Ausgabe 
12.1.1902
 
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Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. Nr. 2. 2 Brigitte taumelte zurück. Das also war's! Aber Ann' wurde schwächer Tag um Tag, Das! ste welkte wie ein Pflänzlein, das man mit den = Die Knie zitterten unter ihr, es wurde ihr Wurzeln ausgerissen, und an einem hellen Sonntag 0 SS e. 8 schwarz vor den Augen und sie mußte sich fest⸗ im November, als durch's offene Fenster die 0 9 87 5 halten. Doch nur einen Augenblick dauerte die Glockentöne hereinzogen und die Sonnenstrahlen Unter altungs-Ceil. Schwäche. Dann wankte sie zu Ann' hinüber, das Haar der Ruhenden küßten, da flüsterten und mit einer Zartheit, die man der Alten gar die bleichen Lippen ein leises:Gute Nacht,

nicht zugetraut hätte, nahm sie der Enkelin das Ahning, und habe mein Aennchen lieb!

4 Kind ab und legte es auf ihr Bett. Dann In dem Blicke, mit dem die braunen Augen 25 holte sie die warmen Strümpfe und das die Großmutter und das Kleine umfaßten, lag Brigitte. Sonntagsgewand und hekleidete die Frost⸗ eine Welt voll Dank und Liebe. Und dann

Von G. Stein. zitternde damit. Willenlos ließ Ann' alles mit schlossen die Augen zum ewigen Schlummer. Nachdruck verboten.) sich geschehen. Und als ste sich in den Arm der Als sie die Ann' zu Grabe trugen, da schlich 1 Fortsetzung) Ahne schmiegte wie in alten Zeiten, wenn am Brigitte dahin, als werde sie sich nimmer auf⸗

Der Herr Lehrer, der selbst ganz stolz war auf die Erfolge, die er vorausgesagt, mußte fi. der alten Brigitte vorlesen, die sie nachher ür sich allein einmal ums andere mühsam nach⸗ buchstabierte und sie dann zwischen den Blättern des Gesangbuches aufbewahrte. Auch sonst hatte es die Ann' gut. Die Frau Baronin hatte sie bei ordentlichen Leuten untergebracht, und als ste in ihrer einfach⸗zierlichen Kleidung ein⸗, zweimal zu den Ferien heimkam, war das anze Dorf voll von ihr und Jedermann pries ihr Glück und die Herzensgüte der Schloßfrau.

Dann hatte sie ihr Examen gemacht und gleich eine Anstellung gefunden. Das war gut, in doppeltem Sinn. Die Frau Baronin war nach kurzem Krankenlager hochbetagt gestorben, da hörten die Zuwendungen von der Seite auf. Ein Glück, daß Ann gleich die Stellung gefunden hatte, vierzig Mark Gehalt im Monat Brigitte meinte, das sei eine Summe, die könnte man gar nicht kleinkriegen.

Nur, daß die Briefe jetzt seltener wurden. Kein Wunder, das Kind hatte jetzt viel mehr zu thun. Bis Abends zehn Uhr manchmal, wo sollte da die Zeit zum Schreiben herkom men? Wie müde sie manchmal sein mochte, das arme Ding! Zuletzt blieben sie ganz aus. Zu Johannt hatte sie sich von dem Herrn Lehrer einen Brief schreiben lassen; aber auch darauf war keine Antwort gekommen. Nun hatten wir bald Martini. Brigitte wußte nicht ein noch aus. Nachts kam kein Schlaf in ihre Augen, und bei Tag trieb die Unruhe sie um. Wenn ihre Ann' krank war, krank bei fremden Menschen!

Allein und verlassen! Und nun kam es über sie: ste mußte hin. Sie hatte ein paar Pfennige erspart. Auf den Winter, wenn es draußen nichts zu holen gab. Die mußten heran.

Beim Schein ihres Oellämpchens zählte Brigitte ihre Schätze. Ein Nickel und Pfennig⸗ stück nach dem andern tauchte aus der Tiefe des Strumpfes auf; eine stattliche Anzahl, wer weiß bei zehn Mark. Plötzlich war es der Alten, als ob sie aus dem Sturm, der das Häuschen umtobte, durch die Ritzen der Fenster fuhr und einen Regenschauer nach dem andern dagegen warf, eine Stimme ihren Namen rufen hörte. Sie horchte. Es blieb alles stumm. Nein, war ste schreckhaft geworden! Doch nein! Da kam es wieder und nun, sie hatte sich nicht getäuscht, nun pochte es an die Thüre. Mit erschrockener Hast barg sie ihre Schätze wieder in den Strumpf und erhob sich schwer⸗ fällig, um zu öffnen. Wer mochte da kommen? Sie hatte kaum die Hand auf die Klinke gelegt, als ein mächtiger Windstoß die Thür weit aufriß und ihr einen Sprühregen ins Gesicht jagte. Sie konnte nicht gleich sehen. Und als ste dann sah Nein, es war nicht möglich! Auf der Schwelle stand ein junges Weib. Ein dürftiger Rock saß lose über einer abgetragenen Bluse. Um Kopf, Brust und Schulter war ein großes graues Tuch geschlagen, das zeronch irgend ein Bündel oder Packet zu bedecken schien. Klatschnaß hing das Haar an den Schläfen nieder, und in dem hohlen Gesicht standen zwei große erschrockene Kinderaugen von dunkelbrauner Farbe.

Ann'! Brigitte sagte es mehr mit den Augen wie mit den Lippen, und nun machte die Freu de einige Schritte und sank dann in die Knie. Sie hielt das Bündel der Alten entgegen und in herzzerreißenden Tönen schluchzte es auf:Ahning, Ahning, verstoß mich nicht!

Sonntag die Glockentöne über die Ebene dahin⸗ zogen, da löste sich der Krampf in ihr, und schluchzend barg sie ihr Antlitz an der treuen Brust.

Brigitte redete kein Wort. Liebkosend strich manchmal die rauhe Hand über Scheitel und Nacken der Weinenden.Meine Dirn, meine arme Dirn, murmelten die zitternden Lippen. Und in einer solchen Nacht, keinen Hund sollte man hinausjagen, und sie schickt man durch Sturm und Wetter! Nach einer Weile richtete Ann' sich auf.Nicht, Großmutter, darfst keinen schelten. Es ist ein Gesetz, daß sie da, wo ich war, einen nur zehn Tage nach der Zeit behalten, dann muß man sich eine andere Unterkunft suchen gehen. Ich hätte ja auch eine Stelle haben können, aber ein Schauder lief über sie hinich konnt' nicht, ich mußt' heim, heim zu Dir. Und Großmutter, Aehni, nicht wahr, Du verstößt mich uicht, morgen nicht niemals!

Dumme Dirn! Und schwere Thränen tropften aus den alten Augen, die das Weinen so lange schon verlernt hatten über all dem Jammer, den ste schon gesehen.Dumme Dirn!

Das Oellicht war ausgelöscht. Man mußte sparen. Brigitte hatte Ann' auf ihr Lager gebettet, und es war wie Frieden über das Gesicht des armen jungen Weibes geflogen, als sie von dort aus zusah, wie Brigitte mit den alten ungeschickten Händen sich um das Kind mühte. Dann ruhten beide neben einander, Mutter und Kind, und wie ein Traum aus ferner Kinderzeit klang es an das Ohr der braunen Ann', von zitternden Lippen mit gar dünner, schwacher Stimme gesungen:Eia popeia, was rappelt im Stroh, Kätzchen ist tot und's Mäuslein ist froh, eia popeia! Bald zog ein friedlicher Doppelatem durch den Raum, und am Bett saß Brigitte im Dunkeln und hielt die Wache. 5

Dunkel außen und dunkel innen, so schreck⸗ haft dunkel und öde im Kopf und im Herzen. Nach einem Leben in Sorge und Arbeit, einem Leben der Zucht und Ehre, ein Ende in Schande. Schande durch sie, ihren Sonnenschein, den Troft ihres Alters! Und heimgekommen in solcher Nacht, durch Regen und Sturm. Keiner, der sie schützte, keiner, der ihr half. Es hätte wohl einen gegeben, aber Ann' hatte abgewehrt, nichts von ihm, kein Wort selbst von ihm, nicht einmal der Name war auf ihre Lippen gekommen. Kein Wort von dem, was dahinten lag, ver⸗ sunken, versunken, vergessen auf ewig! Was hatten ste ihr angethan, ihrem Liebling, der heute noch rein war, wie am ersten Tag, rein trotz der Schmach, die sie auf sie gewälzt hatten? Es rumorte in dem armen, alten Kopf, die Gedanken drehten sich im Kreise; im Herzen baute sich's auf wie eine Mauer von Liebe, die die Arme da schützen sollte vor aller Unbill und Rauheit der Welt, und die Lippen murmelten: In solcher Nacht! Durch Wetter und Sturm, allein und verlassen!

Am andern Tag fteberte Ann' und als nach zwei Tagen der Doktor ins Dorf kam, paßte ihm Brigitte auf. Der Arzt schüttelte den Kopf und machte ein ernstes Gesicht. Die Schwäche, der Gang durch die stürmische Regennacht, die Aufregung Brigitte solle sich auf Alles gefaßt machen. Der Doktor komme noch einmal nach⸗ sehen. Der Doktor war 1 8 und Brigitte 115 sich am Thürpfosten fest. In ihrem Innern

öhnte es auf:Nein, das durfte ihr Gott nicht thun das nicht!

richten, und die Leute glaubten, ihr letztes Stündlein sei nicht mehr fern. Dann aber, da gab sie sich gleichsam einen Ruck, so von innen, und als dann die Kleine heranwuchs und lieblich heranwuchs, das mußte ihr der Neid lassen, da flog es manchmal wie ein Abglanz von Sonne über das verwitterte Gesicht.

Großmutter! Großmutter!

Brigitte fuhr auf. Wahrhaftig, nun war sie doch eingeschlafen. Oder war ihr nur im Halbschlaf ihr ganzes Leben im Geist vorüber⸗ gezogen? Die Sonne war hinunter, kaum daß noch ein roter Streifen den westlichen Horizont säumte. Schon wuchsen die Schatten des Abends über die Ebene, die Tannen ragten schwarz und drohend in die graue Luft und fröstelnd schmiegten sich die Blätter der Laubbäume aneinander.

(Schluß folgt.)

Im Kampf mit ihr.

Humoreske von Ph. Scheidemann.

Strahlend vor Freude stürzte Gottlieb Schulze zu mir in's Zimmer. Er, der sonst so N schien ganz aus Rand und Band zu sein.

Mensch, was ist Dir denn passtert, frage ich,hast Du in der Lotterie gewonnen?

Nein, nein viel freudigere Nachricht bringe ich! Ich habeihr geärgert, ich habe ihr gründlich hinein gelegt.

Ihr? Ah, ich verstehe; na, dann schieße mal los, Gottlieb.

Also höre:

Zum ersten Male wohnen wir in einem Hause mit Gasanlagen. An der Decke unserer sogenannten guten Stube ist eine Rosette an⸗ gebracht; ein pausbäckiger Engel sperrt den Mund auf und aus dem Mund guckt ein Stück Gasrohr.

Meine Schwiegermutter sagte, das sei rei⸗ zend, ein allerliebstes Posaunenengelchen; mir kommt es vor, als wenn der sogenannte Engels⸗ kopf ein abgebrochenes Pfeifenrohr im Mund und im Uebrigen eine verfluchte Aehnlichkeit mit meiner Schwiegermutter hatte; ich finde also die Rosette geschmacklos.

Meine Frau ist auch in dieser Frage in der schlimmsten Situation. Sie hat aber bald, wie gewöhnlich, die goldene Mittelstraße zwischen mir und meiner hochverehrten Schwiegermama gefunden. Der Engelskopf sei nicht gerade reizend, aber auch keineswegs geschmacklos; aber praktisch sei das Gasmundstück auf jeden Fall innerhalb der Rosette angebracht.

O, es ist erstaunlich, wie ein Weib, das sich bemüht, das europäische Gleichgewicht zwischen ihrem Gatten und ihrer Mutter auf⸗ recht zu erhalten, sich zu helfen weiß.

Also praktisch! Auf das Wort schien meine Schwiegermutter, die jeden Sonntag zu Besuch bei uns weilt ich begreife übrigens nicht, wie man 52 Sonntage im Jahr einrichten konnte, 4 wären gerade genug! nur gewartet zu haben.

Jawohl, sehr praktisch! Und Ihr werdet Euch natürlich in diesem Zimmer Gas⸗ beleuchtung zulegen müssen.

Erlauben Sie, verehrte Frau Schwieger⸗ mutter, aber das werden wir nicht thun. Unsere Petroleum⸗Hängelampe ist noch wie neu und wird sich zwischen den Engelszähnen auch ganz gut machen.

Aber ich bitte Sie, Sie können doch dem reizenden Engel keine Petroleumlampe in den Mund stecken!

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Almächt ber lieb Herzbrechende Thränen fließen, Ich War meine Stammkne Hier machte Panse, dann fuh Am nächsten elschien bereits d fläche. Er schra in den Mund, warf mir neben vom Schreibtisch Mqenspize einbil als ob er ein M. bracht hätte, von Am Nachmitt Oaswerks und che an. Er 9 nd heilig, die g fei ganz von fel Abends erst loft einen Zyl. Dienstag len, ub se Gas neichen Stilpe flotten, Mittwoch an Eusbergitun sch em daß Donners ie 0 reitg 1 Fan40 a euhrung Al, gung die Während g Kchnise 1 Sorten mei b und Wieder der a

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