Ausgabe 
9.3.1902
 
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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 10. haben. Diensteifrig legt derVater dem Gestrengen die Papiere seiner Gäste vor, der

sie eingehend studiert; aber es istnichts zu verdienen, wie er sagt, und mit einem kurzen Gruß verläßt er die Herberge. Jetzt wird die unterbrochene Unterhaltung wieder aufgenommen, bis derVater dieselbe abermals unterbricht mit der Aufforderung: Los, Kinder, kommt zu Bett! Oben ange⸗ kommen, findet große Revision statt. Jeder muß sich bis auf Hemd und Hose entkleiden und der Reihe nach zieht einer nach dem andern sein Hemd aus, um es demVater oder seinem Gehülfen zu reichen, welche untersuchen, oh nicht eine gewissemenschenfreundliche ergattung dort ihre Herberge aufgeschlagen. Finden sie sich bei irgend einem von diesen Gesellen, so bekommt er kein Bett, sondern sein Lager bildet ein Strohsack mit Wolldecke in einem abgelegenen Raum. Bald ist die Musterung beendet, derVater wünscht allen einegute Nacht und es verkünden Schnarch⸗ töne, daß Gott Morpheus seine Flügel über die Armen ausgebreitet, sie für einige Stunden vergessen machend, daß sie von vielen Mit⸗ menschen für Hallunken, Spitzbuben, Vagabunden und weiß Gott, was noch gehalten werden.

Vagabunden, Landstreicher!

Ja, zu einem kleinen Teil ist dies aller⸗ dings die zutreffende Bezeichnung für Hand⸗ werksburschen. Einzelne sogenannter reisender Handwerker treiben sich arbeitsscheu jahrelang umher, fechtend und stehlend, je wie sich die Gelegenheit bietet. Jedoch soll man nur nicht den Guten mit dem Bosen verdammen; es giebt unter den reisenden Arbeitslosen tüchtige Menschen, die leider zu oft durch schlechte Ge⸗ sellschaft und Aussichtslosigkeit zur Erlangung von Arbeit zum Vagabunden heruntersinken.

Mit solch einem verkommen Menschen, einem Metzger, reiste ich einige Tage im nördlichen Teile des Regierungsbezirks Stade.

Am Abend eines schönen Sommertages passterten wir ein ziemlich großes Dorf. Hinter demselben begegneten wir einer Schar Gänse, die schnatternd und mit vorgestreckten Köpfen dem heimatlichen Stall zueilten. Mit schnellem Griff erhaschte mein Reisegenosse eine Gans beim Hals und schwang sie um sich selbst, sodaß der Hals fast abgedreht war. Entrüstet stellte ich ihn wegen dieser grausamen Handlungsweise zur Rede. In aller Ruhe erwiederte er: Du bist ein dummer Esel! Hast Du keine Lust zu Gänsebraten? Schon der Gedanke an einen solchen reizte meinen vorhandenen Appetit noch ganz besonders. Freilich hatte ich keine Ahnung, wie wir trotz der geschlachteten Gans zu einem Gänsebraten kommen sollten, ohne Herd, ohne Bratpfanne ꝛc. Vorsichtig verbarg der Gänsedieb seine Beute unter seinem Kittel. Vor uns lag ein Tannenwald, dem wir schnellen Schrittes zueilten. In demselben angekommen, bogen wir von der Landstraße ab. Wohl tausendmal sah ich hinter mich, glaubend, daß wir verfolgt würden, was mir jedoch nur Schelworte meines Gefährten eintrug. Als wir kaum eine kurze Strecke in den Wald hineingedrangen waren, wurde halt gemacht. Jetzt trug mir mein Reisegenosse auf, ins Dorf zurückzukehren und im Krämerladen Pfeffer, Salz und Brot zu kaufen. Auch sollte ich nur nicht den Branntwein vergessen. Lange sträubte ich mich gegen dies Ansinnen. Die Augsicht auf einen guten Braten war aber zu verlockend; deshalb trat ich endlich klopfenden Herzens den Gang an. Ungehindert, nichts Verdächtiges bemerkend, erreichte ich den Laden und besorgte meine Einkäufe. Froh, endlich das Dorf wieder hinter mir zu haben, eilte ich dem Walde zu. Unterdes hatte der Metzger die Gans aufgeschnitten, ausgenommen und innen gereinigt. Dann ging der Marsch weiter von der Landstraße ab in die Haide hinein. Jedes Stückchen Holz mußte ich sammeln und mit⸗ nehmen. Endlich, es war schon finster geworden, erreichten wir eine muldenartige Elnsenkung. Hier wurde halt gemacht. In der Nähe war

ein kleiner Graben mit schmutziggelbem Wasser.

meines Genossen holte ich vom Erde, eine Art die Gans mit

Auf Geheiß Grund dieses Grabens feuchte Thonerde hervor, während er

zerriebenem Brot füllte und dann zunähte. Darauf nahm er von der Erde und beklebte damit die Gans, sodaß dieselbe vollständig von einem Mantel umgeben war. Jetzt wurde Feuer gemacht und abwechselnd schwangen wir die Gans durch die Flamme. Ab und zu klopfte der Metzger an den gebackenen Mantel. Endlich erklärte er den Braten für fertig. Bis⸗ her hatte ich seinen Arbeiten schweigend und ohne Verständnis zugesehen. Aber als mein Koch jetzt den Lehmklumpen mit einer Gans als Kern in die Luft schwang und zur Erde

fallen ließ, sah ich, ein bewunderndesAh

ausstoßend, eine herrliche gebratene Gans vor mir liegen. Die Federn waren in dem Lehm hängen geblieben und so hatten wir die Arbeit des Rupfens erspart. Wie mundete uns dies für Handwerksburschen seltene Gericht! Mit Vorrat auf mehrere Tage versehen, zogen wir am frühen Morgen weiter. Ich machte mir im Stillen natürlich Vorwürfe. Bei ruhiger Gebe de dachte ich jedoch:Not kennt kein ebot.

Am Abend dieses Tages hatte ich jedoch die Gesellschaft dieses verwegenenKunden wieder verlassen, denn es war mir nicht geheuer, noch ferner mit ihm zu wandern.

Obdachlos!

Ja, wann fühlt sich denn ein Mensch ob⸗ dachlos? Wenn Handwerksburschen im Sommer bei günstigem Wetter des Nachts beiMutter Grün pennen, oder wenn sie in einer Scheune ꝛc. Unterschlupf finden, überkommt wohl keinen das Gefühl der Obdachlosigkeit. Wenn aber ein Arbeitsloser in einer großen ihm fremden Stadt ist, keine Mittel besitzt, um logieren zu können, die Witterungsverhältnisse zudem noch ungünstig sind, dann mag ihn ein Gefühl des Verlassenseins beschleichen; er fühlt sich obdach⸗ los. In Dörfern und kleinen Städten ist es Aufgabe der Ortspolizei, für Unterbringung der sich obdachlos Meldenden Sorge zu tragen. In unseren Großstädten hat man in anderer Weise für diese Bedauernswerten gesorgt, indem manAsyle für Obdachlose errichtet hat.

In der alten Hansastadt Hamburg war es, wo sch an einem schönen Tage lange durch die Straßen, Gassen und Gäßchen schlenderte, um ein rechtes Bild von dieser Metropole deutschen Handels und Gewerbes zu gewinnen. Nicht auf die Zeit achtend, erinnerte mich die herein⸗ brechende Dunkelheit daran, daß es Zeit sei, ein Unterkommen zu finden. Lauge mußte ich in der großen Stadt suchen, bis ich ein Logier⸗ haus entdeckte. Bei meinem Eintritt fand ich bereits alle Betten vergeben. In einer zweiten und dritten Herberge erging es mir nicht besser. Da ging mir ein leuchtender Stern in Gestalt eines ziemlich abgerissenen Leidensgenossen auf. Er machte mich aufmerksam auf dasAsyl für Obdachlose. Gern war ich bereit, dorthin zu folgen, versprach mir doch diese Gelegenheit einen weiteren Blick in das Elend der Ver lassenen. Nach kurzer Wanderung erreichten wir unser Ziel. Wir traten in einen großen, fast vollständig besetzten Saal ein und fanden noch Platz auf einer der hinteren Bänke. Ein Aufseher der Anstalt, oder war es der Vor⸗ steher, ging stolzen Schrittes vor den Bänken auf und ab, jedes Gesicht der Eintretenden enau betrachtend. Jegliche Unterhaltung war 909 untersagt. Endlich schloß er von innen die Thür. Jetzt ging der Gestrenge von Bank zu Bank.

Wie oft warst Du schon hier? fragt er einen der Fremden.

Heute zum zweiten Mal, Antwort.

Mindestens schon einhalb Dutzend mal, hinaus! und der Arme muß den Saal ver⸗ lassen. Diese Art Unterhaltung wiederholte sich in mehreren Variationen noch mehrere mal. Jetzt schreitet derliebenswürdige Herr auf mich zu.

Haben Sie keine Mittel, um in der Her⸗ berge übernachten zu können? ist seine strenge Frage. Meines nicht ganz reinen Gewissens mir wohl bewußt, verneinte ich diese Frage kleinlaut. Endlich ist die Musterung beendet. Jetzt bekommt jeder eine irdene Schüssel mit einer Art Mehlbrei und ein Stück trockenes

ertönt die

Brot als Nachtessen.

geht es in Abteilungen zum Oaben. achucm sich jeder ausgezogen, werden die Kleider in einen Dampfofen gehängt, damit die etwa sich in ihnen aufhaltenden kleinen Schmarotzer einen gewiß nicht geahnten schnellen Tod finden. Darauf bekommt jeder etwas Schmierseife und jetzt gehts im Kreise unter der Brause durch, fest dabei waschend und reibend. Nachdem dies beendet, der Körper mit rauhen Tüchern abge⸗ rieben, werden jedem die Kleider wieder über⸗ geben, diese schnell angezogen und nun geht es hinauf auf den Schlafsaal. Auf hölzernen Pritschen, eine dünne Decke aus Sackleinen zum Zudecken, sollen die Aermsten hier für wenige Stunden ihr Elend vergessen. Manchem wird es ergangen sein wie mir, daß er kein Auge geschlossen hat. Froh, daß der kommende Tag sein Licht durch die kleinen Fenster sandte, er⸗ hob ich mich. Bald wurde geweckt. Jeder be⸗ kommt eine Tasse schwarzen Kaffee und ein Stück Brot, und in Schaaren entströmen dem Asyl die Gäste, um wieder Arbeit suchend, bettelnd, und ach, wie oft vergeblich, umherrennen, mit der steten Sorge:Wohin wirst Du heute Abend Dein müdes Haupt niederlegen?

Jeder, der sich in Arbeit, in einem geord⸗ neten Leben befindet, der nicht die Mühen, Lasten und Estbehrungen des Walzenlebens kennt, schaue nicht mit Verachtung auf unsere Handwerksburschen herab, sondern bedenke, daß es unter ihnen auch tüchtige Menschen giebt, und suche nach Kräften, diese vor Untergang zu bewahren.

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Humoristisches.

Belehrung. Offizier(zum Burschen): Wie kommst Du dazu, das Pferd ein Sauvieh zu nennen? Das Pferd ist ein edles Tier, Du Rindvieh! g

Unüberlegt. Richter: Nun sitzen Sie schon das siebente Mal wegen Uhrendiebstahl auf der Anklagebank. Weshalb stehlen Sie blos Uhren? Warum stehlen Sie nicht mal was anderes?

Starke Einbildung. Bauer:Herr⸗ schaft, jetzt hat der Maler dös große Bild, wo i und meine zwei Ochsen drauf san, für 10 000 Markl vakauft. Meine Ochsen hamm 2000 Markl kost da bleibn für mi 8000 1!.... Dos hätt i net glaubt, daß i so viel wert waar!

Litterarisches.

Das Weib und der Intellektualismus. Von Oda Olberg, Akademischer Verlag für soziale Wissenschaften, Berlin⸗ Bern. Preis gebunden 2 Mark, elegant gebunden 3 Mark. Die bekannte Verfasserin sucht in dieser Schrift die Frage zu klären, ob sich der Forderung des Weibes nach geistigen Ausleben Hinder⸗ nisse entgegenstellen, denen im Interesse des Gesellschasts⸗ ganzen Berechtigung zukommt, ob die physiologische und psychologische Eignung des Weibes zur Mutterschaft durch Geistesarbeit Einbuße erleidet.

Geschichtskalender.

5. März. 1894: Kriegs minister Bronsart verteidigt im Reichstage Faustrecht und Duell. 1901: Bülow im Reichstage für Brodzollerhöhung.

6. 1475: Michel Angelo Buonarrotti, berühmter ital. Bildhauer, Maler und Architekt geboren. 1901; Wilhelm II. durch den Epileptiker Weyland⸗Bremen ver⸗ wundet.

7. 1901: GrubenunglückKonsolidation Gelsen⸗ kirchen, 10 Tot'.

83. 1875: organisation auf.

9. 1897: Reichsratswahlen in Wien. soz.⸗dem. Stimmen.

10. 1793: Einsetzung des Revolutions ⸗Tribunals in Frankreich. 1494: Deutsch⸗ruffischer Handelsvertrag im Reichstag angenommen.

11. 1901: Scharfmacher Stumm gestorben

12. 1895: Umsturzvorlage im Reichstage.

13. 1881: Zar Alexander II. von Rußland durch Bombenwurf getödtet.

14. 1883: Karl Marr gestorben. 1892: Erster deutscher Gewerkschafts⸗Kongreß in Halberstadt.

15. 1900: Lex⸗Heinze⸗Obstruktion im Reichs tage.

Tessendorf löst sozialistische Partei⸗

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