Ausgabe 
9.2.1902
 
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Seite 4.

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Mitteldentsche Sountags⸗Zeilung.

Nr. 6.

Orte durch 26 Delegierte vertreten. Nach den üblichen Formalitäten wird zur Tagesordnung übergegangen. Zuerst erstattete der Vertrauens⸗ mann Genosse Bock den Kassenbericht. Die vor wenigen Monaten für die Mitglieder des Wahlvereins eingerichtete Sterbekasse ver⸗ zeichnet eine Einnahme von Mk. 110.35 eine Aus⸗ gabe von 30.70 Mk., sodaß ein Kassenbestand von 76.65 Mk. verbleibt. Die Finanzlage der Kasse kann also eine günstige genannt werden. Es kam nur ein Sterbefall vor. Weniger gut steht die Kasse des Kreiswahlvereins. Hier betragen im zweiten Halbjahr 1901 die Ein⸗ nahmen 387,19 Mk., die Ausgaben 413,66 Mk. Es ergiebt sich demnach ein Defizit von 26,47 Mk. Bedeutende Ausgaben für den Landkalender, die Verteilung desselben, sowie die Verteilung der Flugblätter gegen den Brotwucher verur- sachten diese Mehrausgaben. Die Rebisoren bestätigen die Richtigkeit der Abrechnung, wor⸗ auf, nach erfolgter Entlastung, Genosse Bock einstimmig als Kassierer wiedergewählt wird. Beckmann giebt hierauf den Vorstands⸗ bericht, worin er die im Laufe des Halbjahrs geleistete agitatorische Arbeit schildert. Bericht⸗ erstattung über den Parteitag hätten nur ein⸗ zelne Mitgliedschaften verlangt, obwohl wieder holt darauf aufmerksam gemacht wurde. Die im vergangenen Jahre verteilten Flugblätter gegen den Brotwucher, sowie auch die Land⸗ kalender fanden, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, gute Aufnahme auf dem Lande. Unsere Genossen im Kreise müßten aber immer⸗ hin etwas mehr Regsamkeit zeigen. Wenn Versammlungen stattfinden, muß jeder am Platze sein; ebenso in den Mitgliederversammlungen der einzelnen Vereine, wo man sich über die vorliegenden politischen und Parteifragen aus⸗ sprechen müsse.

Hieran anschließend spricht Gen. Vetters überAgitation und Organisation in aus⸗ führlicher Weise. Wolle man eine Sache sieg⸗ reich durchführen, so nütze es nichts, daß man von der Güte und der Gerechtigkeit dieser Sache überzeugt sei, man müsse eben auch Andere davon überzeugen, eine Massen bewegung ent⸗ fachen. Die Idee, welche die Massen ergriffen habe, sei unüberwindlich. Dafür haben uns die Zeiten des Sozialistengesetzes den Beweis geliefert. Wir müssen deshalb arbeiten, um den Massen der Besitzlosen unsere Ziele klar zu legen, sie dafür begeistern, Anhänger unseres Programms, der Partei zu gewinnen suchen agitieren. Und das nicht blos in öffentlichen Versammlungen, sondern auch durch zweckent⸗ sprechende Verbreitung der sozialistischen Litte⸗ ratur. Wirksamste Agitation sei aber die pri⸗ vate, von Mund zu Mund gehende. Jede Agitation koste aber Geld. Um die nötigen Mittel herbeizuschaffen, sei eine zweckmäßige Organisation, eine Gliederung des Ganzen notwendig. Dann müsse auch durch Vorträge und Aussprache Klarheit geschaffen und die Ueberzeugung der einzelnen Genossen befestigt werden. Bei Reichstags⸗ und Gemeindewahlen habe die Organisation wichtige Dienste zu leisten. Hätte dieselbe in genügender Weise bei den letzten Gemeindewahlen funktioniert, so durften Dinge nicht vorkommen, wie man sie anläßlich verschiedener Bürgermeisterwahlen er⸗ lebt habe. Auch die Thätigkeit der als unsere Genossen gewählten Gemetnderatsmitglieder müsse kontrolliert werden. Unserer Richtschnur sei das Kommunal⸗Programm. Wegen der von der letzten Landeskonferenz erhöhten Bei⸗ träge haben sich mehrere Mitgliedschaften be⸗ schwert. Mau befürchtet Mitgliederverluste. Es könne aber an den gefaßten Beschlüssen nicht gerüttelt werden; wer nicht einmal 25 Pfg. monatlich für die Partei opfern wolle, könne eben der Organisation nicht angehören. Das muß aber jeder ehrliche Genosse.

Ueber diese Ausführungen und den Vor⸗ standsbericht entspinnt sich eine lebhafte Dis⸗ kufsion. Krum m meint, zuviel Opfer würden bei unserer Partei nicht verlangt. Noch nie⸗ mand habe gesagt, daß er den Beitrag nicht aufbringen könne, man streite nur wegen der 5 Pfg. Erhöhung. Wer aber 20 Pfg. monat⸗ lich leisten könne, der wird doch nicht behaupten

wollen, daß er 5 Pfg. mehr nicht erschwingen könne. Ohne Müh und Opfer keine Erfolge! Schmidt ⸗Wieseck hält die Kalender⸗Ver⸗ teilung für kostspielig und dabei von geringer agitatorischer Wirkung. Dagegen wenden sich Rudolph ⸗Daubringen, Roos⸗Hirzeuhain und Schäfer⸗-Lollar. Die Kalender wären ein sehr gutes Agitationsmittel, nur müßten sie früher erscheinen, Bock sagt zu, daß man in diesem Jahre darauf dringen werde, daß sie früher herauskommen. Auf eine Bemerkung im Referat über die Bürgermeister- und Ge⸗ meinderatswahlen erwidern die Wiesecker Delegierten, daß ein in derMitteld. S. Ztg. erschienener Artikel, worin die Wahl des alten Bürgermeisters empfohlen wurde, Differenzen unter die Wiesecker Genossen hervorgerufen habe. Die Meisten waren mit dem Inhalt nicht einverstanden. Vetters: Diese Notiz set ihm von einem Genossen zugegangen, von dem er annehmen mußte, daß er Beauftragter der Wiesecker Genossen sei. Warum haben die Wahlvereinsmitglieder sich nicht dagegen gewendet? Weiter stellt er eine Aeußerung bezüg⸗ lich dergemischten Liste bei der Gießener Stadtverordnetenwahl richtig. Hier sei offen und klar gesagt worden, daß bestimmte Kandidaten nicht auf dem Parteistandpunkt ständen. Dem schließen sich Krumm und Beckmann an. Letzterer erwähnt noch, daß an einigen Orten die Spediteure der Mitteld. S.⸗Ztg. im Rückstand geblieben wären, wo⸗ durch der Zeitung Verluste entstünden. Das könnte vermieden werden, wenn sich die Ver⸗ eine den Vertrieb der Zeitung angelegen sein ließen. Hierüber entsteht eine längere Debatte, in deren Verlaufe die Heuchelheimer Delegierten erklären, daß bei ihnen die Sache sehr glatt abwickele, dort vertreibe der Verein die Zeitung. Bei den Abstimmungen, die nach dem Schluß⸗ wort des Referenten folgen, wird ein von Krumm gestellter Antrag einstimmig an⸗ genommen, nach welchem überall dort, wo Partei⸗Vereine bestehen, diese die Spedition des Blattes zu überwachen haben. Ferner wird noch beschlossen, daß von jeder Marke à 10 Pfg. den Lokal⸗Vereinen 4 Pfg belassen werden sollen, während 3 Pfg. der Kreisorganisation und 3 Pfg. dem Landeskomitee zufließen.

Nach Erledigung einiger geschäftlichen An⸗ gelegenheiten und Anträge schließt der Vor⸗ sitzende Beckmann die Konferenz mit einem freudig aufgenommenem Hoch auf die So⸗ zialdemokratie.

Gießener Angelegenheiten.

Wie satte Bürger über die Not⸗ lage der Arbeitslosen urteilen, zeigte auch eine Aeußerung des Stadtrats Haubach in der letzten Stadtverordneten⸗Sitzung. Er meinte unter Anderem, die Notstandsarbeiter müßten fühlen, daß sie Notstands arbeiten ver⸗ richteten und sich bald nach anderer Arbeit umsehen. Also ja nicht so günstige Arbeits⸗ bedingungen! Herr Haubach scheint zu glauben, daß die Notstandsarbeiter ein Schlaraffenleben führen. Es muß auch ein wahres Vergnügen sein, beim jetzigen Wetter im Freien zu schaffen, Steine zu klopfen und Erdarbeiten zu verrichten! Und der riesige Verdienst! Kein Wunder, daß die Notstandsarbeiter als Stamm⸗ gäste in den feinsten Weinkneipen bekannt sind, wo sie täglich reichlich frühstücken. Und auf jedem Maskenball im Club oder sonstwo treiben sich Arbeitslose in großer Anzahl herum.

Es geht doch nichts über einen einsichtigen, sorgsamen,freistnnigen Stadtvater!

Aus dem Nreise gießen.

Der Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein in Steinberg hatte am vergangenen Sonn⸗ tag eine Abendunterhaltung arrangiert, die überaus stark besucht war. Eng zusammen⸗ gedrängt saßen und standen die Besucher, den Saalzum grünen Baum bis zum letzten Platz füllend. Die dargebotene Musik⸗ und Gesangsstücke wurden recht beifällig auf⸗ Tol ebenso mehrere Deklamationen und

buplets. An Stelle des verhinderten Gen.

Krumm hielt Vetters⸗Gießen eine Ansprache, in der er den Zweck des Arbetter⸗Bildungs⸗ vereins darlegte und die wichtigsten politischen Tagesfragen erörterte. Zum Schluß forderte er die Anwesenden auf, den Gemeinsinn zu pflegen und nach ihren besten Kräften einzu⸗ treten für das Wohl der Gesamtheit! Diese Worte fanden begeisterte Zustimmung. Ein Theaterstück:Gewalt geht vor Recht wurde recht gut gespielt. Nur hätte man die Frauen⸗ rolle nicht von einem Manne spielen lassen sollen; es giebt doch sicher in Steinberg auch Mädchen oder Frauen genug, die derartiges übernehmen könnten! Dann hatten viele Frauen keinen Sitzplatz und mußten stehen. Das sollte nicht sein; lieber sollte doch die männliche Jugend auf Sitzplätze verzichten, wenn's mal nicht anders geht.

aus dem Nreise Friedberg⸗Büdingen.

J. Gewerkschaftskartell Fried⸗ berg. Nach einem früher gefaßten Beschlusse soll über die Thätigkeit des Friedberger Gewerk⸗ schafts⸗ Kartells in derMitteld. Sonntags⸗ Ztg. berichtet werden. Im verflossenen Jahre wurde diese Thätigkeit sowohl in sozialpolitischer als organisatorischer Beziehung umfangreicher; das Kartell erledigte seine Geschäfte in 15 Sitzungen, deren Besuch aber öfters sehr mangel⸗ haft war. Pflicht der einzelnen Gewerkschaften ist es, zuverlässigere Delegirten zu wählen. Im März reichte das Kartell eine Beschwerde bei dem Gewerbeinspektor über Mißstände in der Militär ⸗Effekten⸗ Fabrik Sohn u. Co. ein, die Erfolg hatte. Doch die Folgen mußten die organisterten Arbeiter verspüren; in kurzer Zett wurden 4 Arbeiter ohne Kündigung ent⸗ lassen. 2 Arbeiter wurden dem Kartell darüber vorstellig, die Klage wurde sofort eingereicht. Eine dieser Klagen mußte zurückgezogen werden, weil der Kläger nicht ausfindig zu machen war, die andere ist noch nicht entschteden. Eine im Mai bei dem Bad⸗Nauheimer Polizeiamt er⸗ hobene Beschwerde, wegen Fehlen des Aborts an einem dortigen Neubau hatte ebenfalls Er⸗ folg. Die Beteiligung an der Maifeier war, obwohl von einer allgemeinen Arbeitsruhe Abstand genommen wurde, eine größere als in den Vorjahren. Die Maifeier-Veranstaltungen, Versammlung und Fest am 5. Mai erfreuten sich zahlreichen Besuches. Ebenso das Gewerk⸗ schaftsfest und die Weihnachtsfeier. Von den Versammlungen ist zu erwähnen, eine am 16. März staͤttgefundene, in der Gen. Repp über die Gewerkschaftsbewegung referterte. Weiter sprach Herborn⸗Frankfurt am 2. Juni über Bauarbeiterschutz. Das Kartell richtete ferner eine Eingabe an den Gemeinderat, worin die Errichtung eines Gewerbe⸗Gerichts gefordert wurde. Darüber ist wohl einmal in der Stadt⸗ verordneten⸗Versammlung verhandelt worden, doch ist die Sache dann liegen geblieben. Eine Bibliothek besitzt das Kartell noch nicht; es sollen jedoch die Bücherbestände dreier hiesiger Gewerkschaften zu einer Bibliothek verschmolzen und unter die Verwaltung des Kartells gestellt werden.Beieiner vorgenommenen Arbeitslosen⸗ zählung, die aber nur die organisterten Arbeiter umfaßte, konnte eine allgemeine Arbeitslosigkeit nicht festgestellt werden. Das ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß von 1050 Arbeitern und Arbeiterinnen, die hier beschäftigt sind, nur 120 in den Gewerkschaften sich befinden und außerdem der größte Teil auf dem Lande wohnt. Zwei Lohnbewegungen waren zu verzeichnen, die der Brauer und Bäcker. Im ersteren Falle wurden die Differenzen zu Gunsten der Arbeiter auf gütlichem Wege beigelegt. Die Bäcker verlangten Abschaffung von Kost und Logis bei dem Meister und Lohnerhöhung, waren aber damit nur teilweise erfolgreich.

[Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Das Gewerbe⸗Gericht des Kreises Wetzlar erledigte nach dem Berichte seines Vor⸗ sitzenden im verflossenen Jahre 20 klagen, wozu 22 Sitzungen nötig waren. Nur drei Sitzungen fanden unter Zuziehung von Bei⸗ sitzern statt und nur in einer Sache al Endurteil. Außerdem wur den neun Streitfälle

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