Ausgabe 
9.11.1902
 
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Nr. 45.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

Maan wurde A. Fauth wiedergewählt, der für das ihm geschenkte Vertrauen dankte und um kräftige Unterstützung bat. Nach fünf⸗ stündiger Dauer erreichte die Versammlung ihr Ende und die Genossen gingen, nachdem sie versprochen hatten, für die Partei nach besten Kräften zu arbeiten, mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie auseinander.

n. Staats rettung auf dem Westerwald. UusereRegierung in Marienberg hat einen schönen Schreck ausgestanden. Hatte da ein Gießener Sozial⸗ demokrat, unser Genosse Krumm, eine öffentliche Ver⸗ sammlung nach Willingen einberufen, um von diesem Gebirgsdörfchen aus den wackeligen preußischen Staat umzustürzen. Haare und Perücken sträubten sich bei denOrdnungsmännern ob dieses Frevels; schnell wurde zu dengeistigen Waffen der Staats⸗ erhaltenden gegriffen; der Herr reitende Gendarm mußte auf seinem Rößlein gen Willingen traben und sein Erscheinen wirkte dort so erfolgreich, daß uns der Wirt das Lokal absagte. Wie aber Sozialdemokraten hartnäckig in Verfolgung ihrer Ziele sind, acquirierten unsere Genossen Lokale in Homberg und Rehe. Aber auch hier wurde uns nach 24 Stunden das Lokal abgetrieben, so daß wir für diesmal auf eine Versamm⸗ lung verzichten mußten. Unsere Genossen haben sofort Schritte zur Beschaffung eines transportablen Zeltes gethan und so wollen wir im Frühjahr den amüsanten Kampf gegen die ordnungeparteilichen Angstmänner wieder aufnehmen. Im Uebrigen ist die Affaire für uns von vorzüglicher agitatorischer Wirkung. Dutzende Bauern und Arbeiter, die seither uns gleichgiltig oder gar feindlich gegenüber standen, haben die Schlafmütze weggethan und gegenüber der liebevollen Fürsorge der Behördeu, hinter der nur die Angst vor der Wahrheit steckt, versprochen, dem Kampf fürs gleiche Recht für Alle aufzunehmen. In nächster Zeit werden wir im ganzen Kreise ein Flugblatt verbreiten, in welchem wir uns mit derSaalabtreiberei näher beschäftigen werden. Unsere Genossen aber werden nunmehr doppelt thätig sein, um auch in diesem Wahlkreise den Arbeitern und Bauern die Augen zu öffnen und ihnen den Weg aus der Bevormundung zur politischen und wirtschaftlichen Freiheit zu zeigen. Die Großen sind sich alle hübsch einig, mögen sich die kleinen Leute an ihnen ein Beispiel nehmen. Hoch die Sozialdemokratie!

Aus dem Rreise Alsseld-Cauterbach.

St. Gewerkschaftliiches. Der am ver⸗ gangenen Samstag abend von der hiesigen Gewerkschaftskommission im Saale des Café Quentin veranstaltete populärwissentschaftliche Vertragsabend hatte iich eines zahlreichen Besuches der Gewerkschaftsmitglieber nebst Angehörigen zu erfreuen; auch waren sonst noch viele Besucher anwesend. Herr Beißwanger aus Nürnberg schilderte in seinem interessanten Vortrage überdie Wunderwelt des Ozeans, das Leben zahlreicher Meerestiere und⸗ Pflanzen, wobei er die verschiedenartigsten Präparate von Fischen und sonstigen Lebewesen vorzeigte. Nach einer kurzen Pause folgte der zweite Teil des Vortrages, der die Entstehung der Erde und ihrer Lebewesen behandelte und ebenfalls durch Vorzeigung von Versteinerungen und Abbil⸗ dungen näher erläutert wurde. Lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen. Nächsten Freitag abend, den 14. Nov., findet im Café Qentin der eben⸗ falls von unserer rührigen Gewerkschaftskom⸗ mission arrangierte Rezitationsabend des Herrn Walkotte aus Berlin statt. Derselbe wird das fünfaktige Schauspieldie größte Sünde von Otto Ernst rezitieren. Da Herr Walkotte bei uns bereits vorteilhaft bekannt ist, so wird auch diese Veranstaltung, trotz des

etwas ungünstig gewählten Abends(was aber

nicht anders möglich war), hoffentlich recht gut besucht werden.

Schwurgericht. In der am Montag begonnenen Schwurgerichtssession wurde in der Vormittagssitzung der Taglöhner Wilhelm Wichel aus Obernburg, Kreis Frankenberg, wegen Stttlichkeitsverbrechen zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. In der Nachmittags⸗ resp. Abendsitung wurde der Landwirt Jakob Pitzer aus Steinperf, Kr. Biedenkopf, wegen Urkundenfälschung zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Am Dienstag vormittag wurde gegen die Dienstmagd Anna Katharina Göbel von Michelsberg wegen Meineid verhandelt.

Dieselbe wurde freigesprochen. In der Nachmittagssitzung wurde der Schuhmacher Heinrich Scheibeler aus Gilserberg wegen Sitt⸗ lichkeitsperbrechens zu 9 Monaten Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Verschiedenes. Die Erweiterungs⸗ arbeiten am hiesigen Hauptbahnhof wurden einem Wiesbadener Unternehmer übertragen, mit der Bedingung, hiesige oder in der Nähe wohnende Arbeiter einzustellen. In der Dienstag Nacht wurden zwei Personen, die einen in einem Vorgärtchen am Pilgrimstein stehenden Handwagen stehlen wollten, von der Polizei dabei abgefaßt und sehen ihrer Bestrafung entgegen. Ein Gefangener, der von einem Aufseher nach dem Krankenhause gebracht werden sollte, nahm unterwegs Reiß⸗ aus und flüchtete durch mehre Straßen und über das Wehr bei der Oelmühle nach dem anderen Ufer der Lahn. Schließlich wurde er, gänzlich durchnäßt, von dem Aufseher und einem Schutzmann wieder eingefangen.

Kleine Mitteilungen.

Gefährliches Spiel trieben zwei Schul⸗ knaben in Klein⸗Linden. Sie schossen mit sog. Flitzbogen, wobei dem einen der Pfeil direkt in's Auge flog, das schwer verletzt wurde. Der Junge mußte so⸗ fort in die Klinik gebracht werden.

ze Unheimlicher Fund. In Fraurombach bei Schlitz fand man in der kleinen alten Kirche vor einigen Tagen beim Abkratzen der alten Wandtünche zwischen Gewölbe und Decke der Kirche, in den Ecken versteckt, sieben menschliche Gerippe. Es ist unerklärlich, wie die Toten an diese Stelle gekommen sein mögen.

e Schwer verunglückt ist am Samstag ein Hilfsschaffner Namens Röchel auf der Main- Neckar⸗ Linie zwischen Isenburg und Sprendlingen. Er hat sich jedenfalls, als er auf den Trittbrettern am Zuge hinging, zu weit hinausgebeugt und schlug mit dem rechten Arm gegen eine Signalstange, wodurch ihm Arm und Schulter zerschmettert wurden. Die Passagiere brachten den Zug zum Stehen und zogen den Unglück⸗ lichen, der sich mit der linken Hand festgehalten hatte, in das Koupee. Er kam in ein Frankfurter Kranken⸗ haus.

e Opfer der Arbeit. Auf der Grube Glücks⸗ kopf bei Daaden(Westerwald) blieb am Samstag der Förderkorb hängen und vier Bergleute stürzten in den Schacht hinab. Zwei sind tot, der dritte ist schwer verletzt, während der vierte mit dem Schrecken davon gekommen ist.

* Von dem Schnellzug wurden Mittwoch Abend bei Köhn drei Kinder überfahren und getötet.

. Mehr Arbeiterschutz! In Duisburg stürzte ein Neubau ein, wobei sieben Maurer abstürzten, glücklicherweise nur drei leicht verletzt wurden. Schlimmer lief eine Baukatastrophe in Czenstochau (russ. Polen) aus. Dort stürzten beim Bau einer Kaserne drei Mauern ein, während 130 Arbeiter daran beschäftigt waren. Es wurden 15 Tote festgestellt 33 Arbeiter sind schwer verletzt. In Wanzleb ev explodierte am Freitag der Dampfkessel einer Zucker⸗ fabrik. Sieben Personen wurden schwer, mehrere andere leicht verletzt.

a Edelste der Nation. Ein adeliges Falsch⸗ münzerpaar stand dieser Tage in Hildesheim vor Gericht. Gegen das Paar, einen Herrn Dr. v. Wedel⸗ städt und seine Ehefrau, wurde am Dienstag gegen Mitternacht das Urteil gefällt. Wedelstädt erhielt unter Zubilligung mildernder Umstände 1 Jahr und 1 M o⸗ nat Gefängnis, während seine Ehefrau als Urheberin der Betrügereien mit 2 Jahren Zuchthaus bestraft wurde.

Partei-Nachrichten.

Ehrung des Majestätsbeleidigers. Genosse Albert Schmidt-Magdeburg wurde vorigen Donnerstag Mittag aus dem Gefängnis in Halle entlassen, nachdem er seine dreijährige Gefängnisstrafe abgebüßt hatte. Zu seiner Begrüßung waren seine Frau und eine Anzahl Genossen aus Halle und der Umgegend erschienen, die einen ersten Händedruck mit dem Entlassenen, der die furchtbare Strafe verhältnismäßig gut überstanden hat, wechselten. Nach einem Spaziergang an der Saale trat Schmidt mit seiner Frau gegen 6 Uhr die Heimreise nach Magdeburg an. Auf der Fahrt fand unter Hoch⸗ rufen eine stürmische Begrüßung in Schönebeck statt. Ungefähr 150 Personen hatten dort Bahnsteigkarten gelöst, um au den Zug herankommen zu können. Nur mit Mühe gelang es den Bahn- und Polizeibeamten,

die andrängende Masse vom Zuge zu entfernen. Auch

burg.

in Buckau war der Bahnhof und die nähere Umgegend von Arbeitern besetzt, die den einlaufenden Zug mit Hochrufen begrüßten. Zu einer großen Demonstration gestaltete sich der Empfang am Hauptbahnhof in Magde⸗ Obwohl die Parteileitung, um unliebsamen Vor⸗ kommnissen vorzubeugen, von einer offiziellen Empfangs⸗ feier abgesehen und erst in letzter Stunde die Zeit der Ankunft bekannt gegeben hatte, waren doch zirka 1500 Personen erschienen. Nach einer stürmischen Begrüßung ging es unter fortwährenden brausenden Hochrufen durch die Straßen der Stadt, der Wohnung Schmidts zu. Die Polizei verhielt sich sehr taktvoll. Der Einzelne hat schwer gelitten, die Partei aber hat unendlich viel gewonnen.

Stadtverordnetenwahlen. Unsere Fran k⸗ furter Genossen befinden sich jetzt in heftigem Wahl⸗ kampfe. Am 12. Nopbr. finden die Stadtverordneten⸗ wahlen statt, für welche sie in allen Bezirken Kandidaten aufgestellt haben. Ein Zusammengehen mit den Demo⸗ kraten hat unsere Partei abgelehnt, früher gemachte Er⸗ fahrungen ließen unseren Freunden ein derartiges Wahl⸗ bündnis nicht ratsam erscheinen.

Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach. Sonntag, den 16. November.

Kreiskonferenz in Lauterbach bei Gastwirt Knut. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, Kreisvertrauensmannes und Neuwahl derselben. 2. Rechnungsablage. 3. Verschiedenes. 4. Die nächste Reichstagswahl. Referent: Gen. Wiegand.

Versammlungs kalender.

Samstag, den 8. November. Gießen. Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 9. November. Gießen. rauer verband. Nachmittags 1 Uhr Versammlung bei b(Wiener Hof). Gießen. Glaserverband. Vormittags 10 Uhr Versammlung bei Orbig. Wieseck. Oeffentliche Versammlung Nachmittags 4 Uhr bei Wacker Lollar. Nachmittags 4 Uhr Zusammenkunft der Kollegen bei Wirt Schupp. Montag, den 10. November. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag von Vetters. Dienstag, den 11. November. Lollar. Metallarbeiter⸗-Versammlung. 7 Uhr bei Wirt Kübler(Germania).

Briefkasteu.

Ob. Lhnst. Wenn ein Arbeiter sich selbständig macht, findet keine Rückzahlung aus der Altersversicherung statt. Alsfld. Bericht kam zu spät.

Abends

f Der Neue Welt⸗Kalender für 1903.

Preis 40 Pfg.

Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Allwöchentlich ein Heft. Preis 25 Pfg. Sozialistische Monatshefte. Jeden Monat

ein zirka 80 Seiten starkes Heft. Preis pro Heft 50 Pfg

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Rezitation Von Herrn E. Walkotte.

Die grösste Sünde.

Donnerstag, den 13. Nov. Abends ½ 9 Uhr:

im Lenz'schen Felsenkeller, Bahnhofstraße.

Entree 20 Pfg. 2 Eutree 20 Pfg. Zahlreichen Besuch erwartet

Das Gewerkschaftskartell.

Ortskrankenkasse Friedberg Ord. Generalyersammlung

am Mittwoch, den 19. Nov. d. J. abends 8 ¼æ Uhr präzis im Rathhaussaale zu Friedberg: Tagesordnung: I. Wahl der Revisoren für die Rechnung 1902. II. Ersatzwahl des Vorstandes. III. Aenderung des§ 30 des Statuts. IV. Verschiedenes. Die Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden hierzu freundlichst eingeladen. Carl Damm, 1. Vorsitzender.