürgern zu Teil, welche ihre Neubauten auf von der Kirchengemeinde erworbenem Ge⸗ lände errichtet hatten. Die Preise waren mit Mk. 22—25 per Rute vereinbart, ein für hiesige Verhältnisse schon recht gesunder Preis. Nun kommt, wie wir hören, die kirchliche Auf⸗ sichtsbehörde und fordert unter Verwerfung oben genannten Preises einen solchen von etwa Mk. 45 pro Rute. Bei einem einzigen Manne soll die Differenz Mk. 800 betragen und da schon gebaut ist, wird nichts anderes übrig bleiben als zu zahlen.
Die Wohnungsfrage ist wohl die aller⸗ wichtigste soziale Frage. Legt hier die Kirche solche materielle Hindernisse in den Weg, muß man annehmen, daß das soziale Empfinden in ihren maßgebenden Kreisen nicht so entwickelt ist, wie es in ihrem eigenen Interesse erwünscht wäre. Vielleicht hilft dieser Appell an die Oeffentlichkeit Remedur schaffen.
m. Lehrer und Gemeinde. Aus G ails hausen schreibt uns ein Freund unseres Blattes: Leider herrschen in unserer Gemeinde schon seit längerer Zeit betreffs der hiesigen Schul verhältnisse recht unerfreuliche Zu⸗ stände. Die Gemeinde befindet sich mit dem Herrn Lehrer L. in einem latenten Kriegs⸗ zustande, der auch seine Schatten in die einzelnen Familien und bedauerlicher Weise auch in die Seelen der Schulkinder wirft. Wir wollen hier nicht untersuchen, auf welcher Seite die Schuld liegt, festgestellt muß aber werden, daß das Einvernehmen mit den Vorgängern des Herrn L. ein durchaus zufriedenstellendes war. Die Kinder, welche in der Familie Vieles hören müssen, das den Lehrer in nicht sehr günstigem Lichte erscheinen läßt, haben zu ihm nicht das Vertrauen, welches als Vorbedingung eines gedeihlichen Unterrichts da sein muß. Deshalb wenden wir uns aaf diesem Wege an die Auf⸗ sichtsbehörde mit der Bitte: die hiesigen Ver⸗ hältnisse untersuchen zu wollen und eventuell durch Versetzung des Herrn Lehrers L. dafür zu sorgen, daß Frieden geschaffen wird. Ab⸗ sichtlich lassen wir alle Details in dieser Zu⸗ schrift weg, hoffen aber bestimmt, daß, sowohl im Interesse des Lehrers wie der Gemeinde für eine gründliche Aenderung der Lage Sorge getragen wird.
In Bisses bei Echzell fand am Sonntag eine recht gut besuchte Volksversammlung statt, in welcher Genosse Beckmann⸗Gießen über die Lebensmittelzölle sprach. Seine Ausfüh⸗ rungen wurden von den Versammelten beifällig aufgenommen und einstimmig sprach sich die Versammlung in einer Resolution entschieden gegen den Zollwucher aus.— Vor einigen Wochen versuchten die Antisemiten in Bisses eine Mitgliedschaft ihres„Hessischen Bauern⸗ bundes“ zu gründen. Es kam aber keine Ver⸗ sammlung zu Stande und Herr Reuther mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen. So groß ist die Rückständigkeit in Bisses nicht mehr.
Aus dem Nreise griedberg⸗Püdingen.
Im Wahlverein Friedberg sprach am Samstag Abend Repp über„Das Christentum und die materialistische Geschichtsauffassung“. Der Vortrag fand allgemeinen Beifall. In der nächsten Versammlung soll darüber diskutiert werden. Alle Parteigenossen seien darauf auf⸗
merksam gemacht.
Bad Nauheim. Selbstzeichnung. Bäckermeister Chr. A. äußerte vorige Woche in der Wirtschaft von H. Langsdorf, nachdem er auf die Gehilfen weiblich geschimpft:„Die Bäcker sind alle Schufte!“ Er scheint es aus eigener Erfahrung zu wissen.
e. In Weckesheim sprach am Sonntag in gutbesuchter öffentlicher Versammlung Gen. Busold⸗Friedberg über den Zolltarif. Zwei anwesende Großbauern, von denen der eine auf Anfrage des Gen. Busold erklärte, daß er 34 Hektar Land besitze, glaubten dem Redner entgegen treten zu müssen. Unter dem Beifall fast der ganzen Versammlung legte Busold dar, daß die beiden Großbauern wohl Vorteile von der Erhöhung der Zölle haben könnten; bei allen übrigen Anwesenden sei dies aber nicht der Fall. Im weiteren wies er darauf hin, daß jeder Weiterblickende und ge⸗ recht Denkende die Abschaffung aller indirekten Steuern anstreben müsse. Für uns hatte die Versammlung den Erfolg, daß demnächst die Gründung eines Wahlvereins vorgenommen werden wird.
Aus dem Rreise Alsfesd-Cauterbach.
* Herr Bindewald, der antisemitische Abgeordnete des Kreises Alsfeld wußte in der neulichen Versammlung in Alsfeld die in Deutschland herrschende Unparteilichkeit der Rechtssprechung nicht genug zu loben, als Genosse Vetters Fälle angeführt hatte, welche geeignet sind, das Vertrauen weiter Volkskreise in die Rechtspflege zu erschüttern. Wollte Herr Bindewald sich mehr in der Wirklichkeit um⸗ schauen, viele gegen Arbeiter ergangene Urteile mit solchen vergleichen, wo ein Angehöriger „besserer Kreise“ vor Gericht stand, er müßte dem Centrumsführer Lieber zustimmen, der einst im Reichstage ausrief:„Unsere Rechts⸗ sprechung ist himmelschreiend!“ Auch der frei⸗ sinnige Abg. Müller⸗Meiningen ist anderer Ansicht als Bindewald. Müller sagte am Samstag im Reichstage zum Duell Bennigsen⸗ Falkenhagen:
„In der Duellfrage hat sich in der Presse ein großes Maß von Heuchelei gezeigt. Christentum und Standesvorurteile und Duelle lassen sich nicht vereinbaren. Der Fall Bennigsen ⸗ Falkenhagen hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Der Mord⸗ geselle hat den schmählich betrogenen Freund niedergeknallt und hier in Berlin trieb sich der Bursche bei Sekt und Austern mit Dirnen in Ballsälen herum, und dafür steht ihm weiter nichts als Festungsstrafe bevor, die eigentlich keine Strafe ist. Da muß allmählich der Gedanke an Klassenjustiz sich Geltung verschaffen.
Zwischen der Herren⸗Moral im Duell und den furchtbaren Strafen gegen Arbeiter tritt ein Unterschied hervor, der in den Arbeiterkreisen Haß und Groll her⸗ vorrufen muß.“
Wenn Bindewald seinen Wählern wieder einmal von der Unpartellichkeit der Rechts⸗ pflege erzählen will, könnte es ihm nicht schaden,
wenn er sich vorher bei Müller Material holte.
Aus dem Rreise Wetzlar.
Sammlungen für die Buren. Aus verschiedenen Orten wird berichtet, daß Gelder zur Unterstützung der Buren eingesammelt wurden und daß die Sammlungen oft ganz erhebliche Summen ergaben. Dabei hat sicher auch mancher Arbeiter und mancher, der sonst sein Geld sehr notwendig brauchte, seine Gro⸗ schen hergegeben. Das macht den Betreffenden gewiß alle Ehre. Ob aber die Gelder in die Hände derjenigen gelangen, für die sie bestimmt sind, das ist eine andere Frage. Jedenfalls ist es von hier aus äußerst schwer, Geld, Lebens⸗ mittel oder sonstige Bedarfsartikel den im Felde stehenden Buren oder den Frauen in den Kon⸗ zentrationslagern zukommen zu lassen und man kann nicht wissen, ob schließlich die für die Buren bestimmten Sendungen nicht den Eng⸗ ländern in die Hände fallen. Außerdem lauten die letzten Nachrichten über die Lage der Buren sehr günstig; Lebensmittel und Geld hätten sie in Hülle und Fülle. Sie sind also offenbar nicht auf die paar deutschen Groschen angewiesen. Den Arbeitern wäre unter diesen Umständen zu empfehlen, ihre Gelder zur Hebung der Notlage in ihrer Heimat und in ihrem Interesse zu verwenden. Dazu giebt's gewiß hinreichend Gelegenheit. Uebrigens bemühen sich Leute um die Buren—„Alldeutsche“, Antisemiten und sonstige„Patrioten“—, die für das Arbeiter⸗ elend in vielen Gegenden Deutschlands nicht das geringste Interesse zeigen, kaltherzig daran vorübergehen.
Aus dem Rreise Marburg⸗-Rirchhain.
St. Dienstboten-Behandlung auf dem Lande. Im benachbarten Schwarzen⸗ born zeigte kürzlich ein größerer Bauer eine
erkrankte Dienstmagd. Nachdem dieselbe in die med. Klinik nach Marburg geschafft war, weigert sich der Bauer, da die Kranke nicht versichert war, für die Kosten der Verpflegung aufzukommen, wozu er doch, wenigstens für die ersten sechs Wochen, gesetzlich verpflichtet ist. Aber nicht genug damit, verweigert er auch die Herausgabe der Kleidungsstücke des Mädchens; ja, er hat ihr sogar etliche Mark Weihnachts⸗ geschenk wieder abgenommmen!— Da beklagen sich nun die Landwirte über die Leutenot!— Kein Wunder, daß sich bei solcher Behandlung die Dienstboten bedanken, bei Bauern zu dienen.
— Der Lumpen- und Strolchabend des Gesangvereins„Eintracht“, welcher am Fastnachtdienstag abends im Jesberg'schen Lokale stattfund, erfreute sich eines guten Be⸗ suches. Es waren Dallesbrüder, Strolche, Lum⸗ pen, nebst ihren„Kallen“, Bauern und sonstige Masken, vertreten, welche sich in recht närrischer Weise amüsierten. Natürlich fehlten auch die Klowus nicht. Bei Musik, Tanz, närrischen Vorträgen und Aufführungen, sowie dergl. Liedern der Sänger verflogen die Stunden nur zu rasch und trennte man sich erst spät nach Mitternacht. Für die Zuschauer gewährte es einen eigenartigen Genuß, den Gesangsvorträgen dieser bunt zusammengewürfelten Lumpenschar zu lauschen. Große Heiterkeit erregte die unter ohrenzerreißendem Klimbim erfolgende Vorführ⸗ ung eines gut dressirten Kamels, welches die schwierigsten Kunststücke ausführte. Alles in Allem: es war ein recht heiterer Abend, den der Gesangverein seinen Mitgliedern und Gästen bereitet hat. Wünschen möchten wir noch, daß der Verein im nächsten Jahre eine größere karnevalistische Sitzung mit nachfolgendem Tanz in einem Saale veranstalten möge, am nötigen Besuch wird es ihm, bei der Beliebtheit, welcher er sich erfreut, gewiß nicht fehlen.
Kleine Mitteilungen.
** Arbeitslose in Berlin. Eine von den Gewerkschaften Berlins vorgenommene Zählung der Arbeitslosen ergab 59537 Per⸗ sonen als arbeitslos, während 42 863 Personen
werbsunfähig.
wahrhaft„liebevolle“ Sorge für seine schwer
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nur beschränkten Tageserwerb hatten. Andere l 16 164 Personen waren wegen Krankheit er⸗
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