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Seite 4.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
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Die Franzosen dürften nicht vergessen, daß ihre Väter die Welt gegen religiöse Phantome er⸗ oberten und die Menschheit mit Freiheit be⸗ schenkten.
Bauernstreik in Galizien.
Die von den polnischen Großgrundbesitzern fürchterlich gequälten und ausgebeuteten Bauern Galiziens, die eigentlich nur die Sklaven des Adels sind, haben zum Streik gegriffen. Natür⸗ lich wurden Soldaten gegen die armen Unter⸗ drückten von der Regierung aufgeboten. Trotz⸗ dem gelang es den Bauern hier und da einige Besserung ihrer elenden Lage zu erzielen. Ver⸗ einzelt kam es zu scharfen Zusammenstößen mit der Soldateska wobei es Tote gab.
Die Krönung Eduards
von England soll nun in diesen Tagen statt⸗
finden. Es bestehen aber noch immer starke Zweifel, ob es möglich sein wird, die Feier an dem genannten Tage zu absolviren, ohne geradezu das Leben des Königs aufs Spiel zu setzen. Bisher hat er sich noch kaum fortbewegen können.
Von Nah und Lern.
Gießener Angelegenheiten.
— Zu der Kreiskonferenz, die diesen Sonntag
im Lokale Orbig in Gießen stattfindet und mittags 1 Uhr beginnt, hat natürlich jeder Genosse als Zuhörer Zutritt, soweit eben Raum vorhanden ist. Die Ver⸗ handlungen dürften für jeden Genossen viel des Inte⸗ ressanten bieten, weshalb wir den Besuch der Konferenz empfehlen.
— Der soz⸗ dem. Wahl verein beschäftigte sich in seiner letzten Versammlung zunächst mit der Tages⸗ ordnung zur Kreiskonferenz. Nach Erörterung der ein⸗ zelnen Punkte derselben wurde zur Wahl der Delegirten geschritten und als solche die Genossen Holtberg, Keßler und Petersen gewählt. Dann wird noch⸗ mals das neue Statut des Gewerbe⸗Gerichts besprochen, das wir in einer der nächsten Nummern eingehender behandeln werden.
— Folgende Weisheit giebt der„Gieß. Anz.“ in seiner Sonntagsnummer bei Besprechung des Wahl⸗ ergebnisses im Lieberschen Wahlkreise von sich:„Daß der Gießener sozialdemokratische Redakteur Vetters dort nur eine Hand voll Stimmen erhalten würde, hätte er voraussehen können; Dr. Dahlems Sieg war im Voraus für den aufmerksamen Betrachter keinen Augenblick zweifelhaft.“ Donnerwetter! hätte das der „Anz.“ cher gesagt, so hätte sich unser Genosse Mühe und Kosten sparen können, denn der glaubte wirklich, den Wahlkreis der Sozialdemokratie zu erobern!— Nebenbei wollen wir dem Anzeiger verraten, daß wir vor 20— 80 Jahren in Kreisen, die jetzt zu unserem sicheren Besitzstande zählen, auch nicht mehr Stimmen erhielten als am 28. Juli im dritten nassauischen.
— Das Hamburger Schiffsunglück hat überall im Lande die wärmste Teilnahme hervorgerufen, die sich auch in dem Bestreben äußert, die Hinterbliebenen der Verunglückten soviel als möglich vor materieller Not zu schützen. Auch außerhalb Hamburgs, wo die Samm⸗ lungen schon bedeutende Summen ergaben, will man darin nicht zurückbleiben. In Gießen bewilligten unser Wahlverein, sowie auch das Gewerkschaftskartell je einen Beitrag.— Ferner veranstalten mehrere Ge⸗ sangvereine(Harmonie, Maschinenbauer⸗Gesangverein, Gemischter Chor des Ev. Arb.⸗Ver. und der Zitherverein Alpenröschen) diesen Samstag, den 9. August in Steins Garten ein Konzert zum Besten der Unter⸗ stützungs⸗Bedürftigen. Zweifellos wird da etwas Gutes geboten werden und es ist deshalb auch im Hinblick auf den Zweck eine recht zahlreiche Beteiligung zu wünschen. Sicher werden sich auch die Gewerkschaftsmitglieder daran erinnern, daß die meisten der Verunglückten der gewerkschaftlichen Organisation angehörten. Eintritts⸗ karten kosten im Vorverkauf bei Herrn Challier 25, an der Kasse 30 Pfg. Das Konzert beginnt ½9 Uhr.
— Das Jugendfest sindet Mittwoch, den 13. August im Philosophenwalde statt. Die Kleinen freuen sich herzlich auf diesen Festtag und wir wollen nur wünschen, daß ihnen recht hübsches Wetter beschieden ist. Dann werden sie sicher alle reichlich Vergnügen finden, wenn auch die Kinder der„besseren Kreise“ nicht mitthun.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Zur Gewerbegerichtswahl. Wir machen unsere Genossen nochmals auf die am 19.— 21. d. Mts. stattfindende Gewerbegerichtswahl aufmerksam und bitten, für recht zahlreiche Beteiligung zu wirken, in erster Linie sich rechtzeitig in die Wählerliste eintragen zu lassen.
Es ist nötig, das die Arbeiter ihr Interesse an der Einrichtung durch lebhafte Wahlbeteiligung bekunden und zugleich auch dafür sorgen, daß Leute als Beisitzer ge⸗ wählt werden, welche die nötige Einsicht und Kenntnis der gewerblichen Verhältnisse besitzen und das Vertrauen der Arbeiter genießen. Als solche werden für den 1. Bezirk(Stadt Wetzlar) vorgeschlagen: August Beck, Handschuhmacher, Wetzlar und August Biek, Schreiner, Wetzlar.
Diese beiden Arbeiter, von denen der letztere schon seit 6 Jahren als Beisitzer fungierte, sind dafür bekannt, daß sie ihre Pflichten als Beisitzer gewissenhaft erfüllen werden.— Für den 4. Wahlbezirk Krofdorf⸗Glei⸗ berg wird Karl Leib II., Zigarrenarbeiter in Gleiberg, vorgeschlagen.— Hinzufügen wollen wir noch, was uns kürzlich mitgete lt wurde, daß nämlich den Mitgliedern des Wahlvorstandes bei der letzten Wahl keine Ent⸗ schädigung sür ihre Zeitversäumnis gegeben worden sei. Das sei ein Ehrenamt, habe das Landratsamt erklärt. Wir meinen, die Mitglieder des Wahlvorstandes haben ihre Entschädigung nach Maßgabe der für die Spruch⸗ sitzungen festgestellten Sätze zu beanspruchen. Die Ver⸗ weigerung der Entschädigung würde doch den Arbeiter ganz empfindlich treffen, er müßte schließlich die Ueber⸗ nahme eines solchen Postens ablehnen.
h. Mit Lohnabzügen sind die Arbeiter des Walzwerkes schon wieder bedacht worden. Erst vor nicht langer Zeit wurden die Akkord⸗ löhne um 10% gekürzt, jetzt sind sie wieder um 20% herabgesetzt worden und schon wurde ein nochmaliger Abzug von 20% angekündigt. Wenn das so weiter geht, dann dürfen die Ar⸗ beiter des Walzwerkes umsonst arbeiten und noch Geld mitbringen. Und bei immer steigen⸗ den Lebensmittelpreisen! Wir glauben nicht, daß diese Abzüge etwa wegen schlechten Ge⸗ schäftsganges unbedingt notwendig sind. Denn der Besitzer, Herr Jung, ist bei dem Geschäfte so nach und nach zum Millionär geworden, es muß also immer noch etwas harausspringen, wenn wir auch Fleiß und Sparsamkeit des Herrn gar nicht gering anschlagen. Die Ar⸗ beiter sollten sich hieraus die Lehre ziehen: vereinzelt müssen sie sich alles bieten lassen, sie sind ein Spielball in der Hand des Uuter⸗ nehmertums. Vereinigt Euch! Schließt Euch den Gewerkschaften an! Nur so könnt Ihr bessere Arbeitsbedingungen erzielen!
Aus dem Rreise Marburg⸗-Nirchhain.
St. Parteiversammlung. Am Sams⸗ tag, den 16. August, abends 9 Uhr findet im Lokale von D. Jesberg dahier eine öffentliche Parteiversammlung statt. Als Referent wird Herr Redakteur Zielowsky aus Frankfurt a. M. über die Reichstagswahl sprechen. Hierauf findet eine Besprechung über den Parteitag und die Aufstellung eines Delegirten zu demselben statt; auch über die Lassallefeier wird in dieser Versammlung Beschluß gefaßt werden. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich und insbesondere auch frühzeitig zu erscheinen, da die Versammlung pünktlich er⸗ öffnet werden wird.
— Der hiesige Konsumverein hielt am Samstag abend im Restaurant Jesberg seine statutengemäße Generalversammlung ab, welche sehr gut besucht war, auch eine Anzahl Mitglieder aus Ockershausen waren anwesend. Der Vorsitzende wies zunächst auf den günstigen Stand des Vereius hin, welcher jetzt dauernd gesichert sei, da die Mitgliederzahl wohl bald das zweite Hundert erreicht haben werde. Der Geschäftsverkehr habe bereits einen Umfang angenommen, wie es bei der Gründung des Vereins niemand geahnt habe. Der Geschäfts⸗ führer Fischer erstatte alsdann seinen Bericht, welcher das vorher Gesagte vollauf bestätigte und fügte noch einige Erläuterungen über die Kassenverhältnisse, sowie den Waren⸗Einkauf und Warenbestand u. dergl. hinzu. Die Revi⸗ soren hatten Kasse und Bücher revidiert und alles in Ordnung befunden, worauf die Versamm⸗ lung Entlastung erteilte. Bei der hierauf folgenden statutenmäßigen Neuwahl des Geschäftsführers wurde Herr Fischer als solcher einstimmig wiedergewöhlt. Für zwei durch das Los aus⸗ scheidende Aufsichtsratsmitglieder(G. Weber und Weide) wurde Weide wieder⸗ und H. Stumpf neugewählt. Zum Bedauern der Versammlung lehnte der se berdienst⸗ volle Vorsitzende G. Weber seine Wiederwahl
strikte ab; so daß sich der Aufsichtsrat demnachst mit der Neuwahl eines Vorsitzenden zu beschäf⸗
tigen haben wird. Es fand dann noch die Erledigung einiger interner Angelegenheiten statt und teilte der Vorsttzende noch mit, daß, wenn noch einige Anmeldurgen zum Verein in Ockershausen erfolgen würden, dort Anfang Oktober eine Filiale errichtet werden solle.
— Selbstmord. Am Montag sprang an der Landstraße nach Gießen ein Mann in die Lahn und ertrank. Die Leiche wurde in der Nähe der Bahnbrücke bei Cappel geländet. — Ein hier bedienstetes Mädchen ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Nach dem In⸗ halt eines zurückgelassenen Briefes zu urteilen, scheint sich das Mädchen ein Leids angethan zu haben.
Vor der eigenen Thüre tehren!
Mit wonnigem Behagen druckte kürzlich das Offenbacher Antisemitenblatt die Nachricht von der Veruntreuung des Tabakarbeiter⸗Vertrauens⸗ mannes Kraiker in Frankfurt ab und setzte der Notiz die Stichmarke:„Wieder einer“ vor. Das soll den Anschein erwecken, als kämen in unserer Partei sehr oft derartige Dinge vor. Das ist in Wirklichkeit durchaus nicht der Fall; der Offenbacher Antisemitrich hatte gar keine Veranlassung zu seiner hämischen Bemerkung. Wir erbieten uns, jeden ungetreuen Kas⸗ sierer in unserer Partei mindestens fünf zig aus den Reihen der„Ordnungs“leute gegenüber zu stellen, darunter einen entsprechenden Pro⸗ zentsatz Antisemiten die noch schwerer gesündigt haben. Wir beschönigen und ver⸗ tuschen solche Fälle nicht, wenn ja einmal etwas vorkommt. Das thun aber die Gegner. Das ehrenwerte Offenbacher Blattl hat seinen Lesern im vorigen Jahre nichts von Verurteilungen der Antisemiten Krüdecke und Kreutz mit⸗ geteilt, auch verschwiegen, wie der im hess. Bauernverein thätig gewesene Bonkatz die Bauern prellte.— Wer sich bet uns etwas zu schulden kommen läßt, den entfernen wir sofort aus der Partei; bei den Antisemiten spielt der Bau⸗ meister Hartwig in Dresden noch immer den Führer, obwohl ihm wucherische Praktiken nachgewiesen und ihm gerichtlich attestiert wurde, daß seine Handlungsweise nicht den Begriffen von Treu und Glauben entspreche.— Das sind nur einige Beispiele, Hunderte können gebracht werden. Und die skandalöse Geschäftsverbindung der Herren Hirscheel und Werner mit jüdischen Journalisten! Kehrt also vor der eigenen Thüre! Diese Mahnung sollte das Blatt des Herrn Hirschel in erster Linie beherzigen.
Zur Hamburger Schiffskatastrophe.
Vor dem Seeamt in Hamburg fand am 31. Juli die Verhandlung über den„Primus“ Untergang statt. Nach eingehender Zeugen⸗ vernehmung und nachdem der Reichkommissar seine Meinung dahin ausgesprochen hatte, daß vor Allem die Führung des„Primus“ den Zusammenstoß verschulde, fällte das Seeamt folgenden Spruch: Der Unfall ist in erster Linie durch den Führer des„Primus“, Peters, verschuldet worden, weil er in falschem Fahr⸗ wasser und auch nicht mit genügender Aufmerk⸗ samkeit auf etwa in Sicht kommende Lichter geachtet hat. Die durch die Verhandlung fest⸗ gestellte Gewohnheit der kleinen Dampfer auf der Elbe, sich bei Ebbe mit Rücksicht auf den dort schwächeren Gegenstrom am Nordufer zu halten, kann Peters nicht entschuldigen, da die Gewohnheit als ein gegen die kaiserliche Ver⸗ ordnung verstoßender, die Sicherheit der Schiff⸗ fahrt gefährdender Mißbrauch scharf zu verur⸗ teilen ist. Den Führer der„Hansa“, Sachs, trifft der Vorwurf, sein mit Rück auf Voraus bzw. etwas an Backbord befindlichen Lichtern Babe Backbordruder nicht signalisirt zu haben. lichen Verordnung vorgeschriebene Signal wäre die Situation vielleicht rechtzeitig geklärt worden, auch wäre es vorsichtiger gewesen, wenn Sachs eher, als geschehen, die Fahrt des Schiffes gemäßigt hätte.
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