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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
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Nr. 10.
darstellt. Trotzdem der Magistrat die Lohn⸗ erhöhung befürwortete, war eine Genehmigung Zeit lang sehr zweifelhaft, zumal nachdem der Stadtrat Schäfer dagegen aufgetreten war. Jeder erwartete, daß sich nun Herr Engel für die armen Waldarbeiter in's Mittel legen würde, aber der Rest war Schweigen. Erst als Stadtv. Seebinger sich mal arbeiterfreundlich zeigte und für die Holzhauer eintrat, wurde der Antrag, der sonst sicher gefallen wäre, genehmigt. Bei minderwichtigen Sachen ergriff Herr E. in derselben Sitzung unter fortwährender Berufung auf die„Bürgerschaft“ das Wort. Vergangene Woche fand in zwei Stadtver⸗ ordnetensitzungen die Beratung des städt. Haus⸗ haltsetats statt. Das gänzliche Fehlen und die ungenügende Ausstattung so mancher Position, an welcher sowohl Arbeiterschaft wie Bürger⸗ schaft ein Interesse haben, scheint dem„oppo⸗ sitionellen“ ebensowenig wie den anderen Stadt⸗ verordneten aufgefallen zu sein. In der letzten diese Sitzungen hatten wir Gelegenheit, Herrn Engel als„Oppositionellen“ zu bewundern. Wegen einer Bagatelle erlaubte sich der Ober⸗ bürgermeister einige Stadtverordnete, insbe⸗ sondere Herrn Engel in einer Weise anzugreifen, wie sie wohl in einer Gemeindevertretung noch nicht vorgekommen ist und die schärfste Zurückweisung verdient hätte. Herr Engel ließ sich aber widerspruchslos vom Bürger⸗ meister abkanzeln! Nein, die Erwartungen, welche einzelne Arbeiter auf Herrn Engel setzten, sind noch nicht in Erfüllung gegangen.
Gemeinderatswahlen.
In Fechenheim bei Frankfurt wurden am Montag bei den Gemeinderatswahlen zwei unserer Genossen in der dritten Klasse wieder⸗ gewählt, trotz großer Anstrengungen der Gegner. Auch in Schierstein bei Wiesbaden hat unsere Partei einen sehr günstigen Wahlausfall zu verzeichnen; dort wurde ein Genosse gewählt. Ebenso ist in Pinneberg(Schleswig⸗Holstein) am Donnerstag zum erstenmal ein Sozial⸗ demokrat, Genosse Fliegner, zum Stadtverord⸗ neten gewählt worden.
Bei der Ersatz⸗Wahl in Bergen⸗Enk⸗ heim am Montag wurden unsere Genossen Zinz und Bauscher in der 3. Klasse mit 146 und 135 Stimmen gewählt. Die Gegner er⸗ hielten 88 und 84 Stimmen.
Geprügelter Seelenhirte. Der Pfarrer im Orte Vluyn bei Mörs hatte bewirkt, daß von Gerichtswegen für zwei Kinder seiner Ge⸗ meinde die Fürsorgeerziehung angeordnet worden war. Als nun der Pfarrer des Abends in einen Außenbezirk seiner Gemeinde ritt, rottete sich eine große Menge zusammen und bombar⸗ dierte das Pfarrhaus mit Steinen, weil die Leute das gerichtliche Urteil, das der Pfarrer veranlaßt hatte, als ein Unrecht empfanden. Die Menge wuchs immer mehr an und er⸗ wartete die Rückkehr des Geistlichen. Als er vor feiner arg beschädigten Wohnung anlangte, wurde er vom Pferde heruntergerissen und zu der in Krämpfen liegenden Mutter jener beiden Kinder gezerrt. Zum Glück erschien inzwischen Gendarmerie, die den verwundeten Pfarrer aus den Händen der höchst erregten Menge befreite und die Ruhe wieder herstellte, nachdem mehrere Personen verhaftet worden waren. Hinterher ist verfügt worden, daß die Kinder vorläufig bei der Mutter bleiben.
Ein grauenhaftes Verbrechen
kam in Löbtau bei Dresden an den Tag. Die reh ermittelte, daß der Straßenbahnführer
erch den bei ihm wohnenden Fabrikwächter Pratsch am 1. Januar 1900 erwürgte und ihm seine Ersparnisse im Betrage von 2500 Mark raubte. Dem Leichnam hatte Lerch Beine und Kopf abgehackt und in die Elbe geworfen. Lerch ist mit seiner Ehefrau, die schon ein Ge⸗ ständnis abgelegt haben soll, verhaftet worden. Unter den Habseligkeiten des Ermordeten befand sich auch ein Ring, den die Frau Lerch trug. Obwohl dieselbe bei der Ermordung des Pratsch zugegen war, kam erst durch diesen Ring das
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„ Unterhalfungs-Ceil. 7 Die flucht des Winters.
Dem Winter wird der Tag zu lang
Ihn schreckt der Vögel Lustgesang,
Er horcht und hörts mit Gram nnd Neid,
Und was er sieht, das thut ihm leid,
Er flieht der Sonne milden Schein,
Sein eigner Schatten macht ihm Pein,
Er wandelt über grüne Saat
Und Gras und Keime früh und spat.
Wo ist mein silberweißes Kleid,
Mein Hut, mit Demantstaub bestreut?
Er schämt sich wie ein Bettelmann
Und läuft, was er nur laufen kann.
Und hinterdrein scherzt Jung und Alt,
In Luft und Wasser, Feld und Wald.
Der Kiebitz schreit, die Biene summt,
Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt.
Und weils noch fehlt an Spott und Hohn,
So qualt der Frosch vor Ostern schon. Frhr. v. Zedlitz.
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Das böse Terno.
Humoreske von Friedrich Meinhold.
Der alte Kerselt war Einwohner des drei Stunden von der Stadt entfernt liegenden Städtchens Scherdau in der sächsischen Lausitz und Inhaber des Monopols für Ameiseneier⸗ Lieferung an die vier Vogelhändler der Stadt. Mittwochs und Samstags machte er mit seinen Bastkörben bei diesen die Runde und entwickelte auch sonst noch bis 3 Uhr Nachmittags eine sehr emsige Thätigkeit. Mit den Polizisten hatte er nicht gern etwas zu thun, auch um das Amts⸗ gericht machte er stets einen großen Bogen, denn da drinnen thronte der Amtsrichter Weber, der dem Ameisenmann schon oft arg zugesetzt hatte. Der stand nämlich in dem Verdacht, eine„blaue Katherine“ zu unterhalten. Man denke nicht etwa schlimm über die Moralität der Lausitzer, außerdem war Herr Kerselt ein Mann in schon sehr gesetzten Jahren, er hatte schon den 25jährigen Ehekrieg hinter sich und konnte sich an einigen Enkelkindern erfreuen. Die„Blaue“, von der die Rede war, ist vielmehr eine Spezialität des sächsischen Landes nächst der böhmischen Grenze, dessen Landbevölkerung mit wahrer Leidenschaft an der österreichischen Zahlen-Lotterie zu spielen pflegt. Jeder zweite Mann dort zu Lande „luttelt“, d. h. er spielt Lotto; die„blaue Katherine“ aber bedeutet eine geheime Kollektur, deren Inhaber Einsätze aunimmt, Zahlen träumt, Listen führt und die Gewinne auszahlt. Er ist zugleich Freund, Ratgeber und Winkeladvokat für all die kleinen Leute, die dem Lotto⸗Moloch ihre Ersparnisse in den Rachen werfen. Freilich ist ihr Rechtsbewußtsein nicht derart geschärft, daß sie verstehen könnten, daß man in der sächsischen Landeslotterie mit hoher behördlicher Genehmigung sein Geld verspielen darf, während dies in dem eine halbe Stunde entfernten Oesterreich ein schweres Vergehen ist, für das man in Sachsen bis zu einigen Monaten ein⸗ gesperrt werden kann. f Von den Erfolgen des Herrn Kerselt als Inhaber einer„blauen Katherine“ erzählte man sich geradezu Wunderdinge, Thatsache war es allerdings, daß sehr oft größere Gewinne von Oesterreich nach Sachsen gewandert waren und die Spatzen auf den Dächern erzählten sich, daß der und jener Rentier in der Tiergartenstraße noch heute armseliger Gärtner und der Bäcker⸗
meister in der Feldstraße noch heute Bretzel⸗
träger sein würde, wenn nicht Herr Kerselt.
Es war schon alles versucht worden, um hinter dessen Schliche zu kommen. Man hatte ihn plötzlich von der Straße weg sistiert und auf der Polizeiwache
einer Körpervisitation unterzogen. Man fand nichts. In seinem Lehm⸗ häuschen in Scherdau hatte der Gemeinde⸗
waren gekommen, dann städtische Polizisten, schließlich der Amtsrichter selbst mit dem Referen⸗ dar,— sie mußten alle enttäuscht wieder ab⸗ ziehen. Einmal war Kerselt eben aus dem Walde heimgekommen, als er wieder von einer Kommission erwartet wurde. Er gab der Haus⸗ thür einen kräftigen Fußtritt, und bei dieser heftigen Bewegung löste sich zufällig die Schnur, mit welcher der Sack zugebunden war, den Kerselt eben mitgebracht hatte. Mit einem ge⸗ schickten Ruck warf er ihn neben den am Tische stehenden Stuhl, auf welchem dann Herr Aktuar Schunke Platz nahm, um sich zur Protokoll⸗ aufnahme zu rüsten. Es wurde alles zu oberst und unterst gekehrt, aber wie üblich nichts ge⸗ funden.„Schreiben Sie“, brummte der Amts⸗ richter zum Aktuar, der unruhig auf seinem Stuhl hin⸗ und herrutschte und bald das eine, bald das andere Bein in die Höhe zog, und dabei machte er sonderbare Bewegungen mit den Fingern, kratzte, schnippte und schlug bald unten, bald oben, bald rechts, bald links. Kerselt hatte sich an den Ofen gestellt und verzog den zahnlosen Mund von einem Ohr zum andern. Eben ware der Amtsrichter beim Schluß angekommen. Der Aktuar wechselte von Sekunde zu Sekunde die Farbe, Kerselt zog mit laut quietschendem Geräusch an seiner nie brennenden verstopften Holzpfeife.
„Vorgelesen, genehmigt und unter. 55 weiter kam der Diktierende nicht, mit einem Schmerzensgeheul sprang der Aktuar auf, warf den Tisch über den Haufen, stolpert gegen Kerselt und war mit einem Satze draußen im Hofe. Alles sah sich verdutzt an. Da trat Kerselt hinzu und meinte mit der ganzen Treu⸗ herzigkeit des Lausitzers:„Himmel, der Herr Aktuar hat ja mit seinen Füßen auf dem offenen Ameisensack herumgestrampelt. Na, das werden ihm die Biester ordentlich heimgezahlt haben“. Dann nahm er einen Reisigbesen, strich Larven und Ameisen wieder in den Sack und band diesen wieder in den Sack und band diesen sorg⸗ fältig zu. Der Amtsrichter warf ihm einen vernichtenden Blick zu, den Kerselt durch einen disharmonischen Quietsch aus seiner qualmenden Pfeife beantwortete.. Nach einer geraumen Viertelstunde erschien der Aktuar wieder. Um die Hände trug er Taschentücher gewickelt, die Stiefel hatte ein Dorfjunge an eine Stange gehängt, die er weit von sich streckte. An der linken Lippe und dicht unter dem rechten Auge waren zwei große Beulen sichtbar, die von feurigen Ringen um⸗ geben waren. Ein ähnliches Ding zierte die Nase, auf der die Brille nicht mehr zu balan⸗ cieren vermochte. Der Aktuar befand sich in einem Zustand der höchsten Aufregung, er zitterte an allen Gliedern. a „Du Lump“, schrie er Kerselt an,„aber Dich fassen wir schon noch einmal“!
2Kerselt that einen fürchterlichen Quietsch, dann klemmte er das Pfeiflein zwischen zwei Finger und meinte ganz ernsthaft:„Herr Aktuar, in Gegenwart so vieler Zeugen hätten Sie das nicht sagen sollen. Ich handle zwar blos mit Ameiseneiern, aber ein Lump bin ich doch eben⸗ sowenig, wie ein Aktuar“. 5
Am nächsten Samstag aber war Kerselt in die Stadt zu dem ersten Rechtsanwalt gegangen, hatte diesem in funkelnagelneuen Zehngulden⸗ zetteln den Vorschuß hingezahlt und den Aktuar verklagen lassen. Der wurde in Anbetracht der so merkwürdigen Umstände nur zu 30 Mark Geldstrafe und in die Kosten verurteilt. Auch war vier Wochen darauf das Urteil im Amts⸗ blatt zu lesen. Seit dieser Zeit hatte Kerselt bedeutend mehr Ruhe vor allen Lästerzungen.
(Schluß folgt.) 4
„Walzen“-Leben.
Von G. H. in G. (Fortsetzung) 4 Da plötzlich öffnet sich die Thür und der „Herr Wachtmeister“ erscheint auf der Schwelle. Die Unterhaltung stockt momentan, aller Auge sind auf den Hüter des Gesetzes gerich
Verbrechen an den Tag.
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