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Seite 4.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 24.
90er Jahre, wo ein Rückgang zu verzeichnen war.— Der Kassenbestand weist in Einnahme und Ausgabe die Summe von 1880 995,61 Mk. auf. Von den Ausgaben sind hervorzuheben: für Agitation 44 911 Mk., für die Zeitung 89 182 Mk., für Reisegeld 108 625 Mk., für Ortsunterstützung 311.949 Mk., für Streik⸗ unterstützung 197 181 Mk., für Notstands⸗ unterstützung 566685 Mk. Vorhanden ist ein Kassenbestand von 678 5588 Mk.— Bekannt⸗ lich führte der Verband im Jahre 1899 die Arbeitslosen-Unterstützung ein und gelangte die erste Unterstützung im Juli 1900 zur Aus⸗ zahlung. Da nun für die Arbeitslosen⸗Unter⸗ stützung bei Einführung derselben 10 Pf. Bei⸗ trag pro Woche und Mitglied vorgesehen waren, so stand bei rund 100000 Mitgliedern und einer durchschnittlichen Beitragsleistung von 40 Wochen pro Jahr für die Arbeitslosen⸗Unter⸗ stützung die Summe von jährlich 400000 M. zur Verfügung. Es sind ausgegeben 311 949 Mk.
+Bauarbeiter⸗Aussperrung in Hamburg. Die Innung Bauhütte hat ihre Drohung betreffs Aussperrung der Bauhand⸗ werker in Hamburg, Altona, Wands⸗ beck und Harburg erfüllt. Nach einer genauen Information bei der Streikleitung be⸗ trug die Zahl der Ausgesperrten vorige Woche im Vierstadtebezirk 4500. Die Maurer nahmen sofort zu dem Vorgehen der Unternehmer Stellung und beschlossen, baß sie zu jeder Zeit bereit sind, mit der Organisation der Arbeit⸗ geber wegen der aufgestellten Forderung: neun⸗ stündige Arbeitszeit und 70 Pfg. Lohn in Unterhandlung zu treten; aber ablehnen, die Sperre aufzuheben, bevor die Unterhand⸗ lungen stattgefunden haben und in irgend einer Form eine Einigung erzielt ist.
pon Uah und Lern.
Hessisches.
Die Zweite Kammer hat den Main⸗ Neckar bahn⸗Vertrag nach mehrtägiger heftiger Debatte und nachdem der Finanzminister die Kabinetsfrage gestellt hatte, mit 31 gegen 17 Stimmen angenommen. Die National⸗ liberalen stimmten geschlossen für den Vertrag, dagegen die Sozialdemokraten, 6 Zentrums⸗ leute und 5 Antisemiten.— Damit ist das letzte Stückchen hessischer Selbstänbigkeit in Eisenbahnfragen zum Teufel.
Gießener Angelegenheiten.
— Zu öffentlichen Aufzügen ist in Hessen überall eine Erlaubnis des Kreisamts nötig. Da es in verschiedenen Landgemein⸗ den vorgekommen ist, daß dorten ohne kreis⸗ amtliche Erlaubnis öffentliche Aufzüge vorge⸗ nommen worden sind, so wurde den Bürger— meistern amtlich mitgeteilt, daß zu öffentlichen Aufzügen mit Musik nach dem(veralteten) Polizeistrafgesetzbuch, die Erlaubnis des Kreis⸗ amts notwendig sei und ohne diese Erlaubnis, solche nicht abgehalten werden dürfen.
— Der Jahresbericht der hessischen Gewerbe-Inspektionen für 1901, der vor Kurzem erschtenen ist, weist einen stärkeren Umfang als der des Vorjahres auf. Auf 182 Druckseiten einschließlich der Tabellen wird ein⸗ gehend über die Thätigkeit der Gewerbe-Auf⸗ sichtsbeamten Bericht erstattet, der beweist, wie notwendig und auch verbesserungsbedürftig diese Einrichtung ist, die viele Unternehmer als unnütz und zu ihrer Plage erfunden ansehen.— Seit vorigem Jahre sind in Hessen fünf Aufsichts⸗ bezirke eingerichtet worden. Der Bezirk Worms, der die Kreise Worms, Alzey und Oppenheim umfaßt, wurde von dem Mainzer Bezirk abge⸗ zweigt und Herrn Inspektor Engeln, der früher in Gießen war, übertragen. Den hiesigen Bezirk übernahm Herr Dr. Gerhardt, früher Assistent in Darmstadt. Außerdem wurde das Aufsichtspersonal um zwei Assistenten ver⸗ mehrt, die den Inspektionen Gießen und Offen⸗ bach beigegeben wurden.— Zwar sagt der Bericht, daß die Arbeitgeber der Gewerbe⸗ Aufsicht wachsendes Verständnis entgegen bräch⸗
ten, er fügt aber gleich hinzu, daß noch häufig genug den wohlgemeinten Maßnahmen und Anträgen der Beamten Widerstand Wide gesetzt werde. Dafür werden zahlreiche Beispiele angeführt. So weigerte sich ein Steinbruch⸗ besitzer hartnäckig, in seinem/ Stunde vom nächsten Dorfe entfernten Steinbruche einen heizbaren Raum herzustellen. In diesem Bruche war den ganzen Winter gearbeitet worden; die Arbeiter hatten nicht die Möglichkeit, ihr ge⸗ frorenes Brot aufzutauen. er betr. Unter⸗ nehmer gab erst nach, als das Kreisamt ein⸗ schritt.— Teilweise tragen aber auch die Arbeiter Schuld, wenn Mißstände nicht ab⸗ gestellt werden. Der Gießener Beamte berichtet, daß die Sprechstunden nicht im wünschens werten Maße benützt würden. Er meint, es könne oft sehr leicht den Beschwerden abgeholfen werden, wenn die Arbeiter sich mit dem Beamten mehr aussprechen würden. Dann fiel es ihm auf, daß verschiedentlich Arbeiter größerer Betriebe — sogar organisierte— offenbare und grobe Verstöße gegen gesetzlichen Bestimmungen still⸗ schweigend hinnehmen. Sie wagen also nicht, darauf aufmerksam zu machen. Jeder sollte bestrebt sein, soviel in seinen Kräften steht, mit für die Durchführung der Arbeiterschutz-Bestim⸗ mungen zu sorgen. Allerdings ist die Scheu der Arbeiter, Mißstände in ihrem Betriebe zur Sprache zu bringen, sehr begründet. Der Gießener Beamte führt einen Fall an, wo der Arbeiter seine Stelle einbüßte, als dem Unter⸗ nehmer bekannt wurde, daß der Betreffende dem Beamten Mitteilungen gemacht hatte. Traurig genug, wenn, wie es in diesem Falle zutraf, ein Arbeiter den andern an den Unternehmer verrät.— Uebrigens möchten wir doch darauf hinweisen, daß der Vorsitzende des Gewerkschafts⸗ kartells und die Redaktion unseres Blattes stets berechtigte Beschwerden entgegen nehmen und weiter befördern. Dabei wird der Name des beschwerdeführenden Arbeiters absolut nicht genannt.
— Ueber die Mängel der Versiche⸗ rungs⸗Gesetze spricht diesen Samstag der Genosse Gräf, Arbeitersekretär in Frankfurt, im„Wiener Hof“. Zu der von den Brauern arrangierten Versammlung hat jedermann Zu⸗ tritt; wir empfehlen besonders jedem Arbeiter den Besuch dieser Versammlung, der Referent ist dafür bekannt, daß er das Thema in einer für Jeden lehrreichen Weise behandelt.
— Nachahmenswert! Schon seit mehreren Jahren erhält das kaufmännische Personal der Firma Benner und Krumm alljährlich zur Sommerszeit eine Woche Ferien. Diese Vergünstigung wird jetzt auch den dort beschäftigten Arbeitern gewährt, auch ste erhalten 8 Tage Ferien, selbstverständlich unter Fortzahlung des Lohnes. Es wäre sehr zu wünschen, daß andere Geschäfte das hier ge⸗ gebene gute Beispiel befolgten.
— Wetter⸗Pech. Das am Sonntag stattgefundene Stiftungsfest der Glaser verreg⸗ nete leider. Dieses Jahr haben die Arbeiterfeste Pech wie noch selten. Immerhin muß der Besuch als ein guter bezeichnet werden, bei besserer Witterung wäre der Festplatz stcher überfüllt gewesen. Mögen sich die Glaser mit diversen Kriegervereinen der Umgegend trösten, die noch schlimmer hereinfielen und die ganz sicher an dem Hundewetter schuld sind, denn Kriegervereine sind den Göttern ein Greuel.
— Ein Meineidprozeß, der vorige Woche vor dem Gießener Schwurgericht ver⸗ handelt wurde, war bezeichnend dafur, wie es in Landorten bei Bürgermeisterwahlen zugeht. Eine Frau aus Altenstadt(Kr. Friedberg) war angeklagt, vor dem dortigen Amtsgericht einen Meineid geleistet zu haben und zwar handelte es stch um eine ganz geringfügige Sache, die mit den Bürgermeisterwahl⸗Kämpfen, die dort schon ein Jahr lang toben, im Zu⸗ sammenhange steht. Wie tief dort der Partei⸗ zwist eingerissen ist, zeigt die Thatsache, daß die Angeklagte mit ihrer eigenen Schwester wegen der Wahl in bitterste Feindschaft geraten war. Ein trauriges Bild, wenn Schwester und Schwager der Angeklagten vor Gericht belastend für diese aussagen! Die Angeklagte
wurde zu einem Jahre Zuchthaus ver⸗ urteilt. In vielen Orten Hessens kennt man eben keinen sachlichen Kampf bei den Bürger⸗ meisterwahlen, da spitzt sich alles persönlich zu und dadurch entstehen Skandale dieser Art.
— Professor Hermann Schil⸗ her, Geh. Oberschulrat a. d. ist am Donners⸗ tag in Leipzig, 63 Jahre alt, gestorben.
Der Konflikt, in den er durch seine Kritik des
hessischen Schulwesens 1899, die an die Affaire Dettweiler anknüpfte, mit der hessischen Regierung geriet, wird wohl noch in frischer Erinnerung sein. Weit über Hessen hinaus machten damals die Schiller'schen Artikel, die zuerst in der„Frankf. Ztg.“ und dann im Sonderabdruck erschien en, allgemeines Aufsehen. Die Folge war für Schiller der— Ruhestand, den er in Leipzig verlebte.
Aus dem Rreise sriedberg⸗Büdingen.
Die„geheime“ Wahl auf dem Lande. Wie bei Wahlen manchmal die ge⸗ setzlichen Bestimmungen von den„maßgebenden“ Personen in kleineren Ortschaften mißachtet und übertreten werden, dafür lieferte kürzlich eine Schöffengerichtsverhandlung in Fried⸗ berg ein Beispiel. Auf Veranlassung seiner Vorgesetzten strengte ein am Bahnhof Erbstadt⸗ Kaichen Augestellter, dem allerdings die Beamten⸗ qualifikation fehlt eine Klage gegen einen Bauer an, der ihn grob beschimpft und außer⸗ dem noch als Sozialdemokrat bezeichnet hatte. Vor Gericht nun trat der Verteidiger des Be⸗ klagten, ein Sohn des nationalliberalen hes⸗ sischen Landtagsabgeordneten Jöckel in Fried⸗ berg, den Wahrheitsbeweis wegen dieser Be⸗ zeichnung nach der Richtung an, daß er dem Kläger den Eid darüber zuschob, daß er bei der 1890 er Reichstagswahl einen Stimmzettel mit dem Namen des sozialdemokratischen Kandidaten für den Kreis Hanau abgegeben habe. Dies Geheimnis sei dadurch ermittelt worden, daß ein Beisitzer des Wahlbureaus seine Finger mit Tinte geschwärzt und damit gewissermassen den Stimmzettel des als Sozialdemokraten Verdächtigen bei der Ab⸗ nahme gekennzeichnet hatte und ihn dann natürlich leicht feststellen konnte. Der Herr Verteidiger mußte selbst zugeben, daß dies niedertraͤchtige Manöver„nicht sehr schön“ sei, daß dies auch im höchsten Grade straffällig ist, scheint dem Herrn Rechtsanwalt wohl aus dem Gedächtuis entschwunden zu sein, aber daß der Beleidigte nun noch durch seinen Eid bekräftigen mußte, daß er einen sozialdemo⸗ kratischen Zettel abgegeben, obwohl er nicht Sozialdemokrat sei, daß scheint als eine ritter⸗ liche Kampfesweise angesehen worden zu sein. Der Bauersmann wurde zwar dadurch seiner Bestrafung wegen der übrigen Beleidigungen nicht ledig, denn er mußte mit 60 Mark Geldstrafe daran glauben, man sieht aber, welche Blüten der Parteihaß treiben kann und wie herrlich geschützt das Geheimnis des all⸗ gemeinen und gleichen Reichstagswahlrechts ist. — Unsere Parteigenossen sollten überall, wo es nur möglich ist, scharfe Kontrolle bei den Wahlen üben. Wir haben Grund zu ver⸗ muten, daß wo diese fehlt, auch von den Gegnern gehörig„gemogelt“ wird.
l. Unser„liberd agen Ah neter. Bei den Beratungen über die Wahl⸗ rechtsvorlage im Landtage zeigte der Abgeord⸗ nete für Friedberg, Herr Jöckel, so recht, wes Geisteskind er ist. Der Mann förderte da Ansichten zu Tage, die einem Hinterwäldler aus der Zeit vor der Erfindung der Buch⸗ druckerkunst noch zu rückständig erschienen wären. Unter anderem leistete er sich den Satz, daß wirtschaftlich abhängigen Leuten kein Wahlrecht gebühre! Das wären also alle Arbeiter und sonstigen „kleinen Leute“. Die geheime Wahl zeitige Unehrlichkeit und Feigheit, orakelt der„Volks⸗ vertreter“ weiter. Lesen das ostelbische Junker, muß ihnen das Herz im Leibe lachen; der Zurückgebliebenste unter ihnen erscheint Herrn Jöckel gegenüber noch als stürmischer Fortschritts⸗ mensch. Dieser Mann nennt sich liberal! Das
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