Ausgabe 
9.2.1902
 
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Seite 2.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 6.

Not der Landwirtschaft.

Wir haben schon öfters Beispiele dafür angeführt, daß bei dem Geschrei über die Not der Landwirtschaft von agrarischer Seite fürchter⸗ lich übertrieben wird. Daß es Hunderttausenden von Klein bauern schlecht geht, ist nicht zu leugnen, von uns auch niemals bestritten worden. Aber die größten Schreier, die zugleich die größten Besitzer sind, befinden sich in keiner Notlage. Ebensowenig die Mittelbauern. Das bestätigte auch der Amtmann Stein, der am 23. Januar im landwirtschaftlichen Verein in Heilsberg(bei Königsberg i. Pr.) einen Vor⸗ trag hielt, worin er unter Anderem sagte:

Das abgelaufene Jahr sei ein recht gutes gewesen. Fast alles habe sich vereint, um es dem Landmann zu einem angenehmen zu machen. So sei zum Beispiel die Ernte von solch prächtigem Wetter begünstigt gewesen, wie wir es seit undenklichen Zeiten nicht gehabt hätten. Die Ernte selbst sei eine gute gewesen, und auch die Getreide⸗ preise seien so hoch gewesen, wie seit langen Jahren nicht. Da müsse er doch sagen, daß der Landmann jetzt zu Klagen wohl keinen Grund mehr habe.

Einen weiteren Beleg gegen die Behauptung der Agrarier bietet ein Inserat, das ein west⸗ preußischer Gutsbesitzer wegen Verkauf seines Gutes erläßt. Darin heißt es:

Der Besitzer hat auf diesem Gute ein b e⸗ trächtliches Vermögen erworben und will es nur aus dem Grunde verkaufen, weil sich ihm Gelegenheit bietet, ein vielfach größeres Gut käuflich zu erwerben.

Nun also! Hier hören wir von praktischen Landwirten, daß bei aller Notlage der Land⸗ wirtschaft nochbeträchtliche Vermögen erworben werden können. Angesichts solcher Dinge braucht man wohl die agrarischen Klagelieder nicht ernst zu nehmen.

Reiche Leute.

In derZeitschrift des Statistischen Bureaus teilt ein Mitglied dieses Bureaus, Evert, übe) die Privatvermögen in Preußen einige interessante, geradezu aufreizende Zahlen mit. Danach ist die reichste Person eingeschätzt mit einem Vermögen von 265 bis 266 Millionen Mark. Er wohnt irgendwo in der Stadt. Erst bei der Veranlagung von 1899 kam ein Vermögen in dieser Höhe zum Vorschein, in den Jahren 1896 und 1897 wurde das Vermögen auf 215216 Millionen im Jahre 1896 auf 203204 Millionen geschätzt. Der Mann ist also in der Zeit von 18951899 in der Lage gewesen, noch weitere 62 Mil- lionen auf die hohe Kante zu legen! Die nächstreiche Person ist veranlagt mit 147148 Millionen Mk. Vermögen und wohnt ebenfalls in einer Stadt und hat von 1895-1899 einen Vermögens⸗-Zuwachs von 29 Millionen aufzuweisen. Dahinter kommen kleine Leute mit weniger als 100 Millionen. Die reichste Person auf dem Lande ist mit einem Vermögen von 85 Millionen veranlagt. Es folgen unmittelbar dahinter noch drei ländliche Mag⸗

naten mit einem Vermögen von 72, 54 und

48 Millionen. In den Städten hat die reichste Person, abgesehen von den zwei oben⸗ erwähnten, an der Spitze aller reichen Leute stehenden Millionären nur 40 Millionen Mack. Im ganzen sind mit einem Vermögen von über zwei Millionen eingeschätzt 2105 Personen, darunter 1530 in den Städten von 575 auf dem Lande. Merkwürdig ist es, daß unter denjenigen, die mit einem Vermögen von 27 Millionenen eingeschätzt sind, sich vier Personen befinden, die zur Einkommensteuer mit einem Einkommen von nicht mehr als 3000 Mark veranlagt sind. Unter den vier Personen wohnt einer in der Stadt, drei auf dem Lande. Diese drei Millionäre gehören also schon zu dennot⸗ leidenden Agrariern. Wie mögen es dieselben anfangen, aus einem nach Millionen zählenden Vermögen noch nicht 3000 Mk. Einkommen herauszuwirtschaften. Gegenüber dem Geschrei von derNot des platten Landes ist auch aus diesem Aufsatz hervorzuheben, daß auch die Zahl der Censtten auf dem platten Lande von

1895 bis 1899 von 632 000 auf 653 031 gestiegen ist und zwar ebenfalls in allen Ver⸗ mögensklassen.

Die antisemitische Wahlniederlage

in Schaumburg-Lippe ist durch die da⸗ selbst am 31. Januar stattgefundene Stichwahl endgültig entschieden worden. Wie vorauszu⸗ sehen war, brachte die Stichwahl dem Freisin⸗ nigen Demmig den Sieg. Er erhielt 4541 Stimmen; der Antisemit Graf Reventlow nur 3446. Das ist eine recht bedeutende, früher nicht erreichte Mehrheit des Freisinnigen, für den natürlich auch unsere Genossen eintraten. Auch in diesem Wahlkreise hat sich die Wähler⸗ schaft mit aller nur wünschenswerten Deutlich⸗ keit gegen den Brotwucher erklärt. Nach den Mitteilungen freisinniger Blätter haben die An⸗ tisemiten den Wahlkampf in der ruppigsten und gehässigsten Weise geführt. Die Beschimpfungen, mit welchen sich die beiden bürgerlichen Gegner belegten, mußten die Wähler davon überzeugen, daß nur der Sozialdemokrat als ein anständiger Mensch gelten kann.

Bei der ee e ee in Frauk⸗ ur

wurde, wie nach dem Ausfall der Wahlmänner⸗

wahlen vorauszusehen war, der demokratische

Redakteur Oeser gewählt. Er ist der einzige Demokrat in dem famosen Dreiklassenhause.

Schärfere Bestrafung der Duellfexerei

beantragt im Reichstage der Abg. Schrader von der Freisinnigen Vereinigung. Sein dies⸗ bezüglicher Antrag bezweckt eine Abänderung des Strafgesetzbuches, wonach statt der bisherigen Festungsstrafe in jedem Fall eine Gefängnis⸗ strafe von nicht unter drei Monaten für die Herausforderung und von mindestens sechs Monaten für das Duell selbst eintreten; bei den Beamten soll auch auf Unfähigkeit zur Be⸗ kleidung von öffentlichen Aemtern für die Dauer von einem bis fünf Jahren erkannt werden. Für Verächtlichmachung jemandes wegen Nicht⸗ annahme eines Duells soll eine Gefängnis⸗ strafe nicht unter einem Monat treten. Für Verletzungen oder Tötungen im Zweikampf soll Schadenersatz geleistet werden.

Ebenso hat der Freisinnige Lenzmann Anträge gestellt, die eine schärfere Bestrafung der duellwütigen Offiziere vorsehen. Wir halten dafür, daß die Duellfexen ganz einfach mit den Strafen belegt werden, die im Straf⸗ gesetzbuch für Körperverletzung, Totschlag, Mord ꝛc. festgesetzt sind.

Zurückgewiesene Ordens ⸗Auszeich⸗ nungen.

Eine weitverbreitete Ordens scheu hat sich anläßlich des letzten Ordensregens zu Kaisers Geburtstag bemerkbar gemacht. Nach einer offiziösen Meldung hat von den aus An⸗ laß dieses Tages durch Ordensverleihungen dekorierten Personen ein größerer Teil die Annahme der Auszeichnungen zurückgewiesen. Wie bis jetzt bekannt geworden ist, sind es 27 Personen gewesen. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um Zurückweisung des Allge⸗ meinen Ehrenzeichens durch Lehrer, Subaltern⸗ beamte, pensionierte Postbeamte ꝛc. Für diese Beamten ⸗Proletarier pflegt die Verleihung eines Bändchens dazu bestimmt zu sein, um die Blößen ihrer dürftigen Existenz zu verdecken. Wie Figura zeigt, fangen diese Leute an, über den Wert einer solchen Auszeichnung sich ihre eigenen nicht immer respektvollen, Gedanken zu machen.

Vom guten Magen der Kirche.

In den letzten Jahrzehnten haben sich die geistlichen Ordensgesellschaften in Bel⸗ gien außerordentlich vermehrt. Im Jahre 1846 zählte man in diesem Landenur 779 Klöster mit 12000 Ordensangehörigen, jetzt be⸗ läuft sich die Zahl der Klöster auf 2225, in denen nicht weniger als 37700 Mönche und Nonnen untergebracht sind. Das diesen Ordens⸗ gesellschaften gehörige Eigentum an Gebäuden, Mobilien ꝛc. repräsentiert die gewaltige Summe

von 1035 Millionen Franken. gemerkt, nur in Belgien! Das ist aber noch nicht alles. Es gehören den geistlichen Orden noch eine Menge Landgüter, Wälder, Werkstätten, Geschäftshäuser, Hotels, die von Mittelspersonen bewirtschaftet und be⸗ trieben werden, so daß der wirkliche Besitz der Pfaffengesellschaften den oben angegebenen Wert noch weit übersteigt. f

Die französischen Parlamentswahlen

dürften nach einer Meldung der Frkftr. Ztg. am 27. April, die Stichwahlen am 4. Mat stattfinden. Der sozialistische Abgeordnete Viviani hat in der Kammer einen Gesetzent⸗ wurf eingebracht, welcher strenge Strafen für Wahl⸗Beeinflussungen vorsieht. Nach dem Entwurf sollen Abgeordnete, welche sich Wahl⸗Beeinflussungen zu schulden kommen lassen, für die Dauer einer ganzen Session ihres Mandats für verlustig erklärt werden. Ferner will Viviani den reichen Kandidaten das Recht geuommen wissen, die besten und möglichst viele Flächen für Wahlplakate für sich allein mit Beschlag zu belegen. Jedem Kandi⸗ daten soll ein gleich großer Raum für seine Ankündigungen zugewiesen werden.

Sparsamkeit eines Königs.

Der König von Italien wird der Welt das merkwürdige Schausptel bieten, daß er bei Eröffnung der nächsten Parlamentssitzung mit dem Verzicht auf 5 Millionen seiner Zivilliste vor sein Volk tritt, um durch den Nachlaß von ¼ der alten Zivilliste den Bürgern seines Landes das notwendigste Lebensmittel (Salz) zu verbilligen. Das ist ja wirklich ein weißer Rabe! Sparsamkeit ist sonst bei gekrönten Häuptern eine sehr seltene Tugend. Vielleicht spart Viktor Emanuel viel am Reise⸗ geld, wie er denn überhaupt seinen Hofstaat mit allem, was drum und dran hängt, außer⸗ ordentlich vereinfacht hat.

Deutscher Reichstag.

Der erste am Donnerstag verhandelte Gegenstand war die Novelle zum Branntweinsteuer⸗Gesetz. Nach kurzer Beratung wird sie der Kommission über⸗ wiesen.

Hierauf ging die sozialpolitische Debatte beim Etat des Reichsamt des Innern weiter. Genosse Peus forderte in warmen Worten gesetzlichen Schutz für die Kinderarbeit auf dem Lande und Koalitionsrecht für die Landarbeiter. Der konservative Handwerkermeister Ja⸗ kobskötter mußte dann gegen seinen Fraktionsgenossen Pauli und dessen Klagen über das Zwangsinnungsgesetz polemisieren. Nach einer Rede des süddeutschen Volks⸗ parteilers Hoffmann-Hall gegen die Kurpfuscherei, und einigen Bemerkungen des nationalliberalen Fabri⸗ kanten Schlumberger gegen das internationale Arbeits⸗ amt hielt Bebel kräftige Abrechnung mit den Herren v. Heyl und v. Massow.

Erwähnenswert ist, daß Graf Posadowsly am Schluß erklärte, daß er bereits angeordnet hätte, aus dem Fonds des Reichsamts des Innern das internationale Arbeits⸗ amt in Basel zu unterstützen. Das ist immerhin ein Fortschritt.

Am Freitag, dem siebenten Tage der Debatte über den Etat des Reichsamts des Innern erhielt Po⸗ sadowsky das Gehalt bewilligt. Eine lange Debatte ging voraus, in der noch einmal das große Gebiet der Sozialpolitik von den verschiedensten Seiten beleuchtet wurde.

Zunächst trat Genosse Rosenow für

staatliche Arbeitslosen⸗Unterstützung

und für Errichtung eines internationalen Arbeits⸗

amts ein, das mehr Autorität, als das bestehende private haben würde. Er empfahl das Verbot der Nachtarbeit und verlangte die Regelung der Frage des Arbeitsnachweises nach unseren organisatorischen Vor⸗ schlägen. Genosse Stolle polemisierte gegen die Be⸗ hauptung des Geheimrats Fischer, daß die Sozialdemo⸗ kraten gegen die Gewerbeinspektoren hetzen. Geheimrat Fischer wiederholte trotz der Abführung, die ihm auch von den Genossen Horn und Sachse zuteil wurde, diese Behauptung später in einer Form, die ihm eine Rüge des Präsidenten zuzog. Genosse Horn ging auf die Auflösung von Zahlstellen des Glasarbeiterverbandes näher ein, während Genosse Sachse die Bergarbeiter⸗ verhältnisse näher besprach und gegen parteiische Berg⸗ inspektoren und Einwirkung der Behörden auf solche Besitzer polemisierte. Die Eenossen Thiele und Mol⸗

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