Ausgabe 
13.4.1902
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 15.

um ca. 12000 vermindert, was auf die er⸗ höhten Beiträge zurückgeführt wird. In den verflossenen zwei Jahren hat der Verband in der Hauptkasse eine Einnahme von 315,130,90 Mk. zu verzeichnen, der eine Ausgabe von 235,648,25 Mk. gegenübersteht. Der Bericht über die Streiks führt 41 Lohnbewegungen auf, über die dem Vorstand Berichte zu⸗ ingen. Beteiligt waren daran 8070 Per⸗ onen, die Gesamtkosten betrugen 192,894 Mk. Von den Streiks waren 12 erfolgreich, 12 teil⸗ weise erfolgreich und 17 erfolglos. Beschlossen wird u. A. die Gemaßregelten⸗Unterstützung auf 9 Mk. pro Woche festzusetzen und für jedes Kind unter 14 Jahren eine Mk. zu zahlen.

Die Sätze für Krankenunterstützung werden je nach Dauer der Mitgliedschaft auf 2, 3, und 3,50 Mk. für die Woche festgesetzt.

Der Verein deutscher Schuhmacher tagte in München. Diese Gewerkschaft hat eine Mitgliederzunahme von 1474 zu ver⸗ zeichnen, sie zählt jetzt 19 362 Mitglieder. Die Einnahmen der Organisation belaufen sich in den zwei Jahren auf 343,610,69 Mk., die Ausgaben auf 313,781,76 Mk.; das Vereins⸗ vermögen beträgt 86,350,76 Mk. Die Zahl der Lohnkämpfe in 357 Betrieben ist eine sehr erhebliche und verwandte die Organisation da⸗ für 133,207,52 Mk. In 105 Fällen in 1129

Betrieben regelten sich die Differenzen ohne

Streiks, es ist also hier lediglich dem Einfluß der Organisation zu verdanken, wenn in 67 Fällen mit einem Erfolg für die Arbeiter die Differenzen beigelegt wurden. An Unter⸗ stützungen zahlte die Gewerkschaft in den letzten zwei Jahren 24844 Mk. aus.

Der Verband der Maschinisten und Heizer hielt seine 6. Generalversammlung in Magdeburg ab. 43 Delegierte ver⸗ traten 111 Vereine mit 6000 Mitgliedern. Auch dieser Verband verzeichnete eine erfreu⸗ liche Mitgliederzunahme. Die Gesamteinnahme betrug 26,113,31 Mk., die Gesamtausgabe 22,695,71 Mk. Lebhafte Diskussionen ent⸗ fesselte ein Antrag Brandenburg:Die Miß⸗ stände in der Binnenschifffahrt zu beseitigen. Alle Redner entrollten ein trübes Bild über die Zustände auf den Flußdampfern. Der Verbands⸗Vorstand soll nachdrücklich für die Be⸗ seitigung dieser Mißstände eintreten. Zum Sitz des Verbandes wird Berlin bestimmt. Ferner wurde die Einführung der Arbeits⸗ losen⸗Unterstützung beschlossen, sowie ein An⸗ trag angenommen, wonach die Zahlstellen ver⸗ pflichtet sind, sich den örtlichen Gewerkschafts⸗ kartellen anzuschließen.

Auch die Metzger, deren Beruf bis⸗ her noch immer der Organisation mit am un⸗ zugänglichsten war, haben sich seit 2 Jahren in einer Gewerkschaft vereinigt. Allerdings ist der Verband noch schwach, er zählt erst 2400 Mitglieder, aber gegen die früheren Verhältnisse bedeutet das einen erfreulichen Fortschritt. Bei dem in Berlin am Ostern abgehaltenen Verbandstage verzeichnete der Kassen-Bericht in Einnahmen und Ausgaben 9630 Mk.; für Unterstützungszwecke wurden 368 Mk. aus⸗ gegeben; für das Fachorgan 1767 Mk.; für Agitation 1214 Mk. ꝛc. Der Verbandstag beschloß die Errichtung eines Verbandbureaus mit einem besoldeten Beamten. Weiter wurde beschlossen, sich der Generalkommission an⸗ zugliedern.

Von Uah und Fern.

Hessisches.

In der Zweiten Kammer hat der Abg. Wolf(Antis.) eine Anfrage an die Re⸗ gierung gerichtet, ob sie bereit sei, an die Kreisämter eine Verfügung zu richten, welche das Durchtrelben von Schafherden nichthessischer Besitzer im Interesse der Ver⸗ hütung der Verschleppung von Viehseuchen und der Verhütung etwaiger Flurschäden verbietet. Ferner hat der Abg. Köhler⸗Langsdorf folgenden ausführlich begründeten Antrag ein⸗ gebracht:

Die verehrliche Zweite Kammer wolle be⸗ schließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, alsbald mit dem Herrn Kommandeur der Hess.(25.) Division in Verhandlung einzutreten zwecks Einrichtung eines ständigen landwirt⸗ schaftlichen Lehrkursus für freiwillige Teilnehmer aus den Regimentern zu Darm⸗ stadt. In der ziemlich langen Begründung sagt Köhler neben vielen Verkehrheiten Manches, was wir für richtig anerkennen können. Er⸗ klärt er beisptelsweise, daß die Notlage in der Landwirtschaft am meisten von der ungenügen⸗

den beruflichen Vorbildung des Bauernstandes

verschuldet sei, so wollen wir dem gerade nicht widersprechen. Wenn das aber früher von andern Leuten gesagt wurde, so überhäuften sie die Antisemiten mit all' den Liebeswürdigkeiten die ihr reichhaltiges Schimpfwörter⸗Lexikon aufweist. Und wenn die Soldaten theore⸗ tischen Unterricht in der Landwirtschaft er⸗ hielten, wäre das jedenfalls besser, als wenn sie ihre Zeit mit dem nutz⸗ und zwecklosen Parademarsch und ähnlichen überflüssigen Dingen totschlagen. Noch mehr wäre aber dem Bauer und dem ganzen Volke gedient, man beseitigte das stehende Heer und führte Volks⸗ bewaffnung im Sinne des sozialdemokcatischen Programms ein. Für mehr Soldaten sind aber Köhler und seine Freunde stets zu haben gewesen, sind also mitschuldig an dem Schaden, der dem Bauernstand durch den wachsenden Militarismus zugefügt wird.

Arbeiter, Genossen! Rüstet zur Feier des I. Mai!

Gießener Angelegenheiten.

Aus dem Berichte des Kreisge⸗ sundheitsamtes. Im Jahre 1901 wurden in der Stadt Gießen 986 Kinder geboren gegen 1035 im Vorjahre. Von etwa 400 in der Klinik geborenen Kindern wohnen die Mütter nicht in Gießen. Verstorben sind 549 Personen, 319 männlichen, 230 welbl. Geschlechts. Einheimische waren davon nur 335. Die Sterblichkeitsziffer ist eine ziemlich niedrige, sie beträgt 12,9 auf 1000 Lebende. Im Säuglingsalter verstarben 106 oder 31 Prozent. An Scharlach, Diphtheritis und Keuchhusten verstarben 8 Kinder; die gefährlichste Kinderkrankheit ist Magen- und Darmkatarrh, woran 27 Kinder starben. Zum Teil dürfte dies auf unzweckmäßige Er⸗ nährung zurückzuführen sein. 38 Personen starben an Lungenschwindsucht gegen 51 im Vorjahre. Die Feststellungen der Vorjahre ergeben, daß die Sterblichkeit an Schwindsucht im langsamen Abnehmen begriffen ist, eine Folge besserer Lebenshaltung eines Teiles der Bevölkerung. Mit der Lebenshaltung der Arbeiterschaft sieht es allerdings noch schlimm genug aus.

Die allgemeine Sterbekasse Gießen hatte seit der General⸗Versammlung, am 6. Dezember 1901 einen Zugang von 82 Mitgliedern zu verzeichnen und zählt nuamehr der Verein deren 1065. Durch diesen Zu⸗ wachs, welcher sich wohl im Laufe des Jahres erhöhen dürfte, wird der Verein in der Lage sein, das Sterbegeld wie dies seither immer der Fall war bei der nächsten General⸗ Versammlung zu erhöhen. Bei jedem Sterbe⸗ fall eines Mitgliedes ist nur der geringe Bei⸗ trag von 25 Pfennig zu entrichten. Der Verein zahlt gegenwärtig ein Sterbegeld von 210 Mark, welcher Betrag eintretenden Falls sofort zur Auszahlung kommt.

Anmeldungen zum Eintritt in die Kasse werden von dem 1. und 2. Vorsitzenden Herren Schneidermeister Georg Pfaff, Wallthorst. und Schuhmachermeister H. Seidewand, sowie dem Rechner Herrn H. Bruchhäuser jederzeit entgegen genommen.

Maifestzug. Das Gießener Gewerk⸗ schaftskartell hat beschlossen, bei dem diesjährigen Maifest am Sonntag, den 4. Mai einen Festzug zu veranstalten. Derselbe soll sich von Os⸗ walds Garten aus durch Kirch- und Schulstraße, Neue Bäue, Grünbergerstr. nach dem Stadt⸗

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walde zu bewegen, wo allgemeines Waldfest stattfindet. Günstiges Wetter vorausgesetzt natürlich. Für eine möglichst zahlreiche Be⸗ teiligung zu agitieren, muß jedes Gewerkschafts⸗ mitglied für seine Aufgabe halten.

Frühjahrs⸗Kontrollversammlungen finden im Bezirk Gießen vom 12. 19. April statt. Am 14. und 15. April in Gießen; am 16. Vormittags und Nachmittags in Lollar; am 17. ia Grünberg; am 18. in Lich; am 19. in Hungen für die dazu gehörigen Ortschaften.

Sind die Kontroll⸗Versamm⸗ lungen notwendig? Die Erörterung dieser Frage dürfte angebracht erscheinen und wir sind der Meinnug, daß sie auch vom Standpunkt des heutigen Militarismus verneint werden kann. Schon bei der Beratung des diesjährigen Mllitäretats regte der freis. Abg. Bräsicke die Beseitigung der Kontroll⸗Versammlungen an. Er betonte dabei sehr richtig, daß ihr Wert bei dem heutigen Stande des Nachrichtendienstes, der Verbreitung der Zeitungen usw. ein sehr untergeordneter set, daß aber große Mas⸗ sen des Volkes, sowohl Arbeitnehmer als Arbeit⸗ geber, einen bedeutenden Vermögensnachteil dadurch hätten. Der Abgeordnete bezifferte den Schaden, der den beteiligten Kreisen durch die Versäumnisse, die hauptsächlich die in Accord⸗ sowie Stundenlohn Arbeitenden treffe, auf jährlich 4 bis 5 Millionen Mark. Was für einen großen Teil der Beamten(Bahn-, Post⸗ usw.) nicht nötig ist, sollte auch für die große Masse auch nicht notwendig sein. Denn die ersteren sind von der Teilnahme an den Kontrollversammlungen befreit.

Nicht nur die Arbeiter, nein auch die Arbeit⸗ geber sind an einer Aenderung finanziell interes⸗ stert; denn es ist sicher für große Geschäfte eine ansehnliche Summe, die sie entsprechend dem 8616 des Bürgerlichen Gesetzbuches oder auf Grund gegenseitiger Abmachungen bei Tarif⸗ verträgen für die zweimal jährlich stattfindenden Kontroll⸗Versammlungen sozusagen zum Fenster hinauswerfen. Und den Kontrollpflichtigen ist doch wohl, wie man annehmen kann, mit der hierdurch bedingtenUẽnterbrechung der Arbeit keineWohlthat erwiesen. Mit den Kontroll- Versammlungen kämen auch eine große Anzahl Strafen in Wegfall, die bei dieser Gelegen⸗ heit oft verhängt werden. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes würden jedenfalls froh sein, von dieser lästigen Fessel befreit zu werden und viele andere Leute mit ihnen. Das Volk muß das Bestreben der Beseitigung der Kontroll⸗Versammlungen unterstützen. Man sollte nicht ruhen, bis diese veraltete, auch für die Armee in ihrer heutigen Verfassung nutzlose Institution beseitigt ist.

Größere Gelände- Ankäufe soll die Stadt Gießen in letzter Zeit gemacht haben. Wenn das mit zur Besserung der Wohnungs⸗-Verhältnisse bei⸗ tragen würde, wäre das nur mit Freuden zu begrüßen, Denn diese sind hier so schlechte, wie kaum in mancher Großstadt.

Theater. DasIbsen⸗Theater giebt hier zwei Vorstellungen und zwar am Montag und Dienstag 14. und 15. April. Zur Aufführung gelangt am Montag:Hedda Gabler; am Dienstag:Rosmers⸗ helm, beide Stücke von Ibsen.

Aus dem Rreise gießen.

Aus Watzenborn⸗Steinberg. Zu der An⸗ gelegenheit mit der Ostereierspende wird uns in Er⸗ widerung auf die Zuschrift des Hrn. Pfarrers Sommer⸗ lad in Nr. 13. ds. Bl. geschrieben, daß noch bis voriges Jahr fast sämtliche Confirmanden Eier gespendet haben. Außerdem betrage das Pfarr⸗Gehalt nicht, wie früher angegeben, 4000 Mk, sondern 4800 Mk. Der Einsen⸗ der versichert, daß ihn keineswegs Animosität gegen den Pfarrer leite, er wolle nur einem Mißstande entgegen wirken, der vielfach drückend empfunden werde. Da⸗ rüber klagt uns übrigens auch eine Zuschrift aus Klein⸗ Al tenstädten bei Wetzlar. Dort bettelten die Kinder die Eier im Dorfe zusammen, Für den Pfarrer hat jedes Kind 12 Stück, für den Lehrer 6 Stück zu bringen. Nach unserer Meinung läge es im eigensten Interesse der Pfarrer und Lehrer, diese Einrichtung zu beseitigen.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Mit der Handwerksretterei wills in Wetzlar nicht recht vorwärts gehen. Bei der letzten Vollversammlung der Coblenzer

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