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Seite 4.
Mitteldentsche Sountogs⸗Zeitung.
Nr. 50.
Wahlsieg in Holland.
Bei einer Nachwahl, die in Amsterdam nötig war, siegte unser Genosse Troelstra in der Stichwahl mit großer Mehrheit. Schon in der Hauptwahl fehlten ihm nur noch wenige Stimmen an der absoluten Mehrheit.
Pon Nah und Fern. Hessisches.
Hessen ohne Großherzog. Demnächst unternimmt der Großherzog eine Reise nach Indien. Mit seiner Vertretung während seiner Abwesenheit ist das Staatsminisierium beauf⸗ tragt. Wir sind überzeugt, es wird kaum ein Mensch im Lande merken, daß kein Fürst vor⸗ handen und Hessen gewissermaßen Republik geworden ist. Und ebensowenig würde die Staatsmaschinerie in's Stocken geraten, wenn sämtliche Fürsten ihre Trone und Trönchen auf immer verließen.
Der hessische Landtag
ist auf Dienstag, den 16. Dezember einberufen. Auf der Tagesordnung stehen 36 Punkte.— Das sozialdemokratische Wahlkomitee bei der Landtagswahl in Offenbach hat eine Vor⸗ stellung gegen den Wahlprotest der Mischmasch⸗ leute eingereicht. Darin wird ausgeführt, daß der Passus im Wahlgesetz, wonach nur derjenige Wähler sein könne, der„in keinem fremden Untertanen⸗Verbande stehe“, sich nur auf außer⸗ deutsche Staaten beziehen könne. Wollte man die Gründe des Offenbacher Wahlprotestes als stichhaltig anerkennen, so müßten alle Wahlen für ungültig erklärt werden, denn überall sind die Listen in der gleichen Weise aufgestellt. Das Wahlkomitee ersucht deshalb um Abweisung des Protestes.
Gießener Angelegenheiten.
— Sozialdemokratischer Wahlver⸗ ein. In der Mitgliederversammlung am Samstag sprach Genosse Krumm über die letzten Vorgänge und den Rechtsbruch im Reichstage. Redner schilderte die schändlichen Gewaltakte und Gesetzes verletzungen, die sich die Reichstagsmehrheit fortgesetzt zu schulden kommen läßt. Nachdrücklichst kennzeichnete er das erbärmliche Verhalten des Zentrums, dem es möslicherweise noch einmal recht leid tun könne, den Umsturz der Geschäftsordnung mit herbeigeführt zu haben. Skandalös verhielten sich die nationalliberalen„Bassermann'schen Gestalten“, ebenso kläglich der Richter'sche Frei⸗ sinn. Unsere Partei mußte im Kampfe um den Zolltarif mit aller Kraft die Volks⸗Interessen verteidigen; es war vorauszusehen, daß sie in diesem Kampfe fast allein stehen würde, ihre Taktik stand von vornherein fest. Sie wird nicht zurückweichen, sondern alles tun, um die Ausraubung des Volkes durch die Junkersippe zu verhüten. Und wenn ihnen das auch nicht gelingt, sie werden kämpfen bis zur letzten Minute, wie es ihre Pflicht ist. Der Referent ging dann noch kurz auf die neuesten Kaiser— reden und die Krupp⸗ Affaire ein, hierbei auf die Hetzereien der meisten bürgerlichen Blätter hinweisend. Folgende Resolution gelangte ein⸗ stimmig zur Annahme:
Gegenüber der Hetze, die jetzt von Seiten des verbündeten Junker⸗, Pfaffen⸗ und Ausbeutertums und der diesen ergebenen Presse gegen die Sozialdemokratie in Szene gesetzt wird, verpflichtet sich die heutige Ver⸗ sammlung des soz. dem. Wahlvereins unausgesetzt für die hohen Ziele der Sozialdemokratie zu wirken. Sie fordert alle Arbeiter zu festem Zusammenschlusse auf, damit sie ihre Interessen gegen die Beutegier des Kapita⸗ lismus wirksam verteidigen können. Die Versammlung spricht der soz.⸗dem. Reichstagsfraktion für ihr Verhalten bei den Zolltarifdebatten Dank und Anerkennung aus.
Als zweiter Punkt wurde ein von Genossen Vetters gestellter Antrag, eine Agitatious⸗ kommission für den Kreis Gießen zu wählen, verhandelt und nach längerer Debatte merk— würdigerweise abgelehnt.
Schließlich wurde noch der Wunsch ausge— sprochen, Diskussionsabende zur Belehrung der Mitglieder einzurichten. Dem stimmt die gut⸗ besuchte Versammlung zu und beauftragt den Vorstand mit den Vorbereitungen dazu.
— Die Wahlen zur Ortskranken⸗ kasse ergaben auf Seite der Arbeiter 439 Stimmen für den vom Gewerkschaftskartell auf⸗ gestellten Zettel. Eine Gegenliste war nicht vorhanden. Gegen das Vorjahr wurden also beinahe 100 Stimmen mehr abgegeben. Das bedeutet eine ziemlich rege Wahlbeteiligung, besonders wenn man die jetzige Arbeitslosigkeit berücksichtigt. Viel weniger Interesse als die Arbeiter bekundeten die Arbeitgeber an der Kasse. Von 700 Wahlberechtigten er⸗ schienen am Donnerstag ganze elf zur Wahl! Das ist auch ein kleines Zeugnis für die vielgerühmte Fürsorge des deutschen Unter⸗ nehmertums für ihre Arbeiter.
— Durch die strenge Kälte, die wie es scheint, noch nicht sobald einem gelin⸗ den Wetter Platz machen dürfte, leiden natürlich die Arbeiter am meisten. Viele sind dadurch arbeitslos geworden und kaum im Stande, für sich und ihre Familie die nötigen Lebensmittel zu beschaffen. Selbstverständlich muß da auch an Heizungsmaterial soviel als möglich gespart werden, zahlreiche Familien giebt es, die sich kein warmes Heim bereiten können. Und wie schlimm es mit denen steht, welche die Arbeits⸗ losigkeit zwingt, zum Wanderstabe zu greifen, das beweisen die zahlreichen Opfer der Kälte. Thatsächlich wurden in den letzten Tagen so⸗ viel Erfrorene gemeldet, wie noch selten in einem Winter. Ein trauriges Zeichen für den „christlichen“ Staat! Wie recht hatte unser Genosse Bebel, der seine Rede im Reichstag am Dienstag mit den Worten schloß:„Draußen herrscht der Winter. Hunderttausenden von Menschen im Lande fehlt es an Brot, an Feuer, an Kleidung. Hunderttausenden von Menschen fehlt das, was das Leben lebenswert macht. In solchen Zeiten sollten wir beraten darüber, wie wir diesen Armen, diesen Elenden helfen könnten, wie wir ihnen Brot, Kleidung und Wärme schaffen könnten! Statt dessen beraten Sie einen Ge⸗ waltantrag uach dem anderen, zu dem Zwecke, die Opposition gegen den Hungertarif mundtot zu machen, eine Opposiition, die dar⸗ auf gerichtet ist, die Lebenshaltung des Volkes, die Sie niederdrücken wollen, auf der bis⸗ herigen Stufe zu erhalten. Greller können die Gegensätze der heutigen Gesellschaft nicht zu Tage treten, krasser kann der Kontrast zwischen Satten und Hungrigen, zwischen der zahlungs⸗ fähigen Moral und dem Proletarier nicht be⸗ leuchtet werden, als wie es hier geschieht“.
— Zum Schutze gegen die Kälte wurde in einer Notiz des„Gieß. Anzeiger“ empfohlen, möglichst viel Fett, besonders aber Zucker zu sich zu nehmen. Dadurch würde die natürliche Körperwärme erhöht und der Körper weniger empfindlich gegen die Kälte gemacht. Ja, das mag wohl stimmen. Aber der Rat mutet doch gerade so an, als die Mahnung des braven Chirurgus in Heines Gedicht„Jammerthal“(das wir heute abdrucken):
„Wenn Fröste eintreten, setzt' er hinzu,
Sei höchst notwendig Verwahrung
Durch wollene Decken; er empfahl
Gleichfalls gesunde Nahrung.“ Dem armen Teufel, der sich bei unserer herr⸗ lichen Ordnung kaum satt Kartoffeln essen kann, muß es wie der reine Hohn klingen, wenn man ihm den Rat giebt, Flelsch, Fett, Zucker ꝛc. zu essen. Diese Lebensmittel sind infolge der Zölle und Grenzsperren für die Mehrheit des Volkes unerschwinglich. Gerade der deutsche Zucker kostet in Deutschland dreimal so viel als in England! Und solche Lebensmittelverteuerungspolitit unterstützt der Anzeiger!
B. Die allgemeine Sterbekasse Gießen, welche vor nunmehr 13 Jahren gegründet wurde und jetzt in ihr 14. Geschäftsjahr tritt, besteht zur Zeit aus 1106 Mitgliedern. Dieselbe hatte im verflossenen Jahre einen Zuwachs von 131, dagegen einen Abgang von 14 Mitgliedern(12 durch Tod und 2 durch freiwilligen Austritt). Während seines 13 jährigen Bestehens hat der Verein 126 Sterbefälle unter seinen Mitgliedern gehabt und wurden hierfür an 15 Mitglieder A 75 Mk., an 15 à 100, an 24 à 120, an 23 à 150, an 10 à 170, an 14 à 185, an 13 ͤà 200 und an 12 4 214 Mk., in Summa 18365 Mk. ausgezahlt. Außer⸗ dem besitzt der Verein einen Reservefond von 5007 Mk.
und ist mithin im Stande, selbst in außergewöhnlichen Fällen seinen Verpflichtungen nachzukommen. Auch ist die Sterbekasse wieder in der angenehmen Lage vom 1. Januar 1903 ab, das Sterbegeld von 210 auf 230 Mk. zu erhöhen. Das Eintrittsgeld beträgt für eine Person im Alter von 16—25 Jahren 1 Mk., 25 30 Jahren 1.50 Mk., 30— 35 Jahren 2.50 Mk., 35— 40 Jahren 4 Mk., 40—45 Jahren 7 Mk. Bei der Aufnahme ist außerdem noch ein Sterbefallbeitrag von 25 Pfennig zu bezahlen. Für jeden Sterbefall eines Mitgliedes ist der Kasse ein Beitrag von 25 Pfennig zu entrichten, welcher durch den Kassenboten gegen Quittung erhoben wird. Zur Auskunft in allen Fragen ist Herr Schneider⸗ meister Georg Pfaff, Wallthorstraße 25, Herr Schuh⸗ machermeister Seidewand, Teufelslustgärtchen, sowie Herr Bureau⸗Vorsteher Bruchhäuser, Wolfstraße 8, gerne bereit.
Aus dem Nreise gießen.
r. Heuchelheim. Vorige Woche wurde uns ein braver Genosse, Gustav Stein, durch den Tod ent⸗ rissen. Stein hatte sich wegen eines Kopfleidens in die Gießener Klinik aufnehmen lassen. Samstag früh wurde er tot im Hofe aufgefunden, offenbar hatte er sich im Fleber aus dem Fenster gestürzt. Der Verstorbene hinter⸗ läßt Frau und 3 Kinder. Wir verlieren in ihm einen rührigen und überall gern gesehenen Genossen, dem wir ein gutes Andenken bewahren werden.(In der Klinik sollte doch unseres Erachtens für genügende Aussicht ge⸗ sorgt werden, um solch en traurigen Fällen vorzubeugen. D. R.)
— Versammlungen. Wir machen noch⸗ mals auf die diesen Samstag in Wieseck im Lokale Schneider und die Sonntag in Lich im„Holländischen Hof“ stattfindenden Volks⸗ versammlungen aufmerksam in denen Genosse Scheidemann⸗Offenbach über„der Umsturz tm Reichstage“ sprechen wird. Eine weitere Versammlung findet Sonntag(14.) nachmittag 4 Uhr in Klein⸗Linden im Saale des Herrn Hinterlang statt, wo Gen. Vetters über dasselbe Thema sprechen wird. Unsere Freunde werden zu zahlreichem Besuch der Versamm⸗ lungen aufgefordert.
Aus dem Rreise Alsfesd⸗Cauterbach.
— Zu was Schulsäle verwendet werden. Der„Schulbote für Hessen“ berichtet, daß im Schulsaale der ersten Volksschulklasse in Grebenhain am 17. Nov. gerichtliche Leichenschau über einen Tags zuvor einem Raubmörder zum Opfer gefallenen Mann gehalten, trotz des Einspruches des Lehrers und des Schulvorstandes. Den betreffenden Schulsaal soll der Bürgermeister, wie es heißt auf Zureden des Gerichtsherrn, zur Verfügung gestellt haben, und auch die die Seklion aus⸗ führenden Aerzte hätten kein Bedenken getragen. Die Kreisschulkommission zu Lauterbach hat Beschwerde bei dem Ministerium erhoben. Der Berichterstatter bezweifele, daß eine derartige Amtshandlung im Lehrsaal eines Gymnasiums oder einer Realschule vorgeschlagen worden wäre, so habe es sich aber nur um eine Volks⸗ schule gehandelt, deren Kinder jedenfalls den Saal wieder mit Grausen betreten.
Aus dem Nreise Wetzlar.
h. Von„unserem“ Reichstagsabgeord neten Krämer, über dessen Thätigkeit man sonst verteufelt wenig hört, teilte das Amtsblatt mit verblüffender Fixigkeit bereits vorige Woche mit, daß er für den Antrag Kardorff gestimmt habe. Merkwürdig, im Augen⸗ blick, wo wir dies schreiben(Donnerstag) wird über den Antrag Kardorff noch verhandelt! Aber wir glauben schon, daß der Anzeiger hier Recht behält; die Fraktion Drehschelbe, zu welcher Krämer gehört, wird selbstver⸗ ständlich im Verein mit Junker und Pfaff für diesen Antrag stimmen und damit Recht und Gesetz nleder⸗ trampeln helfen. Uebrigens war sich kaum Jemand über die Stellung Krämecs zu dem Vergewaltigungs⸗Antrag im Unklaren. Der Mann war noch stets für jeden reaktionären Streich zu haben, war er doch s. Zt. auch für das Zuchthausgesetz. Mit den Wucherzöllen dürfte er aber auch bei den Kleinbauern unseres Kreisez wenig Gegenliebe finden, die kommen nämlich immer mehr zu der Einsicht, daß sie bei der Zollpolitik die Geprellten sind. Beispielsweise leuchtete neulich in Löhnberg ein einfacher Bauer einem Agitator des Bundes der Land⸗ wirte gründlichst heim.
h. Die Lesevereinigung Wetzlar veranstaltet diesen Sonntag(14.) ihren vierten Vortrag. Herr Musiklehrer Th Gerold⸗Frankfurt spricht über: Das deutsche Weihnachtslied. Konzertsängerinnen Frl.
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