Ausgabe 
12.1.1902
 
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Nr. 2.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

Unsere Kalender sind bis auf wenige Orte bereits im ganzen Kreise verteilt. Allüberall wurden ste gut aufgenommen. Teilweise wurden unseren Genossen Mittagessen, Frühstück, Kaffee und andere Erfrischungen dargereicht. Ein Bauer spendete 2 Mk. Nur in Okarben, wo unser Genosse noch etwa 6 8 Häuser zu versehen hatte, wurde er auf die Bürgermeisterei zitirt und ihm mit der Konfiskation gedroht, falls er nicht die Verbreitung einstelle. Es wird Sorge getragen werden, daß der Bürger⸗ meister in Zukunft besser Bescheid weiß.

Aus dem Rreise Wetzlar.

W.Unser Volksvertreter. Herr Reichstagsabgeordneter Krämer sah sich end⸗ lich einmal veranlaßt, in Wetzlar über seine Thätigkeit als Volksvertreter zu berichten. Zur Unterstützung hatte er sich auch gleich seinen Parteisekretär Patzig aus Berlin mit⸗ gebracht. Die Versammlung, die am Sonntag imRömischen Kaiser zu diesem Zwecke statt⸗

fand, war zahlreich, auch von Seiten unserer

Genossen, besucht und gestaltete sich zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen National⸗ liberalen und Sozialdemokraten. Herr Krämer las zunächst den Standpunkt seiner Partei zu den Zollfragen ab. Seine Partei wolle auf dermittleren Basis, welche die Regie⸗ rungsvorlage darstelle, eine Veyständigung suchen. Mit den Zollerträgnissen wolle man an die Witwen⸗ und Waisenversorgung gehen. Die Minimalzölle stärkten die Position unserer Unterhändler. Kurz zusammengefaßt sagte Herr Krämer, man könne der Regierung die Sache vertrauensvoll überlassen. Die Zuhörer wußten nach der Rede so wenig wie vorher, für welche Zölle nun Herr K. zu haben ist. Als Zweiter kam dann Parteisekretär Patzig zu Wort. Zentrum und Sozialdemokraten sind die bösen Mächte, die an dem neuen herrlichen Reich nörgeln. Im Zukunftsstaate fehlten die Unternehmer, die Arbeiter seien der Amei⸗ senhaufen, der zwar arbeiten könne, der aber den Blick nicht in die Ferne und Höhe erheben könne, der eben nicht die geistige Leitung der Produktion führen könne. Die ausländischen Sozialdemokraten bewilligten ihren Regierungen für Heer und Flotte, was sie haben wollten. Im Uebrigen war die Rede ein nationales Phrasengeklingel in seltener Vollendung.

In der Diskussion(Redezeit 10 Minu⸗ ten festgesetzt) nahm Genosse Kru m m⸗ Gießen das Wort. Ameisenhaufen, führte er aus, sei ein gutes Wort, denn darin müsse jeder arbeiten. Wenn wir nun die sozialistische Gesellschaftsform bekämen, wo wollten dann die Herren mit ihrer großen Intelligenz hin? Sie werden doch hübsch bei uns bleiben;

wollten sie das nicht, so könnten wir sie ent⸗

behren. Haben wir die Macht, dann richten

wir ein Schulwesen für die Gesamtheit ein,

wie es jetzt nur für die reichen Leute exi⸗ stiert. In den Aktiengesellschaften ꝛc. arbeitet heute schon die Intelligenz für die Koupon⸗ abschneider und Dividendenschlucker, sie würden mit größerem Vergnügen als freie Leute für die Allgemeinheit arbeiten. Der Vorwurf der Reichsfeindschaft ist außer Kurs, uns trifft er nicht, halten die Gegner Heer, Flotte und Kolonien für so notwendig, dann sollen ste die direkten Steuern gerechter verteilen und aus ihrer Tasche bezahlen, anstatt sie jetzt das Bezahlen den armen Teufeln überlassen. Ein solcher praktischer Patriotismus ist mehr wert wie alle schöͤnen nationalen Phrasen. Wir find gegen die Zölle, weil sie die Aermsten am höchsten belasten und die Erträg⸗ nisse nicht den kleinen Bauern zu Gute kom⸗ men, sondern den Todfeinden des Volkes, dem Junkertum und seinen Abarten. Haben dann die 23 Jahre Zoll den kleinen Bauern etwas genützt? Ihrer eigenen Aussage nach sind sie ärmer geworden, da müsse doch das Mittel untauglich fein.Setzen Sie die in⸗ direkten Steuern herab, entlasten Sie die Ge⸗ meinden; verkürzen Sie die Militärdienst⸗ zeit, damit nützen Sie den kleinen Bauern mehr wie mit allen Zöllen, wo ihm mit der einen Hand mehr genommen wird, als er von

der anderen erhält. Die Bezugnahme auf Schippel ist verfehlt; Sch. sagt, wenn die Gewißheit steigender Löhne mit einer Zoll⸗ erhöhung verbunden ist, kann der Arbeiter sie akzeptieren. Ja, wenn! Wissen denn die Herren Patzig und Freunde, daß eine Lohn⸗ erhöhung mit der Zollerhöhung kommt? Das sind schöne Worte, aber es steckt nichts dahinter. Herr Patzig beklagt sich über den Ton der Antizollflugblätter; man lese nur die geg⸗ nerischen Flugblätter! Da wird man sich über den Ton noch mehr wundern. Krumm schließt unter großer Heiterkeit mit den Worten:Wenn wir Un vernünftiges wollen, dann verbreiten Sie doch unser Pro⸗ gramm. Hören Sie mit Ihren Saalab⸗ treibereien anf, stellen Sie sich uns in unseren Versammlungen, dann werden Sie bald lernen, daß das arbeitende Volk hinter uns, der Sozialdemokratie steht!

Wir können mit dem Verlauf der Versamm⸗ lung zufrieden sein.

Aus dem Westerwald

schreibt man uns:

Ende Juli dieses Jahrs wurde die Klein⸗ bahn Selters⸗Hachenburg eröffnet. Reden wurden bei dieser Gelegenheit viel gehalten, in welchen in überschwenglichen Worten dem Wester⸗ wald gesagt wurde, von welch großer Bedeu⸗ tung dieses Bähnchen für denselben sei. Aber bis heute hat sich keines dieser schönen Worte erfüllt, nur die Mißstimmung ist inzwischen eine große geworden, weil das Bähnchen auch gar keine Aussicht hat, jemals rentabel zu wer⸗ den. Wegen den hohen Fahrpreisen fällt es den Bewohnern der angrenzenden Orte nicht ein, die Bahn zu benutzen. Was den Güter⸗ verkehr betrifft, so ist dieser kaum zu rechnen, auf einem Teil der Strecke gleich Null. So erfordert das Unternehmen bedeutende Zubuße und es ist kaum Aussicht auf Besserung. Merk⸗ würdigerweise sieht man an maßgebender Stelle nicht ein, daß durch Verbilligung der Fahr⸗ preise eine größere Einnahme zu erzielen wäre. Zu der Bahn, die ein Aktien⸗Unternehmen ist, hat der Kreis erhebliche Zuschüsse geleistet; mit⸗ hin sind die Steuerzahler interessiert, denn ste haben die Kosten aufzubringen, gefragt sind sie aber nicht worden. Durch diesen Bahnbau wird das Kapitel der verfehlten Kleinbahn-Unter⸗ nehmungen wiederum bereichert und für die K reisbewohner bleibt das hauptsächlich von den Landräten inscenierte Experiment ein ewiges Andenken. Zahlen und abermals zahlen heißt es für ste.

Aus dem Nreise Marburg-Rirchhain.

St. Gewerkschaftliches. Bekanntlich war mit dem 1. Januar d. Is. der Termin zur Einführung des revidierten Buchdruckertarifs gekommen, welcher den Angehörigen dieses Berufes die schon lange ersehnten materiellen Aufbesserungen bringen sollte, welche bei den teuren Wohnungs- und Lebens mittelverhältnissen sehr notwendig sind. Die hiesigen Prinzipale gaben dann nach mehr oder minder längeren Verhandlungen den Forderungen der Gehilfen⸗ schaft nach und so gelangte der neue, verbesserte Tarif in sämtlichen Geschäften zur Einführung. Was dieser Erfolg der Tarifgemeinschaft bei der jetzigen allgemeinen Depression in der Industrie für die organisierte Arbeiterschaft bedeutet, wird jeder selbständig denkende Mensch zu würdigen wissen.

15. Akademisches. Herr Geh. Rat Prof. v. Behring beabsichtigt, wie dieNationalztg. mitteilt, den ganzen Betrag des ihm zugefallenen Nobelpreises von 168,000 Mk. dem preußischen Staate zur Errichtung eines besonderen In⸗ stituts für experimentale Therapie an der Universität Marburg zu stiften. f

Ueber die Krankheiten bes Gehör⸗ organs unter den Kindern der Volksschulen des Kreises Marburg veröffentlichte kürzlich der Direktor der hiesigen Klinik für Nasen⸗, Ohren⸗ und Halskrankheiten, Herr Professor Dr. Ostmann, die Ergebntsse seiner im vorigen Jahre angestellten Untersuchungen der Gehör⸗

organe säö r sicher Schüler. Sechs Monate lang

hat er diese Untersuchungen fortgeführt, nicht, wie er selbst sagt, um zu untersuchen, sondern um zu bessern; es wurden viele schwere Er⸗ krankungen des Mittelohres festgestellt, durch deren Vernachlässigung insbesondere hochgradigste Schwerhörigkeit und selbst Taubheit der Kinder hervorgerufen wird. Von den in 70 Schulorten des Kreises Marburg untersuchten 7537 Kindern vom 5.14. Lebensjahre sind 2142= 28,4 Prozent auf einem oder auf beiden Ohren schwerhörig und teilweise mit den schwersten Ohrenleiden behaftet. Eine dringende Mahnung für die Eltern, auf die Pflege der Gehörorgane ihrer Kinder künftig die größte Sorgfalt zu verwenden.

In Kirchhain herrschte am vergangenen Sonntag unter der Einwohnerschaft große Auf⸗ regung. Dort wurde eine ältere Dame, welche an Epilepsie litt, und gestorben war, beerdigt. Beim Zuschütten des Grabes glaubte der Totengräber ein fortgesetztes Klopfen aus dem Grabe zu vernehmen; auch eine andere Person glaubte diese Wahrnehmung zu machen und schleunigst wurde die Polizei hiervon benachrichtigt. Diese ordnete die sofortige Oeffnung des Grabes und des Sarges an. Hierbei stellte sich heraus, daß der Tod der Bestatteten schon vor mehreren Tagen eingetreten war. Die Leiche lag noch genau so, wie sie eingelegt war. Man ist auf den weiteren Ausgang der Sache natürlich sehr gespannt.

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Kleine Mitteilungen.

** Wil derer erschossen. Aus Bieden⸗ kopf wird berichtet, daß der Förster Klinker den Wilderer Stenger aus Langenzaun erschossen habe. Stenger soll auf des Försters Anruf die Flinte nicht niedergelegt haben, sondern im Anschlag vorgegangen sein.

** Im Mordprozeß gegen Kneißl fand am Donnerstag vor dem Reichsgericht die Revisionsverhandlung statt. Das Reichsgericht verwarf die Reviston und bestätigte das Todes⸗ urteil des Schwurgerichts in Augsburg.

* Die herabgestürzte Glocke. In dem etwa eine Stunde von Innsbruck ent⸗ fernten Dorfe Ampaß erreignete sich in der Christnacht ein gräßliches Unglück. Zwei Männer, ein verheirateter und ein lediger, gingen nach der Mette in den auf einer An⸗ höhe alleinstehenden Turm zum sogenannten Tagläuten. Während des Läutens stürzte plötzlich die alte, 9000 Kilo schwere Glocke herab, so zwar, daß der ledige Mann buch⸗ stäblich über die Brust entzwei ge⸗ schnitten wurde. Ein Teil lag in, der andere außerhalb der Glocke. Der Verheiratete befand sich ganz unter der Glocke und kam unbeschädigt davon, mußte aber in seiner ent⸗ setzlichen Lage verharren, bis endlich Hülfe kam und die Glocke gehoben wurde.

* Der Leipziger Bankkrach vor Gericht. Die Voruntersuchung gegen Exner und Genossen ist nunmehr abgeschlossen und dieselben werden demnächst wegen betrügerischen Bankrotts vor das Leipziger Schwurgericht gestellt werden. L

Versammlungskalender.

Samstag, den 11. Januar.

Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei LöbWiener Hof. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Wieseck. General versammlung des Wahl⸗ vereins bei B. Wacker. Erscheinen aller Mit⸗ glieder erforderlich.

Montag, den 13. Januar.

Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr

Versammlung bei Orbig.

Briefkasten.

V.⸗Büdingen. Wir werden uns das nächste Mal damit beschäftigen. Besten Dank! Red.

Die Spediteure in Schlitz, Eckartshausen, Grünberg werden um pünktlichere Abrechnung gebeten, da wir sonst die Sendung einstellen müssen. Ferner bitten wir diejenigen Kreuzband⸗Abonnenten, welche den Betrag für das erste Quartal noch nicht eingesandt haben, dies umgehend zu erledigen, da wir die Zustellung der Zeitung sonst einstellen! Expedition.

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