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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 36.
Uellershausen, Uetzhausen, Unter⸗Schwarz mit Rechberg,
Unter⸗Wegfurth, Willofs.
Zehnter Wahlbezirk(Herbstein⸗Ulrich⸗ stei u).
Altenschlirf, Bannerod, Bermuthshain, Crainfeld, Dirlammen. Eichelhain, Eichenrod, Engelrod, Fleschen⸗ bach, Freiensteinau, Grebenhain, Gunzenau, Heisters, Herbstein, Hörgenau, Holzmühl, Hopfmannsfeld, Ilbes⸗ hausen, Lanzenhain, Metzlos, Metzlos⸗Gehaag, Nieder⸗ und Ober⸗Moos, Nösber!s, Radmühl, Reichlos, Rixfeld, Rudlos, Salz⸗Schadges, Schlechtenwegen, Steinfurth, Stockhausen, Vaitshain, Waidmoos, Wünschenmoos, Zahmen, Altenhain, Bobenhausen, Feldkrüken, Höckers⸗ dorf, Kölzenhain, Ober ⸗Seibertenrod, Peters hainerhof, Rebgeshain, Schmitten, Sellnrod, Ulrichstein, Wohnfeld. Elfter Wahlbezirk(Laubach- Schotter).
Freiensee, Gonterskirchen, Klein⸗Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg, Stockhäuserhof, Wetterfeld, Betzenrod, Breungeshain, Burkhards, Busenborn, Eichel⸗ sachsen, Einertshausen, Eschenrod, Götzen, Hartmanns⸗ hain, Herchenhain, Kaulstoß, Michelbach, Rainrod, Rüdingshain, Schotten, Sichenhausen, Stornfels, Ulfa, Wingershausen, Gedern mit Schönhausen, Merken⸗ fritz, Mittel⸗, Nieder⸗ und Ober⸗Seemen mit Altenfeld, Volkartshain, Wenings, Wernings, Eichelsdorf.
Wo in allen diesen Orten Genossen vor⸗ handen sind, wollen sie sich nach geeigneten Wahlmänner⸗Kandidaten umschauen und uns womöglich Mitteilung machen.
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Die Wahlbewegung hat bereits begonnen. Der Antisemit Hirschel in Offenbach will den Kreis Grünberg für sich erobern, um den sich noch der Kaufmann Moll in Grün⸗ berg von Seiten der Liberalen bewirbt. Der bisherige nationalliberale Abgeorduete Kreisrat Schönfeld kandidiert nicht mehr. Für den Wahlkreis Schotten wird der Bürgermeister und Müller K. Viehl aus Rainrod als Kan⸗ didat genannt.
Gießener Angelegenheiten.
— Sozialdemokratischer Wahl⸗ verein. In der letzten Versammlung, die nur mäßig besucht war, wurde über die Landes⸗ konferenz verhandelt und schließlich Genosse Beckmann als Delegierter gewählt. Die Besprechung der Anträge zum Parteitag wurde auf eine spätere Versammlung, die Mittwoch, den 10. September, im Orbig⸗ schen Lokale stattfinden soll, zurückgestellt und die Versammlung nach Erledigung einiger minder wichtiger Angelegenheiten geschlossen. 5
Zu oben erwähnter Versammlung bitten wir die Genossen, recht zahlreich zu erscheinen. Es haben selbstverständlich auch Genossen Zu⸗ tritt, die dem Wahlverein nicht als Mitglieder angehören. Ueber die zum Parteitag gestellten Anträge wird Genosse Vetters referieren. Deren liegt eine Anzahl vor, die jeden Partei⸗ genossen lebhaft interessteren.
— Opfer der Arbeit. Auf dem Fernie⸗ schen Braunstein⸗Bergwerk ereignete sich am Samstag Vormutag ½11 Uhr ein schwerer Unglücksfall, der den Tod eines Arbeiters zur Folge hatte. Im Tagbau arbeitet der Berg⸗ mann Joh. Schadt aus Steinberg auf der Soole einer zirka 3—4 Meter tiefen Grube, wo er Kalksteine förderte. Plötzlich löste sich eine Masse Gestein von der einen Wand ab und stürzte auf Schadt, der sofort getötet wurde. Kopf und Brust waren ihm zerschmettert. Der Verunglückte ist 35 Jahre alt, verheiratet, doch kinderlos. Ein Junge, der mit Schadt zu— sammen arbeitete, wurde wenige Minuten vorher herausgerufen und entging so dem Tode.— Wir meinen, es müßten doch Un⸗ glücksfälle dieser Art durch geeignete Schutz⸗ maßregeln zu verhüten sein. Besonders bei dem Tagbau kann es keine großen Schwierig⸗ keiten und Kosten verursachen, Sprießen oder Aehnliches anzubringen. Dabei muß allerdings auch gesagt werden, daß in vielen Fällen die Arbeiter selbst nicht das nötige Gewicht auf ihren eigenen Schutz legen und es versäumen, geeignete Schutzvorrichtungen von dem Betriebs⸗ Unternehmer zu verlangen. Die Arbeiter aller Berufe— nicht blos die Bergarbeiter— sollten nach dieser Richtung mehr Aufmerksamkeit als bisher entwickeln, denn der Gewerbeinspektor kann nicht überall sein und muß auf notwendige
Schutzvorrichtungen aufmerksam gemacht werden. Ist erst einer zum Krüppel geworden, oder hat gar sein Leben eingebüßt, dann ist's zu spät. Die Entschädigungen, welche der Verletzte oder die Hinterbliebenen des Getöteten bekommen, sind bekanntlich zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Darum muß jeder verständige Arbeiter bei Zeiten dafür sorgen, daß er nicht zu Schaden kommt!— Hinzufügen wollen wir noch, daß der Lohn der Arbeiter, die im Tag⸗ bau beschäftigt sind, 2,50— 2,60 Mk. täglich beträgt. Und das bei lebensgefährlicher Be⸗ schäftigung.
— Die Fleischnot macht sich natürlich auch in Gießen besonders für die arbeitende Bevölkerung recht unangenehm fühlbar. Merk⸗ würdig ist eigentlich, daß sich in der Oeffentlich⸗ keit nicht mehr Opposition gegen die Lebens⸗ mittelverteuerung bemerkbar macht. Aber ein großer Teil der Arbeiterschaft— das muß leider gesagt werden— ist zu indifferent, zu gleichgiltig, um sich zu energischem Widerstande gegen die schamlose Ausbeutung aufzuraffen. Bei vielen Arbeiterfamtlien steht es übrigens so, daß ihnen die Fleischpreise fast gleichgültig sein können, weil sie doch das ganze Jahr kein Fleisch auf den Tisch bekommen. Zugleich mit den Fleischpreisen steigen ganz notwendigerweise die Preise für andere Lebensmittel. Fischwa ren usw. folgen den Fleischpreisen in einem gewissen Verhältnis. Seit etwa 5—6 Jahren sind z. B. die Preise für Eier um ein Drittel gestiegen, ähnlich steht es mit anderen Lebensmitteln. Sinkende Löhne verschärfen die Notlage in den Arbeiterkreisen, wo man thatsächlich schon längst von einer Unterernährung sprechen kann.— Es wäre recht gut, wenn sich mal mehrere Ge⸗ nossen, die Familie haben, eine genaue Auf⸗ zeichnung über ihre Ausgaben für Lebens⸗ unterhalt machen wollten, das gäbe sehr schätz⸗ bares Material. Vor allem aber muß sich Jeder zu Gemüte führen, wohin die verrückte Zollpolitik führt und bei den Wahlen den Wucherparteien den Laufpaß geben.
— Patriotisches. Was der geduldige Leser der Kreis- und sonstigen Ordnungsblätter über sich ergehen lassen muß, ist schon nicht mehr schön. Tagtäglich geht es seitenlang von Kaiserreisen, Paraden, Festessen und Trink⸗ sprüchen, zu welch' letzteren natürlich auch die „al lerunterthänigsten“ Antworten gehoren. Was da an knechtseliger Monarchenverhimmlung geleistet wird, muß jeden anwidern, der sich noch einenen Funken Menschenwürde bewahrt hat. Daß die riesigen Kosten der Paraden usw. hauptsächlich vom arbeitenden Volke, dem man noch die Lebensmittel in unerhörter Weise ver⸗ teuert, aufgebracht werden müssen, daran scheinen die Patriotenblätter nicht zu denken. Desto mehr soll es der Arbeiter!
Aus dem Nreise Kriedberg⸗-Büdingen.
s. Zur Kreiskonferenz, die am Sonntag im schön geschmückten Saale der„Stadt New⸗York“ in Friedberg stattfand, hatten sich 32 Delegierte aus 22 Orten zusammengefunden. Nach dem Rechenschafts⸗ bericht des Kreisvertrauensmannes Genossen Busold hatte dieser außerhalb Friedbergs 25 Versammlungen abgehalten; außerdem waren durch Genossen Repp und andere auswärtige Redner noch über 10 Versammlungen abgehalten worden. Der Hessische Landbote wurde im Kreise in 16 000 Exemplaren verteilt. An diese Kalender⸗ verbreitung schlossen sich dann die bekannten Prozesse, von denen der eine beim Oberlandesgericht schwebt. Bei den Gemeinderatswahlen wurden 10 Sitze gewonnen. Die Zahl der zahlenden Mitglieder hat sich in 14 Orten von 500 auf 600 erhöht. Der Kassenbericht weist in der allgemeinen Kasse eine Einnahme von 1141,60 Mk. und eine Ausgabe von 683 Mk auf; die Kolportage⸗ kasse verzeichnete eine Einnahme von 760,99 Mk. und eine Ausgabe von 744,39 Mk. Mehrfach wurde geklagt, den erhöhten Beitrag nicht zahlen zu können. Der bis⸗ herige Kreisvorstand wird wiedergewählt. Mit der De⸗ legation auf den Münchener Parteitag wird Busold⸗ Friedberg betraut. Beim Punkt„Landeskonferenz“ wünscht Busold auch eine Berichterstattung über die parlamentarische Thätigkeit. Einige dahingehende An⸗ träge finden Annahme. Ueber Reichstagswahl referiert Genosse Repp, der eine Bezirkseinteilung des Kreises vorschlägt, um die Agitation wirksam betreiben zu können. Tüchtige Parteigenossen sollen als Bezirks⸗ leiter fungieren.
Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten schloß die Konferenz mit einem Hoch auf die Sozial⸗ demokratie.
Aus dem Rreise Wetzlar.
ck. Zur Lassalle⸗Feier hatten sich am Sonntag zahlreiche Genossen aus dem Kreise Wetzlar und aus Gießen, Heuchelheim und Lo eingefunden. Die Erschienenen fanden kaum alle Platz. Nachdem der Gesangverein „Eintracht“⸗Gießen ein Lied vorgetragen, schil⸗ derte Gen. Vetters die Bedeutung unseres vor 28 Jahren dahingegangenen Vorkämpfers für die Arbeiterklasse. Dabei kam er auf die Entwickelung zu sprechen, die unsere Bewegung seit dieser Zeit genommen hat, und zeigte, wie trotz aller Hindernisse und Verfolgungen, sie einen gewaltigen Aufschwung nahm, sodaß heute in Deutschland unsere Partei als die stärkste dasteht und die sozialistische Bewegung in der ganzen Welt unüberwindlich geworden ist. Redner gab dann eine kurze Schilderung des Lebensganges Lassalles und seines tragischen Endes. Schließlich forderte er die Versammelten auf, das Andenken des großen Vorkämpfers und unserer übrigen toten Führer dadurch zu ehren, daß sie Alles aufbieten, um anserer Sache zum Siege zu verhelfen zum Wohle des gesamten Volkes! Die Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen.— Lieder⸗ vorträge der„Eintracht“, gemeinschaftliche Ge⸗ sänge, Deklamationen folgten im weiteren Ver⸗ laufe der Feier, die damit in würdiger Weise ihren Abschluß fand.
h. Zur nächsten Reichstagswahl. Die Antisemitenpartei derjenigen Richtung, die sich als„deutsch⸗soziale Reformpartei“ bezeichnet, scheint sich große Hoffnungen auf unsern Wahl⸗ kreis zu machen. Nach der„Berliner⸗Staats⸗ bürgerztg.“ hätten die„Christlich⸗Sozialen“ auf die Aufstellung einer eigenen Kandidatur ver⸗ zichtet und wollten für den Antisemiten eintreten. Dafür sollen im Nachbarkeise Siegen⸗Biedenkopf die„Reformer“ vom Zimmermann'schen Schlage Stöckern unterstützen, was sie ja 1898 schon gethan haben. Daß der cristlich⸗soziale Dr. Burkhardt das Feld geräumt hat, wundert uns eigentlich, denn er betrachtete sich gewisser⸗ maßen schon als Abgeordneter von Wetzlar. Uebrigens werden wohl die Antisemiten auch mit der Unterstützung der Stöcker'schen nicht viel weiter kommen als das letzte Mal, wo Herr Zimmermann aus Dresden schmählich durchplumpste.
Aus dem Nreise Marburg⸗-Rirchhain.
St. Die Lassallefeier am letzten Sonn⸗ tag abend, welche im Jesberg'schen Lokale abgehalten wurde, war gut besucht, insbesondere waren auch die Frauen stark vertreten. Den gesanglichen Teil hatte in freundlicher Weise unser Arbeiter⸗Gesangverein„Eintracht“ über⸗ nommen, welcher die Feier mit einem stimmungs⸗ voll vorgetragenen Liede eröffnete. In Ver⸗ tretung unseres sehr ungern vermißten Gen. Krumm ⸗Gießen, der anderweitig in Anspruch genommen war, hielt Genosse Stadtverordneter Orbig⸗Gießen die Festrede, die sehr beifällig aufgenommen wurde. Ein weiterer Liedervor⸗ trag der Sängerschar beschloß den offtziellen Teil der Feier, worauf die Anwesenden noch ein Stündchen in gemütlicher Unterhaltung verweilten.
— Besitzwechsel. Der langjährige Eigentümer der Herberge der freien Gewerk⸗ schaften,„Zur Stadt Braunschweig“, der„Vater“ Konrad Müller, Hirschberg 12, hier, eine weit über die Grenzen Deutschlands hinaus (speziell unter den Buchdruckern) bekannte Persönlichkeit, hat sein Besitztum an den seit vielen Jahren im Hotel„Freidhof“ dahier thätigen Oberkellner Wiegand verkauft. Hoffent⸗ lich erleidet durch diesen Wechsel unser Herbergs⸗ wesen keine Veränderung, wenn auch den vielen alten Bekannten und Stammgästen und be⸗ sonders den„Kunden“, der Abschied vom „Vater Müller“ schwer fallen wird.
— Arbeiter- Bildungsverein„Ein⸗ tracht“. Am Sonntag den 7. Sept. vor⸗ mittags 11 Uhr, findet bei Jesberg eine
Diese Vorschläge finden Annahme. Zusammenkunft der Mitglieder des seit längerer


