Ausgabe 
7.9.1902
 
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8 Nr. 36.

Mitteldeutsche ountaas⸗Zeitung.

Seite 3.

vereins Melsungen Berufung gegen diese Auf- forderung an die Generalversammlung des Kriegervereins ein. Am 23. August fand die außerordentliche General versammlung des streit⸗ baren Kriegervereins statt. Das Resultat der Versammlung war, daß das beschwerdeführende Mitglied mit 43 von 72 abgegebenen Stimmen ausgeschlossen wurde. Als charakteristisch wollen wir noch erwähnen, daß einer der Vorstands⸗ mitglieder des Kriegervereins selbst Mitglied eines Konsumvereins ist, und zwar des Be⸗ amten⸗Konsumvereins in Kassel. Daß sich die Kriegervereinsmitglieder solchen Terroris⸗ mus gefallen lassen, ist das Wunderbare.

Von der Zentrums parade.

Bei dem Demonstrationsparteitag des Zent rums, den die FührerKatholikentag nennen, ist es am Schlusse zu Differenzen gekommen, trotz der lebhaften Bemühung der Führer, das Zentrum nach außen hin als eine innerlich völlig einige und geschlossene Masse erscheinen zu lassen. Ueber den Zollwucher kam's zum Krach. Bei einer Resolution zur Arbeits⸗ losigkeit wollte der Ueberagrarier Dr. Heim noch einen Zusatz anflicken, der eine Kundgebung für dietraurige Lage der Landwirtschaft dar⸗ stellt. Dagegen muckten selbst so zentrums⸗ fromme Arbeiterführer wie Gisberts und Brust auf. Dabei kamen einige Koulissen⸗ vorgänge zur Sprache. In dem vorbereitenden Ausschuß war gesagt worden: Die Arbeiter fahren, wenn sie Geld verdienen, in Droschken. Darauf bemerkte Gisberts: Die Maurergesellen sind ebenso berechtigt, für ihr Geld Droschke zu fahren, wie die Sekt trinkenden Agrarier.(Vereinzeltes Bravo!) Es war ferner im Ausschuß gesagt worden: der Arbeiter hat kein Recht auf Arbeit. Gisberts fragte: soll der Arbeiter blos die Pflicht zur Arbeit haben und wenn er keine Arbeit hat, das Recht zu verhungern? Ich bedauere die erwähnten Aeußerungen, die ich als Arbeiter nicht unwidersprochen lassen kann. Der Vor⸗ sitzende des christlichen Bergarbeiterverbandes, August Brust, Altenessen, schloß sich den Aus⸗ führungen Gisberts vollständig an und ersuchte, den Zusatzantrag des Dr. Heim, schon der Form wegen, abzulehnen. Der Zusatzantrag passe jedenfalls nicht zum Thema der Arbeitslosigkeit. Wenn die Vandwirtschaft den Arbeitermangel bekämpfen wolle, dann thue ste am besten, daß sie ihre Arbeiter auskömmlich bezahle. Hier schnitt aber der Vorsitzende schleunigst die weitere Erörterung mit der Bemerkung ab, daß dies derGeschäftsordnung widerspreche. Der agrarische Zusatzantrag Heim's gelangte zur Annahme. Sonntag(31.) fand in derselben Festhalle, wo der Katholikentag abgehalten wurde, eine große, von 3000 Personen besuchte Versammlung statt, in der Abg. Ehrhardt⸗ Ludwigshafen die Bauernfänger⸗Politik des Zentrums treffend beleuchtete. Eine Resolution, die gegen die Heuchelei und die wirtschafts⸗ politisch und geistig reaktionären Bestrebungen des Zentrums protestiert, fand einstimmige Annahme. Ferner wird Genosse Bebel nach dem Parteitage nach Bamberg kommen und dort auf die von dem Zentrumsheiligen Schädler vorgebrachten Unwahrheiten antworten. Hoffentlich läßt sich der Herr Domkapitular die Gelegenheit nicht entgehen, dort in seiner Heimat Bebeln entgegenzutreten.

Praktisches Christentum.

Abermals ist in einer oberfränkischen Land⸗ emeinde ein Armenhausinsasse ver⸗ ungert. Noch ist kaum ein Vierteljahr ver⸗ ossen, daß vom Landgericht Amberg der katho⸗

lische Pfarrer Bergler zu einer Woche und der frühere Zentrumsabgeordnete Bürgermeister Lautenschlager zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil ste durch gröbliche Unterlassung ihrer Amtspflichten als Vorstände der Armenpflege der oberpfälzischen Gemeinde Neukirchen den Kungertod des Armenhäuslers Mathias Graf verschuldet haben.

In Niedermirsfeld wurde am Sonnta die Armenhäuslerin Anna Kath. Geck, etwa 7 Jahre alt, tot in ihrem Bette aufgefunden.

Der Bezirksarzt aus Forchheim konstatierte, daß der Tod infolge von Hunger und Ver⸗ wahrlosung eingetreten war. Die Verstor⸗ bene befand sich in einem unbeschreiblichen Zu⸗ stande. Am Gesäße und im Rücken war sie vom Ungeziefer völlig offen. Speise wurde der Verstorbenen seit einigen Tagen nicht mehr gereicht; denn sie erhielt ihre Kost im Turnus von den Gemeindemttgliedern. Diese verkehrten jedoch nicht persönlich mit ihr, sondern das Essen wurde ihr jeweils aufs Fensterbrett gestellt. Der Vorstand des Armen⸗ pflegschaftsrates, der Kaplan in Niedermirs⸗ feld, het sich beim Katholikentag in Mannheim, der Bürgermeister will die Pflege der Kranken der Gemeindedienersfrau übertragen haben, doch diese war auf vier Tage zum Missionsfeste nach Forchheim gegangen und der Gemeindediener hielt es unter seiner Würde, sich nach der Kran ken umzusehen. Christliche Nächstenliebe!

Deutsche Schergendienste für Rußland.

Vor Kurzem ist von Deutschland ein russi⸗ scher Student, Kalajew, an Rußland aus⸗ geliefert worden. Die Regierungsblätter suchen diesen traurigen Schergendienst damit zu beschönigen, daß sie Kalajew als gefährlichen Anarchist hinstellen. Diese Angabe ist unwahr. Kalajew ist nach zuverlässiger Mitteilung unseres Breslauer Parteiblattes kein Anarchist, sondern gehört der russisch⸗polnischen Sozialdemokratie an. Auf alle Fälle ist die Auslieferung des jungen Mannes an die zarischen Henker unge⸗ setzlich und wird hoffentlich im Reichstag zur Sprache gebracht werden.

Glänzenden Sieg der Sozialdemokratie

ergaben die am Sonntag vorgenommenen Neu⸗ wahlen zum Züricher Kantons rate, Kreis Außersihl. Dort waren die vorigen Wahlen, bei denen 27 Sozialdemokraten gewählt worden waren, von dem in der Mehrheit reaktionären Kantonsrat für ungültig erklärt worden. Dies⸗ mal erlitten nun aber die vereinigten bürger⸗ lichen Parteien erst recht eine vernichtende Nieder⸗ lage. Alle 27 Kandidaten unserer Partei wurden mit sehr starken Mehrheiten gewählt. Sie erhielten 502 4 bis 6318 Stimmen, während es die Gegner nur auf 3648 im Höchstfalle brachten. So ist es recht! Das ist die richtige Antwort des Volkes auf den Gewaltstreich des Kantonrates.

Eine Justiztragödie in Frankreich.

Vor dem Kriegsgerichte in Le Mans be⸗ gann am vorigen Freitag ein Prozeß im Wieder⸗ aufnahmeverfahren, der berechtigtes Aufsehen erregt und von bedeutender Tragweite ist. Es handelt sich um einen im Jahre 1892 offenbar unschuldig zum Tode verurteilten Sol⸗ daten namens Voisin. Dessen Verurteilung erfolgte, weil er eine Wirtin, Adam, ermordet haben sollte. Entscheidende Beweise gegen ihn waren nicht vorgebracht worden, im Gegenteil lagen Thatsachen vor, die den Sergeanten Langlotis schwer belasteten. Trotzdem erfolgte die Verurteilung Voisins, besonders auch des⸗ halb, weil seine Mutter und andere Angehörige aus Borniertheit das Zeugnis verweigerten, obwohl sie ihn hätten retten können. Der An⸗ geklagte war nämlich ohne Urlaub zu Hause gewesen. Die Hinrichtung des Verurteilten war schon angesetzt, ja das Exekutionspeloton schon kommandiert, als ein begnadigendes Telegramm aus Paris eintraf. Ein Bankier hatte sich leb⸗ haft um die Begnadigung des Soldaten bei dem Präsidenten bemüht. Die Todesstrafe wurde in Zuchthausstrafe verwandelt: Aber Voisin gab sich damit nicht zufrieden. Er suchte immer wieder um Erneuerung des Verfahrens an. Lange vergeblich. Ein Mensch ist eben in der heutigen Ordnung leichter ins Gefängnis als heraus zu bringen. Im Jahre 1900 soll Langlois gestorben fein und gestanden haben, daß er der Mörder der Wirtin sei. Nun wurde der Unschuldige aus der Strafkolonie wieder nach Frankreich zurücktransportiert und vor ein neues Kriegsgericht gestellt. Dieses hat Voisin mit 3 gegen 2 Stimmen freigesprochen.

Der Vertreter der Anklage plädierte für Schuldig. Langlois sei nicht gestorben, habe auch den Mord nicht eingestanden. Trotzdemzerfolgte Freispruch.

Die italienische Sozlaldemokratie

hält ihren Parteitag amß 7. und 8. September in Imola ab. Die Teilnehmer desselben werden diesmal die in Italien allen größeren Versammlungen und Kongressen gewährte Reise ermäßigung genießen. Der vor acht Jahren in Imola zusammenberufene Parteitag wurde verboten diesmal gewährte das Ministerium die Reiseermäßigung. So ändern sich die Zeiten! Es dürfte in Imola zu stürmischen Ausein⸗ andersetzungen kommen. Die Frage derzwei Tendenzen innerhalb der Partei, die der Re⸗ volutionäre und Reformisten oder der Unver⸗ söhnlichen und Versöhnlichen, wird diskutiert werden und in der Wahl der Parteileitung wie in der der Direktion des Avanti werden sich die numerischen Kräfte beider Richtungen messen.

pon nah und Fern. Hessisches.

Eigenartiger Kirchenpatron. Eine Anzahl Kirchen in Oberhessen und Nassau besitzen in dem vor wenigen Jahren wegen Ehebruchs verurteilten Grafen Friedrich von Alt⸗Leiningen⸗Westerburg einen sehr ehrenwerten Kirchenpatron. Als solcher hat der Herr Graf, der es seinerzeit für geraten fand, sich der Verbüßung der Strafe durch die Flucht zu entziehen und deswegen steckbrieflich verfolgt wurde, das Recht, die in Betracht kommenden freigewordenen Pfarrstellen neu zu besetzen. Konsistorium und Bezirkssynode in Wiesbaden hatten sich nun, als die vonSr. Erlaucht patronisierte Pfarrstelle Schadeck vakant wurde, an den preußischen Kultusminister gewendet mit der Bitte, das Patronat entweder im Wege der Verfügung einem anderen Mit⸗ gliede der gräflichen Familie zu übertragen oder aber im Wege der Gesetzgebung dem sonderbaren Zustand ein Ende zu machen. Vom Kultus⸗ minister ist jetzt nach demFränk. Kur. die Antwort eingegangen, daß Beides nicht angängig sei. Und so werden sich, da die verwaiste Kirchen⸗ gemeinde Schadeck jetzt endlich ihren Seelsorger erhalten soll, die hochehrwürdigen Herren, die sich um die Stelle bewerben, bittstellerisch an den erlauchten Ehebrecher in Wien zu wenden 805 So will es die Ordnung im christlichen Staate.

Zur Landtagswahl.

Wie wir schon früher(in Nr. 28) mitteilten. finden in Oberhessen diesen Herbst außer in den städtischen Wahlkreisen Gießen, Friedberg, Alsfeld, in folgenden län d⸗ lichen Wahlbezirken Neuwahlen statt: Butzbach, Grünberg, Lauterbach, Herbstein⸗Ulrichstein und Laubach-⸗Schotten. Mehrfach an uns gelangten Wünschen entsprechend, führen wir hier die zu den einzelnen Wahlkreisen gehörigen Orte an.

Dritter Wahlbezirk(Butzbach).

Bodenrod, Butzbach, Fauerbach v. d. H., Gambach, Griedel, Hausen, Hochweisel, Kirchgöns, Langenhain mit Ziegenberg, Maibach, Münster, Münzenberg, Niederweisel, Oes, Oppershausen, Ostheim, Pohlgöns, Rockenberg, Trais⸗Münzenberg, Hasselhecke, Nieder- und Obermörlen, Bergheim und Holzheim.

Sechster Wahlbezirk(Grünberg).

Allertshausen, Appenborn, Atzenhain, Beltershain, Climbach, Flensungen, Geilshausen, Göbelnrod, Groß⸗ Eichen, Grünberg, Harbach, Ilsdorf, Kesselbach, Lauter, Lehnheim, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Merlau, Oden⸗ hausen, Queckborn, Reinhardshain, Saasen mit Bolln⸗ bach, Veitsberg und Wirberg, Solms⸗Ilsdorf, Stangen⸗ rod, Stockhausen, Weickartshain, Albach, Allendorf a. d. L., Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Reiskirchen, Stein⸗ bach, Trais a. d. L., Winnerod.

Neunter Wahlbezirk(Lauterbach).

Allmenrod, Angersbach, Blitzenrod, Eisenbach, Frisch⸗ born, Heblos, Landenhausen, Lauterbach, Magr, Reuters, Rinnlos, Sassen, Sickendorf, Wallenrod, Wernges, Bernshausen, Frau⸗Rombach, Hartershausen, Hemm en, Hutzdorf, Niederstoll, Ober-Wegfurth, Pfordt, Queck mit Wehnerts und Sassen, Rimbach, Sandlofs, Schlitz,

Lee