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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 23.
* b Anterhaltungs-Ceil. &— was ist ein Sozialist?
Ein Bürger fragte neulich mich: Was ist ein Sozialist?
Mein lieber Freund, erwidert ich, Ein Sozialist, das ist:
Ein Mensch, der wahre Freiheit liebt Und haßt die Tyrannei,
Der Jedem gern das Seine giebt, Sein Wort hält brav nnd treu. Der überzeugungsstark ein Mann Mit immer gleichem Mut,
Für seine Sache stehen kann,
Und gält's sein Gut und Blut!
Der jedem Heuchler kühn die Larv' Vom falschen Antlitz reißt,
And offen stets und frei und scharf Den Lügner Lügner heißt.
Der jeden Schurken, wer's auch sei, Dreist an den Pranger stellt,
Und das Panier der Wahrheit frei Und stolz erhoben hält.
Der als sein teures Vaterland
Die ganze Erde kennt,
Und jedem Braven seine Hand Giebt und ihn Bruder nennt.
Der weder Christ, noch Türk', noch Heid', Noch Jud', noch Mucker ist,
Des Religion: Gerechtigkeit— Das ist ein Sozialist!
Das Goldmacherdorf.
Eine anmutige und wahrhafte Geschichte für Schule und Haus. Von Heinrich Zschokke.
1. Wie Oswald aus dem Kriege kommt und was die Leute sagen.
An einem Sonntag Nachmittag saßen im Dorfe Goldenthal die jüngeren Knaben und Mädchen unter der alten Linde und sangen oder lachten, wenn einer aus dem Wirtshaus hervorstolperte, der zu tief ins Glas geschaut hatte. Die andern Bauern mit ihren Weibern saßen in drei Wirtshäusern und tranken und spielten und jauchzten oder balgten, wie es denn ind so geht, wenn Wein und Bier wohlfeil ind.
Da kam ein großer starker Mann ins Dorf. Er mochte in den Dreißigen sein, hatte einen grauen Rock an, einen langen Säbel an der Seite, auf dem Rücken einen Habersack. Er sah gar wild drein, denn er trug über der Stirne eine große Narbe, und unter der Nase einen schwarzen Schnurrbart, daß alle Kinder davonliefen.
Aber ein Paar alte Frauen, die er anredete, erkannten ihn sogleich, und schrien:„Ei, das ist ja Schulmeisters Oswald, der vor sieben⸗ zehn Jahren unter die Soldaten ging. Nein, schau auch, wie ist er gewachsen und groß geworden!“ Und wie die Weiber so schrien, kam Alt und Jung aus den Wirtshäusern und von der Linde herbeigelaufen, und bald war das ganze Dorf um den Oswald ver⸗ sammelt.
Oswald gab allen seinen ehemaligen Bekann⸗ ten die Hand, war sehr freundlich mit allen und sagte, er wolle nun wieder bei ihnen in Goldenthal wohnen, habe des Sold atenlebens salt, und sei froh, mit dem Leben davongekommen zu sein. Nun wollte ihn jeder in ein Wirts⸗ haus ziehen, der eine links, der andere rechts; man müsse eins zum Willkommen trinken; er müsse von den Kriegsgeschichten erzählen. Oswald aber dankte ihnen und sprach:„Ich bin vom Wandern müde und will ausruhen. Wer wohnt in meines verstorbenen Vaters Haus, und wer besorgt die Aecker desselben?“
Alsobald trat der Müller hervor und sagte: „Ich habe den Weber Steffen hineingethan,
bist. Der Gemeinderat hat mich zum Vogt gesetzt über dein Gütlein. Kannst ein paar Tage bei mir herbergen, bis Webers ausziehen und andere Wohnung haben. Da will ich dir auch Rechnung ablegen.“. Also ging der Müller mit seinem Gast zur Mühle und ließ ihm ein gutes Nachtessen und ein gutes Bett bereiten. Oswald hatte aber viel zu fragen nach dem und diesem, wie es seitdem im Dorfe ergangen sei; und der Müller und seine Frau hatten viel zu antworten. So plauderten sie bis Mitternacht in der Mühle. Und Oswald sah immer über den Tisch hinüber nach des Müllers zarter Tochter, die hieß Elsbeth. Und es war wohl der Mühe wert, ihr in die schwarzen Augen zu sehen, denn Elsbeth war schön. Elsbeth aber sah ihrer⸗ seits auch gern über den Tisch hinüber, denn Oswald war ein hübscher Mann, wenn man sich einmal an seinen erschrecklichen Schnurrbart gewöhnt hatte, und in seinen Geberden hatte er etwas Zierliches und Gefälliges, als wäre er ein Herr aus der Stadt gewesen. Darum scheute sie sich, mit ihm zu reden, und wenn er sie ansah, wußte sie nicht, wohin mit den Augen fliehen. Doch sagte sie ihm etwas vom Schnurrbart. Und als er folgenden Morgens zum Früh⸗ stück kam, war unter seiner Nase der Schnurr⸗ bart schon verschwunden. Oswald hätte zeit⸗ lebens in der Mühle wohnen wögen, denn der Müller und seine Frau waren gute Leute, und der Elsbeth sah die Güte hell und klar aus den Augen. Aber nach acht Tagen schon konnte Oswald in das kleine Haus seines Vaters ein⸗ ziehen und nach seinen Feldern sehen. Er hatte fünf Juchart“) Baumgarten mit Wiesen und fünf Juchart Ackerland; dazu kaufte er sich eine schöne Kuh aus den vom Vogt erspar⸗ ten Zinsen. Und weil das Haus alt und zerfallen war, erhielt er Holz und Steine von der Gemeinde. Da ließ er alles ausbessern, weißen und hobeln und waschen. Er selber mauerte, handlangte, fegte vom Morgen bis in die Nacht, damit es schön werde, und ihn doch nicht viel koste. Im Herbst war sein kleines Haus das sauberste und schönste im ganzen Dorf, mitten in einem Garten am Bach. Und der Garten war schön, wie einer in der Stadt. Er hatte sogar in die Wege zwischen den Beeten Sand und Kies getragen. Er hatte es gern, wenn Müllers Elsbeth zuweilen über den grün ange⸗ strichenen Hag in den Garten sah; sie hatte ihm auch Blumen beigesteuert und versprach ihm im Frühjahr noch mehr. 5 Die Leute zu Goldenthal wußten lange nicht, was aus dem Oswald machen? Er war so arm aus dem Kriege gekommen als er hineingekommen war, das sahen sie wohl. Er hatte eine Kiste aus der Stadt bekommen mit Kleidern und Wäsche; sogar Bücher hatten darin gelegen. Das war sein Reichtum. Aber des Geldes wegen mochte die Kiste nicht schwer gewogen haben. „Laßt ihn laufen!“ sagten die einen,„er ist ein armer Teufel, und ein dummer Teufel dazu, der im Kriege seine Sache nicht verstanden hat zu machen. Nicht einmal Sonntags kann er ins Wirtshaus gehen und sein Glas trinken, geschweige einen Tanz zahlen. Daneben muß er arbeiten wie ein Pferd, von Sonnenaufgang bis in die finstere Nacht. Ein Glück für ihn, daß er vom Vater noch etwas geerbt hat, sonst läge er der Gemeinde zur Last.“ „Laßt ihn laufen!“ sagten die aydern, „Heldenthaten hat er nicht viel verrichtet, denn er weiß nicht viel zu erzählen. Und wer weiß, wo der Narr den Hieb über die Stirn geholt hat. Der ist froh, daß er kein Pulver mehr riechen muß.“ „Laßt ihn laufen!“ sagten wieder andere, „er giebt nur keinem ein gutes Wort, und meint, weil er Soldat gewesen, müsse man Respekt vor ihm haben. Wir wollen's ihm aber zeigen. Er ist ein hochmütiger Bursch, der froh sein soll, wenn wir ihm keinen Tritt geben.“ „Laßt ihn laufen!“ sagten noch andere,„der
Bücher, die kein der Pfarrer selber nicht.. Charaktere stehn darin, daß es ein Graus ist. Was gilt's, der geht mit dem Teufel um und kann ihn beschwören.“
ist es hat noch keinen Menschen in seine kleine Hinter⸗ stube gehen lassen, mit ihm zu thun haben. alle Nacht noch Licht brennen, Fensterladen schimmert. beständig verschlossen, ö Fenster sind auch bei hellem Tag nie auf.“
hervorgerufen
schen. begriffen, und vor dem Auge,
Mensch lesen kann, vielleicht Und Zeichen und
„Gott sei bei uns!“ riefen andere,„richtig bei ihm nicht, das weiß man wohl. Er selbst Müllers nicht, die viel Da sieht der Wächter was durch die
Die Stube hält er und die Vorladen der
So sprachen die Leute und machten aus
Oswald nicht viel.
(Fortsetzung folgt).
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Etwas von den Vulkanen. Ein Unglück, wie es füngst die blühende
Insel Martinique heimgesucht hat, erregt natur⸗ gemäß bei Denjenigen, die fern von der Stätte des Verderbens weilen, das Verlangen, nicht nur über den Vorgang selbst Genaues zu ver⸗ nehmen, sondern auch kennen zu lernen, was die Wissenschaft überhaupt von den unter⸗ irdischen Gewalten 0 voller und verderblicher Weise von Zeit zu Zeit ihr Dasein bekunden. die seine Vorfahren bewohnten, 5 sorglos dahin, vertrauend dem festgefügten Boden unter seinen Füßen; die Berge ihre Häupter bis zu den Wolken, und um ihren Fuß strömen im uralten die Flüsse heut, wie in den ältesten Zeiten, von denen die Ueberlieserung spricht. A Unverwüstlichkeit der Erdoberfläche, diese Dauer
der starren Form gegenüber dem raschen Wechsel
der organischen, ist nur ein trügerischer Schein,
durch die Kurzlebigkeit des Men⸗
weiß, die in so schreckens⸗ Auf der Scholle, lebt der Mensch
wetterbeständig erheben Becken Aber diese
Alles ist in unaufhörlicher Veränderung welchem Jahr⸗ tausende wie eine Minute sind, ändert sich un⸗ unterbrochen das Antlitz der Erde wie des Himmels. Der Blick des Menschen aber ist durch die Wissenschaft erweitert worden, weit über die Grenzen der geschriebenen Geschichte hinaus, und so ergab sich, daß das Theater, auf dem das große Drama der Menschheit sich abspielt, im Verhältnis kaum dauerhafter sein mag, als die Bretter, auf denen der Mime den müßigen Zuschauer eine Weile unterhält. Während der langen Vergangenheit unserer Erde hat ihre Oberfläche die gewaltigsten Umwandlungen er⸗ litten; wo heute Meere sich ausdehnen, waren voreinst Festländer, und wo zackige Alpengipfel schneebedeckt in die Lüfte ragen, erstreckte sich in altersgrauer Zeit festes Land, von. Flüssen bewässert und bewohnt von Tieren, die längst ausgestorben sind. Keine Scholle auf der ge⸗ samten Erdoberfläche ist zu finden, die nicht an solchen Umwälzungen teilgenommen hätte, wenngleich die Becken der heutigen Weltmeere wahrscheinlich bis zu sehr frühen Zeiten unseres Planeten hinaufreichen. In einem gewissen Stadium der geologischen Wissenschaft herrschte die Annahme vor, das alle zahllosen Verände⸗ rungen, welche die Erdoberfläche erlebte, ver⸗ hältnismäßig langsam und relativ harmlos sich vollzogen hätten; heute aber ist unzweifelhhaft, daß die Vergangenheit der Erde gewaltige Kata⸗ strophen aufzuweisen hat, Umwälzungen von so fürchterlicher Großartigkeit, daß Alles von ähn⸗ licher Art, was in geschichtlicher Zeit eingetreten ist, daneben sehr unbedeutend bleibt.
Wir dürfen mit Fug und Recht behaupten, daß seit Anbeginn die Erdoberfläche von Außen, aus dem Weltraum, und von Innen, aus den geheimnisvollen Tiefen unseres Planeten, die großartigsten Angriffe erduldet hat. Vor Allem vom Innern aus, durch die feurigen Gewalten, die dort ihren unnahbaren Sitz haben. Sie sind die Reste der ursprünglichen Glut, welche die Materie des Erdkörpers besaß, nachdem sie sich aus dem Nebelballe des heutigen Sonnen⸗ systems in eine besondere Kugel abgetrennt hatte. Aus diesem feuerflüssigen Urzustande
und ihm Haus und Feld in Zins gegeben. Nun aber muß er ausziehen, da du wiederkommen
hat im Kriege nichts Gutes gelernt. Er hat ) Süddeulsches Feldmaß; 1 Juchart= 34 Ar.
hat sich die Erde bis zu den gegenwärtigen
Verhältnissen entwickelt, d. h. der glühend.
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